Pharmaziestudium: Lehre gegen die Leere

12. September 2014
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Der Bedarf an Apothekern wird in nächster Zeit steigen. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Während sich Politiker in Zurückhaltung üben, machen Inhaber Nägel mit Köpfen. Sie fordern einen zusätzlichen Pharmaziestudiengang in Brandenburg.

Eine klare Tendenz: Laut Zahlen der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände arbeitet in der Offizin mehr und mehr pharmazeutisches Personal. Der Prozentsatz stieg von 76,5 Prozent (2010) auf 78,0 Prozent (2013). Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Zahl an Approbierten von 48.695 auf 49.288, das sind plus 1,2 Prozent. Zum Vergleich: Studierten in 2010 noch 12.485 Jugendliche Pharmazie, waren es in 2013 bereits 14.183 (plus 13,6 Prozent). Alles eitel Sonnenschein?

Nachfolger händeringend gesucht

Wohl kaum, glaubt man Befragungen des IFH Institut für Handelsforschung. Eine Regelung zur Nachfolge steht für 34 Prozent aller Befragten in maximal fünf Jahren an. Weitere 15 Prozent wollen in spätestens zehn Jahren den weißen Kittel an den Nagel hängen. Und 58 Prozent haben schon jetzt Probleme, einen Nachfolger zu finden. Derzeit planen besonders viele Apothekenleiter ihren Ruhestand. Außerdem entscheiden sich junge Kolleginnen und Kollegen häufiger für Teilzeitstellen. Bleibt als einzige Stellschraube, mehr Studienplätze anzubieten.

Wenn Apotheker fragen

Ein Blick nach Brandenburg. „Hier in der Region haben wir massive Probleme, Personal zu finden“, sagt Kammerpräsident Jens Dobbert. Grund genug, vor der Landtagswahl alle Parteien nach ihrer Position zu befragen. „In die Diskussion um einen Apothekenbus habe ich mich vor einigen Wochen mit einem Statement für den Erhalt der Apotheken eingebracht“, antwortete Professor Dr. Michael Schierack von der CDU. „Die Ausbildung im eigenen Bundesland birgt eine größere Chance, dass Absolventen nach dem Studium in Brandenburg bleiben.“ Die Linke und die FDP äußerten sich ähnlich. Klaus Ness von der SPD ist weniger begeistert. „Alle anderen ostdeutschen Bundesländer sowie Berlin verfügen über einen Studiengang Pharmazie an einer ihrer Hochschulen“, stellte er in seinem Brief klar. Von diesem Angebot würde Brandenburg in hohem Maße profitieren. Ähnlich argumentieren die Grünen. „Auch wenn Brandenburg das einzige neue Bundesland ist, indem sich keine eigene Ausbildungseinrichtung für Apotheker befindet, hat die Frage nach der Einrichtung eines eigenen Studiengangs für Pharmazie an der Universität Potsdam (…) keine Priorität.“ Bleibt als weiteres Problem, dass der Universität Potsdam finanzielle Ressourcen fehlen, um einen Pharmaziestudiengang zu etablieren. Jetzt warten Apotheker gespannt auf die Wahl.

8 Wertungen (4.38 ø)

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7 Kommentare:

Apothekenfreak
Apothekenfreak

@PTA
bin selber auch PTA und kann nur meine Zustimmung geben!

#7 |
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PTA
PTA

Hallo Scotty, erstmal möchte ich #5 Recht geben, auch in meiner langjährigen Berufserfahrung habe ich wahrhaftig genügend Apotheker kennen gelernt, denen man weder die Ausbildung noch die Beschäftigung / Betreuung von lebenden, menschlichen Personen anvertrauen möchte.
Ganz sicher hat Frau Merkel ihre Fehler, aber sie für die menschliche (!!) Schlechtigkeit eines ganzen Berufsstandes verantwortlich zu machen, halte ich doch für übertrieben…..
Ich bin mit meiner Meinung nicht alleine, immer mehr PTAs verlassen ihren erlernten Beruf oder schreiben sich in die Gewerkschaft ein, einfach weil sie Angst haben, dass ihr Chef/ ihre Chefin ihnen auf unrechte Weise ans Leder will.
Ein Großteil der sog. “Approbierten” fühlt sich unheimlich erlaucht und lässt dass die Angestellten spüren (wörtliches Zitat meiner Ausbildungschefin: Sie sind nur mein Bediensteter, eine bessere Putzfrau).
Und ja, Nr.6 hat recht: Unsere eigentliche Kernkompetenz wurde uns geraubt, nämlich die Rezepturherstellung, von denen Apotheker in den meisten Fällen, so gut wie keine Ahnung haben, einfach weil sie sich nicht damit beschäftigen können oder wollen.
Und so jemand soll eine Plausibilität machen, mit Haltbarkeit usw?
(Bestes Beispiel: Frisch hergestellte Ung. emul, aq, bekam vom Apotheker DREI Monate Haltbarkeit!!!!).
Nein, der Beruf ist nicht mehr das, was er einst war.
Unsere Fachkompetenz beraubt und von der Politik auf den besseren Rang eines Domestiken herunter geschraubt, sind wir mit zerschmetterten Knochen auf dem Boden der Tatsachen angelangt.
Und somit warne ich jeden einzelnen eindringlich, der PTA werden möchte.
Es lohnt sich nicht mehr, aus diversen Gründen (Arbeitszeiten, Behandlung vom Chef, Bezahlung, Kompetenzentzug, Belustigung bösartiger Senioren usw…) diesen Beruf zu ergreifen.
Macht lieber Abitur und werdet selbst Apotheker oder etwas anderes.
Alles ist besser als die öffentliche Apotheke.

#6 |
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Scotty
Scotty

Liebe PTA, es gibt in jedem Beruf Menschen “zweifelhafter psychischer Gesundheit”,
mein Eindruck ist,
auch unsre Angela Merkel steht unter Druck “von oben”, da sie nun im Namen des Deutschen Volkes auch noch Waffen zum Totschießen verschenkt.
In meinem Namen macht sie das sicher nicht,
ich rufe daher wie Sie, liebe PTA alle auf,
Sie abzuwählen, dann hört auch der Druck “von oben” auf

#5 |
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Gast
Gast

Als PTA kann ich nur empfehlen: Hände weg von diesem Beruf!
Die neue ApoBetriebsordnung hat uns aller Kompetenzen beraubt (Rezeptur!) und wir werden, mehr noch als früher, als billiger Handlanger des Apothekers dargestellt und werden auch so behandelt (und bezahlt!).
Finger weg von der Apotheke und der Ausbildung!
Lieber etwas ordentliches lernen und sich nicht von irgendwelchen merkwürdigen Approbierten mit zweifelhafter psychischer Gesundheit quälen und unterdrücken lassen…..
PTA mit langer Berufserfahrung

#4 |
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Gast
Gast

@PTA Beate Sexauer, Sie meinen, vielleicht besser einen typischen Männerberuf,
vielleicht Tiefbau?
oder Müllabfuhr, da trifft man immer Menschen

#3 |
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Apothekerin

Auch PTAs sind Mangelware, diese werden jedoch selten erwähnt. Auch hier brauchen wir dringend Nachwuchswerbung

#2 |
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Imke Teuffel
Imke Teuffel

Die Frage wäre eventuell doch, wie kann ich die Selbständigkeit in der Apotheke attraktiver machen?

#1 |
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