Adipositas: Körpereigene Fatburner aktiviert

3. September 2014
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Wissenschaftler haben erstmals humane Fettzellen dazu gebracht, Energie zu verbrennen statt zu speichern. Durch gezielte Zugabe von MikroRNAs wurden energiespeichernde, weiße Fettzellen angeregt, sich in energieverbrennende, braune Fettzellen zu verwandeln.

Das Forscherteam für „RNA-Biologie“ der TU Graz rund um Marcel Scheideler vom Institut für Molekulare Biotechnologie hat mit MikroRNAs, einer neuen Klasse molekularer Schalter, weiße Fettzellen in das braune „Schlankmacherfett“ umgepolt. „Je mehr braune Fettzellen ein erwachsener Mensch hat, desto besser kann er einer Gewichtszunahme und damit Übergewicht und Fettleibigkeit widerstehen, denn: Im Gegensatz zu weißen Fettzellen sind in braunen Fettzellen mehr Mitochondrien vorhanden. Diese ‚Zellkraftwerke‘ können zu massiver Energieverbrennung durch Wärmeabgabe angeregt werden“, erklärt Marcel Scheideler.

„Fatburner“-Schlüssel

Konkret haben die Forscher ein humanes Zellmodell für ihre Experimente herangezogen und sich im menschlichen Erbgut auf die Untersuchung von MikroRNAs fokussiert – kleinen RNA-Schnipseln, die bis vor Kurzem noch als „genetischer Schrott“ bezeichnet wurden. Dabei entdeckte das Team MikroRNAs mit besonderer Rolle in der Fettzellentwicklung: die „MikroRNA-26-Familie“. Marcel Scheideler dazu: „Diese spezielle MikroRNA-Familie regt die Bildung des Proteins UCP1 an, das eine Art Kurzschluss in den Mitochondrien erzeugt und somit als Schalter für die Energieverbrennung in den Fettzellen fungiert. Dadurch wird eine gesteigerte Energieverbrennung erst möglich.“ Die MikroRNA-26-Familie ist also in der Lage, die Fettzelle von der Energiespeicherung auf die Energieverbrennung umzupolen.

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„Schlankmacherfett“: Braune Fettzellen, hier fluoreszierend, geben verstärkt Energie in Form von Wärme ab. © TU Graz

Was noch fehlt, ist ein geeignetes Transportmittel zu den Fettdepots im menschlichen Körper – doch auch hier haben die Forscher bereits eine auf Nanopartikel basierende Lösung.

Originalpublikation:

MicroRNA-26 Family Is Required for Human Adipogenesis and Drives Characteristics of Brown Adipocytes
Michael Karbiener et al.; Stem Cells, doi: 10.1002/stem.1603; 2014

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8 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Fazit:
Für “Gesundheit” ist nach dem Gesagten also NICHT das absolute Körpergewicht wichtig (BMI),
sondern “die Zusammensetzung” des Körpers. Die Klischko-Brüder haben bei einem Fettgehalt von unter 5% einen BMI von ca. 39. mit einem GU von über 3000 Kal (hab ich jetzt nicht ausgerechnet).
Leistungssport hat allerdings nicht unbedingt den besten Ruf aus reinen Gesundheitsaspekten (langes Leben).
Auffällig und wirklich eindrucksvoll ist bei erfolgreicher Gewichtsreduktion,
z.B. das spurlose Verschwinden von Diabetes (Typ 2) und Hypertonie.

#8 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@HP Dorothee Gutschmidt Muskel haben es wirklich “in sich”. Grundumsatz (GU) ist durchaus etwas durch Training beeinflussbar, auf Belastung, bes. Ausdauertraining mit erhöhtem Arbeitsumsatz (und Temperatur), folgt die Ruhe und Erholungsphase, also der eigentliche Grundumsatz, per definitione, und der ist tatsächlich NIEDRIGER, auch messbar an niedrigerer Körpertemperatur, als bei Untrainierten. Das ist kein Widerspruch. Ähnlich ist es beim Kreislauf mit dem niedrigeren Ruhepuls.
Da es keine Eiweißspeicher gibt und der Körper einen PERMANENTEN Eiweißbedarf hat (Eiweißminimum) führen “Radikaldiäten” auch zum gesundheitsschädlichen Eiweißabbau, das ist nach dem Gesagten Abbau von KÖRPERZELLEN. Akut sind das die Stoffwechselaktivsten im Gastrointestinaltrakt und in der Leber, danach kommt erst die Muskulatur, wobei auch das Herz nicht ausgeschlossen ist (Todesfälle)!
Und jetzt kommt der “jo-jo”-Effekt:
durch den Zellabbau SINKT unweigerlich der Grundumsatz,
ich hatte schon eine Patientin mit einem GU von 800 Kcal./Tag, das passt auf einen kleinen Teller. Wenn die dann wieder “normal” essen, wird unweigerlich wieder Fett gespeichert, Muskulatur wächst NIEMALS von selbst, oder durch Nahrung, sondern nur nach Muskelbelastung.
Eine kalorienreduzierte Kost zum Abnehmen muss also, um diese Gesundheitsrisiko (Zellabbau) und einen folgenden “jo-jo”-Effekt zu vermeiden, einen Eiweißüberschuss haben. Ein bischen Muskeltrainig dabei wäre besonders hilfreich.
Krafttraining (=viele aktive Zellen) wird “medizinisch” für den Stoffwechsel immer noch unterbewertet.
Eiweiß hat den zusätzlichen sehr wichtigen Vorteil, dass es den höchsten Sättigungseffekt vermittelt. Ein Übergang in “normale” Alltagsernährung,
das wichtigste Ziel,
fällt hier am leichtesten.
Wenn ich den Grundumsatz mit Harris-Benedict berechne, wird die Diät (z.B. -10%) weniger streng und schrittweise angepasst, bis man wieder bei 100% landet und bei Aktivität auch mehr.
Aponektin-Erniedrigung ist nur die FOLGE der prall gefüllten Fettzellen.
Er steigt automatisch, wenn sie sich entleeren.
An Kalorienreduktion führt also kein Weg vorbei, man muss sie nur klug und subjektiv akzeptabel gastalten, mehr als 500g/ Woche sind schon zu viel.
Finger weg von den “Pulvern”.

#7 |
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Diätassistent

Sehr geehrter Herr Arzt #4, natürlich bleibt es dem seriösen Doktor überlassen alle Kommastellen zu berücksichtigen. Das ist und bleibt Theorie und ist letztlich unerheblich, auch weil mir der Patient abends Z.B. nicht sagen kann welche Limo, ob mit Süßstoff oder Fruktose er tagsüber getrunken hat. Es geht um eine Lebensstiländerung und somit auch um einen bewussteren Umgang mit Nahrung und da spielen verschiedene Rechenwege keine große Rolle.

#6 |
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Heilpraktikerin

an Dr.Bayerl:
Sie schreiben:
“Ein trainierter Sportler hat in Ruhe sogar einen niedrigeren Grundumsatz (pro Zelle) als ein Untrainierter. Das ist gesund.
“Pro Zelle” betrifft mengenmäßig besonders die Muskulatur. Viel Muskulatur bedeutet also auch höherer Grundumsatz.”

Sportler haben eigentlich mehr Muskelmasse als Untrainierte…
irgendwie hört sich die zitierte Aussage paradox an, oder?

Bei Hypothyreose IST der Grundumsatz erniedrigt, das entspricht der Natur dieser Erkrankung.
Und bei falschen Hungerdiäten auch, und dann speichert der Organismus noch mehr Fett, weil er auf Hungersnotmodus umstellt( wie bei anderen Säugern im Winterschlaf).
Ich möchte zu dieser interessanten Forschungsarbeit ergänzen und fragen:
Wie korreliert hier der Adeponektinspiegel. Wird Adeponektin eventuell vermehrt von braunen Fettzellen sezerniert und haben darum Normalgewichtige einen höheren Adeponektinspiegel?

#5 |
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Arzt
Arzt

Verehrter @Gerhard Wilhelm, wo haben Sie den Unsinn gelernt,
oder ist das Ihre ganz persönliche Theorie?
Was denken Sie, wieviel Mediziner sich schon mit Grundumsatzmessung beschäftigt haben? Das begann schon im 18. Jahrhundert!
Ich schätze, Sie haben das noch nie in ihrem Leben gemessen. Es gibt da auch eine Formel, wenn man nicht messen kann, die ist verdammt genau:
Harris-Benedict (1918):
für Männer 66.5+13.7 (Gewicht in Kg)+5.0 (Größe in cm)- 6.75 (Alter in Jahren)
für Frauen 655+9.56 (Gewicht in Kg)+1.85 (Größe in cm) – 4.68 (Alter in Jahren)

seriöse Doktors machen damit individuelle Diätpläne zum Abnehmen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Grundumsatz

Freundliche Grüße

Gruß

#4 |
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Diätassistent

Fett erhöht nicht den Grundumsatz, bei übergewichtigen wird das theoretische Normalgewicht (Größe und Alter) als Grundumsatz angenommen.

#3 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Noch einmal zum Mitschreiben für Abnahmeinteressierte.
Der Stoffwechsel setzt sich zusammen aus Grundumsatz (Ruhe) und Arbeitsumsatz (Bewegung), wobei der Grundumsatz normalerweise ganz im Vordergrund steht, es nimmt ja nicht jeder an der Tour de France teil und ein bischen “Joggen” verbraucht verdammt wenig Kalorien, das wird immer überschätzt, so wertvoll das sonst für Stoffwechsel und Kreislauf sein mag.
Der ÜBERGEWICHTIGE hat keinen erniedrigten Grundumsatz, sondern einen erhöhten und das BELASTET den Stoffwechsel. Daran ändern auch extreme Ausnahmen wie Hypothyreose etc. nichts.
Der Versuch NICHT die Kalorierenzufuhr einzuschränken (insbesondere KH, Zucker) sondern “die Verbrennung” noch weiter anzuheizen ist GESUNDHEITSSCHÄDLICH.
Beispiel Schilddrüsenhormone, Hyperthyreose, alles schon versucht.
Ein trainierter Sportler hat in Ruhe sogar einen niedrigeren Grundumsatz (pro Zelle) als ein Untrainierter. Das ist gesund.
“Pro Zelle” betrifft mengenmäßig besonders die Muskulatur. Viel Muskulatur bedeutet also auch höherer Grundumsatz.

#2 |
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Gast
Gast

Wieder dieser unseriöse Superblödsinn!
Seriös ist ausschließlich WENIGER essen,
nicht mehr essen.

#1 |
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