Schlaf im Stresstest

3. September 2014
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Traumatische Lebensereignisse, Dauerbelastungen, Stress: All das kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einer Insomnie zu erkranken. Doch Menschen gehen unterschiedlich mit Stress um, was offenbar auch ihr Risiko beeinflusst, chronische Schlafstörungen zu entwickeln.

Wer viel Stress oder anhaltende Belastungen erlebt, schläft schlechter und leidet häufiger unter Schlaflosigkeit. Das hat eine ganze Reihe von Studien gezeigt. Doch ist Stress wirklich gleich Stress? Und vor allem: Kommt es nicht darauf an, wie jemand mit einer Belastung umgeht?

„Bisher haben nur wenige Studien untersucht, wie sich Stress auf die Entstehung einer Insomnie auswirkt“, sagt Vivek Pillai vom Zentrum für Schlafstörungen und Schlafforschung am Henry-Ford-Krankenhaus in Detroit (USA). „Vor allem aber wissen wir wenig darüber, wie sich die Stärke und die Dauer des Stresses, aber auch der individuelle Umgang mit Stress auf das Risiko einer Insomnie auswirkt.“ Unter Insomnie versteht man Ein- und Durchschlafstörungen an mindestens drei Tagen in der Woche, die zu Müdigkeit und Beeinträchtigungen am Tag führen und die mindestens einen Monat lang anhalten.

Studie mit guten Schläfern

In einer aktuellen Studie untersuchten Pillai und sein Team nun erstmals den Einfluss genau dieser Faktoren auf die Schlafqualität. Dazu analysierten sie die Daten von 2.892 guten Schläfern, die nie im Leben unter Insomnie gelitten hatten.

Zum ersten Untersuchungszeitpunkt berichteten die Probanden per Fragebogen, wie viele stressige Ereignisse sie im letzten Jahr erlebt hatten, wie belastend diese gewesen waren und wie lange der Stress angehalten hatte. Zu den Belastungen zählten zum Beispiel schwere Erkrankungen, Scheidungen, finanzielle Probleme oder der Tod eines nahen Angehörigen. Weiterhin gaben die Probanden Auskunft über sich aufdrängende, unwillkürliche Gedanken (Intrusionen) in Zusammenhang mit dem Stress sowie über ihre Strategien zur Bewältigung der Belastungen (Coping). Ein Jahr später wurde erfasst, wie viele Teilnehmer eine Insomnie entwickelt hatten.

Ungünstig für ruhigen Schlaf: Alkohol und Ablenkung

Nach Ablauf eines Jahres erfüllten 9,1 Prozent der Teilnehmer die Kriterien einer Insomnie. Je mehr belastende Ereignisse sie erlebt hatten und je länger der Stress angehalten hatte, desto höher war das Risiko, die Schlafstörung zu entwickeln. Darüber hinaus spielte der Umgang mit den Belastungen eine wichtige Rolle: Wer versuchte, den Stress mit Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen zu bekämpfen, entwickelte mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Insomnie. Auch wer sich durch andere Aktivitäten, etwa Fernsehen, vom Stress ablenkte, oder wer es aufgab, sich mit den Belastungen auseinanderzusetzen, hatte ein erhöhtes Insomnierisiko. Des Weiteren erhöhten ständige unwillkürliche Gedanken an den Stress das Risiko für die Erkrankung.

„Unsere Studie zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Insomnie zu entwickeln, nicht von der Anzahl der Stressoren abhängt, sondern vor allem von der psychischen Reaktion auf den Stress“, sagt Pillai. Das Ergebnis zum Substanzmissbrauch sei besonders besorgniserregend. „Wir wissen, dass sich Alkohol störend auf die Schlafstruktur auswirkt – auf der anderen Seite wird er häufig als effizientes ‚Schlafmittel‘ wahrgenommen“, schreiben die Autoren. „Das kann mit der Zeit zu erhöhtem Konsum und Toleranzentwicklung führen und so die Schlafprobleme weiter verstärken.“

Schlafende reagieren unterschiedlich auf Stress

Doch auch die Neigung, in stressigen Lebensmomenten schlechter zu schlafen, beeinflusst das Risiko für eine Insomnie. Die Tendenz, auf Stress mit Schlafstörungen zu reagieren – die sogenannte „Schlafreaktivität“ – ist von Person zu Person unterschiedlich. Sie lässt sich mithilfe von Fragebögen wie dem „Ford Insomnia Response to Stress Test“ (FIRST) erfassen. Menschen mit einer erhöhten Schlafreaktivität neigen dazu, nach einem stressreichen Tag, aber auch vor wichtigen Ereignissen am nächsten Tag schlechter zu schlafen.

Zwei groß angelegte Studien haben sich kürzlich mit dem Zusammenhang zwischen Schlafreaktivität und der Entstehung einer Insomnie beschäftigt. Sie untersuchten 2.316 bzw. 1.449 gesunde Erwachsene ohne Schlafstörungen über einen Zeitraum von einem bzw. drei Jahren. Beide Studien belegen: Eine hohe Schlafreaktivität erhöht deutlich die Wahrscheinlichkeit, an einer Insomnie zu erkranken. Weiterhin scheint eine hohe Schlafreaktivität die Auswirkungen von Intrusionen auf den Schlaf zu verstärken und auf diese Weise das Insomnierisiko zu erhöhen.

Wichtigkeit multidimensionaler Ansätze

Die Ergebnisse zeigen, dass in der zukünftigen Forschung multidimensionale Ansätze wichtig sind, die neben objektiven Belastungen auch die psychischen Reaktionen auf Stress erfassen. „Ungewollte Gedanken und ungünstige Strategien im Umgang mit Belastungen sind zudem wichtige Ansatzpunkte für eine Therapie“, betont Pillai. So können in einer kognitiven Verhaltenstherapie günstigere Strategien im Umgang mit Stressfaktoren und Maßnahmen für einen besseren Schlaf erlernt werden.

Insgesamt sind etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung von einer Insomnie betroffen. Leichte Schlafprobleme wie gelegentliche Ein- und Durchschlafstörungen kommen bei etwa der Hälfte der Bevölkerung vor. „Wenn sich jemand von Ereignissen in seinem Leben überwältigt fühlt, sollte er mit seinem Arzt besprechen, wie er die Stressbelastung verringern und seine Schlafqualität verbessern kann“, rät Timothy Morgenthaler, Präsident der Amerikanischen Akademie für Schlafmedizin.

75 Wertungen (4.33 ø)

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12 Kommentare:

Gast
Gast

Inzwischen hab ich gelesen, dass der “Amyloid-Abbau” im Gehirn verzögert wird wenn der Schlaf behindert ist, das ist doch mal ein wichtiger erster Ansatz für die Notwendigkeit von Schlaf.
Allerdings muss der Schlaf hierfür nicht besonders lang sein.
Zuviel Schlaf schadet sogar.

#12 |
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Gast
Gast

1234 ist die Wertigkeit des Symptoms (0 1 oder 2 oder 3 oder 4 wertig) in der Analyse.
Gute nacht.

#11 |
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Gast
Gast

weis ich immer noch nicht, was 1234 sein soll.
Bei der Äthernarkose musste man auch zählen, schon lange her,
heute geht das schneller.
@Anna Wojcik “rückwärts denken”, muss schon mal sein im Leben,
aber vorwärts denken ist wichtiger. Was das mit “einschlafen können” zu tun hat,
erschließt sich mir nicht.
Und wenn ich müde bin schlafe ich ganz sicher am besten!

#10 |
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Nichtmedizinische Berufe

Frau Dorthee Gutschmidt beschreibt und empfiehlt u.a. die sog. Tages-Rückwärtsschau. Die ist in der Tat ein sehr gutes “Mittel” zum einschlafen -meist schafft man es nicht, bis zum aufstehen “rückwärts-zu-denken” und schläft über diese echte Anstrengung ein. Die Rückwärtsschau wird schon von Rudolf Steiner empfohlen (Anthroposophie). Nimmt man seine Anschauung das der Mensch aus Körper, Seele und Geist besteht als Denkgrundlage einmal versuchsweise an, dann kann man seinen weiteren Ausführungen gut folgen: da der Geist des Einzelnen (nicht zu verwechseln mit Gespenst… :) tagsüber mit einer Fülle von Eindrücken zu tun hat und sich oft nicht davor schützen kann/schützt, ist es eine natürliche Folge, das der Mensch bzw. sein Körper abends oder im Laufe des Tages müde wird. Das Bedürfnis zu schlafen und dem Geist dadurch Erholung zu ermöglichen, wird ebenfalls verständlich.

Menschen mit Einschlaf- und/oder Durchschlafstörungen könnten mit rhytmischer Tagesgestaltung, Wechsel von Arbeit und Entspannung, moderatem Sport (gehen, laufen, schwimmen etc.), ausgewogener Ernährung und sozialem Tun für ein natürliches “Loslassen” während des Einschlafvorganges sorgen.

“Wer richtig müde ist, schläft besser” -stimmt ganz und gar nicht. Man fällt zwar wie ein nasser Sack in die Kissen, aber die Qualität des Schlafes hat mit vorheriger Müdigkeit nichts zu tun. Das die Wissenschaft noch nicht heraus gefunden hat warum der Mensch Schlaf braucht, liegt in der Natur des Forschens seitens der Wissenschaft. Nur das anzuerkennen was man sehen, wiegen und messen kann, wird auch zukünftig nicht ausreichen.

#9 |
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Heilpraktikerin

Lieber Gast, hab für Sie 4 Repertoriumsrubriken rausgepickt, hinter dem Text steht z.b. 13 oder 27 das bezieht sich auf die Anzahl der homöopathischen Arzneien, die dieses Symptom in Arzneimittelprüfungen gezeigt haben und / oder am Patient geheilt haben. Welche Mittel das sind, werde ich hier nicht veröffentlichen, denn ich möchte nicht leichtfertige Selbstexperimente begünstigen und fernbehandeln darf man laut Gestz nicht. Jeder ausgebildete Homöopath in Ihrer Wohnortnähe kennt die Rubriken aus dem Synthesis. Dort können Sie sich Hilfe holen.
Schäfchen zählen und dabei auf Schlaf WARTEN bringt nix. Eher schon, zu akzeptieren, dass man nicht einschlafen kann, aber von Kopf bis Zeh jeden Muskel durchfühlen und bewußt loslassen. Oder den Tag rückwärts Revue passieren lassen, Moment für Moment, also vom liegen zum ins Bett gehen zu Zähne putzen zum ( was haben Sie davor getan) …………… bis zum Erwachen morgens. Das unbedingt durchziehen wollen, jede kleinst handlung rekapitulieren wie ein Film rückwärts und nichts auslassen oder überspringen. Sonst nochmal von jetzt nach Anfang. In Farbe visualisieren. Konzentrieren Sie sich auf jede noch so kleine Handlung, Gedanken, erfahrung….
probieren Sie´s mal aus und berichten;)

#8 |
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Gast
Gast

was ist denn nun 1234 ?
Ich kennen das “Schäfchen zählen”, das finde ich albern und wirkungslos.

#7 |
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Heilpraktikerin

Kenn ich nicht— klingt echt belastend, Sie sind aber nicht allein mit dem Symptom. In der Homöopathie werden solche eigenartigen besonderen Symptome als richtungsweisend betrachtet. Schauen Sie mal, schlafloser Gast, über 27 Mittel haben diese Eigenart in Arzneimittelprüfungen gezeigt und klinisch geheilt. Wenn das monatelang so bleibt würde ich Ihnen den Gang zu einem Homöopathen nahe legen. Gute Besserung ;).

1 1234 2 Gemüt – Furcht – Schlaf – vor 13
2 1234 3 Gemüt – Furcht – Schlaf – schließen, aus Furcht, er würde nie wieder erwachen; Furcht, die Augen zu 5
3 1234 3 Gemüt – Furcht – Schlaf – einzuschlafen; Furcht 27
4 1234 2 Gemüt – Furcht – Tod; vor dem – Schlaf – sterben, wenn er einschläft; Furcht zu 6

#6 |
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Gast
Gast

zu #4 “Der energetische Zustand des Lebewesens schwingt im Rythmus”
ja , kenn ich, besonders beim Tanzen, kann aber nicht jeder.
Mein Arzt ist ein sehr guter Tänzer, das weis ich zufällig.
Sie meinen, auch im Schlaf?
Ich hab auch “Bioüberlebensangst” aber vor dem Einschlafen, deshalb kämpfe ich oft dagegen, mindestens bis 24°°, meist noch viel länger.
Vielleicht, weil ich denke, ich würde nicht mehr aufwachen,
ich weiß, Blödsinn, aber was willste dagegen machen?
Kennen Sie das auch, Gutschmidt?

#5 |
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Heilpraktikerin

;) he dass sich in den Staaten Forscher und Ärzte dem Zusammenhang von h Psyche und Soma öffnen und durch Studien ein Phänomen belegen werden können, dass an sich kulturhistorisch weit bekannt ist.
Schockierend finde ich, wenn Mediziner nicht wissen, warum ein Lebewesen Schlaf benötigt.
Was verstehen wir unter Schlaf:
Ich interpretiere Schlaf nicht nur als Gegensatz zu Wachsein, also passiver Zustand contra aktiver Zustand.
Zunächst ist Schlaf ja kein passiver Zustand, sondern ein Regenerationsprozess, d.h. die Energie die wir sonst auf actio und reactio verwenden, steht jetzt anderen Aufgaben zur Verfügung. Leben und Gesundheit sind keine festen Strukturen oder 2 dimensionale 01 an aus codes, sondern dynamische, wechselwirkende, sich beeinflussende, regulierende, bedingende Prozesse. Die Energie beanspruchen. Der energetische Zustand des Lebewesens schwingt im Rythmus dieses Fließgleichgewichts.
DARUM brachen wir Schlaf.
Was passiert wähend wir schlafen:
Leberarbeit und Galle, Hormonbildung und Umwandlung, Verarbeitung von Information, Austausch unbewußter und bewußter mentaler Ebenen…… all das geschieht während wir schlafen. Ebenso eine Wiedereingliederung in kosmische Prinzipien, die den gesamten Biorythmus aufbauen, steuern und regulieren.
Schlafen können heißt auch loslassen können, nicht nur den Muskeltonus, die Sorgen, sondern auch das Ego.
Schlafentzug ist eine Foltermethode und bewirkt noch mehr Stress.
Stress entsteht bei Bioüberlebensangst und ist zunächst eine gesunde Reaktion des Sympathikus. Sie findet nur in der Gesellschaft a kein Ventil und b keine ausgleichende Parasympatische Gegenbewegung.
Leider sind dunkelbeziffert weitaus mehr Menschen von Insomnie betroffen, als der Artikel angibt, es handelt sich um eine Zivilisationskrankheit, die von medialer Reizüberflutung und sozialen wirtschaftlichen Zwängen begünstigt wird. Viele meiner Patienten halten ihren gestörten Schlaf für normal, jeder 2. leidet darunter.
Schlafhygiene ist ein eher abtörnender Begriff, hinter dem sich jedoch viel Bedenkenswertes versteckt. Auch die Begriffe abschalten, runterkommen klingen eher destruktiv. Nenne wir das doch um, so das es Lust macht, zu regenerieren, aus zu spannen und finden durch die positive Unterstreichung eher wieder zu erholsamen Schlaf!
Da das Phänomen mit dem Burnout Syndrom korreliert, lesen Sie gerne dazu weiter auf: http://www.Naturheilpraxis-Kurgarten-Luebeck.de

#4 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Kein Wissenschaftler kann bis heute genau erklären WARUM wir überhaupt Schlaf benötigen, lediglich steht außer Zweifel, DASS wir ihn benötigen.
Es hängt offensichtlich mit “Ermüdung” zusammen, nicht nur dass wir überhaupt Schlaf benötigen, sondern auch die Qualität des Schlafes. So banal es klingt, wer richtig müde ist, schläft besser.
Das ist bis heute auch das einzig wirksame und mit Abstand beste Mittel bei Schlafstörung:
SCHLAFENTZUG, das wird jeder Schlafexperte bestätigen, die es nun ja schon fast in jedem größeren Krankenhaus gibt.
Man kann also nicht nur zu wenig schlafen,
sondern auch zu viel schlafen (statistisch nachgewiesen als Gesundheitsrisiko)
und die Qualität des Schlafs ist stark abhängig von der “Tätigkeit” in der Wachphase.

#3 |
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Gast
Gast

Alkohol “geht” in jede Zelle, nicht nur in die Nebenniere.

#2 |
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Ernst Pawlowsky
Ernst Pawlowsky

Der Zusammenhang zwischen Streß und Schlafqualität ist sicher nichts ganz Neues, der Umgang mit dem Streß schon.
Wobei da die Frage auftaucht, ob das ein rein psychisches Problem ist, oder möglicherweise auch ein physisches Problem mit nur sekundär psychischen Folgen.
Folgt man z. Bsp. James L Wilson: Adrenal Fatigue, so sind die Nebenieren, die die Substanzen im Körper produzieren, die uns den Stress bewältigen lassen, möglicherweise irgendwann erschöpft: und dann ändert / verschlechtert sich der Umgang mit der gleichen Streßsituation, die früher problemlos bewältigt worden ist. Und Alkohol reduziert allmählich die Leistungsfähigkeit der Nebennieren, beschleunigt also das Eintreten einer Situation, in der dem Streß nicht mehr adäquat begegnet werden kann – mit den auch oben beschriebenen Folgen.
Die Forscher sollten also die Laborwerte der Nebennierenfunktion in ihre Schlafforschungen mit aufnehmen.

#1 |
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