Gesunde Schweinezucht: AMP statt Antibiotika?

26. August 2014
Teilen

Forscher haben eine Möglichkeit gefunden, die Verwendung von Antibiotika in der Schweinezucht durch den Einsatz von antimikrobiellen Peptiden deutlich zu reduzieren. Die Ergebnisse der Studie wurden im Online-Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht.

Wissenschaftler haben den Einsatz von antimikrobiellen Peptiden (AMP) als Ersatzstoff für Antibiotika bei der Flüssigkonservierung von Sperma untersucht. Die Forscher zeigten, dass die AMPs im Reagenzglas Bakterien effektiv bekämpfen. Zwei der untersuchten AMPs unterdrückten das bakterielle Wachstum in flüssig konservierten Samenpräparaten, wenn sie mit einer geringen Dosis des Antibiotikums „Gentamicin“ kombiniert wurden. Die Qualität der Spermien wurde dabei nicht beeinträchtigt.

Ejakulate oftmals kontaminiert

Bakterien besitzen eine sehr hohe Anpassungsfähigkeit, was zu einer steigenden Resistenz gegenüber Antibiotika führen kann. Bei der künstlichen Besamung in der Schweineindustrie stellt dies Züchter vor große Probleme, da die künstliche Besamung die am häufigsten angewandte Methode zur assistierten Reproduktion in der industriellen Schweineproduktion ist. Frisch gewonnene Ejakulate enthalten oftmals Bakterien. Bei der Flüssigkonservierung der Samen erweisen sich die Erreger als schädlich sowohl für die Qualität als auch die Langlebigkeit der Spermien. Das wirkt sich negativ auf die Anzahl des Nachwuchses aus.

Antibiotika-Beigaben beschleunigen Resistenzen

Die Beigabe von Antibiotika zum Ejakulat ermöglicht eine Begrenzung der Bakterienzahlen. Jedoch entwickeln viele Bakterienarten sehr schnell Resistenzen gegen eingesetzte Antibiotika. Daher ist es wichtig, nach neuen keimabwehrenden Alternativen zu suchen.

Antimikrobielle Peptide (AMP) als sinnvolle Ergänzung

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) haben in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und dem Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere Schönow e.V. (IFN) daher antimikrobielle Peptide erforscht. Bei diesen Molekülen handelt es sich um natürlich vorkommende kurze Aminosäureketten, die auf Bakterien toxisch wirken und in fast allen Organismen zu finden sind. Für die Versuche wurden kationische Peptide mit antimikrobieller Wirkung synthetisch hergestellt. „Antimikrobielle Peptide stellen keinen vollständigen Ersatz zu traditionellen Antibiotika bei der künstlichen Befruchtung von Schweinen dar, ermöglichen es jedoch, deren Einsatz deutlich zu verringern“, erklärt Dr. Karin Müller vom IZW. „Dies ist auch für den Menschen von Vorteil, da somit weniger Antibiotika in ein Tier bei der Besamung eingetragen wird.“

Zusätzlich sind weitere Anwendungsmöglichkeiten denkbar, wie Dr. Margitta Dathe vom FMP erläutert. „Peptide mit antimikrobieller Wirkung könnten ebenso bei der Konservierung von Zellen als auch bei der oberflächlichen Behandlung von Infektionen eingesetzt werden.“

Originalpubliktion:

Speck S, Courtiol A, Junkes C, Dathe M, Mueller K, Schulze M (2014): Cationic synthetic peptides: assessment of their antimicrobial potency in liquid preserved boar semen. PLOS ONE. 

0 Wertungen (0 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

2 Kommentare:

Gast
Gast

die politisch überall aktiven “Grünen” werden schon dafür sorgen, dass auch in Zukunft die armen Tiere besser geschützt werden wie Menschen.
Menschen sollen bitte nicht so viel Antibiotika nehmen,
damit sie bei Tieren nicht unwirksam werden.
Mengenverhältnis:
bei Tieren einige 1000 Tonnen pro Jahr in Deutschland
Intensivstationen für Menschen unter 10 Tonnen pro Jahr in Deutschland.

Diese “unter 10 Tonnen pro Jahr in Deutschland” sind entschieden zu viel,
hört man ja immer.

#2 |
  0
henry nosbusch
henry nosbusch

Ja, wir können von der Schweinezucht als Menschen viel lernen,
zum Beispiel die Nachteile von vegetarischer Ernährung, da haben vor allem holländische Unies viel geforscht.
Die praktische Folge war, dass man durch gezielte Zugabe einzelner (sehr teurer) Aminosäuren die Nachteile der minderwertigen Körnermast so ausgleichen kann, dass man sogar noch Geld spart.
(Weniger Körner und weniger stinkenden Kot).

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: