Ischämischer Infarkt: Erkältungen als Auslöser?

28. August 2014
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In einer vor Kurzem veröffentlichten Studie berichten amerikanische Wissenschaftler, dass leichte Infekte das Schlaganfallrisiko bei Kindern erhöhen können. Deutsche Forscher haben diese Studie jetzt neu bewertet und kommen in einem Kommentar zu einem neuen Ergebnis.

PD Dr. Dr. Lars Marquardt von der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen hat die Studie bewertet und kommt in einem in derselben „Neurology“-Ausgabe publizierten Kommentar zu einem neuen Ergebnis: „Die Studie zeigt zwar ein erhöhtes Risiko, aber Eltern müssen nun nicht unnötig aufschrecken und deswegen zum Arzt gehen, wenn das Kind eine Erkältung hat. Schlaganfälle bei Kindern sind glücklicherweise sehr selten.“

Daten von zweieinhalb Millionen Kindern

Für die Studie werteten die Wissenschaftler Daten von insgesamt zweieinhalb Millionen Kindern aus: Daraus identifizierten sie 102 Kinder, die einen ischämischen Schlaganfall erlitten haben. Diese Gruppe wurde verglichen mit 306 Kindern ohne Schlaganfall als Kontrollgruppe. Die Krankenakten aller an der Studie beteiligten Kinder wurden auf Infekte hin überprüft, die bis zu zwei Jahre vor dem Schlaganfall auftraten.

Dabei stellten die Forscher eine Verbindung zwischen den Infekten und dem Schlaganfallrisiko fest: 10 Kinder (9,8 Prozent) der Schlaganfall-Gruppe waren in den drei Tagen vor Auftreten des Schlaganfalls wegen eines Infekts beim Arzt. Bei der Kontrollgruppe waren im selben Zeitraum zwei Kinder (0,7 Prozent) in ärztlicher Behandlung. Daraus schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass das Schlaganfall-Risiko bei Infekten während des dreitägigen Zeitfensters vor dem Schlaganfall erhöht sei.

Ursachen sind schwierig zu bestimmen

Lars Marquardt weist darauf hin, dass es bisher nur wenige Untersuchungen zu Schlaganfällen bei Kindern gibt und die Ursachen weitaus schwieriger zu bestimmen sind als bei Erwachsenen. „Außerdem wurde in der Studie nicht berücksichtigt, dass ein Teil der Kinder bei Infekten gar nicht beim Arzt war“, merkt der Erlanger Oberarzt an und führt aus: „Auch Laborergebnisse, die Aufschluss über die Art des Infekts geben könnten, fehlten. Zudem lagen den Forschern keine Informationen über nicht verschreibungspflichtige Medikamente vor.“

Originalpublikation:

Timing and number of minor infections as risk factors for childhood arterial ischemic stroke
Nancy K. Hills et al.; Neurology, doi: 10.1212/WNL.0000000000000752; 2014

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