Samenzellen: Nikotin vermindert Fruchtbarkeit

15. August 2014
Teilen

Forscher zeigten, dass bestimmte Eiweißmoleküle, die für die Verpackung der Erbinformationen im Sperma verantwortlich sind, bei Rauchern deutlich verändert aussehen. Dies kann dazu führen, dass das Erbgut in den Samenzellen beschädigt wird und der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

Vor vier Jahren fanden Forscher der Universität des Saarlandes im Sperma von Rauchern Cotinin, ein Abbauprodukt des Nikotins, in deutlich höherer Menge als bei Nichtrauchern. Auch ein weiterer Biomarker kam verstärkt vor, der anzeigt, dass das Gleichgewicht in der Samenzelle massiv gestört ist. „Durch verschiedene Tests konnten wir feststellen, dass die Spermien von Rauchern weniger beweglich sind und ihre Außenhülle auch nicht so stabil ist wie bei Nichtrauchern “, sagt Professor Mohammed Hammadeh, Reproduktionsmediziner an der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg. Sein Team hatte bereits in den ersten Untersuchungen zu diesem Thema festgestellt, dass Protamine bei Rauchern in geringerer Konzentration vorkommen.

Biochemischen Veränderungen in den Samenzellen

Nun haben die Wissenschaftler ihre neuen Forschungsergebnisse zu den Veränderungen im Sperma von Rauchern publiziert. Gemeinsam mit Mathias Montenarh, Professor für Medizinischen Biochemie und Molekularbiologie der Saar-Uni, analysierten die Reproduktionsmediziner die Eiweißmoleküle in den Samenzellen noch genauer. Sie konzentrierten sich dabei auf Histone und Protamine, die für die Verpackung und Stabilität der DNA-Erbinformationen in den Spermien verantwortlich sind. „Dabei konnten wir zeigen, dass diese Eiweißmoleküle bei Rauchern in einer deutlich anderen Konzentration vorkommen als bei Nichtrauchern. Wir gehen davon aus, dass dadurch die Erbinformationen in den Samenzellen von Rauchern beschädigt werden und in der Folge die Entwicklung der Spermien gestört ist“, erläutert Montenarh. Dies könne dazu führen, dass es zu keiner oder nur unvollständigen Befruchtung der Eizelle kommt und daher kein neues Leben entstehen kann.

Für Missbildungen von Embryos verantwortlich?

„Wenn der Kinderwunsch ausbleibt, ist möglicherweise der erhöhte Zigarettenkonsum eine Ursache dafür. In unserer Ambulanz für Reproduktionsmedizin, in der viele Paare mit unerfülltem Kinderwunsch Rat suchen, empfehlen wir daher jedem, sofort mit dem Rauchen aufzuhören“, sagt Professor Hammadeh. Die Studien hätten eindeutig belegt, dass der Nikotinkonsum nicht nur der Gesundheit der Raucher schade, sondern sich auch auf die Fortpflanzung negativ auswirke. „Die biochemischen Veränderungen in den Samenzellen sind bei Rauchern so gravierend, dass sie offenkundig nicht nur eine normale Befruchtung verhindern, sondern möglicherweise auch für Missbildungen von Embryos verantwortlich sind“, befürchtet Hammadeh. Dies müsse nun in weiteren Studien untersucht werden. Auch sei noch ungeklärt, wie schnell sich die Zusammensetzung der Spermien wieder normalisiere, wenn starke Raucher den Zigarettenkonsum einstellten.

Originalpublikation:

Impact of cigarette smoking on histone (H2B) to protamine ratio in human spermatozoa and its relation to sperm parameters
M.F. Hamad et al.; Andrology, doi: 10.1111/j.2047-2927.2014.00245.x; 2014

13 Wertungen (3.15 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

5 Kommentare:

Für fast alles braucht man in Deutschland eine Lizenz, Genehmigung, ein Führungszeugnis und/oder eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. Nur Kinder bekommen und (v)erziehen darf jeder. Was rauchende Eltern ihrem Nachwuchs antun, ist legalisierte KINDESMISSHANDLUNG. Und nicht erst seit Anbruch des Epigenetik-Zeitalters sind geäußerte Zweifel an der enormen Gesundheitsschädigung durch Passivrauchen nur noch mit Dummheit und Ignoranz zu quittieren. Schlimm ist nicht, dass Raucher impotent werden. Schlimm ist, dass sie es erst zu spät tun und dass es noch viel zu wenige sind!! Jedes geschädigte Raucherkind ist eine Tragödie zuviel.

#5 |
  0
Arzt
Arzt

Es ist richtig,
rauchende Männer werden rel. früh impotent (Mitte 40).
Relativ heist, dass gesunde Männer auch noch bis 80 Jahren Kinder zeugen können :-)

#4 |
  0
Gast
Gast

an den Ärzten liegt es sicher nicht,
ich sehe auch rauchende Schwangere.

#3 |
  0
Lena Blöink
Lena Blöink

Das sehe ich auch so! Und wunder mich immer wieder über Bekannte mit Kinderwunsch, die sich nach Jahren mal in eine Fruchtbarkeitsklinik begeben, aber vorher noch nie daran gedacht haben, das Rauchen aufzugeben.
Ich finde es auch sehr schade, dass das diesen Kandidaten von ärztlicher Seite nicht mal ernsthaft nahegelegt wird!

#2 |
  0
Carola Schaffrin
Carola Schaffrin

Das ist doch nichts neues….steht doch auf fast jeder Zigarettenpackung…..

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: