Ebola-Quiz: Die Auflösung



13. August 2014
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Letzte Woche konnten Sie an gleicher Stelle an einem kurzen Ebola-Quiz teilnehmen; heute gibt es die Ergebnisse. Die erste Erkenntnis: Die Sattelfestigkeit, was Symptome und Letalität von Ebola anbelangt, ist, nun ja, ausbaufähig.

Insgesamt umfasste das Quiz, an dem rund 1.540 Personen aus der Healthcare-Branche teilnahmen, drei Fragen – zu den Eigenschaften von hämorrhagischem Fieber, der Letalitätsrate und den Symptomen. Drei richtige konnte allerdings nur eine kleine Minderheit für sich verbuchen: nämlich 4 %. Ärzte, die mit 624 Teilnehmern den größten Teil der Befragten stellten, schnitten mit 6 % vollständig richtigen Antworten etwas besser ab als andere HCPs.

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Kaum Probleme gab es bei der ersten Frage, die 96 % der Mediziner richtig beantworten konnten. Die korrekte Antwort auf die Frage: „Das Ebola-Virus wird zur Gruppe der hämorrhagischen Fieber gezählt. Was ist aus Ihrer Sicht der Grund für diese Einordnung?“
 ist in der Tat „Eine Ebola-Infektion führt zu sichtbaren Blutungen an den Schleimhäuten und zu teilweise gefährlichen inneren Blutungen.“

Mehr Aufklärung über Symptomatik und Verlauf nötig

Die Quizfrage:
 „Welche Aussage zur Symptomatik bzw. zum Verlauf einer Ebola-Infektion trifft Ihres Wissens nach zu?“ stellte die Teilnehmer vor größere Probleme und sorgte wohl bei etlichen Befragten für Fragezeichen.

Die volle Punktzahl erhielt, wer die Antwort „Eine Ebola-Infektion kann mit neurologisch-psychologischen Symptomen, wie beispielsweise einer Psychose einhergehen“
 wählte. Dies gelang allerdings nur 29 % der Ärzte, wobei zugegebenermaßen die meisten Publikationen zur Ebola-Thematik primär die grippeähnlichen und gastrointestinalen Symptome in den Vordergrund rücken. Aber wie das deutsche Ärzteblatt schrieb: „Neurologische Symptome (Halbseitenlähmungen, Psychosen) sind häufig“. 

Entsprechend vermutete ein Fünftel der Ärzte, dass die meisten Patienten aufgrund der schweren gastrointestinalen Beschwerden an einer Dehydrierung sterben. Todesursache ist allerdings laut dem RKI am öftesten kardiopulmonaler Schock.

Ein weiteres Fünftel der Ärzte entschied sich für die Antwortoption, dass die ersten Krankheitszeichen nach einer Infektion frühestens nach 14 Tagen auftreten. Richtig wäre allerdings gewesen, dass die Inkubationszeit zwischen 2 und 21 Tagen liegt (üblicherweise bei 8-10 Tagen) (Quelle: US Centers for Disease Control and Prevention).

Die meisten restlichen Befragten (25 %) glaubten an das Ausbilden einer vollständigen Immunität gegenüber Ebola-Viren nach Überleben einer Infektion. Leider entwickelt man aber wohl keine Immunität gegen alle Ebola-Virenstämme. Allerdings nimmt laut RKI die Letalität bei sekundären und tertiären Krankheitsfällen ab.

Letalität eher überschätzt

Am meisten Probleme hatten die Quiz-Teilnehmer mit der Frage „Wie hoch ist Ihres Wissens derzeit die Letalitätsrate bei dem Ebola-Ausbruch in Westafrika?“, die lediglich von 16 % richtig mit 50-60 % eingeschätzt wurde. Die große Mehrheit war deutlich pessimistischer und ging von einer 70-80 %-Letalitätsrate (22 %) oder sogar 80-90 % aus (38 %). Nun könnte man sicherlich argumentieren, dass die Letalität bei dem Ausbruch final noch nicht bekannt ist und weiter steigen könnte. Tatsächlich kommunizierte die WHO am 8. August 961 Todesfälle auf 1.779 Erkrankte, was einer Letalitätsrate von 54 % entspricht, am 11.08. lag sie bei 55 %. Betrachtet man die Ebola-Ausbrüche der vergangenen Jahre liegt die Letalität damit zumindest derzeit im unteren Bereich. Je nach Virenstamm wird gemeinhin von einer Letalitätsrate zwischen 50 und 90 % ausgegangen.

Nur Minderheit bereit zur Vor-Ort-Hilfe

Die hohe (angenommene) Letalität ist vermutlich der Grund, warum nur wenige Ärzte (15 %) bei den Ergänzungsfragen zum Quiz ihre Bereitschaft äußerten, bei der Behandlung von Ebola-Infizierten in Afrika zu helfen (einmal vorausgesetzt, die Mediziner könnten ihre Abwesenheit hier problemlos einrichten). Besser wäre es um die Behandlung von an Ebola Erkrankten in Deutschland bestellt. Insgesamt würden 55 % der Ärzte laut Eigenaussage hier vor Ort helfen. Die starke Diskrepanz zwischen diesen beiden Zahlen kommt vermutlich durch hygienische Bedenken zustande. So sagte ein Arzt: „[Ich] wäre auch bereit, in den betroffenen Ländern zu arbeiten, wenn ich sicher sein könnte, dass die erforderliche persönliche Schutzausrüstung zuverlässig verfügbar ist.“

Mehr Presse = mehr Geld für Ebola-Bekämpfung?

Abschließend wurden die Teilnehmer noch gefragt, wie sie den Umfang der Berichterstattung zu Ebola in den Medien finden. Insgesamt waren rund zwei Drittel der Ärzte mit der Menge zufrieden. Rund 5 % der Teilnehmer bemängelten ausufernde Berichterstattung über Ebola und kritisierten „Panikmache“ bzw. gaben an, dass „[Ebola] immer noch eine seltene, örtlich begrenzte Krankheit [sei]“.  Rund 30 % wünschten sich mehr Berichte zu Ebola. Die Begründungen reichten von „nur Aufklärung und Information kann übermäßige Angst und Panik in der Bevölkerung verringern“, über „es ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, die durch die weit fortgeschrittene Globalisierung zu einem Flächenbrand werden kann“ bis hin zu „man lässt Afrika schon lange genug unkommentiert sterben“. Nicht zuletzt hofften die Ärzte, dass mehr Berichte zu mehr Spendengeldern, auch für die Ebola-Forschung, führen könnten, um künftige Ebola-Ausbrüche besser eindämmen zu können.

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Medizin

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