Knie: Spritzen und Arthroskopie wirkungslos?

12. August 2014
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Die Behandlung von Knieschmerzen mittels Spritzen und Arthroskopie würde nach einer neuen Studie nur zu einer kurzzeitigen Linderung führen. Auch wären die Risiken nur unzureichend erforscht. Konservative Maßnahmen zur Behandlung sollten öfter in Betracht gezogen werden.

“Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Faktenlage bei häufig eingesetzten Behandlungen recht dünn ist. Doch die Patienten werden selten darüber aufgeklärt”, sagt Prof. Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding Zentrums. Für den “Faktencheck Gesundheit” der Bertelsmann Stiftung hat das Harding Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut in Berlin aktuelle Literatur über Kniebehandlungen in Deutschland analysiert. Arthrose ist die weltweit am meisten verbreitete Gelenkerkrankung. Mit zunehmendem Alter verschlimmern sich die Beschwerden wie etwa anhaltende Schmerzen und geringere Bewegungsfähigkeit. In Deutschland sind etwa jeder dritte Mann und jede zweite Frau über 60 Jahre betroffen, häufig leiden sie an Knie-Arthrose. Die Patienten versprechen sich von der Therapie, dass sie den oft schmerzhaften und beeinträchtigenden Verlauf positiv beeinflusst. “Spritzen und Spiegelungen sind auf längere Sicht häufig wirkungslos. Ihr Nutzen wird allzu oft überschätzt und die verbundenen Risiken, wie etwa Entzündungen 
oder Schwellungen ausgeblendet”, so Gigerenzer.

Nur kurzfristige Linderung

Nach Einschätzung des Harding Zentrums sind insbesondere Hyaluron-Injektionen kritisch zu bewerten. Die Behandlung führe zwar gelegentlich zu geringfügigen Schmerzlinderungen und mehr Beweglichkeit. Allerdings seien die Besserungen nach wenigen Monaten oft nicht mehr nachweisbar. Kortikoid-Injektionen stellten somit keine Alternative dar: Sie können Schmerzen nur kurzfristig lindern. Beide Behandlungen müssen von den Patienten in der Regel selbst bezahlt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten nicht. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Wirkung bereits nach vier Wochen verpufft. Darüber hinaus rufen Injektionen nicht selten Nebenwirkungen wie gerötete Haut, Schwellungen und auch Gelenkentzündungen hervor. Wer auf eine Arthroskopie setzt, ist laut Studienergebnis nicht besser beraten: Viele Patienten können nach der Operation im Vergleich zu Nicht-Operierten weder besser gehen, noch haben ihre Schmerzen nachgelassen.

Konservative Maßnahmen oft besser

“Patient und Arzt sollten zunächst alle konservativen Maßnahmen ausschöpfen. Dazu zählen Gewichtsreduktion, gelenkschonende Aktivitäten, Physio-, Ergo- und physikalische Therapie. Sie erfordern zwar mehr Eigenverantwortung. Doch richtig eingesetzt, helfen sie oft nachhaltiger”, so Eckhard Volbracht, Projekt Manager “Faktencheck Knieoperation”.

57 Wertungen (3.6 ø)
Forschung, Medizin, Orthopädie

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11 Kommentare:

Chirurg
Chirurg

@Monika völlig richtig, freie Gelenkkörper sind eine klare Indikation zur Entfernung das ist also eine therapeutische Indikation, keine diagnostische ebenso wie manche degenerative oder traumatische Verletzung der Menisken, sonst könnte so mancher Fußballspieler nicht mehr spielen.
Damit ist auch immer eine Prophylaxe für das Entstehen oder das Fortschreiten einer Arthrose verbunden. Ich würde mir selbst auf jeden Fall eine DIAGNOSTISCHE Kniespiegelung machen lassen, BEVOR ich die Zustimmung für einen künstlichen Gelenkersatz geben würde.
Insofern erweist sich die Aussage von “Faktencheck” (Bertelsmann) oder dieses “Harding Zentrums” als sehr Laienhaft.
Man muss halt mit Pauschalurteilen von medizinischen Laien einfach etwas zurückhaltender sein.
Es ist immer etwas dumm, bei Gesundheitsfragen antiärztlich zu agieren und zu argumentieren, statt sie selbst vorher mit ins Boot zu holen.
Es kann kann dabei passieren, dass auch Ärzte sich in allerlei unwirksame, aber NICHT kritisierte Pseudomedizin wie Homöopathie etc. zurückziehen, wodurch “die Gesellschaft” dann natürlich nicht gesunder werden kann.

#11 |
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Monika
Monika

Ich bin seit meinem 15.Lebensjahr betroffen (fortgestrittene Gonarthrose und Osteochondrosis dissecans ). Schon damals verlief bei mir kein Tag symptomlos- Schmerzen, Schwellungen, Bewegungseinschränkungen…sehr häufigere akute Phasen…Vor 12 Jahren musste ich mich aufgrund von Blockierung arthroskopieren lassen. Und heute mit 40 Jahren bin ich sehr glücklich, dass ich damals keine Wahl mit der OP hatte. Seit 12 Jahren bin ich symptomlos !!! trotz einen eindeutigen Befund der fortgestrittenen Erkrankungen und einer gerade nicht leichten beruflichen Tätigkeit im Gesundheitswesen. Also handelte es sich in meinem Fall nicht nur um eine diagnostische, sondern doch um eine therapeutische Maßnahme.

#10 |
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Dr. med. Dieter Veith
Dr. med. Dieter Veith

Was ist das für eine seltsame Organisation, diese Harding-Stiftung? Auf Grundlage welcher Studien wurden diese abstrusen Folgerungen gezogen. Sie widersprechen meiner jahrzehntelangen Erfahrung und tragen in dieser Form massiv zu Verunsicherung der Patienten bei. Will das etwa jemand?

#9 |
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Roberto Alberti
Roberto Alberti

Diese Studien, von denen es nun mehr als nur eine existiert, die alle zu dem Ergebnis kommen, dass Arthroskopie wirkungslos sei berücksichtigen viele entscheidende Punkte nicht. Beispielsweise ist das Thema Arthroskopie bei Meniskusläsion und deren Outcome sehr abhängig von der Ausgangssituation. Eine Meniskusoperation bei symptomatischem Meniscusriss, nach Ausschöpfung der konservativen Maßnahmen, ohne höhergradige Knorpeldegenerationen, hat insbesondere beim sportlich aktiven Patienten (auch höheren Alters) hervorragende Ergebnisse. Zumal der Bewegungsanspruch bei den älteren Patienten steigt.
Sind die Patienten nach Anpassung des Lifestyle und konservativer Behandlung beschwerdefrei, gibt es auch keinen Grund zu operieren. Dieser Fact, das das Operationsergebnis einer Meniscus-OP, im Zusammenhang mit vorliegenden Knorpelverhältnissen stehen, wird von diesen Studien nicht berücksichtigt. Da stellen sich Vertreter der gesetzlichen Kassen hin und sagen die Arthroskopie hätte im Vergleich zur Schein-OP keinen Vorteil. Da könnte ich ausrasten und im Strahl kotzen. Und dann bleibt noch der Punkt, dass der Patient und sein Leidensdruck nicht verücksichtigt wird. Diese haben auch nach intensiver Aufklärung noch sehr großen Respekt vor der Endoprothesenoperation, welche auch ein deutlich höheres Risikoprofil als die arthroskopische Spülung nach Ausschöpfung der kons. Therapie. Aktuelle Zahlen zeigen zudem dass die Anzahl der Prothesenoperationen bei den unter 60-jährigen steigt, was bei der aktuellen Lebenserwartung für einige Patienten bedeuted, das sie die Lockerung und ggf. Prothesenwechsel erleben werden, was sagen diese Studien denn dazu. Was bedeuted dass denn für die Lebensqualität von Patienten. Mann o mann…

#8 |
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Gast
Gast

Schon 1992 wurde von einem scheinbaren Meniskusyndrom in unserer Manuellen Therapieausbildung gesprochen. Dabei wurde die nach lateral ¨verschobene¨ Tibia mit Hilfe von PIR und vorherigen Austesten der freien Bewegung, nach medial gebracht und die Bewegung war auf einmal ¨wie von Geisterhand¨ wieder schmerzlos möglich. Außerdem redet man in der Manuellen Therapie von Verkettungen und Faszienzugen und eigentlich von funktionellen Stoerungen. Funktionelle Störung bedeutet aber nicht organisch defekt! Natuerlich ist eine Arthroskopie eine diagnostische Massnahme, aber muss ich mich dafuer aufschneiden lassen, wenn es nicht zur Therapie ist?
Eigentlich kann das, was unsere alten Manualtherapeuten erkannt haben, doch nicht umsonst gewesen sein. Ich denke, wenn die knappen Budgets für die Physiotherapie nicht ausgeschöpft werden, wird es immer weniger Spielraum fuer Verordnungen geben.
Ein Physiotherapeut kann maximal so gut und erfolgreich sein, wie der verordnende Arzt es bestimmt. Geben Sie den PAtienten die Möglichkeit fuer sich seelbst etwas zu tun und speisen Sie ìhn bitte nicht mit Rehasport und Sonstigem ab, bevor er eine differenzierte Einzelbehandlung
bei einem Physiotherapeut bekommen hat!

#7 |
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“Patient und Arzt sollten zunächst alle konservativen Maßnahmen ausschöpfen. Dazu zählen Gewichtsreduktion, gelenkschonende Aktivitäten, Physio-, Ergo- und physikalische Therapie. Sie erfordern zwar mehr Eigenverantwortung. Doch richtig eingesetzt, helfen sie oft nachhaltiger”.
Soweit die Theorie.
Die Praxis sieht so aus: “Doktor, wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass”.
Eigenverantwortung ist für die meisten ein Fremdwort, das sollte man bei der “Faktenlage” berücksichtigen.

#6 |
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Wir sollten endlich die Studien klar lesen und verstehen!
Das endresultat der Arthrose ist der Gelenkersatz, die Wege dorthin unterschiedlich und lang!
Die Behandlung der Arthrose durch Spülung, Knorpeltoilette und Meniskusresektion behandelt nur Symptome einer Erkrankung und führt nicht zur Heilung!
Mit und ohne Operation wird das Mittel- und langfristige Ergebnis das Gleiche sein.
Das Nuss der Patient wissen. Ist er an einem kurzfristigen Ergebnis interessiert kann er sich Spritzen und Arthroskopieren lassen, bei der Datenlage aber zukünftig als Eigenleistung!!

#5 |
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B.W.G. Orthopäde/Rheumatologe
B.W.G. Orthopäde/Rheumatologe

Wer immer auch eine derartige Studie verfaßt hat dokumentiert damit seine mangelnde Kenntnis und Erfahrung bei der Durchführung konservativer,d.h. nicht operativer Behandlungen. Es ist damit ein medizinischer Fauxpas Injektionen und Arthroskopien in einen Behandlungstopf zu werfen. In mehr als 30 Jahren orthopädischer Praxis mit tausenden von i.a.Injektionen unter Beachtung der jeweiligen Risiken ist eine ernsthafte Nebenwirkung niemals aufgetreten,da bei beständiger Sorgfalt und Beachtung der Sterilitätskriterien Infektionen auszuschließen sind. Reizungen dagegen nicht,da gerade diese häufig der Grund für i.a. Injektionen sind.
Selbstverständlich müssen die Patienten über ihre persönlichen Über-lastungsrisiken aufgeklärt und deren Vermeidung geschult werden.
insbesondere ist eine Hyaluronsäurebehandlung ohne tägliches Bewegungstraining als Begleitung zun Behandlung und darüber hinaus wesentlich weniger wirksam als ohne Bewegungstherapie. Bei richtiger Indikation erreichten die Patienten damit durchweg Erfolgszeiten von etwa einem Jahr sowie die Vermeidung operativer Eingriffe. Vor allem nutzten mehr als 70% diese Behandlungsoptionen über Jahre und entgingen der angeblichen Notwendigkeit,sich ganz dringend einer Prothesenversorgung zu unterziehen,da sie sonst innerhalb eines halben Jahres im Rollstuhl säßen. Sollte aus dieser Kollegenecke auch die o.g. Studie stammen? Viele verbalen Mitteilungen an Patienten während einer Klinikvorstellung zur Behandlungsberatung hatten gleichlautende Aussagen.

#4 |
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Dr.Bayerl, Arzt
Dr.Bayerl, Arzt

“Physio-, Ergo- und physikalische Therapie. ” sind keinesfalls wirksamer.
Die Arthroskopie ist eine DIAGNOSTISCHE Maßnahme. Kein Arzt behauptet, dass er damit eine Arthrose heilen könnte. Die genaue Diagnose ist wichtig für die doch schwerwiegende Entscheidung ein künstliches Kniegelenk einzubauen,
denn auch das hält nicht ewig.
Allerdings bringt häufig die Reinigung und Spülung einen deutlichen Linderungseffekt.
Über die Zahl der künstlichen Kniegelenke wird ja interessanterweise auch von den Kassen gemeckert.
Also was man auch tut es wird gemeckert,
vorwiegend von Nicht-Ärzten.

#3 |
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Ergänzend zur etwas zugespitzten Meinung zu Patientenerwartungen noch ein weiterer Punkt: die Bertelsmannstiftung ist als Auftraggeber einer Studie grundsätzlich mit Misstrauen zu sehen.
Die Studienfragestellung kann nur ein negatives Ergebnis erbringen.
Ich kenne keinen Arzt, der seinen Patienten eine Heilung seiner Arthrose durch Arthroskopie oder intraartikuäre Injektionen verspricht. Sie stellen, bei richtiger Indikationsstellung, oft sinnvolle Bausteine eines Behandlungskonzeptes dar. Behindert wird eine sinnvolle Behandlung von Patienten oft durch finanzielle (WANZ Kriterien) und bürokratische Restriktionen seitens der Krankenkassen. Kommt dann noch eine Beurteilung des Patienten durch den MdK nach Aktenlage hinzu sind die Grundlagen des FUBAR komplett erfüllt.

#2 |
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Leider haben die Forscher des Harding Zentrums da die Patienten nicht richtig verstanden. Wenn diese “Gewichtsreduktion, gelenkschonende Aktivitäten, Physio-, Eigenverantwortung” in ihrem Leben in ausreichendem Masse beachten würden, wäre die Mehrzahl nicht gezwungen beim Arzt um Linderung ihrer Schmerzen zu ersuchen. Sie möchten/verlangen vom aufgesuchten Arzt die schnelle Lösung mittels Spritze nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist.
“Physio-, Ergo- und physikalische Therapie” sowie Massagen werden intensiv nachgefragt, sind kassenärztlich jedoch mengenreduziert und bieten ein intensives Regressrisiko.

#1 |
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