Geriatrie: Wilderer im Apothekergärtchen

15. August 2014
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Mit seinem Positionspapier „Apotheke 2013“ hat der Berufsstand Medikationsanalyse und Medikationsmanagement als Ziele definiert. Ein erstes Pilotprojekt in Sachsen und Thüringen läuft. Das hält Krankenkassen nicht davon ab, selbst aktiv zu werden.

Das Leitbild lässt keine Zweifel: „Als ein wesentliches Instrument für die sichere, wirksame und wirtschaftliche Arzneimitteltherapie bieten die öffentlichen Apotheken ein Medikationsmanagement an“, heißt es unter Punkt 18. „Dabei wird die gesamte Medikation des Patienten, einschließlich der Selbstmedikation, kontinuierlich analysiert.“ Ziel sei, arzneimittelbezogene Probleme zu vermeiden, zu erkennen sowie zu lösen, um Effektivität und Effizienz der Arzneimitteltherapie zu erhöhen.

Zäher Start

Entsprechende Planungen beschäftigen die Apothekerschaft schon seit Jahren. Nach größeren Anlaufschwierigkeiten, nicht zuletzt durch ärztlichen Widerstand, wurde es Anfang April 2014 ernst: Ärzte und Apotheker konnten sich für das Modellprojekt ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen) einschreiben. Am 1. Juli 2014 gingen die Module Wirkstoffverordnung und Medikationskatalog an den Start. Und 2015 soll das Medikationsmanagement folgen.

Kassen als Medikationsmanager

Der Techniker Krankenkasse (TK) Nordrhein-Westfalen gehen entsprechende Planungen wohl zu langsam. Hauseigenen Zahlen zufolge erhält jeder fünfte Versicherte über 65 Arzneimittel verordnet, die zu einem höheren Sturzrisiko führen. Entsprechende Abgleiche haben Versorgungsforscher mit der PRISCUS-Liste durchgeführt. Darin werden 83 Arzneistoffe aus 18 Arzneistoffklassen als potenziell inadäquat für Senioren klassifiziert. Noch eine weitere Zahl: Laut TK wurden in NRW-Kliniken etwa 46.000 Menschen mit Oberschenkelhalsbruch (2012) behandelt. Nicht jede Fraktur ist Folge falscher Medikationen.

Kontoauszug von der Kasse

Trotzdem will die regionale TK etwas zur Sturzprophylaxe unternehmen. Mitglieder haben jetzt die Möglichkeit, sich eine sogenannte „Versicherteninformation Arzneimittel“ (TK-ViA) erstellen zu lassen – als pharmazeutischen Kontoausdruck. Das Dokument listet ärztlich verordnete Medikamente der letzten zwei Jahre. Ein Abgleich mit der PRISCUS-Liste kommt mit hinzu. „Patienten können anhand dieser Information mit ihrem Arzt über mögliche Alternativen sprechen“, sagt Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung NRW. Gleichzeitig warnt er vor eigenmächtigem Absetzen und rät, alles Weitere mit Ärzten abzustimmen. Apotheker haben einmal mehr das Nachsehen.

3 Wertungen (5 ø)

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1 Kommentar:

Apotheker

Schön, wenn der Patient einen Ausdruck in die Hand bekommt mit seinen Arzneimitteln die “inadäquat” sind. Gibt es doch auch in einigen fällen keine Alternativen oder wurde bereits eine Dosisanpassung durchgeführt. Das gehört definitiv nicht in die Verantwortung einer Krankenkasse!

#1 |
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