Suizidrisiko: Arbeitsbedingungen beleuchtet

7. August 2014
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Finden Arbeitnehmer ein hohes Ausmaß an Arbeitsbedingungen vor, die in den Tag-Wach-Rhythmus eingreifen oder körperlich belastend sind, kann sich ihr Selbstmordrisiko deutlich erhöhen. Zu diesem Befund kommen zumindest Wissenschaftler im Zuge einer aktuellen Studie.

Dieser Anstieg ist unabhängig von bekannten Risikofaktoren für suizidale Handlungen. Psychischer Stress am Arbeitsplatz hingegen weist keinen Zusammenhang mit der Suizidhäufigkeit auf. Diese Befunde konnten Forscher aus der Arbeitsgruppe von Prof. Karl-Heinz Ladwig vom Helmholtz Zentrum München in Kooperation mit der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums rechts der Isar ermitteln.

Während verschiedene Studien in der Vergangenheit zeigen konnten, dass ungünstige Arbeitsbedingen in engem Zusammenhang zu erhöhtem Auftreten von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen stehen, war bislang unklar, inwieweit sich ungünstige Arbeitsbedingungen und beruflicher Stress auch auf das Suizidrisiko auswirken. Hierfür untersuchten Dr. Jens Baumert und Kollegen bei etwa 7.000 Teilnehmern der bevölkerungsbezogenen MONICA/KORA Kohortenstudie prospektiv den Zusammenhang von chrono-biologisch, körperlich und psychosozial belastenden Arbeitsbedingungen sowie beruflichem Stress mit dem Auftreten von Suiziden.

Das Ergebnis: Ein hohes Ausmaß an chrono-biologisch und körperlich belastenden Arbeitsbedingungen wie beispielsweise Überstunden, Wechselschichten, Akkordarbeit, Lärm oder Schadstoffe erhöht das Risiko für einen Suizid um das fast Dreifache. Dies gilt unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildungsgrad, Familienstatus, Alkoholkonsum und von weiteren suizid-relevanten Risikofaktoren. Im Gegensatz dazu haben psychosozial belastende Arbeitsbedingungen oder beruflicher Stress keinen oder nur geringen Einfluss auf das Suizidrisiko.

Vermeidung suizidaler Handlungen

Die Befunde der Studie lassen den Schluss zu, dass Verbesserungen im Arbeitsumfeld, insbesondere hinsichtlich chrono-biologisch oder körperlich belastender Bedingungen, eine wertvolle Strategie im Hinblick auf die Vermeidung von suizidalen Handlungen von Arbeitnehmern darstellen könnten. Hintergrund für den gezeigten Zusammenhang könnte sein, dass eine Tätigkeit unter dauerhaft chrono-biologisch oder körperlich belastbaren Arbeitsbedingungen Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Resignation bis hin zu „Sich aufgeben“ fördern können, was längerfristig mögliche suizidale Handlungen begünstigen könnte.

Originalpublikation:

Adverse conditions at the workplace are associated with increased suicide risk
Jens Baumert et al.; Journal of Psychiatric Research, doi: 10.1016/j.jpsychires.2014.06.007; 2014

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1 Kommentar:

Gast
Gast

So neu ist das nicht. Die betriebsärztlichen und MDK-Kollegen neigen diesbezüglich leider zur Ignoranz.

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