Studienplatztausch: 3,2,1 – Mainz!

13. August 2014
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Egal von wo nach wo, egal in welchem Semester. Tausende Studenten versuchen jedes Jahr, ihren Medizinstudienplatz zu wechseln. Über Probleme und Herausforderungen eines Studienplatztausches.

Manche wissen es von vornherein, andere erst nach dem Öffnen des ersehnten Briefes: Aus dem Studium in der Stadt der Wahl wird nichts. Doch was tun, wenn man zwar den ersehnten Studienplatz in Medizin bekommt, doch einem der Studienort gar nicht gefällt? Eine Möglichkeit zu wechseln ist, seinen Studienplatz mit einem Kommilitonen von der Wunsch-Uni zu tauschen. Vor dem Tausch steht allerdings eine detaillierte Recherche zur gewünschten Universität und der dort gültigen Prüfungsordnung an. Gleiches Fach, gleiches Fachsemester, vergleichbare Scheine, man muss einige Voraussetzungen erfüllen, damit der Studienplatztausch klappt.

Am Besten stehen die Chancen, wenn man frühzeitig mit der Suche nach einem Tauschpartner beginnt, möglichst schon einige Monate vor dem geplanten Hochschulwechsel.
 Uni-abhängig müssen verschiedene Dinge bei einem Tausch beachtet werden. Hilfreich ist es dabei insbesondere, sich die Homepages der beteiligten Universitäten genau anzugucken sowie die entsprechenden Studentensekretariate um Auskunft zu bitten. Hat man einen potentiellen Tauschpartner gefunden, muss man vor allem die Tauschfristen der Unis beachten. Die meisten verlangen einen abgeschlossenen Tausch vor Beginn der Vorlesungszeit. Bis dahin müssen alle nötigen Formulare in den Sekretariaten eingegangen sein und diese ihre Zustimmung gegeben haben.

Voraussetzungen zum Uni-Tausch

Voraussetzung für einen erfolgreichen Tausch ist dabei, neben dem gleichen Studiengang und Fachsemester, auch eine reguläre Zulassung (hier zählen keine eingeklagten Studienplätze oder Teilzulassungen). Es sollte außerdem kein Verlust von Prüfungsansprüchen oder ein endgültiges Nichtbestehen einer Prüfung vorliegen, in solchen Fällen müssen sich Tauschwillige genau an den jeweiligen Unis informieren. Alle Tauschteilnehmer müssen eingeschrieben sein, was besonders wichtig für Erstsemester ist. An einigen Unis kann man zum ersten Semester gar nicht tauschen und an manchen Standorten geht dies nur, wenn beide Tauschpartner innerhalb der gleichen Quote (Leistung, Wartezeit, Zweitstudium, etc.) zugelassen wurden. Außerdem ist an einigen Unis auch kein Wechsel außerhalb der Regelstudienzeit möglich.

Findet sich kein direkt geeigneter Tauschpartner, kann man versuchen, über einen Ringtausch zu wechseln. Dabei kommen mindestens 3 Personen zusammen, die zwar nicht direkt ihren Studienplatz tauschen können, jedoch den gleichen Studiengang, das gleiche Fachsemester, vergleichbare Scheine und alle zum Studienplatztausch notwendigen Orte aufweisen. Manfred Bähr, Experte der Tauschbörse „studienplatztausch.de“, schätzt, dass etwa 80 % der Studienplatztauschversuche erfolgreich sind. Da es im Voraus aber keine Sicherheiten gibt, dass der Tausch auch wirklich stattfindet, beispielsweise wenn der Tauschpartner nicht alle notwendigen Scheine/ das Physikum besteht oder abspringt, ist es wichtig, darauf zu achten, dass dies nicht in der kritischen Phase zwischen Exmatrikulation an der alten und Immatrikulation an der neuen Universität geschieht. Bähr rät deshalb zu einer detailgenauen Absprache mit dem Tauschpartner und allen involvierten Studierendensekretariaten. Beachtet man all diese Voraussetzungen, steht einem erfolgreichen Tausch nichts mehr im Weg.

Tauschbörsen in der Übersicht:

Nach einem potentiellen Tauschpartner könnt Ihr auf folgenden Seiten suchen:

Studienplatztausch.deDas offizielle Studienplatztausch-Portal mit über 8.000 Angeboten aus allen Studienfächern. Sehr übersichtlich, gefördert durch die Studierendenschaften deutscher Hochschulen und mit Info-Hotline bei allen Fragen rund um den Tausch, kostenpflichtig (ca. 5,10 € pro Antrag).
Medi-Learn-StudienplatztauschTauschbörse mit guter Semester- und Ortsübersicht, kostenlose Basisanzeige, Extraleistungen wie Hervorhebungen des Textes oder Anzeigen auf der Startseite sind allerdings kostenpflichtig.
Studienplatz-Tauschbörse.deEine kostenlose Tauschbörse, geordnet nach den verschiedenen Medizin-Unis, mit Tauschstatistik und Übersicht über noch aktive Tauschangebote.
uni-pur-StudienplatztauschStudentenportal, das neben Fragen und Tipps rund um das Studentenleben auch eine aktive, kostenlose Tauschbörse anbietet.
Unipilot-StudienplatztauschHier kann man kostenlos und übersichtlich nach Tauschangeboten aus allen Fachbereichen suchen und selbst Tauschangebote einstellen.
Unicum-ForumHier gibt es die Möglichkeit, im Forum Studienplätze in Medizin anzubieten und Tauschwillige zu kontaktieren, dies ist ebenfalls kostenlos.
ZVS-Opfer StudienplatztauschDie „ZVS-Opfer-Datenbank“ bietet Studenten, die von der ZVS in die Wüste geschickt worden sind, die Möglichkeit, kostenlos Tauschangebote anzusehen und einzustellen.

 

Dies ist nur eine Übersicht über die am häufigsten genutzten Studienplatztauschbörsen für Medizin. Bei vielen Tauschbörsen ist ein geringer Kostenbeitrag zu zahlen, der garantieren soll, dass sich nur diejenigen beteiligen, die ernsthaft an einem Wechsel interessiert sind. Im Internet finden sich noch zahlreiche weitere Portale, auf denen Tauschangebote zu finden sind. Es ist außerdem lohnenswert, sich bei der jeweiligen Universität selbst zu erkundigen, ob es ein internes Tauschportal gibt oder man stöbert an den schwarzen Brettern und auch ein Blick in diverse Studienplatztauschgruppen auf Facebook kann zum gewünschten Uni-Platz führen.

Wunsch-Uni gegen Geld

Einige Universitäten wie z. B. München, Ulm, Köln, Aachen oder Lübeck, bieten den Studienplatztausch nicht zum ersten Semester an. Sie fürchten, dass manche Studenten regelrechten Handel mit heiß begehrten Studienplätzen betreiben und satte Tauschprämien für den Uni-Wechsel einfahren. Allzu oft liest man in gängigen Tauschportalen von Geldprämien bis zu 8.000 €, die von verzweifelten Studenten bei einem erfolgreichen Tausch gezahlt werden. Vor allem die begehrten Unis betrifft der illegale Handel mit Studienplätzen. In einigen Fällen an der LMU München sollen sogar fünfstellige Beträge für Studienplätze gezahlt worden sein. Um der Hehlerei vorzubeugen, wird an manchen Unis deswegen nur noch der Tausch in höheren Semestern akzeptiert, da hier das Risiko, lukrative „Entscheidungshilfen“ angeboten zu bekommen, geringer sei. Auch in Österreich gibt es aus denselben Gründen seit dem Wintersemester 2011/12 eine Regelung, die einen Tausch zu Beginn des Studiums verbietet.

Und auch, wenn sich viele Studenten darüber ärgern, dass wegen einiger schwarzer Schafe ihr Tauschwunsch zu Studienbeginn durchkreuzt wird, so ist es doch rechtens. Zwar garantiert Artikel 12 des Grundgesetzes das Recht, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Aber es ist durch die vielen Zulassungsbeschränkungen stark eingeschränkt, und ein Studienplatz gehört niemandem persönlich. Einen gesetzlichen Anspruch auf Studienplatztausch gibt es nicht, die Zustimmung dazu liegt im Ermessen der beteiligten Hochschulen. Manfred Bähr kann das nicht verstehen: „Dass es einen illegalen Handel mit Studienplätzen gibt, ist mittlerweile sehr an den Haaren herbei gezogen. Das ist ein Argument, das den Studentensekretariaten nur dazu dient, sich Arbeit vom Hals zu halten. Die allermeisten Leute sind ehrlich und wollen den Studienplatz völlig berechtigt tauschen.“

Bähr fordert: „Ein Tausch zum ersten Semester muss möglich sein. Es ist nicht nur fachlich für den Studierenden ein Vorteil, an seiner Wunschuniversität zu studieren, sondern es bringt auch für den Fachbereich mehr, gleich den Studierenden zu haben, der zumindest das komplette Grundstudium am Ort erledigt.“ Und falls die Universitäten sich doch quer stellen, hält Bähr eine Klage für hilfreich: „Prüft die Sachlage sehr genau! Für einen Wechsel zum ersten Semester müssen folgende Punkte gegeben sein: a) Vollstudienplatz für beide, b) beide müssen eingeschrieben sein, c) keiner von den beiden darf durch ein Sonderverfahren an den Studienplatz gelangt sein. Sonderverfahren sind etwa Auswahlgespräche oder bestimmte soziale Kriterien wie Härtefallregelungen. Wenn man alle diese Punkte beachtet, kann man sich auch auf eine Klage einlassen. Ansonsten gilt: Spart euch das Geld.“

Über Ungarn und Kiel nach München

Ihren Studienplatz tauschen wollen viele Medizinstudenten. Solange man einen Tauschpartner findet und die Unis ihr OK geben, hat man gute Chancen, dass ein Tausch auch funktioniert. So wie bei Lisa Lindner. Die gebürtige Ambergerin hat ihre Vorklinik in Budapest absolviert und wurde zum Sommersemester 2014 für den klinischen Studienabschnitt an der Medizinischen Fakultät in Kiel eingeschrieben. Da sie dort nicht bleiben wollte, suchte sie eine Tauschpartnerin, um nach München an die LMU zu wechseln. „Ich wollte nach den zwei Jahren Ausland einfach wieder spontan für ein Wochenende nach Hause fahren können. Das war während des Studiums in Ungarn maximal 1-2 mal pro Semester möglich, mit siebeneinhalb Stunden Fahrzeit. Von Kiel aus hätte ich zu mir nach Hause sogar 12 Stunden gebraucht. Viel zu lang! Ich habe außerdem zum Wintersemester 2013/14 bereits meine Doktorarbeit (Externe Promotion) an der LMU begonnen, dies war ein weiterer Grund für mich, zu wechseln.“

Lisa hatte sich auch direkt an den Münchner Unis beworben, jedoch waren die Kapazitäten bereits ausgelastet und sie hatte von beiden Universitäten eine Absage erhalten. Der Tausch war somit die einzige Möglichkeit für Lisa, nach München zu kommen. Ihre Tauschpartnerin Victoria fand Lisa über eine Facebook-Studienplatztausch-Gruppe. „Ich habe Victoria sofort angeschrieben, nachdem ich ihr Gesuch gelesen hatte. Sie meinte nach dem Tausch zu mir, dass sie bereits vier andere Anfragen für den Tausch von München nach Kiel gehabt hätte, ich ihr aber mit meiner Anfrage am sympathischsten war. Das war also reines Glück, dass ich tauschen konnte.“ Nachdem alle Formalitäten erledigt waren und die beiden zu zweit in München ihre Anträge abgegeben hatten, lief der Tausch einwandfrei ab. Beide waren danach sehr erleichtert. „Ich freue mich, endlich in Deutschland studieren zu können. München ist mit Budapest nicht zu vergleichen, da der Aufbau des Medizinstudiums ganz anders ist. Ich schätze am deutschen System, dass es deutlich fairer ist als das ungarische. Klar ist München extrem teuer, was Wohnungen und Lebenshaltungskosten angeht, aber ich genieße es nun, endlich sehr spontan nach Hause oder in die Berge fahren zu können.“

Ringtausch mit Hindernissen

Nadine-Lienert

Nadine Lienert

Auch Nadine Lienert, die jetzt an der TU München ins 9. Semester kommt, hat ihren Studienplatz getauscht. Sie ist vor zwei Jahren zum klinischen Studienabschnitt von Würzburg nach München gewechselt. „Ich wollte damals gerne noch mal eine neue, größere Stadt sehen. Im 3. Semester kam bei mir der Wunsch auf, nach München zu ziehen. Zum Physikum dachte ich mir dann, dass nun ein guter Zeitpunkt zum Wechseln wäre und ich wollte es einfach mal probieren. Für mich wäre es nicht so schlimm gewesen, wenn der Tausch nicht geklappt hätte, aber so bin ich wirklich sehr froh, dass es doch funktioniert hat, denn in dieser Stadt fühle ich mich viel wohler.“ Doch das war nicht immer so. Die gebürtige Nürnbergerin hatte sich ursprünglich sogar ausdrücklich gegen München als Wunsch-Uni entschieden. „Damals nach dem Abi wollte ich da auf keinen Fall hin. Ich hatte Würzburg als Wunsch angegeben und bereue es nicht, dort die Vorklinik absolviert zu haben, da alles kleiner und familiärer ist und so einen sanfteren Einstieg ins Medizinstudium ermöglicht. Und einfach so wechseln, ist natürlich nicht leicht in der Medizin.“

Auch Nadine hatte sich fürs erste klinische Semester direkt an der LMU beworben, aber die Chancen, genommen zu werden, sind sehr gering. „Deswegen war ich dann sehr froh, dass es mit einem Tausch geklappt hat.“ Über studienplatztausch.de hat Nadine damals ihre Tauschpartner gefunden. Sie nahm an einem Ringtausch über Erlangen teil, sodass letztlich alle Tauschpartner ihre Wunsch-Uni bekamen. Voraussetzungen waren, dass die drei Studenten das Physikum alle zur gleichen Zeit bestanden hatten und sie zum kommenden Semester in den ersten klinischen Studienabschnitt einsteigen mussten. „Wir haben dann alle drei über das Portal Kontakt zueinander aufgenommen und uns dazu entschlossen, den Tausch zu machen. Es gab Ringtausch-Formulare, die wir ausfüllen mussten und normale Tauschanträge bei der jeweiligen Universität. Dann sind wir jeweils zu zweit oder sogar zu dritt zu den Studienämtern der Unis gegangen und haben da unsere Anträge eingereicht. Dabei musste sich dann jeweils derjenige, der die Uni verlässt, exmatrikluieren.“

Ein bisschen Nervenkitzel

Probleme gab es dann nur, weil sich die Studenten erst sehr kurz vor der Tauschfrist zum Wintersemester dazu entschlossen. „Manche Unis, wie z. B. auch die in München, wollen Originalstempel von beiden beteiligten Tausch-Unis auf ein und demselben Formular haben, das machte die Sache dann etwas kompliziert, da wir sowieso schon unter Zeitdruck standen. Aber wenn man sich rechtzeitig darum kümmert, ist das eigentlich auch kein Problem und zum Glück hat bei uns alles gut funktioniert. In München kam dann bei mir noch die Schwierigkeit dazu, dass es ja zwei verschiedene Unis für Medizin gibt, die TU und die LMU. Für eine der beiden muss man sich nach dem Physikum entscheiden und je nach Physikumsnote bekommt man dann seine angegebene Wunsch-Uni oder eben nicht. Den Tauschantrag muss man aber grundsätzlich an der LMU stellen, auch wenn man dann an die TU geht. Man muss dann an die Uni gehen, für die sich der Tauschpartner vorher beworben hat, man übernimmt also genau dessen Platz, unabhängig vom eigenen Physikumsschnitt. Mein Tauschpartner hatte sich für die TU beworben. Und erst sobald bei mir der TU-Bescheid raus war, konnte ich mich an der TU immatrikulieren, was aber glücklicherweise sehr unkompliziert war. Nur vorher gab es bei uns allen den Nervenkitzel, ob das alles so klappt, wie wir uns das vorgestellt hatten.“

Nadine ist froh, dass der Tausch zustande gekommen ist. Sie wollte wieder in eine größere Stadt mit Nähe zu den Bergen ziehen und hat trotz der hohen Lebenshaltungskosten in München ihre Wunschstadt gefunden. Die Universitäten selber spielten bei ihrer Entscheidung aber keine Rolle: „Unimäßig sehe ich zwischen München und Würzburg keinen großen Unterschied. Es gibt an jeder Uni gute und schlechte Veranstaltungen; an der einen Uni sind eben diese Fächer, an der anderen Uni jene besser oder schlechter. Ärzte werden wir alle damit werden.“

Mit Glück, Mut und Verstand

Informiert man sich also vorher genau über die Tauschmöglichkeiten und Voraussetzungen der Universitäten und findet einen geeigneten Tauschpartner, steht einem Wechsel an die Wunsch-Uni nichts mehr im Wege. Wie immer spielt natürlich auch eine gute Portion Glück eine Rolle, man sollte zur richtigen Zeit am richtigen Ort suchen und bei mehreren Bewerbern einen möglichst sympathischen Eindruck beim Tauschpartner hinterlassen. Auch Nadine Lienert kann einen Studienplatztausch nur empfehlen: „Wenn es euch wegzieht, dann habt den Mut, einen Tausch zu wagen, auch wenn man vieles zurücklassen muss. So leicht wie im Studium ist es nie mehr, in einer Stadt neu anzufangen und sich ganz schnell ein neues Umfeld aufzubauen. Ich habe meine Entscheidung nie bereut!“

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