Antibiotika-Menge: Abgabe an Tiere betrachtet

5. August 2014
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Die jährliche Auswertung der Antibiotikaabgabe an Tiere zeigt, dass die Gesamtmenge im Jahr 2013 weiter gesunken ist. Gering, aber zunehmend ist der Anteil an verabreichten Antibiotika, die für die Therapie in der Humanmedizin von Bedeutung sind.

Im Jahr 2013 wurden in der Tiermedizin knapp 170 Tonnen weniger Antibiotika abgegeben als im Vorjahr. Das ergab die Auswertung der im Jahr 2013 zum dritten Mal erhobenen Abgabemengendaten für Antibiotika durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen (Critically Important Antimicrobials) eingestuften Antibiotikaklassen wie Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation werden weiterhin nicht in großen Mengen abgegeben. Allerdings stieg die Abgabemenge von Fluorchinolonen gegenüber dem Jahr 2012 um 3 Tonnen an. Vorwiegend werden in der Veterinärmedizin ältere Wirkstoffen wie Penicilline und Tetrazykline abgegeben.

Im Jahr 2013 sind insgesamt 1.452 Tonnen (t) Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben worden. Dies sind 167 t weniger als im Vorjahr und gegenüber der ersten Erfassung im Jahr 2011 ein Minus von rund. 250 t. Die Menge an Fluorchinolonen, deren Verwendung in der Tiermedizin wegen ihrer wichtigen Bedeutung für die Verwendung in der Humanmedizin kritisch gesehen wird, ist gegenüber der Vorjahresmeldung um 3 t und im Vergleich zu der Menge 2011 um 5 t angestiegen.

Die Hauptabgabemengen bilden wiederum Penicilline mit etwa 473 t und Tetrazykline mit etwa 454 t, gefolgt von Sulfonamiden mit 152 t, Makroliden mit 125 t und Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 125 t. Des Weiteren wurden rund 13 t Fluorchinolone und rund 4 t Cephalosporine der 3. und 4. Generation abgegeben.

Genaue Zuordnung der Tierarten nicht möglich

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich nicht zu einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist. Von den abgegebenen 1.452 t Wirkstoffen entfallen 1.444 t auf Präparate, die für mindestens eine Tierart zugelassen sind, die Lebensmittel liefert. Gut 8 Tonnen entfallen auf Präparate, die ausschließlich für nicht Lebensmittel liefernde Tiere (also Sport- und Freizeittiere) zugelassen sind.

Im Erfassungszeitraum von 2011 bis 2013 gab es folgende Veränderungen in Bezug auf die geografische Zuordnung der Abgabemengen. Für den Postleitzahl-Bereich 49 wurde eine Abnahme der Abgabemengen von ca. 704 t (2011) auf ca. 579 t (2013) berechnet. Dieses bedeutet ein Minus von rund 125 t. Für sieben Postleitzahlbereiche (07, 25, 29, 33, 46, 48, 59) ergab sich ein Minus zwischen 5 und 20 t. Eine Zunahme im zweistelligen Bereich wurde für den Postleitzahlbereich 47 mit einem Plus von ca. 13 t dokumentiert.

Instrument zur Untersuchung der Antibiotikaresistenz?

Der Einsatz von Tierarzneimitteln dient dem Ziel, kranke Tiere zu behandeln und damit die Tiergesundheit und den Tierschutz zu fördern. Der Einsatz ist gleichermaßen auf den Schutz des Verbrauchers ausgerichtet. Sorge bereitet jedoch, dass der Therapieerfolg sowohl in der Human- wie auch in der Tiermedizin zunehmend durch das Auftreten antibiotikaresistenter Bakterien gefährdet wird. Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und/oder der Transfer von Resistenzgenen zwischen Mensch und Tier ist wechselseitig möglich. Die erhobenen Daten können bei der Risikobewertung und dem Risikomanagement berücksichtigt werden. Weitere Komponenten sind die Datenerhebung in den laufenden Resistenzmonitorings zu bestimmten Erregern.

Zukünftig sollen die Therapiehäufigkeiten und die Verbrauchsmengenerfassung von Antibiotika, die mit der Änderung des Arzneimittelgesetzes (16. AMG-Novelle) seit dem 1. Juli 2014 eingeführt worden sind, als weitere Instrumente einer Gesamtbetrachtung von Trends und Entwicklungen der Antibiotikaresistenz in der Veterinärmedizin genutzt werden.

1 Wertungen (5 ø)

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7 Kommentare:

Gast
Gast

zu #5 HA-MRSA (hospital-associated) kommt aus USA, Intensivstationen, LA-MRSA (lifestock-associated) kommt aus der Tierzucht (Schweine) und CA-MRSA (community-associated) jedenfalls auch von außerhalb des Krankenhauses.
Bei Tieren sind allerdings andere Keime wichtiger, die große Gruppe der Enterobakterien wie Dr.Bayerl #4 völlig richtig sagt.

#7 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Herr Rausch, das Thema heist ANTIBIOTIKAMENGE.
In der “Landwirtschaft” sind das einige TAUSEND Tonnen,
verglichen mit unter 10Tonnen auf deutschen Intensivstationen.
Und was man bei Aldi im Fleisch findet sind antibiotikaresistente Keime,
egal wie die dahin gekommen sind.
Wenn Sie Yersinia nicht interessiert, dann interessiert das den Humanmediziner um so mehr, Infektionen beim Mensch sind sogar meldepflichtig.
Jedenfalls wird das Antibiotikum nicht im Schlachthof verabreicht, oder???
Gegen Gülledüngung (=Stickstoff) habe ich nicht argumentiert, das ist ein neues Thema; problematisch ist dabei die Menge, also die Überdüngung mit der Grundwasserbelastung.
In der Landwirtschaft wird ja noch zusätzlich “menschliche” Gülle verwendet,
was ja bei EHEC offensichtlich passiert ist.
Aber bleiben wir einfach beim Thema
und das heist:
ZU VIELE ANTIBIOTIKA
in der Landwirtschaft.
Das muss sich bitte ÄNDERN!
Menschen auf der Intensivstation sind wichtiger, als der Zuchterlös.

#6 |
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Tierarzt

@ Dr. Bayer
Ich bin gelernter Landwirt, wie Sie sehen habe ich auch einen Beruf.
Wenn die Yersinie oder die Salmonelle (erstere therapeutisch für mich völlig uninteressant) aus dem Darm in Aldis Kühltruhe kommt machen, glaube ich andere als der Landwirt oder der TA etwas falsch. Für mich ist der Muskel eines gesunden Individuum immer noch steril.
Über die Gülle auf die Pflanze? Jo, erst kocht die Salmonelle und dann überlebt sie im Sonnenschein, normalerweise. Leider gibt es Politiker, insbesondere Grüne, die den Landwirt verpflichten die Gülle sofort einzuarbeiten. Dumm, denn das beste Desinfektionsmittel ist nun mal die liebe Sonne.
Aber wie erklären Sie mir die haMRSA und laMRSA Geschichte?
Ein richtiges Gegenargument bringen Sie nicht zu stande. Dann könnte ich Ihnen vielleicht auch antworten.

#5 |
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Dr.Bayerl, Arzt
Dr.Bayerl, Arzt

Lieber Tierarzt, warum ziehen Sie sich die Schuhe der Landwirtschaft an?
Kennen Sie denn die Mengenverhältnisse?
Sie müssen schon Argumente bringen.
Interessant finde ich Ihren Gewichtsvergleich, ein Bulle eine Tonne,
eine Altsau immer noch 400 kg, von einem Eber ganz zu schweigen.
Was meinen Sie wieviele Keime da rein passen?
Ich dachte da an Enterobakterien z.B. Yersinia, die man auch bei Aldi noch findet.
Antibiotikaresistent?

Also die 10-fache Menge an Antibiotika, oder mehr?
Was meinen Sie?

#4 |
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Tierarzt

Ist aber auch Mist wenn die Pfanne leer bleibt oder guten Appetit mit der Butterblume.
Warum ist eigentlich immer die Veterinärmedizin schuld an der Entstehung von Resistenzen? In der Humanmedizin wird demnach jeder Patient dem Antibiotika appliziert werden sollen gewogen, rsp. das Gewicht geschätzt um nicht unterzudosieren, logischerweise kontrolliert der Arzt die fachgerechte Anwendung durch den Patienten (im Krankenhaus etc. gehe davon aus) und kontrolliert auch ob Lieschen Müller oder Oma Erna alle Pillen genommen hat und dokumentiert dieses auch. Sonst könnten Lieschen und Oma ja evtl. das Präparat sowie es ihnen besser geht absetzen (sich immer an so blöde Zeiten halten ist ja auch blöde und vielleicht noch einen Wecker stellen…) und die letzten 10 Pillen landen natürlich nicht im Medizinschrank, oder besser, der privaten Hausapotheke, die kann man ja das nächste Mal gleich nehmen.
Stehen im Stall 100,0 ml Penstrep sind Landwirt und TA Mode.
Es ist doch immer wieder schön einfach auf andere zu zeigen, weil die sind schuld, wir ja nicht.
Allerdings würde die Verbotsliste auch für den Arzthund gelten, auch wenn er ein verfassungsmäßiges Mitgeschöpf ist. Das ist das blöde Huhn und die dreckige Sau auch! Es gibt aber auch so etwas wie Tierschutz und Verantwortung für das Tier wobei dies nicht wichtiger ist als der Schutz des Menschen. Hier verwechseln die Koll. Humanmediziner etwas. Es geht immer um den Schutz des Menschen und der Tiere vor Tierseuchen, Parasitosen und anderen besonderen Gefahren. Und ja, WIR Tierärzte sind die berufenen Schützer der Tiere, aber nicht um im Gegenzug dem Menschen zu schaden. Wieso sind überhaupt 98% der Infektionen mit MRSA hospital associated und nicht livestock associated?
Leider wird aber auch immer vergessen bei den Mengenangaben im “Antibiotikaverbrauch” die Körpermasse die dahinter steht zu erwähnen. Große Hunde können schon ein erwachsener Mensch sein (vom Gewicht her natürlich). Ein Bulle und ein schweres Pferd bringen locker 1 Tonne auf die Waage, eine Kuh mindestens 500 kg und eine Sau, vom Eber ganz zu schweigen, schafft heute auch fast 400 kg (Altsau nach einigen Würfen).
So nun wende ich mich wieder dem antibiotikahaltigen Steak und der mit resistenten Keimen behafteten Wurst zu, gegrilltes Fleisch ist doch einfach zu lecker (wenn ich mir eine Sojabohne auf dem Grill vorstelle bekomme ich Schweißausbrüche und meine Nackenhaare stellen sich auf), das macht stark und schützt vor Infektionen mit den in den Krankenhäusern und Arztpraxen produzierten resistenten Erregern.

#3 |
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Arzt
Arzt

“Tierschutz” ist wichtiger als Menschenschutz,
auch wenn die endlich in der Pfanne landen.

#2 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Vielen Dank docchek für das tabu-Thema.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist leider inhaltlich und personell sehr am Landwirtschaftsministerium orientiert, so dass bereits der Name eher ein Deckname statt Programm bedeutet.
Sonst dürfte hier nicht stehen:
“Zukünftig sollen die Therapiehäufigkeiten und die Verbrauchsmengenerfassung von Antibiotika, die mit der Änderung des Arzneimittelgesetzes (16. AMG-Novelle) seit dem 1. Juli 2014 eingeführt worden sind, als weitere Instrumente einer Gesamtbetrachtung von Trends ….”
sondern statt “Beobachtung” müsste hier
EINE VERBOTSLISTE von Antibiotika stehen, die für den Einsatz in der Humanmedizin vorbehalten ist, gerade um das Weltproblem der Resistenzbildung endlich einmal anzupacken.
Davon sind wir offenbar MEILENWEIT entfernt.
Das sieht man auch daran, dass die angegebenen Mengen nur eine Auswahl darstellen, also den wahren Umsatz verschleiern.

#1 |
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