Leishmaniose: Nördlichster Sandmücken-Fund

4. August 2014
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Forscher haben nun die erste in Hessen gefundene Sandmücken-Art identifiziert. Die Mücke ist ein potentieller Überträger der Leishmaniose. Der Fund ist der bisher nördlichste weltweit.

Die beigefarbenen Sandmücken sind nur wenige Millimeter groß und lieben es eigentlich warm. Ihre Hauptverbreitungsgebiete sind die Tropen, Subtropen und der Mittelmeerraum – dort übertragen die winzigen Mücken nicht selten die Infektionskrankheit Leishmaniose.

„Wir haben nun erstmals eine Sandmücken-Art innerhalb Hessens entdeckt“, berichtet Prof. Dr. Sven Klimpel vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität. Das Insekt wurde nördlich von Gießen im Rahmen eines bundesweiten Mückenmonitorings gefangen und von Klimpel und seinem Team identifiziert. „Es handelt sich um die Sandmücken-Art Phlebotomus mascittii, die in etwa 500 Meter Entfernung zu bewohnten Häusern gefunden wurde“, erklärt der Frankfurter Parasitologe und ergänzt: „Bisher ist noch nicht eindeutig bewiesen, dass diese Art als Vektor für Infektionskrankheiten – wie beispielsweise Leishmaniose – dient, aber die Vermutung liegt nahe, dass sie es kann.“ Derzeit arbeiten die Frankfurter Wissenschaftler intensiv an der Beantwortung dieser Frage.

Denn viel schlimmer als der an sich harmlose Stich der Sandmücken ist deren Vektorfunktion für die Übertragung der Infektionskrankheit Leishmaniose. Diese wird von geißeltragenden Einzellern (Protozoa) verursacht, die als Parasiten in ihren Wirten leben und einen Wirtswechsel zwischen blutsaugenden Insekten – den Vektoren – und Wirbeltieren vollziehen. Leishmaniose tritt in verschiedenen Formen auf: Von selbst abheilenden Hautgeschwüren über einen Befall des Nasen-Rachenbereiches bis hin zu schweren Leber-, Milz- oder Knochenmarksschäden, die ohne Therapie tödlich enden können.

(Noch) kein Grund zur Panik

„Die Suche nach Sandmücken ist nicht ganz einfach“, erklärt Klimpel und fügt hinzu: „Die Tiere sind sehr klein, sie treten in geringer Anzahl auf und lassen sich nur schwer mit Lichtfallen anlocken.“ Es könnte demnach sein, dass die Sandmücken schon viel weiter im nördlichen Europa verbreitet sind, als bisher angenommen wurde. Und auch wenn die blutsaugenden Insekten nicht selbst den Weg in nördlichere Gebiete finden – die Leishmaniose-Erreger können sich auf ein weiteres Transportmittel verlassen. „Durch den zunehmenden Import von Hunden aus dem Mittelmeergebiet oder deren Mitnahme zu Urlauben in Endemiegebieten werden die Leishmaniose-Parasiten immer weiter in das nördliche Europa verschleppt“, erläutert Klimpel. Die Haustiere dienen als sogenannte Reservoirwirte für die Krankheitserreger.

Die Ausbreitung von Krankheitserregern und gefährlichen Viren ist aber auch davon abhängig, ob sie sich in den vorhandenen Sandmücken-Vektoren und den vorherrschenden klimatischen, biologischen und hygienischen Bedingungen innerhalb Deutschlands etablieren können. „Hierzulande besteht bisher kein Grund zur Panik“, beruhigt Klimpel und ergänzt: „Es ist aber zu vermuten, dass sich in Zukunft sowohl die Sandmücken als auch die von ihnen transportierten Krankheitserreger durch die Klimaerwärmung weiter nordwärts ausbreiten und sich in den nächsten Dekaden in Europa und Deutschland wohl fühlen werden.“

Originalpublikation

New record of the suspected leishmaniasis vector Phlebotomus (Transphlebotomus) mascittii Grassi, 1908 (Diptera: Psychodidae: Phlebotominae) — the northernmost phlebotomine sandfly occurrence in the Palearctic region
Sven Klimpel et al.; Parasitology Research, doi: 10.1007/s00436-014-3884-y; 2014

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8 Kommentare:

Gast
Gast

Malaria wurde nach dem WKII in Europa mit DDT ausgerottet,
dabei wurden nicht nur in Europa auch die für Leishmaniose zuständigen Sandmücken weitgehend mit ausgerottet.
Das Verbot von DDT, nicht “der Klimawandel”, das von vielen Fachleuten als katastrophaler Fehler angesehen wird, hat nicht nur die Malaria wieder schlagartig ansteigen lassen, sondern auch die Sandmückenpopulation zu alter Stärke zurückgeführt.
Wie lange lässt man sich von den “Grünen” verblöden?
Auch eine Klimakatastrophe gibt es nicht,
jedenfalls keine CO2-verursachte.

#8 |
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Arzt
Arzt

@Dr. med. Martin Schmidt, was fatal ist, ist hier gerade die große Frage.
Ich bemühe mich ja gerade um Aufklärung!
Ich halte es für ebenso fatal wie unredlich, von einer Nicht-existierenden Gefahr zu reden und den Menschen Angst zu machen.
Deshalb der Vergleich mit Malaria.

#7 |
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Dr. med. Martin Schmidt
Dr. med. Martin Schmidt

Sehr geehrter Herr Kollege ” Arzt “,
Ich halte es für fatal, eine wachsende Gefahr durch zunehmend eingeschleppte oder via Erwärmung hierhergelangte Krankheitserreger zu bagatellisieren, auch die Tigermücke ist inzwischen bei uns.
Medizinische Aufklärung wäre nicht angemessen, sondern dringend nötig !!!

#6 |
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Arzt
Arzt

Es ist schon leicht unseriös von einer Krankheit zu reden,
die NICHT da ist!
Die Mücke ist nicht die Krankheit, sondern nur ein Vektor.
Etwas medizinisch Aufklärung wäre angemessen.

#5 |
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Gast
Gast

@Doris Hamacher, siehe #1!
Zufällig ist Malaria durch “die globale Erwärmung” in Europa VERSCHWUNDEN!
Noch nach dem WK-2 gab es in Italien, Spanien, Portugal, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Jugoslawien und auch in Mitteleuropa (Holland, Polen, Ungarn),
früher sogar in Finland und Russland endemische Malaria.

Jedes Kind weis doch dass Forscher heute Staatsgelder bekommen, wenn sie von der “globalen Erwärmung” als Gefahr schreiben.
Mich stört eher die Vernichtung von Vögeln durch die Windmühlen,
von dem rausgeschmissenen Geld ganz zu schweigen.

#4 |
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Doris Hamacher
Doris Hamacher

wie lange wird es noch dauern,bis wir die Malaria hier haben?

#3 |
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Claudia Arnold
Claudia Arnold

So fühlt es sich an, besonders in diesem Sommer. Aber das ist leider nicht mal immer notwendig, damit so ein Xenoorganismus sich anpasst und sich dann auch hier wohlfühlt. In Einzelfällen genügen dafür ein paar Jahrzehnte…

#2 |
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Gast
Gast

falls es eine (wünschenswerte) Klimaerwärmung gibt.
Sieht im Moment (seit 1998) eher nicht danach aus.

#1 |
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