Kassenrezepte: Grüße vom Fehlerteufel

8. August 2014
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Aufgrund von Formfehlern sorgen Kassenrezepte immer wieder für Ärger – und GKVen greifen zur Retax-Keule. Zwar führen Einsprüche in vielen Fällen zum Erfolg. Vertreter der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg gehen jetzt mit Infomaterial für Praxen einen Schritt weiter.

Retaxationen aufgrund von Formfehlern sorgten auch im Kammerbezirk Baden-Württemberg für Ärger. Zuletzt hatte das Bundessozialgericht bestätigt, Kassen dürften in entsprechenden Fällen jegliche Vergütung einbehalten (Az. 1 BvR 3571/13 und 1 BvR 3572/13). Grund genug für Standesvertreter, eine Resolution gegen drakonische Maßnahmen mancher GKVen zu verhängen.

Aufwändiges Einspruchsverfahren

Dazu einige Zahlen: Im letzten Jahr nahm der Landesapothekerverband Baden-Württemberg 2.850 Retaxationsvorgänge unter die Lupe, das entsprach 5.225 Kassenrezepten. Das Gesamtvolumen belief sich auf mehr als eine halbe Million Euro. Im Zuge von teils aufwändigen Einspruchsverfahren gelang es, knapp 400.000 Euro für Apothekenleiter einzutreiben. Damit entbehrten drei von vier Retaxationen jeder Grundlage. Standesvertreter haben aber noch weitere Ideen.

Notdienst in Nöten

Jetzt wenden sich Vertreter der LAK direkt an Ärzte. Speziell im Notdienst sei es zu einer großen Zahl an falsch ausgestellten Rezepten gekommen, heißt es in der Mitteilung. Als Grund vermuten Apotheker, dass ständig wechselnde Ärzte in Notdienstpraxen möglicherweise Schwierigkeiten mit der Hardware und der Software hätten. Deshalb geben sie ihnen jetzt einen Katalog mit Empfehlungen an die Hand.

Nachhilfe für Praxen

Das beginnt mit Angaben zur Arzt- und Betriebsstättennummer. Apothekern kommt hier eine gewisse Prüfpflicht zu, um beispielsweise Fälschungen zu erkennen, entschied das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg (Az. L 9 KR 192/11). Das Aut-idem-Kreuz ist auch nicht ohne Tücke: Zuletzt urteilte das Sozialgericht Koblenz, dass in diesem Fall keine Reimporte und Originalarzneimittel nicht mehr gegeneinander austauschen dürfen (Az. S 13 KR 379/13). Weiter geht es mit Angaben zum Präparat wie der Wirkstoffstärke und der Menge. Arztstempel und Unterschrift dürfen ebenfalls nicht fehlen. Die Telefonnummer muss zwar nicht genannt werden, hilft Apothekern jedoch bei Rückfragen. Bleibt zu hoffen, dass durch entsprechende Informationen einige Fehler in Zukunft vermieden werden.

15 Wertungen (3.87 ø)

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1 Kommentar:

Apotheker Karl Steiner
Apotheker Karl Steiner

Dieser Artikel ist gut geschrienen. Er ist höflich. Das ist vielleicht ein Vorteil. Er bring gerade mal 5% jenes Ärgers und jener Wut und Ohnmacht rüber, der in der Apotheke zu diesem Thema empfunden und “gelebt” werden muss. Um es mit Ringelnatz zu sagen: man – ich mich als Apotheker – fühlt sich ins Klosett gesperrt, obwohl man gar nicht musste. Verschwörungstheoretisch betrachtet versucht man an allen Fronten die öffentliche Apotheke gaaanz langsam aber sicher einzudampfen. Sie erinnern sich an Bubi Röslers – na ja – vorgetragene Geschichte mit dem Frosch, den man im Wasser langsam zum kochen bringt? Bei uns an der Ecke steht immer einer mit diesem Heftchen … erwachet … in der Hand.

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