Blutiges Interesse: Wer bin ich?

23. Mai 2012
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Wir begeben uns ein weiteres Mal auf die Fährte eines berühmten Mediziners. Die Geschichte des heute gesuchten Vertreters der Ärztezunft ist eine äußerst blutige und beeindruckende Angelegenheit.

In der Medizin haben wir unglaublich viele Fortschritte gemacht und in den letzten hundert, hundertfünfzig Jahren sehr viel Wissen erlangt. Vieles wissen wir heute, weil intelligente Menschen Ideen hatten und mutig genug waren, diese anzuwenden und Neues auszuprobieren. Natürlich haben wir, weil wir vieles noch nicht verstanden, Fehler gemacht und Menschen sind durch unsere neuen Therapieverfahren kränker geworden oder verstorben.

Aber nur so sind wir weitergekommen und haben immer mehr Verständnis erlangt. Was ich Anfang des letzten Jahrhunderts herausfand, hat eine Behandlungsmethode, die heute noch erfolgreich und lebensrettend genutzt wird, aber damals nur jedes zweite Mal erfolgreich war, revolutioniert. Es handelt sich um eine „blutige“ Geschichte.

Gesteigertes Interesse für die Immunität

So, aber nun erst einmal zu meiner Wenigkeit: Geboren bin ich 1868 in Baden nahe Wien, Medizin habe ich in Wien studiert. 1891 habe ich meine Promotion abgelegt. Nach dem Studium habe ich fünf Jahre in der Schweiz und in Deutschland in Laboratorien gearbeitet. Als ich nach Wien zurückkam, arbeitete ich am Hygienischen Institut, das von Max von Gruber, dem Begründer der modernen Hygiene, geleitet wurde.

Ich beschäftigte mich zu dieser Zeit mit der Immunität und der Funktion der Antikörper. Ab 1898 war ich zehn Jahre lang Assistent in der pathologischen Anatomie an der Universität Wien. Habilitiert habe ich im Fach Pathologie und wurde später zum außerordentlichen Professor ernannt. Genug zu meinem Lebenslauf, interessanter sind schließlich meine Entdeckungen.

Das blutige Interesse

Eines der Themen, mit dem ich mich beschäftigt habe, ist die Kinderlähmung. Gemeinsam mit dem österreichischen Arzt Erwin Popper habe ich herausgefunden, dass die Poliomyelitis eine infektiöse Erkrankung ist. Wir haben einem Affen Liquor eines an Poliomyelitis verstorbenen Kindes ins Rückenmark injiziert. Der Affe erkrankte und steckte weitere Tiere an.


Nun aber, wie versprochen, zu meinem blutigen Interesse. Schon während meines Studiums habe ich mich mit dem Thema Blut beschäftigt. Ich habe eine Arbeit über den Einfluss von Diäten auf die Zusammensetzung des Blutes veröffentlicht. Im Jahre 1901 habe ich etwas herausgefunden und verstanden, was die Bluttransfusion endlich erfolgreich machte und sie als gängige Methode durchsetzte. Schon im 17. Jahrhundert haben die Menschen angefangen, Blut von Tieren auf den Menschen zu übertragen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in London erstmals Blut von Mensch zu Mensch zu übertragen.

Entdecker des Rhesusfaktor

Da nur ungefähr jede zweite Bluttransfusion erfolgreich war, handelte es sich um eine umstrittene Methode, die aber beispielsweise in der Chirurgie bei verblutenden Menschen trotzdem genutzt wurde. Bei meinen Untersuchungen enddeckte ich, dass eine Verklumpung (Hämagglutination) auftritt, wenn menschliches Blut in Kontakt mit dem Blutserum eines fremden Menschen kommt. Ich fand heraus, dass es verschiedene Blutgruppenmerkmale gibt: A, B, und C (später 0) nannte ich sie.

Wenn Blut verschiedener Blutgruppen vermischt wird, kommt es zu dieser Verklumpung. Durch diese Erkenntnis konnte das Leben vieler Soldaten im ersten Weltkrieg gerettet werden. Die Blutgruppe AB wurde von Kollegen im Jahre 1925 entdeckt. Für die Entdeckung dieser Hauptblutgruppenmerkmale bekam ich 1930 den Nobelpreis! Als ich 1922 nach New York ging, um im Rockefeller-Institut zu arbeiten, entdeckte ich bei Experimenten mit dem Blut eines Rhesusaffen, gemeinsam mit Alexander Solomon Wiener, den Rhesusfaktor.

Ich hoffe, ihr seid nicht enttäuscht, dass es nicht um Mord und Totschlag ging, sondern nur um die Bluttransfusion. Aber wenn man bedenkt, wie viel Blut seit meiner Entdeckung transfundiert wurde und wie viele Menschenleben dadurch gerettet wurden, ist es vielleicht doch eine ganz spannende Angelegenheit, oder?

Und? Habt Ihr erraten, welcher berühmte Mediziner Euch hier aus seinem Leben erzählt? Postet Eure Tipps in den Kommentaren!

29 Wertungen (4.17 ø)
Humanmedizin, Studium

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2 Kommentare:

Studentin der Humanmedizin

Eindeutig Landsteiner. Als Wiener Medizinstudent muss man das ja wissen ;-)

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Karl Landsteiner (1868¿1943), österreichischer Pathologe und Serologe, Nobelpreisträger

#1 |
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