Modellstudiengänge als leuchtendes Vorbild?

30. Juli 2014
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Der Präsident der BÄK nahm sich nun die kürzlich durch den Wissenschaftsrat ausgesprochenen Reformempfehlungen für das Medizinstudium zum Anlass, deren Orientierung an medizinischen Modellstudiengängen zu bewerten.

„Die jungen Mediziner aus den Modellstudiengängen sind nicht nur sehr gut ausgebildet. Sie haben auch weniger Berührungsängste den Patienten gegenüber, sie sind praktischer veranlagt und auch zufriedener mit ihrem Studium“, so Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, der Präsident der BÄK, anlässlich der neuesten Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Reform des Medizinstudiums.

Theorie und Praxis würden besser miteinander verzahnt als in den herkömmlichen Studiengängen, sagte der BÄK-Präsident. Er wies zudem darauf hin, dass Reformen im Medizinstudium viel Mühe und Zeit kosteten. „Sie müssen das gesamte Studium umkrempeln, aus Semesterveranstaltungen neue kleine Lerneinheiten schneidern, und alle Professoren einer Fakultät müssen da mitziehen. Das ist eine gewaltige Umstellung.“ Aktuell gibt es in Deutschland neun Modellstudiengänge in der Medizin.

Montgomery und der ebenfalls am Gespräch beteiligte Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Vorsitzender des Medizin-Ausschusses des Wissenschaftsrates, betonten, dass bei aller notwendigen Praxisnähe des Studiums eine fundierte wissenschaftliche Grundausbildung unverzichtbar sei. „Angesichts des rasanten medizinischen Fortschritts werden Ärzte immer häufiger in die Situation kommen, für unsere Patienten Therapien zu erwägen, für die es noch keine endgültigen Wirkungsstudien gibt, die aber dennoch sehr sinnvoll sein können.“ Dafür sei ein wissenschaftliches Grundverständnis nötig. „Wir wollen schließlich keine Ärzte, die stur Leitlinien abarbeiten“, so Montgomery.

Dem Innovationstempo standhalten

Auch im Deutschen Ärzteblatt äußerte sich Montgomery zu dem Thema und begrüßte das vorgelegte Expertenpapier. „Die Medizin ist ein hochdynamisches Feld mit ständig komplexer werdenden Versorgungssituationen, die auch für die ärztliche Ausbildung große Herausforderungen darstellen. Deshalb ist es gut, dass sich der Wissenschaftsrat intensiv mit der Weiterentwicklung des Medizinstudiums befasst hat“, sagte er. Insbesondere unterstützt Montgomery die Forderungen des Wissenschaftsrates, die Studieninhalte auf ein Kerncurriculum zu reduzieren und Möglichkeiten für individuelle Studienschwerpunkte zu schaffen.

„Gute medizinische Ausbildung muss angesichts des enormen Innovationstempos in der Medizin mehr denn je wissenschaftliches Denken und Handeln fördern. Wichtig ist aber auch, den ärztlichen Nachwuchs auf die praktischen Herausforderungen des Berufsalltags vorzubereiten und frühzeitig in Kontakt mit den Patienten zu bringen. Daher begrüßen wir es sehr, dass auch der Wissenschaftsrat an einer sechsjährigen Studiendauer festhält“, betonte der BÄK-Präsident.

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