Grippeimpfung: Jetzt passend zur Pampers

24. Mai 2012
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Für Erwachsene bietet die jährliche Grippeimpfung einen wirksamen Schutz vor dem Influenza-Virus. Wissenschaftlern gelang es jetzt im Rahmen einer klinischen Studie erstmals, die Wirksamkeit eines gut verträglichen Grippeimpfstoffes für Säuglinge nachzuweisen.

Die jährlichen Grippewellen treffen kleine Kinder besonders häufig: Mit Erkrankungsraten bis zu 30 Prozent trägt diese Altersgruppe stark zur Verbreitung der Influenzaviren bei. Bisher erwiesen sich Schutzimpfungen bei kleinen Kindern jedoch als nicht so effizient wie bei Erwachsenen. Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb keine routinemäßige Vakzinierung bei kleinen Kindern, sondern zurzeit nur bei solchen, die an chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Asthma leiden. Allerdings kann es auch bei ursprünglich gesunden Kindern zu schweren Verläufen kommen, wenn sie sich mit einem Grippevirus anstecken. Eine besondere Rolle spielen dabei nachfolgende Infektionen wie Bronchitis oder die akute Mittelohrentzündung.

Ein internationales Forscherteam aus Tampere, Mainz, Jena und Marburg hat nun im Rahmen einer klinischen Studie nachgewiesen, dass ein inaktivierter Impfstoff Säuglinge und Kleinkinder vor Grippe schützen kann. Er enthält Antigene von drei verschiedenen Subtypen des Influenzavirus. Wie die Wissenschaftler um Professor Timo Vesikari und Professor Peter Wutzler im New England Journal of Medicine mitteilen, wird die Wirksamkeit des Vakzins durch einen Impfstoff-Verstärker deutlich erhöht. Dabei handelt es sich um eine Öl-in-Wasser-Emulsion, die die körpereigene Immunantwort auf Grippeviren verstärkt. „Das MF59-Adjuvanz führt zu einer verbesserten Präsentation der Antigene gegenüber den B-Zellen, die die Antikörper bilden“, erklärt Wutzler, der Direktor des Instituts für Virologie und antivirale Therapie am Universitätsklinikum Jena ist.

Wiederholung der Impfung nach einem Jahr

Um die Wirksamkeit des adjuvantierten Impfstoffs zu testen, nahmen die Forscher 4.707 Säuglinge und Kinder im Alter von sechs bis 72 Monate aus Deutschland und Finnland in die doppelblinde Zulassungsstudie auf. Die kleinen Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt und erhielten zweimal im Abstand von 28 Tagen eine Impfung – entweder mit dem adjuvantierten Impfstoff, mit einem nicht-adjuvantierten Grippe-Impfstoff oder mit einem Kontroll-Impfstoff, der nicht gegen Influenza immunisiert. Weder die behandelten Ärzte noch die Probanden sowie deren Eltern wussten, wer zu welcher Gruppe gehörte.

Nach einem Jahr wiederholten die Forscher die Impfung nach dem gleichen Schema. Impfreaktionen wie Fieber oder Verdauungsbeschwerden traten in allen drei Gruppen etwa gleich häufig auf. Die Immunantwort der Kinder auf den Impfstoff war deutlich größer, wenn sie diesen zusammen mit dem Adjuvanz injiziert bekamen. Selbst ein halbes Jahr nach der jeweils zweiten Impfdosis war im Blut von fast allen Probanden aus dieser Gruppe noch eine ausreichende große Menge an Antikörpern gegen die im Impfstoff enthaltenen Virusantigene feststellbar.

Identifizierung der Krankheitserreger durch spezielle Diagnostik

Während der Studie wurden die Studienteilnehmer auf Symptome einer Grippe überwacht. Zeigte ein Proband grippeähnliche Anzeichen, identifizierten die Forscher mit Hilfe molekularbiologischer Diagnostik den Krankheitserreger und konnten so Kinder, die tatsächlich an einer Grippe erkrankt waren, von solchen unterscheiden, deren Infektion von anderen Erregern verursacht worden war. Insgesamt erkrankten im Verlauf von zwei Jahren 110 Kinder an Grippe – in 94 Fällen löste der Influenza-Subtyp H3N2 die Krankheit aus. Der Impfschutz versagte bei 0,7 Prozent aller Kinder, die das adjuvantierte Vakzin erhalten hatten, bei 2,8 Prozent aller Kinder, denen der nicht adjuvantierten Impfstoff verabreicht worden war, und bei 4,7 Prozent aller Kinder mit der Kontroll-Impfung.

Die therapeutische Wirksamkeit des adjuvantierten Impfstoffs betrug 86 Prozent und des Impfstoffs ohne Adjuvanz 43 Prozent. Auch bei Probanden jünger als 36 oder 24 Monaten bot der adjuvantierte Impfstoff einen deutlichen Schutz vor Grippe – im Gegensatz zum Impfstoff ohne Zusatz, der in diesen Altersgruppen kaum eine Wirkung zeigte. „Das ist ein großer Fortschritt, denn bislang gab es für Kleinkinder bis zwei Jahren keinen wirksamen Impfstoff gegen Grippe“, sagt Wutzler. “Mit dem neuen Impfstoff können wir nicht nur Kleinkinder sondern auch Säuglinge ab sechs Monaten wirksamer als bisher vor Influenza schützen und die in dieser besonders gefährdeten Altersgruppe sehr hohen Erkrankungsraten deutlich senken.“ Wutzler hofft, dass die Ergebnisse der Studie zu einem Umdenken führen, so dass schon bald wesentlich mehr Kleinkinder gegen Grippe geimpft werden und sich die Infektionskrankheit in dieser Altersgruppe nicht mehr so stark ausbreiten kann wie bisher.

64 Wertungen (4.13 ø)
Medizin

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11 Kommentare:

Rettungsassistent

Impfungen sollen doch vor allem vor lebensgefährlichen Erkrankungen schützen?
Die in Beitrag 9 genannten Zahlen sprechen aber dafür, dass dies für Kleinkinder/Säuglinge nicht unbedingt zu den gefährlichen Erkrankungen zählt.
Und dafür jetzt jedes jahr impfen?

#11 |
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Michael Spars
Michael Spars

“Die kleinen Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt und erhielten zweimal im Abstand von 28 Tagen eine Impfung ¿ entweder mit dem adjuvantierten Impfstoff, mit einem nicht-adjuvantierten Grippe-Impfstoff oder mit einem Kontroll-Impfstoff, der nicht gegen Influenza immunisiert.” … Später heisst es: “Der Impfschutz versagte bei 0,7 Prozent aller Kinder, die das adjuvantierte Vakzin erhalten hatten, bei 2,8 Prozent aller Kinder, denen der nicht adjuvantierten Impfstoff verabreicht worden war, und bei 4,7 Prozent aller Kinder mit der Kontroll-Impfung.”… Also versagt der “Impfschutz” bei Kindern, die gar nicht geimpft waren auch?? Das heisst doch, dass auch nur 4,7% der nicht geimpften Kinder Grippe bekamen – oder. Wozu soll man dann impfen??

#10 |
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Dr. med. vet. Burghard Junghans
Dr. med. vet. Burghard Junghans

Teil 2
Zur Studie:
Evidenz-basierte Medizin ist ein lustiger Begriff, wenn diese Studie dazu gehören soll. Daher ein paar Anmerkungen, die mir beim Überfl:

Eine Studie sollte ergebnisoffen und unabhängig sein. Auf Seite 1407 heißt es dazu: “The study was designed and conducted by the sponsor, Novartis Vaccines, in collaboration with the study investigators, who gathered the clinical data. Novartis Vaccines conducted the data analysis, and the manuscript was written by the first author, with the assistance of one of the industry authors and a medical writer with support from the sponsor.” Heißt zu Deutsch: der Impfstoffhersteller hat alles bezahlt und aufgepasst, daß nichts Falsches in der Studie steht.

Kontrollgruppe: diese sollte Placebo bekommen, ein Scheinmedikament, das “… keine durch einen solchen Stoff verursachte pharmakologische Wirkung haben kann.” (wiki) Die “Placebo-Gruppe” bekam aber den FSME- und Meningokokken-Impfstoff aus dem Hause Novartis. Daher ist alles was zum Thema Nebenwirkungen gesagt wird Stuss, weil man nur den Teufel mit dem Beelzebub vergleicht. Ein Kontrollgruppe die nur die klassische Isotone Kochsalzlösung erhält fehlt. Auch ist an keiner Stelle nachzulesen, ob die Kinder andere Impfstoffe – wir kennen alle die Vorstellungen der STIKO über die ersten Lebensjahre – erhalten haben. Scheint die Autoren nicht zu interessieren.

Interessant ist, daß man versucht hat nicht nur mit Surrogatmarkern zu Arbeiten (AK-Titer, PCR usw.) sondern tatsächlich klinische Erkrankungen aufgenommen hat. Aber dabei fallen ein paar Ungereimtheiten auf, wenn man die Arbeit genauer liest:

Lustig ist nämlich, daß man die Effizienz des neuen Impfstoffes nur über den Gesamtzeitraum statistisch ausgewertet hat, weil im 1. Untersuchungsjahr nur Erkrankungen aufgetreten sind die mit den “falschen”, offensichtlich zu heterologen, Virusstämmen stattgefunden haben und noch dazu zu wenige in der Kontrollgruppe. Heißt im Klartext, die Impfung hatte in diesem Jahr gar keinen Sinn, weil man voll daneben lag und man schweigt sich darüber aus, wie die Verteilung zwischen ATIV-Gruppe und “Placebo-Gruppe” im 1. Jahr war. Diese Daten sind auch nicht im Anhang publiziert. (“… Vaccine efficacy was not calculated for year 1… “, Seite 1408). Warum?

Aber es kommt noch besser: In der Methodik ist zu lesen, daß man eigentlich ca. 8000 Kinder über DREI Jahre beobachten wollte, um die nötige statistische Sicherheit zu haben (“We planned to enroll approximately 8000 children over three seasons… “). Sind aber nur ca. 4700 über ZWEI Jahre von 2007 bis 2009 geworden. Warum? Darüber schweigen sich die Autoren aus. Hat das Ergebnis nicht gepasst? War das Geld alle? (Bei Novartis?) Ein Schalk wer Böses dabei denkt.

Wie so oft: viel Geld, viel guter Wille, kaum brauchbares wissenschaftliches Handwerk.

#9 |
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Dr. med. vet. Burghard Junghans
Dr. med. vet. Burghard Junghans

Teil 1
Wieder eine Hurra-Meldung des Impfstoff-Herstellers. Daher ein paar Anmerkungen, die auch der Autor des obigen Artikels lesen darf. Es empfiehlt sich immer Studien im Original und vollständig zu lesen und vor allem genau zu lesen vor allen Dingen als Journalist.

Zu den Autoren:
Herausgreifen möchte ich mir Prof. Peter Wutzler bis März 2012 Leiter des Institut für Virologie und Antivirale Therapie des Universitätsklinikums Jena, der sich bereits um die Einführung der mehr als fragwürdigen Windpocken-Impfung verdient gemacht hat. So heißt es im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl 2011; 108(18)): “Ohne die Vorarbeiten von Wutzler auf medizinischem, epidemiologischem und ökonomischem Gebiet wäre die Varizellenimpfung in Deutschland nicht als Standardimpfung etabliert worden.”
Zu den Interessenkonflikten ist zu bemerken, daß bis auf 1 Mitglied der Autorengruppe alle Mitarbeiter von Novartis oder GSK sind oder wie Prof. Wutzler gleich von mehreren Impfstoffherstellern finanziell bedacht wird, wie dem Appendix der Arbeit zu entnehmen ist.
“Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.” heißt da ein altes Sprichwort.

Zum Hintergrund:
Offensichtlich soll diese Arbeit nun die “wissenschaftliche” Vorarbeit für die Einführung der STIKO Empfehlung der Influenza-Impfung für Kleinkinder sein.
Die Todesursachenstatistik in Deutschland weist für die Altersgruppe 0-5 Jahre von 1998-2010 1,45 Todesfälle/Jahr an Grippe (0-3) aus (www.gbe-bund.de). Aller Pandemie-Panik zum trotz, verändern sich diese Zahlen im den letzten 12 Jahren nicht. Falls jetzt ein Pandemie-Gläubiger argumentieren möchte, daß die Bedrohung … Er möge bitte das Buch: Virus-Wahn von Engelbrecht und Köhnlein lesen und dann in sich gehen.

#8 |
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Dipl. Biol. Thorsten Walter
Dipl. Biol. Thorsten Walter

Erschreckend, mit wieviel Selbstverständlichkeit Quecksilber in Babies injiziert wird.

#7 |
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Medizinphysiker

Was allerdings die Überschrift mit dem Artikel zu tun hat, und warum sogar noch ein Markenname genannt wird, bleibt wohl das Geheimnis des Autors?

#6 |
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Eberhard Krämer
Eberhard Krämer

Selbstverständlich waren ein halbes Jahr nach der jeweiligen 2. Impfung im Blut von fast allen Probanden noch eine ausreichende Menge an Antikörpern gegen die im Impfstoff enthaltenen Virusantigene feststellbar!! Doch welchen Schutz soll dies vor den 20 – 30 Grippeviren bieten, die jährlich verbreitet sind? 4,7 % von 4,707 Kindern erkrankten trotz Impfung. Das Ergebnis ist faktisch richtig, aber damit nicht wirklich medizinisch begründet. Grippale häufige Infekte im Alter zwischen 6-72 Mon sind auch ein Grund für eine im späteren Leben gestärkte Immunabwehr. In dieser Untersuchung war vermutlich der Wunsch nach höherer Impfrate der Vater des Gedanken, doch davon profitieren vermutlich nicht die Kinder.

#5 |
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aber auch wirklich blöd, daß in der kontrollgruppe das blöde immunsystem das grippevirus in 95,3 % der fälle selbst beherrschte!
nebstbei,AMB 2012, 46, 09
Wirksamkeit von Grippeimpfstoffen geringer als bisher
angenommen
“Bisher wurde berichtet, dass die
saisonalen Impfstoffe eine Wirksamkeit von 70-90% hätten (4). In dieser neuen,
virologische Aspekte genauer analysierenden Metaanalyse zeigt sich jedoch, dass
dies nur eingeschränkt, d.h. für Kinder zwischen zwei und sieben Jahren gilt, die
einen Lebendimpfstoff erhalten hatten”
– wo ist der lebendimpfstoff??
–ich lese nur was von inaktivierten, adjiuvantiertem..
“Selbst im Idealfall, dass nämlich ein einzelner Stamm eines Grippevirus bei den
Infektionen vorherrscht, wie H1N1 in der Saison 2009/10, und der Impfstoff genau
angepasst wurde, war die Wirksamkeit mit 69% unbefriedigend und nicht
ausreichend, um eine wirklich gefährliche Grippe unter Kontrolle zu bringen.”

also bei allem sarkasmus, nein ich bin kein impfgegner, was bringen zb 10-jährige impfungen den pharmafirmen im gegensatz zu solch segensreichen erfindungen wie der jährlichen grippeimpfung?!
kollegiale grüße!

#4 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Bei den Kleinen ist nicht jede Erkältung eine ernste Grippe. Außerdem werden Kleinkinder bereits gegen soviel Infektionskrankheiten geimpft, daß zur Standardimpfung gegen Grippe nicht geraten wird. Sinnvoll wäre die Impfung sicher bei Kindern mit chron.Grunderkrankungen.

#3 |
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Josephine Bailis
Josephine Bailis

Was solll noch alles in diese kleinen Würmchen rein gespritzt werden, bis man endlich begreift, dass die Welt davon nicht gesünder wird?

#2 |
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Medizininformatiker

Für Kinder ist es meiner Meinung nmach sehr wichtig bestimmte Krankheiten im Kindesalter zu durchleben um das Immunsystem auszubilden.
Wenn man versucht die Kinder davor zu schützen werden Sie später keine Abwehrkräfte haben.
Man bewirkt dadurch das Gegenteil und diese Kinder werden im Erwachsenenalter sehr empfindlich sein und die Kosten des Gesundheitsystems stark erhöhen.

#1 |
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