Kleiner IGeL, flieg ins Googleland

5. August 2014
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Nachdem der medizinische Dienst der Krankenkassen von einem Großteil der IGeL abrät, haben Ärzte nun ein Alternativportal ins Leben gerufen. Dort sollen Mediziner ihre Selbstzahlerleistungen anbieten und in Kontakt mit den Patienten treten. Bislang wirkt die Website jedoch recht dünn.

Patienten mögen Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL: Recherchen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigten, dass die Angebote für Selbstzahler den Ärzten einen Umsatz von etwa 1,3 Mrd. Euro pro Jahr bescheren. Doch seit der Einführung von IGeL vor etwa 15 Jahren hagelt es auch immer wieder Kritik von Krankenkassen und Verbraucherschützern. Obwohl oder gerade weil IGeL bei den Patienten äußerst beliebt sind, warnt der BARMER GEK Verwaltungsrat vor diesen Zusatzleistungen: „Die sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen beflügeln vor allem die Einkommensphantasien von Ärztinnen und Ärzten. Dabei sind etliche der Selbstzahler-Angebote wirkungslos, überflüssig und mitunter sogar richtig schädlich“, heißt es in einem Sitzungsprotokoll.

Schlechtes Zeugnis für IGeL beim IGeL-Monitor

Auf der Webseite IGeL-Monitor, die vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. finanziert wird, erhielten bisher von 34 gelisteten Leistungen nur drei die Bewertung „tendenziell positiv“. Alle anderen IGeL wurden als „tendenziell negativ“, „negativ“ oder „unklar“ eingestuft, wenn die Studienlage nicht eindeutig war oder sich Nutzen und Schaden einer IGeL aufwogen.

Das will eine Gruppe von Ärzten nun ändern: „Wir wollen die Freien Gesundheitsleistungen aus dieser negativen Darstellung herausholen“, so der Gynäkologe Dr. Gerd Merder von der Ärztlichen Gesellschaft für Gesundheit und Prävention e.V.. Dazu hat der Verein ein Internetportal namens free-med ins Leben gerufen, und die IGeL in die „Freien Gesundheitsleistungen“ (FGL) umgetauft. Über das Portal sollen Ärzte und Patienten Informationen über Selbstzahlerleistungen austauschen.

Individueller als der IGeL-Monitor?

„Die Krankenkassen bedienen mit ihrem IGeL-Monitor ihre eigenen Interessen“, äußerte sich Mitinitiator Dr. Norbert Panitz zum „Konkurrenten“. Die Kriterien, die der IGeL-Monitor aufführe, stammten ausnahmslos aus der evidenzbasierten Medizin, die sich nirgendwo darstellen lasse, wenn es um das Individuum gehe. „Der Patient ist nicht das statistische Mittel, sondern ein Ergebnis seines ganz individuellen Lebensweges mit entsprechenden Störungen, die im Eventualfall auch zu Krankheiten führen. Darauf ist die Intervention des Arztes gerichtet und wir unterstützen das“, so Panitz weiter. Das gibt zu denken – denn auf evidenzbasierte Medizin schlagen sonst eher die Heilpraktiker ein, wenn es gilt, ihre umstrittenen Globuli zu verteidigen.

Fachärzte statt Studien

Anders als beim IGeL-Monitor sollen bei free-med Fachärzte zu Wort kommen, die idealerweise zu jeder der 417 IGeL bzw. FGL eine Beschreibung und eine Bewertung abgeben. Die Initiatoren legen viel Wert auf Offenheit, Transparenz und Dialog. Über das Forum des Portals können Patienten Zweifel und offene Fragen zu den Freien Gesundheitsleistungen im direkten Austausch mit den Ärzten und anderen Patienten klären. Um an Seriosität zu gewinnen, hat der Verein einen fachlichen und ethischen Verhaltenscodex eingeführt, an den sich alle teilnehmenden Ärzte halten müssen. Dazu gehören unter anderem folgende Punkte:

  1. Angebotene Leistungen müssen nachweisbare erweiterte präventive und therapeutische Optionen bieten und gleichzeitig fachärztliche Qualitätsstandards erfüllen.
  2. Patienten müssen über die angebotenen Leistungen umfassend informiert und aufgeklärt werden.
  3. Fachliche Erfahrung und eine qualitativ hochwertige Praxisausstattung sind Voraussetzung für die Teilnahme.
  4. Teilnehmende Ärzte verpflichten sich, ihre Zusatzleistungen ausschließlich wie auf free-med beschrieben durchzuführen oder Abweichungen ggf. kenntlich zu machen. Sie verpflichten sich zur regelmäßigen Weiterbildung.
  5. Honorare sollten sich an der Gebührenordnung für Ärzte orientieren. 10 Prozent der Selbstzahlerleistungen sollten für sozial schwache Patienten zum geringst möglichen Preis angeboten werden (1,0 facher Satz der GO-Ä).
  6. Bei Verstößen droht der Ausschluss aus dem Netzwerk.

Ob dieser Ärztecodex ausreicht und das Portal von Ärzten und Patienten angenommen werden wird, ist offen. Denn nicht nur das Design der Website haut einen nicht um – bisher sind nur drei Ärzte registriert und die allermeisten der 417 aufgelisteten Freien Gesundheitsleistungen nicht beschrieben und kommentiert (Stand 04.08.14). Pranitz ist zuversichtlich und sieht in free-med eine Möglichkeit für Ärzte, über qualifizierte Beiträge sich selbst ein Zeugnis zu schreiben. Nun dann.

61 Wertungen (4.13 ø)

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14 Kommentare:

Dr. med. Sigurd Zapf
Dr. med. Sigurd Zapf

Jedes System,das über Pauschalen finanziert und honoriert wird,wie unser Gesundheitssystem,wird von zu vielen Patienten ausgenutzt/mißbraucht!!Wenn heute LIDL,NORMA,ALDI nur eine monatliche Pauschale zum Einkaufen verlangen würden,wären sie in kürzester Zeit pleite.Unser Kassensystem beruht leider auf diesem Prinzip.Man kann heutzutage die Menschen nur über den Geldbeutel erziehen,leider.!Beispiel: wieviele Patienten vereinbaren einen Arzttermin,und nehmen diesen ohne Absage einfach nicht wahr.Die Lösung: bei der Terminvereinbarung müssen 20.-Euro PfaND IN DER Praxis hinterlegt werden,die der Patient wieder erhält,wenn er den Termin wahrnimmt.Das funktioniert!! WETTEN DASS!!
Für mich sind weiterhin Reiseimpfungen -Verkehsmedizinische Untersuchungen-Tauchmedizin und operative Eingriffe kosmetischer Art,die KEINEN Krankheitscharakter haben(z.B.Fibrome u.ä.) IGEL-Leistungen.Da immer weniger Kollegen Hausbesuche durchführen,überlege ich mir,ob ich nicht demnächst bei medizinisch NICHT erforderlichen Besuchen eine Privatrechnung schreibe.Wann werden WIR Ärzte endlich erwachsen und bestimmen selbst unser Honorar und nicht geistig impotente Bürokraten mit einer ausgeprägten Cerebralphimose!!!

#14 |
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Arzt
Arzt

Krankenkassen muss man nicht ernst nehmen, sie wollen nur Geld sparen.
Wie man sieht, sind die größten Kritiker der Ärzte immer die Ärzte selbst.
Nicht besonders geschickt.

#13 |
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Chirurg
Chirurg

auch eine Osteoporosemessung ist keine Therapie!

#12 |
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Chirurg
Chirurg

Verehrter Radiologe, was soll das?
Wollen Sie Ihre Einweiser ärgern als Großverdiener in der Medizin?
Wieviel überflüssige Röntgenuntersuchungen werden gemacht, von den teuren MRT´s ganz zu schweigen,
die bitte welche therapeutische Konsequenz haben?
Noch schlimmer sind Röntgenbilder ohne wirklich sachverständige Befundung,
wie ich es selbst als Arzt erlebt habe bei einem simplen Thorax in zwei Ebenen wegen einem hartnäckigen Husten von über 4 Wochen.
Es wurde ein Verdacht auf Malignom gestellt, der eine dringende Kontrolle, wieder Röntgen ggf. CT Thorax in kurzem Abstand erfordere.
Ich war nicht ganz überzeugt und machte diese Kontrolle ohne CT dann zufällig woanders bei einer sehr erfahrenen Radiologin, das erste Bild hatte ich dabei.
Sie erklärte mir sehr plausibel, das beide Aufnahmen völlig o.B. seien,
was man auch schon an der ersten Aufnahme sehen konnte.
Witzigerweise erhilt ich dann später, viel zu spät! nach Wochen, mit der Privatrechnung der erste Aufnahme dann schriftlich auch einen o.B. Befund.
Unsere Medizin ist nun mal leider sehr “apparate-orientiert”, insbesondere bei der Abrechnung.
Da es politisch immer um Geld geht,
müsste korrekterweise die Effizienz der Krankheitsbeseitigung am besten honoriert werden. Das ist nicht der Fall.
Dabei schätze ich gute Radiologen.

#11 |
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Wir als radiologische Praxis verzichten zu nahezu 100% auf IGEL-Leistungen, obwohl damit viel Geld verdient werden kann. Fast jede sinnvolle ärztliche Leistung ist auf vielen Gebieten erstattungsfähig, Indikationsstellung vorausgesetzt.
Darauf machen wir die Patienten auch aktiv aufmerksam und unterstützen sie dabei, eine erstattungsfähige Leistung zu erhalten, die die jeweilige Fragestellung beantwortet.
Ich hoffe nicht, daß es hier Ärzte gibt, die Ihren Patienten erstmal alle IGEL-Leistungen “empfehlen” und durchführen wegen z.B. starker Knieschmerzen, obwohl auf dem Röntgenbild schon ein starker Verschleiß anzunehmen ist, bevor sie nach 3 Monaten eine MRT rezeptieren. Das könnte der Patient billiger und früher haben – auf Kosten der Kasse. Er könnte entsprechend auch früher von seinen Schmerz erlöst werden.
Hokuspokus bieten wir den Patienten nicht an. “Ganzkörpervorsorge” usw. für einen runden 1000er.
Einzige Ausnahme sind Osteoporosemessungen, die die Kasse erst erstattet, wenn schon Knochen gebrochen sind, was definitiv sinnlos ist zur Primärprävention solcher Brüche.
So eine Messung kostet allerdings nur knapp 40 €.
Wir zocken keine Patienten ab und werden das auch in Zukunft nicht tun.

Freundliche Grüße

#10 |
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Arzt
Arzt

Bei Angriffen gegen Ärzte gilt der Spruch:
viel Feind, viel Ehr!

Krankenkassen in Deutschland sind nicht besonders klug
in ihrer antiärztlichen Kritik.
“Teuer” ist in erster Linie die Krankheit.
Das haben sie noch nicht verstanden.

#9 |
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Arzt
Arzt

An die Gewersteuerfrager:
Finanzämter sind weder dumm noch mangelt es ihnen an Kreativität.
Kann man eine Operation als “kosmetischen Eingriff” betrachten,
werden auch hier Gewerbesteuern verlangt.
Andererseits dürfen auch GmbH´s mit einem nicht ärztlichen Geschäftsführer medizinische Leistungen erbringen,
die dann gewerbesteuerfrei sind.

#8 |
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Bei einer leistungsgerechten Bezahlung bräuchte man keine Igelleistungen.
Es ist paradox ,statt das alte Abrechnugssystem endlich abzuschaffen,
sucht man Wege um ein paar Euro abzubekommen.
Die meissten Ärzte sind am Existenzminimum angekommen. Eine Ärztebank
sperrt täglich ca 20 Konten. Jagt die ganzen scheinheiligen Ärzte-und
Krankenkassenfunktionäre mit den unfähigen Politikern in die Wüste.
Die Krankenkassensystem mit seinem Regulierungswahn ist am Ende.
Die Idioten regieren das System ,fern jeder Realität.

#7 |
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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

Selbstverständlich werden Materialien wie Nahrungsergänzungsmittel ordnungsgemäß versteuert einschl. Gewerbesteuer und sauber vom nicht gewerblichen Praxisbetrieb getrennt. Der Löwenanteil der Igel- Leistungen sind Gesundheitsleistungen die von privaten Krankenkassen bezahlt werden und Kassenpatienten als Selbstzahlerleistungen angeboten werden. Ganz klar müssen die gesetzlichen Kassen die diese Leistungen nicht bezahlen dagegen zu Felde ziehen. Was sie nicht bezahlen kann ja nicht gut sein. Wer kontrolliert eigentlich die von Kassen getürkte Meinungsmache und den nicht selten Amok laufenden medizinischen Dienst der ja selbst die Notwendigkeit qualitativ ordentlicher Windeln für inkontinente Pflegebürftige anzweifelt?

#6 |
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Ärztliche Leistungen sind kein Gewerbe. Die Krankenkassen haben nicht den Auftrag, ärztliche Leistungen zu bewerten, sie lehnen sich in dieser Richtung sowieso viel zu weit aus dem Fenster und sollten von Patienten und Ärzten gemeinsam wieder zurechtgestutzt werden. Der Begriff IGeL sollte qua absichtlich schlecht gemachtem Ruf verlassen werden. Wir Ärzte sollten Medizin nach bestem Wissen und Gewissen machen und nur dem Patienten Rechenschaft abgeben. Die Kassen sollten Ihre Tentakel einfahren, Verwaltung effizienter gestalten und z.B. Homöopathie und ähnlichen Schabernack nicht mehr bezahlen. Mit freundlichen Grüßen, Dr.Rocke, FafAm

#5 |
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anderer Gast
anderer Gast

Die Frage von Gast ist im Wesen gar nicht so abwegig, werden IGeL Leistungen doch gern gezielt als Einnahmequelle genutzt und dementsprechend nach Marktregeln unters Volk gebracht.

Sicher tut man damit vielen Ärzten auch Unrecht, die nach rein medizinisch motivierter Überzeugung handeln. Es polarisiert, wie man sieht. Diffamieren hilft aber auch nicht weiter.

Ich bin auch Gast, aber keineswegs fern des Themas.

#4 |
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Leber Gast , warum meldest Du dich
In einem so fern von Deinem Wissen
Fungierenden Portal ?
Weder das medizinische noch das juristische scheint Deine Stärke zu sein.

#3 |
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Gast
Gast

Zahlen Ärzte für die von ihnen verkauften Waren eigentlich Gewerbesteuern?! In dem Moment, wo Waren angeboten und verkauft werden, besteht doch ein Gewerbe. Ein Geschäft, z.B. eine Apotheke macht doch auch nichts anderes und muss Gewerbesteuer zahlen.

#2 |
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Dr.Klaus Heiden
Dr.Klaus Heiden

Igelleistungen sind ein Stachel im Fleisch der Kassen .Da sie den Patienten nicht das Notwendige ,Ausreichende und Zweckmäßige versprochen haben sondern das Optimale,die Luxusmedizin ,können sie nicht zugeben das Igelleistungen sinnvoll sind.

Dr.K.Heiden
Nettetal

#1 |
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