Bauch-OP: Beatmungsformen auf dem Prüfstand

24. Juli 2014
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Forscher untersuchten nun Beatmungsstrategien auf ihre Wirksamkeit, die derzeit während der Narkose bei Operationen im Bauchraum angewendet werden. Sie zeigten, dass hoher Beatmungsdruck zu keiner Verbesserung des postoperativen Krankheitsverlaufes führt.

Bei Eingriffen am Bauchraum wird im Rahmen der Vollnarkose die mechanische Beatmung der Lunge unter anderem durch den positiven endexspiratorischen Druck (PEEP) geregelt. Durch den PEEP werden die Lunge und die Lungenbläschen am Ende eines Atemzyklus offen gehalten. Der Einfluss unterschiedlicher PEEP-Niveaus auf den postoperativen Krankheitsverlauf war bis heute unklar. Bisher ging man davon aus, dass ein hoher PEEP ein Kollabieren der Lungenbläschen verhindert und damit das Auftreten von postoperativen Komplikationen der Lunge reduziert werden würde.

In der aktuellen Studie wurde nun untersucht, welchen Einfluss ein hohes PEEP-Niveau von 12 cm H2O im Vergleich zu einem niedrigem PEEP von weniger als 2 cm H2O auf die Häufigkeit von postoperativen Komplikationen und damit den Krankheitsverlauf nach Operationen im Bauchraum hat.

Beatmungsdruck: erhöhen oder senken?

Das Resultat: „Eine Erhöhung des Drucks ist nicht zielführend“, so Werner Schmid von der klinischen Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin (HTG) der MedUni Wien. „Die Patienten hatten während des Eingriffs bei höherem Beatmungsdruck häufiger Blutdruckabfälle und brauchten daher zusätzlich blutdrucksteigernde Medikamente. Außerdem konnte das Risiko für das Auftreten von postoperativen Komplikationen in der Lunge bei höherem Druck nicht reduziert werden, wie wir eigentlich erhofft hatten.“ Auch zusätzliche Maßnahmen, um die Lungenbläschen während der Operation wieder zu öffnen, brachten nicht die erhoffte Verbesserung.

Eine Senkung des Beatmungsdrucks auf 2 cm H2O ist dagegen schonender für die Patienten – das Risiko für Komplikationen ist gleich hoch wie bei hohem PEEP, bei allerdings geringerer Beeinflussung des Herz-Kreislauf-Systems. „Eine optimale, die Lunge schützende Ventilation sollte somit ein kleines Atemzugsvolumen bei niedrigem PEEP beinhalten, ohne zusätzlicher Maßnahmen zur Öffnung der Lungenbläschen“, so Schmid. „Damit konnten wir erstmals zeigen, dass eine Beatmungsform mit hohen Druckverhältnissen zu keiner Verbesserung des postoperativen Krankheitsverlaufes führt.“

Originalpublikation:

High versus low positive end-expiratory pressure during general anaesthesia for open abdominal surgery (PROVHILO trial): a multicentre randomised controlled trial
The PROVE Network Investigators for the Clinical Trial Network of the European Society of Anaesthesiology; The Lancet
, doi: 10.1016/S0140-6736(14)60416-5; 2014

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1 Kommentar:

Ärztin

Im Prinzip nichts Neues. Allerdings lassen sich, wie immer, nicht alle Patienten über “einen Kamm scheren”. Individuell ist gelegentlich durchaus ein höheres PEEP-Niveau als +2 für eine vernünftige Beatmung erforderlich.

#1 |
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