Lehrer-Burnout: Wer brennt früher aus?

23. Juli 2014
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Bildungsforscher fanden heraus, dass angehende Lehrer schon zu Beginn des Studiums ein höheres Burnout-Risiko tragen als andere Berufsgruppen. Die Studie könnte dabei helfen, gezieltere Studienberatungsangebote zu erstellen, um im Vorfeld geeignetere Lehramtskandidaten zu finden.

Stundenlanger Lärm, Schüler, die schwer zu motivieren sind, und anspruchsvolle Eltern und das Tag für Tag, Jahr für Jahr: Lehrer haben oft keinen leichten Job. Viele von ihnen halten dem Druck nicht stand und gehen, völlig ausgebrannt, vorzeitig in den Ruhestand. Solche Burnout-Patienten kosten die Gesellschaft viel Geld, da der Staat sowohl die Pensionen der Vorruheständler als auch die Gehälter der nachrückenden Junglehrer aufbringen muss. Außerdem leidet die Unterrichtsqualität: Gestresste Lehrer sind öfter krank und sie halten in der Regel auch keinen guten Unterricht. Auch dieser Mangel verursacht später volkswirtschaftliche Schäden, wenn die schlechter ausgebildeten Jugendlichen auf den Arbeitsmarkt drängen – oder eben auch nicht.

Studenten mit ungünstigeren Stressbewältigungsstrategien

„Wir wollten herausfinden, ob es bereits zu Beginn des Studiums Indizien dafür gibt, wer später hochbelastet ist und daher ein erhöhtes Burnout-Risiko hat“, erklärt Julia Karbach. Die Professorin für Pädagogische Psychologie untersuchte gemeinsam mit ihren Kollegen die Persönlichkeitsstruktur angehender Lehrer sowie deren Motive für die Wahl des Lehramtsstudiums. Das Ergebnis: Bereits zu Beginn des Lehramtsstudiums weisen mehr Studenten ungünstigere Stressbewältigungsstrategien auf als dies in anderen Berufsgruppen der Fall ist und sind somit später anfälliger für die Entwicklung eines Burnout-Syndroms.

„Wir haben die Studenten vier grundsätzlichen Mustern zugeordnet: 1. motivierte, gesunde, stressresistente und engagierte Studenten, 2. eher ‚zurückgelehnte‘ Leute, die andere arbeiten lassen, aber dennoch gesund sind, 3. sehr motivierte Studierende, die hohe Ansprüche an sich selbst haben und deren psychische Gesundheit durch die Selbstüberforderung gefährdet ist, und 4. junge Lehramtsanwärter, die so viel Stress empfinden, dass sie sich von der Arbeit bereits überlastet fühlen“, erklärt Psychologin Karbach.

Die 559 Probanden sowie die Kontrollgruppe aus 150 Psychologiestudenten haben einen Fragebogen ausgefüllt, der ihr Arbeitsverhalten und das Erleben ihres Berufes beziehungsweise Studiums erfasst. Darin wurden etwa die Leistungsbereitschaft, Stressbewältigungsstrategien sowie das subjektive Wohlbefinden bei der Arbeit abgefragt.

Extrinsisch motivierte Studenten sind Burnout-gefährdet

„Wir haben nun eindeutig festgestellt, dass gerade die intrinsisch motivierten, also die ‚Überzeugungstäter‘, die gerne Lehrer um des Lehrens willen werden möchten, eher entspannt sind und kein übermäßiges Burnout-Risiko tragen. Die extrinsisch motivierten Leute – also diejenigen, die das Studium gewählt haben, weil sie davon ausgehen, dass es leichter ist als andere Studiengänge – haben hingegen ein höheres Risiko, in einer der Gefahrengruppen für Burnout zu landen“, fasst Julia Karbach die Ergebnisse zusammen.

Nützen könnten diese Ergebnisse zum Beispiel, um im Vorfeld des Studiums bereits bessere Angebote in der Studienberatung zu erstellen. So könnten Kandidaten, die ein erhöhtes Risiko tragen, später im Lehrerberuf „auszubrennen“, bereits im Vorhinein gewarnt werden, dass der Beruf für sie womöglich ungeeignet ist. Vielen wäre damit gedient: Den Lehrern selbst, die in einem anderen Beruf glücklich werden könnten, der Gesellschaft, weil sie die enormen direkten und indirekten Kosten sparen könnte, und nicht zuletzt den Schülern, die Lehrern gegenübersitzen, die sie entspannt und motiviert aufs Leben vorbereiten.

Originalpublikation:

Burnout risk among first-year teacher students: The roles of personality and motivation
Corinna Reichl et al.; Journal of Vocational Behavior, doi: 10.1016/j.jvb.2014.05.002; 2014

28 Wertungen (4.79 ø)

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6 Kommentare:

Gast
Gast

Hallo@Bürgerin Marina Bausmer “der Leistungsdruck” ist ja nun wirklich kein Lehrerproblem! Wer nach 5 Jahren Grundschule den Stoff nicht schon auswendig kann, dem ist nicht zu helfen.
Ein anderes Problem ist ob man “als Typ” geeignet, ist einen ganzen Haufen aktiver und (heute) besonders wenig disziplinierter Kinder in den Griff bekommt.
Das entscheidet sich eigentlich schon nach Studienende wenn sich vielleicht herausstellt, das man das falsche Studium gewählt hat.
In der Medizin ist das nicht so dramatisch, weil die Beschäftigungsmöglichkeiten derart stark variieren,
dass eigentlich für jeden etwas passendes dabei sin müsste, mit und ganz ohne Patientenkontakt.

#6 |
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Ärztin

Ein Eignungstest für das Pädagogikstudium wäre wohl eine sinnvolle Maßnahme.
Ein Pendant zu den für Psychotherapeuten angeboteten Balint-Gruppen könnte wahrscheinlich auch gestressten Lehrern helfen mit dem täglichen Schulstress besser umzugehen. Vergessen darf man auch nicht die ausgeprägte Mobbing-“Kultur” im Lehrerzimmer. Der Schulpsychologe könnte eine Schul- Balint-Gruppe leiten.
Alternativbeschäftigungen zum Unterricht im Repertoire des Schulbetriebes für ältere “ausgebrannte” Lehrer könnte sicher auch so manchen schlechten Unterricht oder auch Früh-Pensionär auf Kosten der Steuerzahler verhindern.
Insgesamt ist es skandalös, dass für Schule und Erziehung vom Staat zu wenig Finanzmittel bereitgestellt werden. Schule und Erziehung sowie die Gesundheit von Schülern und Lehrern sollte uns (auch) mit Blick in die (eigene) Zukunft deutlich mehr wert sein.

#5 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

das man in der schule schon einen burnout haben kann, konnten die Menschen damals noch nicht glauben ausserdem nannte man das damals: überfordert-ich als überforderter Schüler hörte vom Lehrer das Schule spass macht und den Menchen zum Menschen macht und wer fleissig ist ist schlau…. Unsere Eltern glaubten daran und die Kopfschmerzen, die Übelkeit das Angst vor dem Versagen und so weiter der Druck und der Wettbewerb gingen im Berufsleben dann auch weiter….Betrifft also nicht nur Lehrer sondern alle Menschen in Schule wie in Beruf .Das Wissen darum sollte nun dazu führen das wir bessere Bedingungen und weniger von Sorgen ,Druck und Angst dafür mehr Lob und mehr Zeit und Raum bekommen müssen !Kein kaputt sparen mehr und keine Überteurung mehr kommt auch noch dazu.-

#4 |
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Arzt
Arzt

wer kann sich denn schon außer Lehrer ein burn out leisten?

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Dr. med. Cornelia Rheinländer
Dr. med. Cornelia Rheinländer

Zweifelhafte Vergleichsgruppe…ganz richtig bemerkt vom Biodanzalehrer und Liebhaber klassischer osmanischer Musik, es gibt also noch Hoffnung.

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Psychotherapeut

Psychologiestudenten als Kontrollgruppe? Das ist ja auch nicht gerade psychisch gesunde Normalbevölkerung. Die haben im Persönlichkeitsfragebogen sicherlich höhere Neurotizismusmittelwerte, geringere Offenheit, erhöhte Gewissenhaftigkeit/Kontrollbedürfnis, als Otto-Normalo würde ich jetzt mal vermuten. Und besonders locker/durchlässig sind sie auch nicht, wenn ich mich an mein Studium, und an die Partys erinnere.

#1 |
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