Durchgefallen: Medizinische Klausuren verpassen Klassenziel

23. Juli 2014
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Altfragen, die Sitzposition im Hörsaal und spezifische Hinweise der Lehrenden sind für die meisten Medizinstudenten die entscheidenden Faktoren für den Erfolg bei einer Klausur. Ein folgenschwerer Fehler, wie unser Autor findet.

Gut 100 Klausuren schreibt der gemeine Mediziner im Laufe seines Studiums. Klausuren, die in ihrer Gesamtheit einen umfassenden Wissensschatz überprüfen sollen, der einen am Ende für die Behandlung von Tausenden von Patienten qualifiziert. Vor kurzem wurde mein mikrobiologisches Wissen abgefragt: 50 MC-Fragen zur Hygiene, Mibi, Immunologie und Virologie. Die Lehrenden bereiteten mich sehr unterschiedlich auf diese Klausur vor: Der Hygiene-Professor (Zitat „Wir wollen es Ihnen und uns ja nicht so schwer machen.“) markierte 10 Stichpunkte in seiner Repetitoriumsvorlesung rot und kündigte an, dass damit die 10 Hygiene-Fragen zu beantworten seien.

Die Mibi wählte eine subtilere Lernstrategie. In den letzten zwei Praktikumstagen häuften sich mündliche, zusammenhangslose Hinweise für die Klausur, wie „Malaria niemals mit Metronidazol behandeln, sonst könnt ihr alles ankreuzen“ oder „Der Toxoplasmoseerreger ist Toxoplasma gondii und nichts, was so ähnlich klingt.“ Anders die Immunologie, welche sich seit 2011 überhaupt nicht mehr die Mühe machte, neue Fragen für die Klausur zu erstellen. Kurzum: Zur eigentlichen Klausur waren quasi alle Fragen bekannt. Aber damit nicht genug. Ich schrieb mit 350 Studierenden in einem viel zu kleinen Hörsaal, in dem wir auf den meisten Plätzen weder nach vorn noch zu den Seiten Abstände hatten. Die Folge: Schwarmintelligenz. Doch selbst den offensichtlichen Betrugsversuchen wurden nur süffisante Kommentare des Profs wie „das Vergleichen mit ihrem Nachbarn übernehmen wir schon für Sie” entgegnet.

Ein Einzelfall? Wohl kaum. So wurde in der Wiederholungsklausur in der Mibi nur eine einzige Klausur von 20 Studierenden schlechter als 1 bewertet. Die Leipziger Gynäkologie-Klausuren haben seit Jahren einen Schnitt von 1,3 und besser. Ebenfalls hervorragende Noten entstehen jedes Jahr in der Sozialmedizin. Also ein Leipziger Problem? Auch eher nicht. Denn warum sonst erfreuen sich Kreuztools für Altklausuren wie kreuzmich so großer Beliebtheit?

Tut das Not?

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich gönne jedem Kommilitonen gute Noten sowie eine bestandene Prüfung. Ich kann auch jeden Studierenden verstehen, der dankbar für jede Erleichterung der Klausur ist. Dennoch will ich fragen, warum es nötig ist, dass PJler, Praktikumsassistenten, MTAs oder Profs Fragen und Antworten der Klausur weitergeben und Studierende sich schon Stunden vor Klausurbeginn im Hörsaal die besten Plätze sichern – um voneinander abzuschreiben.

Aus meiner Sicht liegt die Ursache bei einer schlechten Lehre und schlechten Klausuren: Bis zu 15 Jahre alte Vorlesungen beziehen sich nicht auf Grundlagenwissen, sondern auf nebensächliche Details. Es wird den „Medizinern von morgen“ aufgrund des enormen Wissenszuwachses in diesem Fach immer mehr in einer immer kürzeren Zeit beigebracht, Schwerpunkte werden nur selten gesetzt. Gleichzeitig ist für viele Profs eine statistische Auswertung ihrer Klausurfragen zum Beispiel nach Trennschärfe oder allgemeinen Testgütekriterien wie Validität, Objektivität und Reliabilität noch Neuland. Selbst mit dem Berechnen des Notendurchschnitts, welcher bei Werten von 3,9 oder 1,1 Hinweise auf Fehler in der Vorbereitung oder der eigentlichen Klausur geben kann, fühlen sich einige Lehrende überfordert. So werden in vielen medizinischen Klausuren vollkommen überzogen Detailfragen gestellt, welche viele Studierende dann nur noch in oben erwähnter Schwarmintelligenz lösen können.

Vertrauensverlust, ick hör dir trapsen

Welche Folge erwächst aus einer solch inadäquaten Wissensüberprüfung der Studierenden? Eigentlich sind doch alle glücklich, oder? Die Studierenden glauben, etwas gelernt zu haben und kommen in ihrem Studium weiter. Die Lehrenden glauben, etwas gelehrt zu haben. Die Tatsache, dass wir uns dabei eigentlich alle selbst betrügen, rückt leicht in den Hintergrund. Schlimm wird es aber dann, wenn unter unseren Patienten die Prüfungskultur an vielen medizinischen Fakultäten in Deutschland bekannt wird. Sie werden das Vertrauen in ihre zukünftigen Ärzte verlieren. Noch schlimmer wird es, wenn durch schlechter qualifizierte Ärzte Fehler geschehen, die vermeidbar gewesen wären: In unserer Branche geht dann kein Paket verloren oder eine Maschine kaputt – es sterben Menschen.

Daher möchte ich mich der Forderung der bvmd an die Lehrenden der medizinischen Fakultäten nach einer kompetenzorientierten Lehre und den Testgütekritierien genügenden Prüfungen anschließen. Erstere könnte zum Beispiel durch eine flächendeckende Anwendung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs umgesetzt werden. Klausuren könnten durch die, an manchen Unis bereits angewendete 18-6-6-Regel fairer werden: 18 Fragen, also die Bestehensgrenze, können allein durch das Grundlagenwissen aus der Vorlesung beantwortet werden; 6 Fragen durch weiterführendes Wissen aus der Vorlesung und weitere 6 Fragen durch Spezialwissen, welches nicht in der Vorlesung Erwähnung gefunden hat. Auch die Einführung eines Progresstests, ein regelmäßiger, interdisziplinärer Wissenstest über das Wissen eines Arztes an seinem ersten Berufstag, könnte zu einer verbesserten Wissensüberprüfung und damit qualitativ höherwertigen Ausbildung zum Arzt führen.

In der Verantwortung

Abschließend möchte ich auch die Studierenden nicht aus der Verantwortung nehmen: Jeder Einzelne muss selbst die Lehre und die Prüfungen einfordern, die er braucht, um das zu werden, wonach wir eigentlich alle streben: Ein guter Arzt.

406 Wertungen (2.52 ø)

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60 Kommentare:

Gast
Gast

Münster: Klausur in “wahlurnenartigen” Kabinen an PCs, vertauschte Fragenreihenfolge und Antwortmöglichkeiten individuell für jeden Studenten, Wlan Störsender, Handyabgabe, zugeloster Platz, max. 10% Altfragen, Schmierzettel farbig getrennt jeden zweiten Platz und Abgabe nach Klausur, “zu leichte Fragen” im Vorhinein vom Prüfungsdezernat abgelehnt oder im Nachhinein bei statistisch geringer Trennschärfe (im Prinzip zu leicht) für das nächste Mal aussortiert, ab der Klinik Semesterabschlussklausuren mit allen Fächern an 2 Tagen….

Wäre vielleicht was für den Autor? Finde das Münsteraner System allerdings im Prinzip richtig! Recht hat er jedoch bzgl. abgefragtem Detailwissen statt Grundlagenwissen und teilweise bzgl. Qualität der Lehre (in steter Verbesserung).

#60 |
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Gast
Gast

Wieso machst du sowas, Tim? Was wirft denn das für ein Bild auf unsere Uni? Du hast es schon mal geschafft, einen ganzen Jahrgang an den Rand der Verzweiflung zu bringen, willst du das unbedingt erneut tun? Konstruktive Kritik, für so etwas sind die Evaluationen da. Nutze sie doch, bevor du an die Öffentlichkeit gehst und ein Problem völlig subjektiv und verletzend für die Verantwortlichen darstellst. Ich würde mir wünschen dass du das nächste Mal genau über die Konsequenzen deines Handelns nachdenkst, bevor du deine Gedanken einem größeren Publikum kund tust. Ein Sturamitglied sollte doch eigentlich für das Wohl seiner Kommilitonen/innen kämpfen, nicht für den Groll der Professoren/innen.Denk da mal drüber nach.

#59 |
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Ludovica
Ludovica

Der Artikel ent-setzt mich:
Ich habe immer schon gewusst, dass die medizinische Ausbildung nur auf Auswendiglernen des vorgegebenen Stoffs beruht. Hier finde ich wieder Bestätigung: Frei zu denken und außerhalb dieser schematischen Lernweise geistig anzusetzen und den Patienten ganzheitlich mit seinen Beschwerden zu verstehen, dieser Aspekt im Studium findet nicht statt. Das Ergebnis sind unkritische und im Denken unkreative Ärzte, die nicht in der Lage sind, aus ihren Vorlesungsdenkschemata herauszukommen und schwach sind in ihrer Diagnostik. Unintelligentes Lernen führt eben zu schlechten unempathischen Ärzten. Und die gibt es wie Sand am Meer.

#58 |
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Gast
Gast

Interessant dass der Artikelschreiber selbst erst im 6. Semester die Klausuren über die er berichtet noch gar nicht hinter sich gebracht hat und auch in der vorklinik kaum an Biochemie vorbei gekommen ist…

#57 |
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Tierärztin
Tierärztin

Ich finde es schade, dass der Autor in den Kommentaren teilweise unsachlich kritisiert wird. Ein Kommentar ist und bleibt schließlich ein Audruck der eigenen Meinung und ist auch solche zu respektieren!
Und den Vorwurf des “Streberleins” mussten sich wohl alle intelligenten, motivierten Studenten schon einmal anhören…
Auch in meinem Tiermedizinstudium habe ich immer unter solchen Klausuren gelitten, nicht zuletzt deswegen, weil der innere Schweinehund einerseits und Zeitmangel andererseits einen immer wieder gezwungen haben, so auf Klausuren zu lernen, wie diese es erforderten. Die Krönung des Ganzen war bei uns das Laborkurstestat – für dessen erfolgreiches Bestehen ich absolut gar nichts praxisrelevantes über Labormedizin wissen musste.
Eine Kritik an den Prüfungen im Studium, die nunmal bestimmen, was und wie gut Studenten lernen, ist deshalb meiner Meinung nach absolut berechtigt!

#56 |
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6 setzen!
6 setzen!

Ich kann diesem Artikel null zustimmen! Dem Autor möchte ich nichts unterstellen, aber es hört sich fast so an, als ob ein Streberlein sich darüber aufregt nicht der Beste sein zu können, weil alle eine “1” bekommen haben. Klar sind einige Klausuren im Studium mal leichter mal schwerer. Aber sich über eine MIBI-Klausur aufzuregen…tztztz. Wahrscheinlich hat jede Uni bestimmte Fächer, in denen es einfacher ist. Dafür gibts aber auch hammerharte Klausuren in Fächern die weitaus wichtiger sind als MIBI!
Des weiterem wird uns jawohl im Hammerexamen rein gar nichts geschenkt.
Das Ansehen bei den Patienten ist in den letzten Jahren auch gesunken, aber bestimmt nicht, weil wir “leichte” Klausuren in unserem Studium haben. Sondern weil immer mehr Vollpfosten in diesem Studium unterwegs sind!

#55 |
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Mediziner
Mediziner

@Gast #55: merkst Du eigentlich, wie sinnlos und abwertend Dein Kommentar ist?! Total unnötig…

#54 |
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Gast
Gast

Heult sich der Autor darüber aus, dass er nie abschreiben darf?
Mein Gott… soll er doch zufrieden sein. Durchs Ex muss ohnehin jeder alleine durch.
Wenn man sich Altklausuren im Nu ins Hirn hämmern muss, um sie “alleine” zu bestehen, ist der Lernfortschritt genauso für die Katz als wenn man abschreiben würde – dem Kurzzeitgedächtnis sei Dank.

Fazit der Geschichte: Klausuren abschaffen, dann kann jeder für sich selbst entscheiden wann und wie er lernt und muss sich nicht alles in 3 Monaten reinprügeln.

#53 |
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Gast
Gast

lol, an 5 Tagen 10 Klausuren. Wie niedlich. In Hamburg hat man teilweise EINEN KlausurenTAG, an dem einfach mal 7 Klausuren geschrieben werden.

#52 |
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Gast – ohne Worte…
Gast – ohne Worte…

Ich verstehe von Euch das Geplärre nicht! Viele heulen sich hier aus, dass sie in 3 Wochen 8 Klausuren oder in 4 Wochen 12 Klasuren schreiben müssen. Dann studiert mal in Kiel! Hier schreiben wir an 5 Tagen 10 Klausuren (und das mit einem “normalen” Studenplan, ohne vorgezogene Fächer!). Die Lehre hier in der Klinik ist grottig. Die Profs haben eine extreme Phobie vor uns Studenten, was sie uns auch offen zeigen und drücken sich vor der Lehre, wo es nur geht. Ohne Altfragen würden viele die Klausuren gar nicht bestehen. Außerdem ist es bei uns vorgeschrieben, dass höchstens 50 % der Klausur aus Altfragen bestehen, was auch kontrolliert wird. Natürlich ist der Wurm in dem medizinischen Bildungssystem drin, jedoch sind viele vorgeschlagene Punkte einfach nicht umsetzbar!

#51 |
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Sprachlos
Sprachlos

Liebes DocCheck News Redaktion,

lest Ihr eigentlich die Artikel Eurer “Autoren” selbst?

Gruß

#50 |
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Binary-Green
Binary-Green

Muss hier einfach mal @Leipziger Blumenkörbchen zustimmen. Wir meckern hier auf hohem Niveau. Klar, es ist immer und überall platz für verbesserungen in der Lehre, klar sind einige Klausuren nicht ganz fair, klar spiegeln nicht immer noten unsere Leitung und unser Wissen wieder.
Aber wir vergessen zu oft was da hinter für ein Aufwand steht und dass in vielen Fächern, in vielen WICHTIGEN Fächern, die Lehre wirklich gut ist und die Klausuren auch eine angemessene Schwierigkeit haben. An unserer Uni hatten wir viele Leute denen viel an der Lehre lag. Die Verständnis für Studenten hatten und Vorlesungen und andere Lehrveranstaltungen mit viel Herzblut gestaltet haben. (Und ehrlich an alle die gemeckert haben, dass Dinge in Klausuren gefragt werden, die in VLs besprochen worden: Warum denn bitte nicht? Warum sollte es keinen Vorteil bringen zu den VLs zu gehen? Es gibt studienrichtungen wo VL und Klausur GAR nichts miteinander zu tun haben. Das will keiner und wäre für alle Seiten sinnlos.)
Fakt bleibt folgendes: Unsere Dozenten sind Menschen. Die allermeisten geben sich Mühe ihren Job gut zu machen. Es gibt Evaluationen. (die kaum einer benutzt will ich mal anmerken) und dafür wird hier rumgemeckert wie Kinder auf einem Schulhof. (ehrlich, anstatt hier öffentlich zu meckern hätten alle hier mal die Evas machen können. Da gibt es ein Feld “verbesserungsvorschläge”.)
Ja, es gibt ein paar schwarze Schafe. Es wird sie immer geben. Aber so schrecklich, wie das z.T. in dem Artikel oder von einigen Kommentaren hier dargestellt wird ist es nicht. Es sind die Negativbeispiele die uns in erinnerung bleiben, und das haben die vielen, vielen positiven Beispiele (oder die, die zumindest nicht negativ waren) nicht verdient.

#49 |
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Leipziger Blumenkörbchen
Leipziger Blumenkörbchen

Ich persönlich denke ja, dass wenn man ein Problem mit der Lehre an unserer Uni hat, man einfach eine der vielen Evaluations-E-Mails ausfüllen kann, die bei uns regelmäßig ins Postfach flattern- eine öffentliche Plattform ist definitiv nicht der angemessene Weg. Wenn wir jedoch schon mal bei dieser Diskussion sind, hätte ich da auch noch was auf dem Herzen. Ich bin vor 2 Wochen scheinfrei geworden und ich hoffe, dass diese Kommentare auch von einigen unserer Dozenten gelesen werden. Also folgendes: Ich möchte mich bedanken! Und zwar bei den Dozenten, die hier in eine Schublade gesteckt werden ohne, dass sie es verdienen. Es gibt bei uns Dozenten und Professoren, denen viel an der Lehre liegt und die sich wirklich unglaubliche Mühe geben und die es nicht verdient haben auf diese Weise hinterrücks ins Kreuz getreten zu bekommen. Vielen Dank an alle, die den Notfall-Pol organisieren, die Rheumatologie, die Professoren der Pharmakologie (bei denen man immer eine offene Tür findet, auch wenn es nicht ums Studium geht), an die Lehre der Palliativmedizin, der Rechtsmedizin, der Anästhesie, der Intensivmedizin, der HNO, der Gastro, der Urologie, der Nephro und an alle, die sich jeden Tag wirklich Mühe geben uns etwas beizubringen und motiviert in den Hörsaal kommen, um auch vor nur 35 Studenten ihre Vorlesung zu halten . Wir haben an unserer Uni viele engagierte Menschen, die mir persönlich viel mit auf den weiteren Weg gegeben haben. Ich denke, dass man manchmal auch eine Minute darüber nachdenken sollte, was alles gut läuft und es schätzen sollte, statt es für selbstverständlich hinzunehmen.

#48 |
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Helene
Helene

Hört, hört! aber lieber nicht auf Tim, sondern auf L-Medi, der meiner Meinung nach das ganze wunderbar zusammen fast!

#47 |
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L-Medi
L-Medi

@Lorenz
Entschuldige. Ich finde eben, dass, so richtig eine Diskussion über den Aufbau des Studiums auch ist, sowas nicht öffentlich von dubiosen Einzelpersonen breitgetreten werden sollte. Besser wären eine Abstimmung über mehrere Jahrgänge hinweg und eine direkte Kontaktaufnahme mit den Lehrenden gewesen. Da hat sich wohl mein Gemüt erhitzt;)

#46 |
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Lorenz Uxa
Lorenz Uxa

@L-medi,
Da hast du völlig recht. Ist ein Tippfehler. Es sollen natürlich solche Fragen gestrichen werden die weniger als 40 Prozent richtig haben. Mein Fehler.
Und trotzdem: Bitte den Umgangston überdenken.

#45 |
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Laura Briese
Laura Briese

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich gönne jedem Kommilitonen gute Noten sowie eine bestandene Prüfung. Ich kann auch jeden Studierenden verstehen, der dankbar für jede Erleichterung der Klausur ist.
Hast du heute Kaffe getrunken?

#44 |
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Florian Bürger
Florian Bürger

Auch wenn schon viel geschrieben wurde, dem ich in großen Teilen zustimme, möchte ich gerne noch zwei Überlegungen ergänzen:

1. Befürchtungen darüber, dass einige Studenten nur mit Minimalaufwand und durch die Hilfe von Altfragen oder Betrug durch das Studium gleiten und nahe zu kein relevantes Wissen besitzen, konnte ich nahezu nicht bestätigt sehen. In Gesprächen, Diskussionsrunden oder konkreter den POL Kursen habe ich vielmehr festgestellt, dass bei den meisten ein guter Überblick vorhanden ist und dieser auch meistens in der Gruppe kritisch reflektiert werden kann – auch oder vielleicht insbesondere, wenn nicht jeder Laborwert, jede Klassifikation und jedes Antibiotikum mit Wirkspektrum benannt werden kann. Vergessen sollte man ja vielleicht auch nicht, dass es nicht das Ziel eines Medizinstudenten ist, eine Urkunde ausgehändigt zu bekommen, sondern irrwitzigerweise tatsächlich etwas zu lernen und ein grundsätzliches medizinisches Denken zu entwickeln.

2. Ich denke trotzdem, dass es möglich und nötig ist, Lehre und Prüfungsmodalitäten zu überdenken und zu modifizieren. Das Problem der Subspezialisierungen und des expansiven Wachstums medizinischen Wissens wurde bereits angesprochen. Deshalb sollte sich jedes lehrende Fach der Klinik fragen: Welche Inhalte meines Faches sind für jeden Arzt relevant? Welche Fehlschlüsse oder Irrtümer anderer Fachärzte (also anderer Gebiete) lassen mich immer wieder die Nase rümpfen oder sorgen für kollegiales Geläster beim Kaffeetrinken oder bei Übergaben? Diese Punkte müssen es doch sein, die ich jedem Studenten mit auf den Weg geben will und nicht die exakten Unterkategorien einer TNM UICC etc Klassifikation oder wie ich drei seltene und sehr ähnliche Autoimmunerkrankungen anhand von diffusen Hautzeichen, die den Namen längst verstorbener Eminenzen tragen, differenzieren kann.
Und derlei grundsätzliches Wissen lässt sich natürlich auch besser in einem Gespräch abklopfen. Ich glaube auch, dass ein erfahrener Arzt in der Lage ist, dies in wenigen Minuten, auch fair!, umzusetzen und es sollen selbstredend nicht sämtliche Prüfungen dadurch ersetzt werden. Das ist logischerweise kaum realisierbar.

Und um noch einen etwas prosaischeren Abschluss zu finden, die Wort eines klugen Mannes:
“Ein junger Arzt ist wie ein Forschungsreisender auf einem Floß im Dschungel – das Boot hat man ihm mit leicht verderblichen Vorräten hoch beladen, statt ihn das Fischen und Jagen zu lehren, damit er sich unbegrenzt ernähren kann.”

Gute Nacht!

#43 |
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L-Medi
L-Medi

@ 44 Lorenz
‘Fragen, die weniger als 40% falsch haben, sollen aus der Wertung genommen werden.’ ist ein Vorschlag, der (sorry) an Dämlichkeit kaum zu übertreffen ist. Schau dir nochmal in Ruhe Statistik an. Btw Gyn in Leipzig hatte dieses Jahr praktisch keine Altfragen. Fazit: Käse.

#42 |
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Lorenz Uxa
Lorenz Uxa

Es erscheint auf den ersten Blick in der Tat sonderbar, wenn ein Kommilitone aus dem 6. Semester sich zu Klausuren äußert, die er noch nicht geschrieben hat. Nur: Die Statistik der Gyn- und Sozialmedizin-Ergebnisse ist kein Geheimnis. Und die Fakten sind korrekt.
Ich habe alle Klausuren geschrieben. Ich bin scheinfrei, meine letzte Prüfung ist zwei Wochen her und jetzt habe ich noch das Stex und das PJ vor mir.
Und ich habe – höflich ausgedrückt – die Nase gestrichen voll. Nicht unbedingt vom Lernen, aber von den Klausuren. Ich ärgere mich, dass schon Stunden vor der Klausur der halbe Hörsaal mit Schals belegt ist (“…hier ist besetzt! Ja, die ganze Reihe…“) und dass Vorlesungen direkt vor Prüfungen immer unerträglich laut und überfüllt sind. Und darüber, für jedes Fach zwei mal lernen zu müssen – einmal, um das zu lernen, was ich brauche. Und ein zweites Mal, praktisch unabhängig davon, um die Klausur zu bestehen.
Der Grund für diesen absurden Zustand ist tatsächlich die Art, in der Klausuren geschrieben werden. Fangen wir mit dem offensichtlichsten an:
1. Das Fragenformat. Offensichtlich ist es erheblich leichter aus fünf Antwortmöglichkeiten eine auszuwählen, als eine Antwort selbst zu formulieren. Damit die Frage trotzdem nicht zu leicht wird, wandeln sich die Fragen inhaltlich, von Grundlagenwissen, dass jeder Arzt parat haben sollte, hin zu krassem Spezialwissen.
2. Um diese wenigen (und ich wage zu behaupten: nicht für das Fach repräsentativen!) Details für die Klausur parat zu haben, wird von den Studierenden gefordert, dass nur solche Inhalte gefragt werden, die in der Vorlesung genannt werden. Die Folge sind von Details überladene Vorlesungen und unsinnig strukturiertes Wissen. „Malaria nicht mit Metronidazol behandeln, alles andere ist richtig“ nützt im Klinikalltag wenig.
3. Diese Konzentration auf Details hat zahlreiche ärgerliche Folgen. Studenten, die die Vorlesung nicht besuchen wollen oder können haben große Nachteile. Wenn ich die gleiche Zeit intensiv mit einem Lehrbuch verbringe (und zwar abends um acht, wenn mein Kind schläft) lerne ich zwar mehr relevantes, habe aber – ohne Vorlesungsfolien und Altfragen – schlechte bis keine Chancen bei der Klausur.
4. Die Detailverliebtheit macht das abschreiben natürlich erheblich attraktiver. In einer Freitextklausur abzuschreiben ist praktisch sinnlos. Und weil viele Studierende ohne die Zusammenarbeit gar nicht bestehen können, wird das in vielen Klausuren mehr als lax gesehen. Selbst erlebt: „Bitte nehmen sie das Telefon unter den Tisch, muss doch nicht jeder sehen“ (Originalzitat!). Und ein Kommilitone, der eine Klausur bestanden hat, bei der er nicht anwesend war. Da hatte ein Student einfach zwei Bögen behalten und angekreuzt.

Nur damit man mich nicht falsch versteht: Ich möchte keine Klausuren im Ortrun-Riha-Stil. Ich möchte Klausuren, die vernünftigen Qualitätsstandarts genügen.
Validität. Die Klausur soll wiedergeben, wie viel ich über ein Fach weiß, nicht wie viele Altfragen ich gekreuzt habe. Das geht, indem man die Zahl der Altfragen begrenzt, zum Beispiel auf 20%. Neue Fragen zu erstellen macht aber Arbeit, ist aber nötig. (Falls das hier ein Dozent liest: Es ist aussichtslos, zu versuchen, dass die Altklausuren nicht öffentlich werden. Spart euch die Mühe.)
Objektivität. Es soll auch nicht geprüft werden, wie gut mein Vordermann vorbereitet ist. Es kann nicht sein, dass der eine Hiweise bekommt (“Sind sie bei achtens sicher?”) und beim anderen genau hingeschaut wird. Und deshalb macht es Sinn, Betrug generell zu verhindern. Parallel muss man dann über den Schwierigkeitsgrad nachdenken. Die Fragen sollten ein vernünftiges Niveau haben. Die 18-6-6-Regel halte ich für sehr sinnvoll. Und zwar deshalb:
Vergleichbarkeit. Was nützt mir eine Eins in Gynäkologie, wenn alle eine haben? Wenn ich mich tatsächlich in der Gyn bewerben wollte, wäre es gut, wenn man erkennen könnte, dass ich viel weiß. Deshalb ist es sehr sinnvoll, wenn eine Klausur eben auch einige spezielle Fragen enthält, bei denen sich die profilieren können, die tatsächlich besonders gut sind. Ich bin es übrigens nicht.

Was kann man also tun?
1. Wenn man aus praktischen Gründen beim MC-Prinzip bleiben muss, dann bitte mit veränderter Struktur: Höchstens ein Fünftel Altfragen, das Bestehen sollte mit dem Wissen eines Kurzlehrbuchs Vorlesungsunabhängig(!) problemlos möglich sein. Einige schwierige und wenige schwere Fragen.
2. Konsequentes Verhindern von Betrug. Sitzplätze zuteilen und individualisierte Klausuren direkt ausgeben. Maximal 150 Studierende pro Hörsaal, konsequentes Ahnden von Betrugsversuchen.
3. Auswertung der Klausurergebnisse und Überprüfung der Ergebnisse nach einem standardisierten statistischen Verfahren. Fragen, die von weniger als 40 % der Studierenden falsch beantwortet werden, und Fragen bei denen mehr als 40 % die gleiche falsche Antwort gewählt haben, werden aus der Wertung genommen.
4. Schaffen der Möglichkeit, Klausuren freiwillig und ohne Nachteile auf einen Termin in der Vorlesungsfreien Zeit zu verschieben. Wer zwölf Klausuren in vier Wochen schreiben kann soll das gerne tun, wer anders besser lernen kann und keine 14 Wochen Semesterferien braucht, kann sie zur Vorbereitung nutzen.
5. Ein unkonventioneller Vorschlag: Senken der Bestehensgrenze auf 50%. Aber: Für eine nicht beantwortete Frage gibt es keine Punkte, für eine falsch beantwortete gibt es zwei Punkte Abzug. Kein Arzt muss alles wissen, aber jeder Arzt sollte wissen, was er weiß und was nicht.

Ein versöhnlicher Satz noch zum Ende: Es gibt Gegenbeispiele. Als fair, vom Niveau her angemessen und relativ gut kontrolliert habe ich zum Beispiel die Klausur der Anösthesie empfunden.

Soweit meine bescheidene Meinung zum Thema. Und ausdrücklich: Danke Tim.

Lorenz

#41 |
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Gast
Gast

Da wir uns ja an einer Universität befinden und somit Erwachsenenbildung betreiben hält den Autoren und alle Gleichgesinnte niemand davon ab seine Nase mal in ein Buch zu stecken, zu hospitieren o.ä. zu tun um seinen Wissensschatz zu erweitern.

Da man ja für die einfachen Klausuren nur 2-3 Tage Vorbereitung braucht sollte dafür ja genug Zeit sein.

#40 |
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Michael Vetter
Michael Vetter

@ rebecca-bisplinghoff

naja das mit der 20% Chance ist eher relativ. Dem Nicht-Medizinstudenten bleiben oft die zum Teil manigfaltigen “Spielarten” der MC Klausur verborgen. Wer sich an seiner Uni an pick-n, long menu und echten mc (nicht die single choice fragen) wird wissen das auch in kreuz-form verpackte fragen ihre Tücken haben können. Man hat zig Entscheidungen zu treffen um den einen möglichen Punkt zu erhalten. Noch dazu kommt das zumindest bei mir an der Uni jedes Fach mittlerweile via Klausur + osce prüft und spätestens da kommt man mit Altfragen nicht sonderlich weit.

#39 |
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Johannes
Johannes

Ein Wichtigtuer ergreift das Wort.

Es ist schade, dass gerade solche Studenten denken das Wort ergreifen zu müssen, die offensichtlich nicht im Stande sind, über ihren eigenen kleinen Tellerrand zu blicken. Ein Medizinstudent im 6. Semester, mit höchstens einer Famulatur als Praxiserfahrung, der zudem noch nie in der Klinik im Patietenkontakt gelernt hat, schreibt nicht das erste mal über Moral, Patientenfürsorge, -kontakt etc.
Irgendwann wird nämlich auch der Autor sehen, dass man trotz jahrelangem Büffeln nicht alles wissen und man dann hoffentlich auf seine Soft-Skills wie Teamwork, Organisationstalent etc. zurückgreifen kann. Und an diesen fehlt es im Medizinstudium leider einigen. Ich bete jetzt schon, dass der Autor nicht mein zukünftiger Kollege wird.
Ein Glück werde ich die Auswirkungen solcher blinden Querschüsse nicht mehr erleben. Und trotzdem waren meine bisherigen Chefärzte mit mir sehr zufrieden.

#38 |
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JR
JR

@ Gast #37

es ist zu bezweifeln, dass ein Artikel ernst zu nehmende Konsequenzen für dein Studium hat. Im Übrigen wäre ich vorsichtig mit Behauptungen!
Desweiteren regt der Artikel zur Diskussion an. Offensichtlich scheint der Bedarf dazu vorhanden zu sein, also kann er nicht so verkehrt sein.

#37 |
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L-Medi
L-Medi

Drolliger Beitrag. Für jemanden im ersten klinischen Jahr, in dem die klinische Ausbildung noch garnicht wirklich begonnen hat, erlaubt sich der Autor ja ein vernichtendes Urteil – auch über Klausuren, die er noch nicht geschrieben hat. Natürlich tut er das nicht, ohne schön billig Ängste über schlechte Ärzte zu schüren. Allein an der Tatsache, dass er die Öffentlichkeit als Plattform seines Feldzugs nutzt, anstatt das Problem intern anzusprechen, erkennt der Leser, dass es bei ihm an Sozialkompetenz mangelt – übrigens in meinen Augen einem wichtigeren ärztlichen Gut als eine starke Note in QSB 734. Lieber Autor, niemand hält dich von deinem persönlichen Lernerfolg ab. Niemand zwingt dich zum Abschreiben oder Altfragen-Kreuzen. Wenn du im Studium weiter bist und 6 Prüfungen in 12 Tagen schreibst, kannst du gern derjenige sein, der auch für sinnfreie Randfächer fleißig lernt. Du allein bist für dein Wissen verantwortlich. Dass das Studium reformiert werden sollte ist jedem klar. Das geht aber nur mit den Lehrenden, nicht gegen sie. Deinen Kommilitonen hast du hiermit jedenfalls einen Bärendienst erwiesen.

#36 |
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Gast
Gast

@Gast #35:
Vielen vielen Dank. Du sprichst mir aus der Seele.

Und wertes DocCheck-Team,
Wenn ihr uns Studierenden einen Gefallen tun wollt, löscht diesen Artikel/Kommentar/was auch immer.
Er schadet mehr als er evtl. hilft.
Herr Vogel hat vor ein paar Jahren schon einmal eine ähnliche, wenn auch unauffälligere, Situation geschaffen.
In dessen Folge knapp ein Drittel des Jahrgangs in einer Klausur durchgefallen ist und der zuständige Professor einige unangenehme Konsequenzen tragen musste.
Im Übrigen ein sehr guter Professor. Zumal die Lehre in diesem Fach auch äußerst gut war und die Leipziger Uni, im Physikums-Vergleich bezüglich dieses Faches, stets an der Spitze der Rangliste zu finden war.

#35 |
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Gast
Gast

Die meisten haben wohl nicht verstanden, dass es sich hier um einen Kommentar handelt….

#34 |
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Gast
Gast

Lieber Tim,
Du hast Recht, dass die Noten in den Klausuren meistens nicht das tatsächliche Wissen eines Studenten widerspiegeln. Jedoch ist es verwunderlich, dass du ausgerechnet die Klausur Mikrobiologie, Immunologie, Virologie und Hygiene aufführst! Hättest du im Praktikum, der Vorlesung und auch im Repetitorium in Hygiene richtig aufgepasst, wüsstest du, dass es den Lehrenden in Hygiene nicht darauf ankommt, dass wir ein paar Fragen ankreuzen können, sondern darauf, dass du Dinge verstanden hast und diese anwenden kannst! In Mikrobiologie, wie auch in anderen Klausuren tauchten Tipps auf, die jedoch dann gar nicht gefragt wurden! Ich erinnere mich auch nicht daran, dass in dieser Klausur viele Altfragen gestellt wurden, denn sonst hätten doch sicherlich die meisten Studenten eine 1 und keine Note 3 oder 4 in dieser Klausur!
Noch viel verwunderlicher finde ich deine zwei weiteren Beispiele, da weder Sozialmedizin noch Gynäkologie bisher auf deinem Stundenplan standen. Ich frage mich, wie du dann die Lehre und die Klausuren dieser Fächer überhaupt beurteilen willst? Gerade in Gynäkologie fand ich die Lehre sehr gut, insbesondere vom Lehrbeauftragten, der auch die Klausurfragen stellt, die nicht aus dem impp Katalog stammten und daher gerade die Nutzung vom Computerprogrammen zum Kreuzen( die du in einem Atemzug nennst) für die Klausurvorbereitung völlig sinnfrei gewesen wäre.
Lieber Tim und liebes DocCheck-Team,
Die Grundidee dieses Artikels ist sicherlich richtig, doch fehlen hier wesentliche Aspekte: es kommt häufig vor, zumindest an deiner Uni, Tim, dass gute Vorbereitung nicht unbedingt mit einer guten Note belohnt wird. Wir müssen alle viel lernen (100 Klausuren schreiben sich nicht von selbst), viele müssen nebenher noch arbeiten und ich denke, jeder von uns hat dafür schon private Opfer bringen müssen, was oft frustrierend ist. Eine gute Note kann hier motivierend sein! Man bekommt in diesem Studium absolut nicht seine Noten nachgeschmissen, wie das, meiner Meinung nach, in diesem Artikel pauschalisierend dargestellt wird. Abschließend möchte ich sagen, dass Tim und das DocCheck-Team in der Recherche durchgefallen sind und der Artikel das Klassenziel verpasst hat!

#33 |
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Arzt
Arzt

@Martin Federbusch, völlig richtig, die “Nebenfächer” plustern sich zu sehr auf.
Wichtig ist Pathologie und Innere, vielleicht noch Pharmakologie, damit sollte man beginnen, dann fallen die “Nebenfächer” leichter.
Chirurgie muss man “machen”, nach dem Studium.
Das häufige ist häufig und sollte auch Prüfungsschwerpunkt sein.

#32 |
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Arzt
Arzt

Ein Beispiel dafür fällt mir gerade ein,
bei der Reklame für ein neu auf den Markt gekommenes sehr potentes Schmerzmittel,
beworben, es sei kein “Opiat”, also kein Suchtrisiko etc. und stand auch nicht auf der Betäubungsmittellliste.
Ich fragte den “Vertreter” nach der chemischen Formel, in der das typische zentrale “5-bindige C-Atom” zu sehen war und sagte ihm er wäre ein Schwindler.
Es gab bald viele Süchtige, die Behörden benötigten jedoch Jahrzehnte um es endlich auf die Liste zu setzen, wo es von Anfang an hingehört hätte.
Der “Arzt” kann niemals “zu viel” wissen,
immer nur “zu wenig”
und trotzdem muss er entscheiden.

#31 |
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Martin Federbusch
Martin Federbusch

Das grundlegende Problem sehe ich in den Multiple-Choice-Klausuren: Entweder die Fragen gehen von Jahr zu Jahr mehr ins Detail (ein Problem was auch im Abschlussexamen sichtbar ist) oder es gibt Altfragen, die nun mal leicht zu beantworten sind. Da kann man noch froh sein, wenn die Altfragen auf wichtige Themen lenken.
Aber aufgrund von rechtlichen und finanziellen Gründen, müssen wir uns wohl mit dieser Prüfungsform abfinden.
Dann muss aber vielleicht nicht jedes Winzfach eine extra Prüfung machen. Denn 320 Medizinstudenten 8 mal im Semester mit 25 von 30 Altfragen 2 Stunden zu beschäftigen ist einfach eine riesen Zeitverschwendung. Wären andererseits all diese Prüfungen auch noch anspruchsvoll, wären 10 Prüfungen a la Sozialmedizin, Arbeitsmedizin, Rehabilitation und Prävention eine komplette Ablenkung von wichtigen Fächern.

–>Weniger, gut durchdachte Prüfungen; ohne Abfragen von Detailwissen, aber auch ohne Repititorium-Tipps und mit wenig Altfragen (welche höchstens auf wichtiges Wissen lenken sollten)
–> noch besser mündliche Prüfungen mit verschiedenen Möglichkeiten, die Prüferwillkür zu umgehen

#30 |
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Arzt
Arzt

Das was deutsche Unis früher auszeichnete – ich weis nicht, ob das immer noch so ist – war die starke theoretische Basis bis zum Physikum, die anschließend erst die Voraussetzung zum Verständnis von Pathophysiologie ermöglicht, also Überlegungen zum KAUSALEN Verständnis von Krankheit und natürlich auch Therapieverständnis. Deshalb waren deutsche Ärzte in den USA immer besonders beliebt, ich war selbst oft genug drüben! Besonders natürlich in Unis mit Forschung.
Nur mit solchem Rüstzeug ist “selbständiges Denken” möglich, wozu auch die Fähigkeit gehört, zu erkennen, dass z.B. ein gut geschulter “Pharmavertreter” Quatsch erzählt.
Das Gegenteil davon ist die “Küchenrezeptmedizin”,
bei Fieber Pille A, bei erhöhtem Blutdruck Pille B, etc.
etwas “amerikanischer”

Gruß
von einem Dinosaurier

#29 |
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Zu fordern, dass ein Viertel der Klausurfragen überhaupt nicht zu lösen sei, wenn man nicht über Spezialwissen ausserhalb der Vorlesung verfüge?

Das ist doch total lächerlich und schwachsinnig! Die Aufgabe der Lehrenden ist es, den Stoff zu vermitteln und damit ihr Teilgebiet komplett abzuschliessen. Wer ALLES verstanden hat und FEHLERFREI wiedergeben kann, hat ALS STUDENT die Bestnote verdient – wir reden nicht von der Facharztprüfung oder Forschungsarbeiten. Ein nationaler Lernzielkatalog ist da natürlich obligat.

Die 18-6-6 Forderung muss man sich jedoch noch mal auf der Zunge zergehen lassen:
Man schliesst sein Studium ab und KANN ALLES, was jemals an der Uni gelehrt wurde und hat nur die Note “GUT” ???

#28 |
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Medizinstudentin
Medizinstudentin

Liebe Verfasser von Kommentaren.

Natürlich wird man durch das Bestehen von Klausuren kein guter Arzt. Und darum geht es doch in diesem Artikel auch?

Jede Klausurenwoche steht man wieder kurz vorm Burnout. Nach jeder guten Klausur freut man sich, nach jeder schlechten fühlt man sich Missverstanden und würde am liebsten das ganze Studium schmeißen.
Ich hoffe, dass alle Recht haben, und diese Noten später wirklich nicht zählen! Denn was nicht mit gewertet wird: wie viele Klausuren schreibt diese Person in einer Woche, weil sie noch ins Ausland möchte, musste sie vor der Klausur noch Patienten in eine Studie einschleusen, musste sie noch Nachtschichten einschieben, um ihr Studium zu finanzieren?
Das finde ich schade. Und deshalb sollte sich auf jeden Fall etwas ändern.

#27 |
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Arzt
Arzt

@Student med. André Golz, zum e-learnig
Einen Nachteil hat e-learning schon, obwohl das kaum einer zugeben möchte.
Es fördert den starken Trend, den kranken Mensch und natürlich die Behandlung durch den Arzt zu “Standardisieren”.
Der Mensch, besonders der Kranke, lässt sich aber nicht DIN-Normen und das wird auch NIEMALS so sein. Ein guter Arzt ist (sollte!) daher dem Fachidioten immer überlegen sein, der sich immer nur auf Detail-Wissen beschränken muss.
Es war schon seit Jahrzehnten der Wunschtraum vieler, den “Arzt-Komputer” zu erfinden, was auch IMMER bisher schief gegangen ist.
Insbesondere ein Traum der Politik und der Ökonomen, unseren größten Feinden.
Was dabei immer total UNTERSCHÄTZT wird, ist die Fähigkeit des Menschen, der sozusagen selbst eine Art “Superkomputer” darstellt wenn er genug “Wissen” hat, auch “Erfahrung” genannt, die dann sozusagen auch ins Unterbewusstsein wandert und damit auch eine hohe Sicherheit erreichen kann (der klinische Blick).
Aber ohne “Wissen” geht gar nichts.
Das kann auch Ideologie (Vegetarismus & Co) nicht ersetzen.
Gruß

#26 |
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Gast
Gast

Studenten, reißt Euch bitte etwas zusammen!
Der “Wortwechsel” ist gleichermaßen ein Abbild schlechter Manieren (ad hominem),
wie der (negativen) Psychologisierung unserer Gesellschaft. Offenbar gefördert durch Internetanonymität.
Wer Arzt werden will kann gar nicht genug Wissen wissen.
Wer da schon im Studium von burn out spricht ist da vielleicht nicht richtig.
Das MC-Verfahren ist natürlich auch ein gutes Stück “Faulheit” der Prüfer, aber nicht grundsätzlich falsch, weil die “Subjektivität”, der (ganz) früheren Prüfer wegfällt.
Ich kann einen Prüfer der bei seinen 4er Gruppen im Staatsexamen angeblich immer denjenigen durchfallen ließ, der auf dem Stuhl vor seinem Aquarium saß :-)

#25 |
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Student med. André Golz
Student med. André Golz

… zu ergänzen wäre noch
a) ein weitgehendes Hinterherhinken bei der Verwendung von echtem e-learning. Das muss der freie markt flicken. Siehe AMBOSS & Co.
b) das krampfhafte nicht raus rücken vieler Profs von Vorlesungsfolien. “Sie könne das ja alles in Fachbüchern nachlesen” – Ja, klar.
c) Die schwachsinnige Fixierung auf die verflixte Gaus-Verteilung. Vernunftbegabter wäre meiner Ansicht nach,
– die Zielsetzung von praktischem essentiellen Wissen
– die maximale didaktische (ja es gibt das Fach Didaktik) Unterstützung für dieses Wissen
– Dann können von mir aus doch alle mit 95% bestehen. F… Normalverteilung.

#24 |
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Gast
Gast

Sicher gibt es Verbesserungsmöglichkeiten, aber ich denke im Großen und Ganzen funktioniert das System doch ;)
Jedem ist freigestellt, sich so viel Wissen wie möglich anzueignen, muss aber davon so wenig wie nötig besitzen.
Für letzteres sind Prüfungen ein probates Mittel.
Sind sie zu einfach manipulierbar? Vielleicht. Aber wem nützt es eine Prüfung anspruchsvoller zu machen?

#23 |
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Gast
Gast

ach warst du nicht der der Biochemie nicht bestanden hat? hattest wohl keine guten Nachbarn und regst dich jetzt deswegen auf.

#22 |
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Nichtmedizinische Berufe

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihre zahlreichen, vielfältigen Kommentare. Bitte beachten Sie jedoch beim Verfassen dieser die Netiquette. Wir bitten Sie auch darum, von persönlichen Angriffen gegen unseren Autoren abzusehen.

Ihre DocCheck News Redaktion

#21 |
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Sebastian Müller
Sebastian Müller

Lieber Tim Vogel,

zunächst einmal bedauere ich es sehr, dass du dich offensichtlich unterfordert fühlst durch das Medizinstudium oder liegt es daran, dass du neben der Uni kein anderes Leben und keine Freunde hast?

Mit Verlaub- das ist grösstenteils grosser Mist was da geschrieben wird und führt im schlimmsten Fall nur dazu, dass die Lehrenden von der gutgemeinten “Wir geben euch Tipps” Kultur abkommen und rigoros NUR noch Detailwissen abfragen und die Klausuren wie Staatsexamina (3 Plätze und 2 Reihen Platz zwischen den Studierenden sowie mind. 5 Aufsichtspersonen) aufgebaut werden.. (So selbst erlebt an der Uni in Freiburg). Ist es das was du dir wünschst? Soll ja solche Freaks geben..
Es ist doch vielmehr so, dass man das Detailwissen, was man z.T. gelehrt bekommt, gar nicht konservieren kann und daher ist es doch gut, wenn man einen möglichst guten Überblick über die Fächer bekommt ohne dass diese überzogen Schwer gemacht werden und sich zu wichtig nehmen..

Und glaub bitte nicht, dass du dadurch auch nur im Ansatz ein besserer Arzt wirst, wenn du eine anspruchsvolle MIBI Klausur oder gar das Staatsexamen gut bestehst..

Aus Erfahrung- bin mittlerweile im 4. Jahr Assistenzarzt an einer Uniklinik- wird man auch durch noch so schwere Klausuren, die letztlich ALLE Theorie sind, auf den klinischen Alltag vorbereitet, ausserdem braucht ein guter Arzt etwas ganz entscheidendes, was man weder in der Schule noch in der besten Elite-Uni lernen kann- Menschlichkeit und Empathie! Schönen Abend!

#20 |
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Jule
Jule

Ich finde es auch etwas übertrieben. Natürlich könnte man an der Lehre einiges verbessern, aber wie schon weiter unten geschrieben: wir sind nicht mehr in der Schule. Wenn dir die Vorlesung nicht gefällt, dann lernst du halt zuhause. So entscheidest du selbst, wieviel Zeit du investieren möchtest und wie vertieft du ein Thema lernen willst.
Ich selbst war froh, dass es zwischen den vielen Klausuren im Semester auch mal einige gab, die man nur durch Altfragen kreuzen bestehen konnte. Denn ehrlich gesagt, interessiert mich z.B. Sozialmedizin nicht brennend und dann musste ich nebenbei auch arbeiten, um mir überhaupt mein Studium finanzieren zu können.
Ich finde es jedes Mal total erstaunlich, wie sich manche Leute darüber beschweren, dass die Klausuren zu leicht waren. Klar dann haben womöglich alle eine 1 und der individuelle Lernerfolg wird nicht abgebildet. Aber sind wir auch mal ehrlich…wen interessieren denn die Noten am Ende? Das habe ich von noch keinem gehört. Meiner Meinung nach ist ein fundiertes Basiswissen für jeden Arzt wichtig, aber die Erfahrung und Praxis ist das, was man später zum Arbeiten braucht…

#19 |
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Gast
Gast

Das mag ja alles sein, das die Prüfungen so ablaufen. Dann bescheißt man sich eben selbst…
Bei den über 100 Klausuren die wir schreiben, ist es doch eh nur Wissen rein prügeln und wieder vergessen und demzufolge wissen wir, wenn wir unsere Approbation erhalten. Wichtig ist doch, dass wir uns dann in unserem Fachgebiet auskennen, damit Menschen nicht zu schaden kommen. Als Radiologe interessiert mich dann wahrscheinlich auch nicht mehr, wie welcher Erreger nicht behandelt wird

#18 |
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Gast
Gast

Völliger Käse. Seid froh überhaupt einen Studienplatz bekommen zu haben; es gibt viele, die würden liebend gern Medizin studieren und können es aufgrund der restriktiven Regelung nicht.

Wenn dir die Klausuren zu einfach sind, dann engagiere dich doch bitte in deiner Freizeit ehrenamtlich um deine vorhandene Kraft sinnvoll zu investieren.

Ein guter Arzt wirst du gewiss nicht aufgrund vom Bestehen irgendwelcher nichtsaussagender Klausuren. Den individuellen Patienten sollst du verstehen und behandeln – das lernst du gewiss nicht aufm Papier!!!!!!

#17 |
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Severin Koj
Severin Koj

Gut, dass dieses immer größer werdende Problem angesprochen wird! Leider finde ich die vorgeschlagene Lösung in höchstem Maße inadäquat. Das 18-6-6-System würde bedeuten, dass ein Student, der sämtliches Vorlesungswissen zu 100% (->unrealistisch) besitzt, gerade mal theoretisch 24 Fragen beantworten könnte – leistet er sich nur einen Fehler bedeutet das eine 3 als Note. Soll das eine angemessene Würdigung der Leistung sein??? Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass gerade in den höheren Semestern an unserer Uni ein vertieftes Lernen des Faches über den Inhalt der Vorlesung hinaus zeitlich im Prinzip so gut wie unmöglich ist, zumindest wenn das für alle Fächer gleichzeitig gelten soll.

Mein Lösungsvorschlag: Grundlegende Überarbeitung des Lehrplans unter der Maxime “Was sollte ein allgemeiner Assisstenzarzt nach Abschluss des Studiums über das Fach wissen, was ist klinisch tatsächlich relevant?” (viel zu oft wird hier scheinbar Assisstenzarzt mit Facharzt verwechselt) UND viel mehr mündliche Prüfungen! Ist zwar logistisch aufwendiger, aber im Gespräch lässt sich viel besser überprüfen ob jemand einfach gewisse grundlegende Prinzipien verstanden hat und mit dem Fach umgehen kann, anstatt immer nur zwiespältige Antworten zum Ankreuzen anzubieten.

#16 |
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Clemens Langgartner
Clemens Langgartner

Die Hysterie um so und so viele Klausuren in nur 2-3 Wochen kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Wenn man weis, dass es am Semesterende so viele Klausuren gibt, muss man halt das Semester hindurch schon was machen.
Das ist alles nur eine Frage des organisatorischen Talents.
Darüber, dass die Lehre mies bis nicht existent ist, muss man ja sowieso kein Wort verlieren. Zumindest an meiner Uni ist da halt dann Eigenverantwortung verlangt.

#15 |
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Gast
Gast

Es geht ja nicht nur um die schlechten Klausuren sondern auch der damit verbundenen schlechten Lehre. Wer DAS nicht sieht tut mir wirklich leid. Natürlich kann man Zuhause Fachliteratur wälzen bis es einem zu den Ohren raus kommt, aber ist das wirklich der Sinn dieses Studiums?

#14 |
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Gast
Gast

Ich lerne gerade für das StEx. Ich kann jedem nur empfehlen, in der Klinik gut zu lernen und das PJ zu nutzen. Alle anderen werden massive Probleme bekommen, die unendliche Menge an Fakten im Kopf zu behalten. Bei Amboss sind gut 6000 Altfragen der letzten Examina online. Ich bezweifle, dass irgendjemand es schafft, das Examen allein durch kreuzen dieser Fragen zu bestehen.
Nebenbei, die Lehre in Deutschland ist generell eher grottig. Und diese Detailfragen sind ja auch beim IMPP äußerst beliebt. Sinn und Verstand? Meistens Fehlanzeige. Es muss sich dringend was ändern. Denn auch wenn man erst im PJ und der Assistentenzeit “sein Fach” richtig lernt, so ist es doch von jedem Arzt zu erwarten, ein gewisses Grundverständnis (!!!) für die meisten Fächer zu besitzen. Das Detailgefrage (“Was steht in §27 der deutschen Röntgenverordnung?”) hilft da bestimmt nicht. Und genau deshalb sind/waren wir alle (wenn wir ehrlich sind) auch auf Altklausuren angewiesen.

#13 |
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Laura Briese
Laura Briese

Blödsinn!
Und da ich mich nciht mit Blödsinn befassen möchte nur was ganz kurzes.
Es hält dich niemand davon ab zu lernen, außer vllt. du selber! Wenn dir die Klausuren zu einfach sind, na und? Lern halt in der freien Zeit für den ärztlichen Beruf und fürs Leben! Wenn du erst dazu durch “gute Klausuren” gezwungen werden musst, tust du mir leid und hättest vllt. nicht Arzt werden sollen?

#12 |
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Annemarie Lippert
Annemarie Lippert

Dieses fressen und ausspucken, Verstehen egal wird durch reine Kreuzeltests geförtdert. Klar, sie sind einfacher auszuwerten und somit für den Korrektor bequemer. Aber da wäre sicher Klasse statt Masse besser. Das fand ich bei uns im Pharmaziestudium in Halle günstiger gelöst: es gab Prosaklausuren (einer der Chemie-Profs sprach sogar deutlich aus, daß reine MC-Tests eines Naturwissenschaftlers unwürdig sind) und zum üben noch einen kleinen MC-Teil mit wenigen Fragen hinten dran. Damit wir uns fürs erste Staatsexamen schon mal an den Stil der Fragen grwöhnen konnten. Die Punkte, die man da gewinnen konnte, haben nur einen kleinen Teil der Gesamtpunktzahl ausgemacht.

#11 |
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Studentin der Humanmedizin

Den Lehrenden aus der Klinik ist es doch sch***egal ob wir was lernen oder nicht. Lehre ist für die meisten doch nur ein lästiges Übel, was man in Kauf nehmen muss “um großartige Forschungsarbeit” betreiben zu dürfen.
Ich fühle mich seit der Klinik gänzlich verarscht von diesem Studium. Eine Fülle an Wissen in einem Semester, das sich tiefergehend anzueignen schier unmöglich ist (Ausnahmen bestätigen die Regeln). 10 Klausuren in einem Semester kurz hintereinander? Finde den Fehler. Basiswissen abfragen? Wäre ja zu einfach…Was bleibt? Altklausuren, Gruppenarbeit oder googlen während der Klausuren und auf keinen Fall Antworten mit “niemals” und “ausschließlich” ankreuzen. Manchmal muss ich mich schon zwicken um mich daran zu erinnern dass ich tatsächlich Medizin studiere und nicht gerade bei ner Führerscheinprüfung sitze…
Aber keine Angst, bis zum Hammerexamen haben wir das “Basiswissen” ja alle aufgeholt, dafür sorgt ja dann das IMPP… nicht.

#10 |
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Johannes Tönsmann
Johannes Tönsmann

Einfach mal die Kirche im Dorf lassen!
Generationen vor uns (und auch die Herren Professoren) haben ihr Studium abgeschlossen ohne eine einzige Klausur geschrieben zu haben! Spätestens beim Examen sind alle Studenten zwangsläufig auf einem etwa gleich hohen Niveau. Die einen müssen fürs Examen dann vielleicht etwas mehr lernen, die anderen weniger. So what !?
Mein Vater lacht sich immer halb tot, wenn er hört wie viele und welche schwachsinnigen Klausuren ich wieder schreibe (Gesundheitsökonomie, Infektiologie, Geschichte der Medizin, klinische Pharma usw.).
Das konkrete Wissen für die Behandlung von Patienten erwirbt man erst im PJ und in der Facharztausbildung.
Also keine Panik – die Qualität der Ausbildung wird nicht leiden; auch wenn die ein oder andere Klausur (zu Recht) etwas einfacher ausfällt.
Für eine bessere Lehre lohnt es sich aber trotzdem zu kämpfen :)

#9 |
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Studentin der Humanmedizin

Dazu tragen zusätzlich die sogenannten “Semesterabschlussklausuren” im klinischen Abschnitt bei. Hier werden bis zu 14 Fächer an nur einem Tag geprüft. Die ohnehin knappe Vorbereitungszeit muss dabei oftmals auch für die anstehenden praktischen Prüfungen, die berüchtigten OSCEs, ausreichen. Kein Wunder, dass hier nur auf elementarstes Kreuzwissen fokussiert wird…

#8 |
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Gast
Gast

Eine Kommilitonin von mir hat nach der letzten Klausurenphase etwas sehr passendes gesagt: “Bei diesem System lernen wir nichts, außer Stressresistenz.” 8 Klausuren innerhalb von 3 Wochen. Das geht nur mit Bulimielernen und Altklausuren, denn es geht im Medizinstudium ja leider meistens nicht um Verständnis, sondern darum, wie viele Fakten man sich in kürzester Zeit merken kann.

Einfach die Klausuren umzustellen wird dabei aber überhaupt nichts bringen, außer Burnout bei Studenten und horrende Durchfallquoten. Man kann nicht von uns verlangen in den Klausuren plötzlich z.B. in Mibi realitätsnahe Fallbeispiele zu lösen, wenn wir das in den Vorlesungen nie “geübt” haben. 18 Fragen über Basics können nur gestellt werden, wenn uns überhaupt Basics gelehrt werden.
Es sollte, wie schon ganz richtig gesagt wurde, nicht der Fokus auf den neuesten Forschungsergebnissen, sondern auf für das Arbeitsleben relevanten Themen liegen. Eine Orientierung hin zum s.g. Modellstudiengang ist genau die richtige Entwicklung und sollte unbedingt von allen Unis unterstützt werden!

#7 |
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Gast2
Gast2

Dieser Artikel grenzt schon fast an Polemik. Natürlich ist bekannt, dass Altfragen vor den Klausuren vllt. genauer studiert werden als Vorlesungsfolien. Aber auch in der Hinsicht habe ich bisher viele andere Erfahrungen gemacht. Ich bin nun im 6. Semester und kann mich an keine Klausur erinnern, in der die alleinige Kenntnis von Altfragen das Bestehen ermöglichte und erst recht nicht an solche Verhältnisse, wie oben beschrieben, dass in Klausuren solch reger Austausch stattfinden würde… Im Gegenteil, durch Onlineklausuren an verspiegelten Bildschirmen und Trennwänden zwischen den Studierenden und Anwesenheit vieler Aufsichten werden nicht nur Altfragen immer rarer, sondern auch die “Schwarmintelligenz” wird stark erschwert. Das soll keine Beschwerde sein, nur den Tonus dieses Artikels dämpfen, dass jeder von uns Medizinstudenten nur durch Betrug und vor allem ohne Ahnung durchs Studium kommt… Mag vllt. sein, dass einige so durchs Studium kommen, aber diese erwischt es dann spätestens im Staatsexamen!

#6 |
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Gast
Gast

Gute gestellte Klausuren erfordern auch eine gute Lehre vorneweg. An der scheitert es oft schon. Ich halte angemessene Klausuren für wichtig, um Rückmeldung über den eigenen Lernstand zu erhalten, letztlich bleibt es aber doch jedem selbst überlassen, ob und wie viel Zeit er in die Prüfungsvorbereitung investiert. Noch wichtiger als die Prüfungen fände ich aber eine aktuelle und klinisch relevante Lehre, die zum Lernen motiviert und über das Lesen eines Buches hinaus relevantes Wissen vermittelt.

…Das “Sitze-Reservieren” in Leipzig ist schon absurd…an meiner früheren Universität wurden wir erst zu Klausurbeginn in die Hörsäle gelassen…

#5 |
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Gast
Gast

sehr gutes Schlusswort!

#4 |
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Student der Humanmedizin

In dem Artikel hätte noch das andere Ende des Kontinuums der Klausurhärte deutlichere Erwähnung finden sollen. Auf der einen Seite sind die ständig wiederholten Altfragen und Hilfestellungen mancher Lehrenden. Auf der anderen jedoch finden sich Klausuren aus z.T. hochspezielle Fragen, die so machen Facharzt ins Grübeln (und googeln!) bringen. Und das sind nicht wenige. Dadurch entzieht sich auch die Vergleichbarkeit von Noten zwischen verschiedenen Fächern jede Grundlage. ‘Nur eine 2 in Gyn? Schlecht…’ ‘Patho 4? – Glückwunsch!!’
Dem Ruf nach einer allgemeinen Verbesserung der Klausurkultur möchte ich mich anschließen.

#3 |
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Student der Humanmedizin

Genauso wichtig wie die Feststellung des Umstandes ist die Folge: das Medizinstudium vierliert dadurch im Wesentlichen seine Qualität als wissenschaftliches Studium.

Wissenschaftliches Arbeiten heißt in diesem Kontext, mit Hilfe verschiedener Quellen (und ggf. verschiedener Methodologien) ein gegebenes komplexes Problem zu lösen.
Derartiges wird jedoch fast über das gesamte Studium hinweg gar nicht gefordert. Stattdessen werden häufig größere Mengen an Details in MC-Fragen abgefragt.
Aufsätze oder gar Hausarbeiten werden in der Regel nicht geschrieben. Problemorientiertes Denken wird so häufig nicht antrainiert.

Andererseits ist es verständlich, dass alle Möglichkeiten genutzt werden, Prüfungen zu bestehen: häufig sind die Klausurphasen auf wenige Tage am Ende des Semesters komprimiert und stellen so eine lernphysiologisch wenig sinnvolle Situation dar.

#2 |
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Studentin der Pharmazie

Genau das Problem mit Altfragen der Mediziner bekommen auch wir Pharmazeuten mit. Klausuren, die die medizinische Fakultät stellt wie Mibi oder Physio werden problemlos bestanden, da sie zum großen Teil aus Altfragen bestehen.
Klausuren aus anderen Instituten haben Durchfallquoten von teilweise 80%, was sicherlich auch mit der Art der Klausuren zusammenhängt – bei MC hat man immer eine 20%ige Chance, bei Prosaaufgaben muss man aktiv etwas wissen.
Ich fühle mich durch schwierigere Klausuren besser auf das Berufsleben vorbereitet, doch wäre es für Studenten sicherlich angenehmer, wenn man alles im Vorbeigehen besteht.

#1 |
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