Cannabis-Eigenanbau: In Einzelfällen möglich

23. Juli 2014
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Das Kölner Verwaltungsgericht sprach nun drei Klägern das Recht zu, Cannabis im Eigenanbau zu kultivieren. Die Schmerzpatienten hatten gegen die Ablehnung entsprechender Anträge beim BfArM Klage erhoben, da sie die Kosten für den Cannabis-Erwerb nicht selbst erbringen könnten.

Insgesamt hatte das Verwaltungsgericht Köln über fünf Klagen zu entscheiden. Bei allen Klägern handelt es sich um Patienten mit chronischen Schmerzen, denen bereits zuvor ein Erwerb und Konsum von Cannabisblüten aus therapeutischen Gründen zugestanden wurde. Im Gerichtsverfahren ging es nun um die Frage, ob die Kläger diese Cannabisblüten auch im Eigenanbau heranzüchten dürften, da ihnen, laut Klage, die finanziellen Mittel fehlten, um den Cannabis-Erwerb zu tätigen. Auch die Krankenversicherungen lehnten eine Kostenübernahme in den verhandelten Fällen ab. Das BfArM hatte die entsprechenden Anträge aller Kläger zuvor abgelehnt.

BfArM am Zug

Das BfArM wurde nun in drei von fünf Klagefällen dazu aufgefordert, die Anträge nochmals zu bewerten. Die weiteren Klagen blieben ohne Erfolg. Das Gericht wies in seiner Urteilsverkündung aber auch explizit darauf hin, dass, was den Eigenanbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken betrifft, immer einzelfallabhängig zu bewerten und entscheiden sei. Auch sollten die Anbaubedingungen durch klare Auflagen festgelegt werden. Zudem müsse ein Zugang Dritter zu den Räumen, die dem Eigenanbau dienten, ausgeschlossen werden. Das Gericht sah dies in einem der verhandelten Fälle als nicht gegeben an. Eine weitere Klage wurde abgewiesen, da das Verwaltungsgericht Zweifel daran äußerte, dass der betreffende Kläger alle sonstigen Behandlungoptionen bereits ausgereizt habe.

Nun ist das BfArM am Zug, da in allen Verfahren noch Berufungsanträge gegen die Urteile möglich und zulässig sind. Diese würden dann jedoch vor dem Oberverwaltungsgericht Münster verhandelt.

30 Wertungen (4.37 ø)

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16 Kommentare:

Studentin der Humanmedizin

@Gast (Auf Nr 1): Weshalb meinen Sie (Im Zusammenhang mit diesem Artikel?), dass “Juristen immer mehr Blödsinn fabrizieren, wenn’s um Medizin geht”?
In der Geschichte der Rechte um Drogenhandel und -Konsum ist es ausgerechnet so, dass Drogen, wenn sie vom Arzt verordnet wurden, immer zulässig waren, natürlich nur weil es der Pharmaindustrie gewinnversprechend war. Ausserhalb des medizinischen Etablissements waren Drogen anrüchig und gefährlich weil sie aus China kamen. Cannabis wurde mal als ein Mörderkraut betrachtet, mal als friedenförderndes Kraut. Bis es aber zum Betäubungsmittelgesetz, zGv Pharmaindustrie, kam, gab es eine Aera des Drogenhandels insb. durch Engländer als Kolonialherren in China, während der der Drogenhandel und -Konsum nicht verboten waren.

#16 |
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Chirurg
Chirurg

Ich kann diese Drogenreklame nicht mehr hören!!!

#15 |
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Helmut Ortner
Helmut Ortner

Kann mir jemand sagen in welchem Preis-Niveau wir uns hier pro Gramm bewegen???

#14 |
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Arzt
Arzt

@Simone Pfaue richtig, richtig, ein allgemeiner Trend zurück ins Mittelalter kommt noch dazu.

#13 |
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Psychotherapeut

Ergänzung off topic: Da hab ich eine gute Idee gehört: Der Ami sollte von den Afghanen deren komplette Jahres-Opiumernte aufkaufen. Ein Teil davon könnte zu Medizinprodukten verarbeitet werden, der Rest würde vernichtet werden. So würde Afghanistan auf einen Schlag befriedet (mit Wohlstand – übrigends die einzig funktionierende Form von Frieden), die komplette Drogenmafia würde auf einen Schlag arbeitslos. Und jetzt das Beste: Das Aufkaufen der Jahresernte wäre auch wesentlich billiger als der ganze Militäreinsatz, vom Blutzoll gar nicht zu sprechen.
Warum denkt so etwas keiner öffentlich? Das Cannabisthema ist politisch ein Scheingefecht. Das Hauptleiden und die zerstörten Leben kleben am Heroin.

#12 |
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Psychotherapeut

Es gab schon immer bestimmte Drogen, die undifferenziert verteufelt wurden. Welche die jeweilig besonders böse Substanz ist, die zum Untergang des Abendlandes führe, hat sich über die Zeiten ja immer mal wieder geändert. Also, Hut ab, dass jetzt auch öffentlich angefangen wird differenzierter hinzuschauen. Naja, wir machen ja alles den Amis nach und da die nun auch in einigen ihrer Bundesländer THC entkriminalisiert haben wird es auch bei uns mit einigen Jahren Verzögerung nachgemacht.
Cannabis ist aber nicht das wirkliche Problem, sondern unser ignoranter Umgang mit Heroin, Crystal, Cocain, Amphetamine.

#11 |
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Heilpraktikerin

Ach, vielleicht noch ein kleiner Nachtrag zum Schmunzeln: Die Heilkräuter, von denen ich sprach, heißen in der Fachsprache “Drogen”. Das dazu gehörige Ausbildungsfach “Drogenkunde”.
Kommt aus dem Altmittelhochdeutschen; “dröge”, was schlicht “trocken” oder “getrocknet” heißt. Getrocknete Pflanzen, also! ;-)

#10 |
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Heilpraktikerin

Also, ich wage mal einen Erklärungsversuch, obwohl ich schon viele Jahre nicht mehr als PTA aktiv bin. Die Pflanzen müssen angebaut, geerntet, weiter verarbeitet werden, Transportwege kommen evtl. dazu. Der Wirkstoffgehalt muss im Labor bestimmt werden, nach Lieferung durch den Großhandel müsste zumindest eine Identitätsprüfung in der Apotheke vorgenommen werden. Dieser Vorgang muss wieder dokumentiert werden. Für den Kunden wird dann die gewünschte Menge in Handarbeit abgewogen und abgefüllt.
Sollte das Material schon fertig konfektioniert geliefert worden sein, fallen viele Arbeitsschritte weg; der Preis wird durch die Industrie festgelegt.
Dieser Vorgang fand vor 20 Jahren bei den ganz normal zu erwerbenden Heilkräutern so statt, wenn ich mich da recht erinnere, ich habe ihn jetzt einfach mal modellhaft übertragen.
Vielleicht kann ja tatsächlich ein aktiver Apotheker noch genauere Infos geben?

#9 |
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Medizinphysiker

Kein Apotheker hier, der mir sagen kann, warum Cannabis in der Apotheke so teuer ist?

#8 |
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Gast
Gast

Wer offensichtlich das Alkoholproblem von Jugendlichen nicht in den Griff bekommt, der sollte gefälligst nicht von “entschärfen” reden, sondern über mangelnde Kontrollen nachdenken!
Wenn Sie in Holland von der Polizei zu einer Alkoholkontrolle angehalten werden, sind Sie verpflichtet zu kooperieren. Wenn Sie sich widersetzen, kann Ihr Führerschein in Verwahrung genommen werden. Die Strafen für Trunkenheit am Steuer variieren von einem Bußgeld in Höhe von 190 € bis hin zu einigen Jahren Gefängnisstrafe sowie dem Entzug der Fahrerlaubnis bis zu maximal fünf Jahren (10 Jahren bei Wiederholungstätern).

Cannabis besonders bei Jugendlichen ist NEUROTOXISCH, führt also zu Verblödung,
das gibt es bei medizinisch indizierten Schmerzmitteln NICHT!

 Der Konsum von Drogen in Holland im Straßenverkehr ist ausdrücklich verboten. Das beinhaltet alle harten, weichen und Partydrogen wie beispielsweise Ecstasy und Amphetamine. Drogenkonsum kann durch einen Blut- oder Urintest nachgewiesen werden, zu dem Sie verpflichtet sind, wenn ein Polizist Sie des Autofahrens unter Drogeneinfluss verdächtigt. Die Strafe reicht von drei Monaten Gefängnis bis hin zu einer Geldbuße in Höhe von 4.500 € sowie eine möglichen Fahrsperre für maximal fünf Jahre (10 Jahre bei Wiederholungstätern).
Ich kann daher weder die Richterin verstehen, noch die (internationale) Reklame für Drogen, Alkohol incl.!)

#7 |
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Gast
Gast

#5 Sie meinen die deutschen Jugendlichen, die in Holland kiffen, oder schlimmeres.
Ich habe solche netten Menschen in Deutschland stationär wegen Hepatitis behandelt (noch vor der AIDS-Zeit).
Alles finanziert natürlich durch unsere deutsche GKV.
Aus Interesse hab ich ein besonders nettes Mädchen nach ihren Berufswünschen gefragt. Ihre Antwort war Krankenschwester. Nun, das war damals mit Drogenvergangenheit (-Zukunft?) NICHT möglich.
Sie meinen, man sollte denen auch noch die Fahrt nach Deutschland ersparen,
vielleicht gleich nach hause liefern auf AOK-Kosten,
“würde alles etwas entschärfen.”

#6 |
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Gast
Gast

Ein Blick über den Gartenzaun (Niederlande) genügt, um festzustellen, dass bei einer Legalisierung nicht gleich die ganze Nation zu Kiffern wird.

#5 |
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Medizinphysiker

Mich interessiert: warum ist das über Apotheken käufliche Cannabis so teuer?
Sind das Phantasiepreise, die Herstellung kann es doch nicht so teuer machen?

#4 |
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Alexandra Dangel
Alexandra Dangel

Schwierige Entscheidung! Wenn man sich allerdings die Jugendlichen mal anschaut,die schon mit 14 volltrunken ins Krankenhaus kommen, oder mit 16 als Alkoholabhängig gelten und zwar über legalem Wege,da frag ich mich, warum wir so eine Angst davor haben, dass irgenjemand an so eine Pflanze drankommen könnte. Eine Schmerztherapie mit weniger Nebenwirkungen, nicht nur für “Gutbetuchte”, freier Zugang für Erwachsene unter bestimmten Bedingungen( Konsum nur in dafür vorgesehene pups) würde alles etwas entschärfen.

#3 |
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Altenpfleger

Eine allgemeine Legalisierung und der Vertrieb gleich dem der hochprozentigen alkoholischen Spirituosen, ist seit langem angebracht und würde den Handel, Besitz und Konsum von Cannabis entkriminalisieren. Das ist allerdings von Juristen nicht erwünscht – sie würden einen Teilbereich ihrer Daseinsberechtigung verlieren…

#2 |
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Gast
Gast

Juristen fabrizieren immer Blödsinn, wenn es um Medizin geht,
haarstreubend!

#1 |
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