Osteosarkome: Komfortzone für Spurenelemente?

21. Juli 2014
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Forscher untersuchten jetzt die Verteilung von Spurenelementen im Gewebe von Osteosarkomen und fanden dabei eine stark erhöhte Konzentration zweier Spurenelemente. Das könnte ein Ansatzpunkt für die Entwicklung zielgerichteter Therapien bei Knochentumoren sein.

In Österreich wird Schätzungen zufolge bei rund 24 Patienten pro Jahr ein Osteosarkom diagnostiziert. Damit zählt dieser bösartige Knochentumor zu den häufigsten Krebserkrankungen der Knochen. Die meisten Fälle werden bei jungen Menschen im Alter zwischen zehn und 25 Jahren diagnostiziert.

Die Ursachen für die Entstehung von Osteosarkomen liegen noch weitgehend im Dunkeln. Derzeit gilt der chirurgische Eingriff als einzig zielführende Behandlungsmethode, das Spektrum an wirksamen, medikamentösen Therapien ist im Vergleich zu anderen Krebsarten relativ schmal. Eine Forschungsgruppe rund um Jochen Hofstätter, Universitätsklinik für Orthopädie der MedUni Wien, untersuchte nun im Zuge einer Studie, gemeinsam mit Christina Streli vom Atom-Institut der TU Wien und Klaus Klaushofer vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Osteologie, zum ersten Mal weltweit die Konzentration von Spurenelementen in Knochentumoren.

Dafür wurde die betroffene Region zuerst mittels einer Aufnahme im Elektronenmikroskop (Backscattered electron imaging) fixiert und danach mit Hilfe von Synchotronstrahlung, einer Röntgenstrahlung, die am Teilchenbeschleuniger generiert wird, untersucht. Diese Messung wurde in Deutschland durchgeführt, da es in Österreich eine entsprechende Anlage bis dato nicht gibt. Hofstätter: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Konzentration von Eisen und Zink im Tumorgewebe um ein Vielfaches höher ist als im gesunden Gewebe. Das Tumorgewebe scheint also eine Umgebung zu schaffen in der Spurenelement leichter anbinden können. Wir möchten die Rolle der Spurenelemente in weiteren Studien aber noch genauer untersuchen.“

Viele Fragen offen

Hofstätter: „Diese Untersuchung ist im Vergleich zu anderen Methoden das technisch anspruchsvollste aber auch genaueste Verfahren. Das vorliegende Ergebnis […] zeigt, wie förderlich interdisziplinäre und auch institutionsübergreifende Zusammenarbeit für erfolgreiche Forschungsarbeit ist.“ Reinhard Windhager, Leiter der Universitätsklinik für Orthopädie der MedUni Wien und des AKH Wien und Mitglied der Studiengruppe, dazu: „Im Bereich der medikamentösen Therapie des Osteosarkoms sind noch viele Fragen offen: manche Tumore sprechen auf Chemotherapien an, manche nicht. Die neuen Ergebnisse könnten einen Ansatz für neue, zielgerichtete und individualisierte Therapieformen bieten.“

Originalpublikation:

Differential distribution of trace elements in human osteosarcoma – A Synchrotron Radiation induced confocal micro x-ray fluorescence analysis (SR µ-XRF)
Jochen G. Hofstaetter et al.; 2014

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Medizin

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4 Kommentare:

Chirurg
Chirurg

richtig, es gibt Tumoranämie mit Eisenmangel,
der Tumor holt sich was er braucht von seinem Wirt.
Tumoranämie ist jedoch multikausal und “kompliziert”.

#4 |
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Arzt
Arzt

Mitochondrien leben ja “wissenschaftlich” sozusagen immer (noch) im Schatten der “Gentechniker”. Also eine Eisenstoffwechselstörung, wobei “zu viel” Eisen ja toxisch ist.
Fragt sich, wo das Malignom das hernimmt:
Ich vermute mal blind, die Patienten werden anämisch.
Ich finde auch die Frage #1 sehr gut,
denn das Schlagwort “Spurenelemente” scheint mir hier deplaziert.
Es ist sicher kein Ernährungsproblem.

#3 |
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@Chirurg
Eine interessante Frage. Der Warburg-Effekt beschreibt ja gerade den Umstand dass Tumore eine gesteigerte Glykolyserate (=>Ihr Hinweis auf PET) bei verminderte oxidativem Abbau zeigen. Allerdings ist gerade für Osteosarkome gezeigt, dass diese vermehrt Mitochondrien besitzen, diese jedoch nicht richtig funktionieren (http://www.jbc.org/content/286/25/22331.full). Aus dem Abstract der Studie (bisher habe ich keinen Fulltext gefunden) ist Zn x4 und Fe x147 erhöht.

#2 |
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Chirurg
Chirurg

Es erhebt sich die Frage, ob man hier von “Ansammlung von “Spurenelementen”” reden darf, oder nicht eher von einem gesteigerten Stoffwechsel der mit entsprechenden “Enzymvermehrungen” einhergeht (Mitochondrien).
Für Hinweise wäre ich dankbar!
Eine sehr interessante Frage. Die PET entdeckt ja auch Metastasen auf Grund deren gesteigerten Glucoseverbrauch.

#1 |
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