Wundinfektionen: Bauchfolie nimmt Rand in Schutz

21. Juli 2014
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Eine aktuelle Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass Wundinfektionen deutlich seltener nach einer Operation auftreten, wenn die Wundränder während der OP mit einer bakterienundurchlässigen Folie geschützt werden.

Sogenannte nosokomiale Infektionen nehmen stark zu. Insbesondere in der Chirurgie kommt es nach Operationen immer wieder zu Wundinfektionen. Sie stellen mit jährlich 60.000 bis 200.000 Fällen in Deutschland die häufigste postoperative Komplikation dar und haben nicht selten schwerwiegende Folgen für die Patienten. Die Betroffenen müssen sich einer deutlich verlängerten Behandlung unterziehen, geschätzte 7.500-15.000 Menschen jährlich sterben sogar an den Folgen der Infektion. Vor allem bei bauchchirurgischen Eingriffen ist die Infektionsrate hoch, da im Darm viele Bakterien zu finden sind, die während der Operation zu einer Kontamination des Operationsfeldes und in der Folge zu Wundinfektionen führen können.

Wissenschaftler um Prof. Jörg Kleeff von der Klinik für Chirurgie am Klinikum rechts der Isar zeigten in einer aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift Annals of Surgery (bisher nicht erschienen) veröffentlicht wird, dass die Zahlen der postoperativen Wundinfektionen mit einer simplen und kostengünstigen Maßnahme gesenkt werden könnten. Das Prinzip sei denkbar einfach: Während der Operation würden die Wundränder mit einer bakterienundurchlässigen Folie geschützt, sodass Keime gar nicht erst in die Wunde eindringen könnten. Der erstaunliche Effekt: In der Gruppe von Patienten, die mit der Bauchfolie behandelt wurden, traten 35 Prozent weniger Wundinfektionen auf als bei der Kontrollgruppe, die die standardmäßige Abdeckung mit Bauchtüchern erhielt. Insbesondere bei Eingriffen am Dick– und Mastdarm, wo eine besonders hohe Keimdichte vorliegt, zeigte die Bauchfolie ihre Wirkung. Prof. Kleeff: „Konservativ geschätzt ließen sich mit der Bauchfolie rund ein Drittel der postoperativen Wundinfektionen in der Abdominalchirurgie verhindern. Das sollte uns dazu veranlassen, die Bauchfolie flächendeckend in der Chirurgie zu etablieren“.

Der Chirurg weist darauf hin, dass die Idee der Wundrandabdeckung zwar nicht neu ist, aber bisher nicht ausreichend untersucht wurde: „Viele Studien wurden methodisch so unzureichend durchgeführt, dass keine fundierte Aussage über die Effektivität der Bauchfolie getroffen werden konnte. Mit unserer aktuellen Studie, in die über 600 Patienten einbezogen wurden, haben wir dazu jetzt belastbare Zahlen. Mithilfe des chirurgischen Studiennetzwerks CHIR-Net haben wir das Projekt gemeinsam mit 15 Partnerkliniken durchgeführt und konnten überall denselben Effekt sehen – das untermauert unsere Ergebnisse sehr solide.“

23 Wertungen (4.87 ø)
Chirurgie, Medizin

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8 Kommentare:

Chirurg
Chirurg

@dr. med.dent. Wolfgang Stute, schämen Sie sich nicht?
Sie sollten vielleicht wissen, dass “während der Op” tatsächlich operiert werden muss.
Und dass bei erforderlicher Blutstillung auch mal Brandgefahr besteht weis wohl jeder Chirurg, der eine Wunde vor der Op mit alkoholischen Antiseptika vorbehandelt.

Vor jeder Keim-Abtötung steht die Verhinderung einer Kontamination im völlig keimfreien Wundgebiet der Bauchdecke, genannt ASEPSIS, das ist der Sinn und auch die Wirkungsweise einer “Ringfolie”. Da kann auch ihr Singulett-Sauerstoff nicht gegen anstinken.

#8 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

@Gast Lieber Gast , wer auch immer, sorry Sie haben keinen blassen Schimmer, was eine Photodynamische Therapie ist.Singulett Sauerstoff entsteht im Gewebe – nur als kleine Nebeninfo zu Ihren ” Gasblasen “.

#7 |
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Gast
Gast

@dr. med.dent. Wolfgang Stute ohne Witz, es ist absolut kontraindiziert, bei einer Operation, bei der auch Blutstillung erforderlich ist mit Elektrokoagulation mit Sauerstoff im Wundbereich herumzuspielen,
könnte explodieren. Einer der Gründe warum man in der Bauchhöhle mit CO2 arbeitet.
Das brennt nicht.
Die einfache Plastikringfolie für die Bauchdecke ist prima,
gut dass das jetzt noch einmal “wissenschaftlich” bestätigt wurde.
Etwas spät allerdings.
Die Bauchhöhle selbst muss gar nicht völlig keimfrei sein. Nur sauber gespült, mit einfacher Kochsalzlösung. Es geht nur um die viel empfindlichere Bauchdecke.
Alles nix neues (vielleicht nur für “Uni-Leute” ohne Erfahrung)
mfG

#6 |
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Gast
Gast

Man sollte bei einem Wundinfekt der Bauchdecke nach Entfernung eines perforierten Blinddarms nicht unbedingt von einer “nosokomialen Infektion” sprechen,
zumal der auch noch später zu Hause auftreten kann (Spätabszess).

#5 |
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Dipl.-Med. Ute Kröber
Dipl.-Med. Ute Kröber

Nosokomiale Infektionen nehmen derzeit nicht “stark zu”, sondern sind in Deutschland seit Jahren konstant. Man geht davon aus, daß ca. ein Drittel verhinderbar sind.

#4 |
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Gast
Gast

@dr. med.dent. Wolfgang Stute diese wunderbaren Laser passen leider nicht mehr unter die Ringfolie
und denken Sie mal die würden in den Bauch rutschen, das könnte einen Kurzschluss geben. Ich kannte einen Chirurgen der hat durch sowas ähnliches einen Finger verloren. Und stellen Sie sich vor, der hat anschließend keinen auf BU gemacht,
sondern mit drei Finger weiter operiert.
Ich denke dem Geschäftsführer wär das auch zu teuer.

#3 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

noch besser ist der Wundschutz , wenn zusätzlich während/nach der Op die PDT eingesetzt wird . PDT heißt Photodynamische Therapie , der Einsatz von Lasern ,die Farbstoffe einer gewissen Wellenlänge aktivieren u. die Wunde u. die Wundränder keimfrei durch Entstehung von Singuelett – Sauerstoff halten . Diese Photosensitizer – lokal oder i. V. eingesetzt/ wie Chlorin e6 – killen auch die MRSA- Keime .

#2 |
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Chirurg
Chirurg

Wirklich schon etliche Jahrzehnte alt, auch der Effekt,
der “Geschäftsführer” war allerdings meist dagegen.
Todesfälle sollte man deshalb aber nicht vermuten!
Im übrigen ist der Trend zur laparoskopischen Op viel wichtiger.
Hier sieht es in München eher schlecht aus, dank Sievert-Schule:
“Warum ich nicht endoskopisch operiere?
… ich ess ja auch nicht mit Stäbchen”

#1 |
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