Diabetes: Hüftgold – die neue Währung

25. Juli 2014
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Kalorienreiche Lebensmittel könnten bald teuer werden. Diabetes-Verbände fordern Politiker auf, zusätzliche Abgaben auf Süßes, Chips oder Fast Food einzuführen. Der Sinn entsprechender Abgaben ist bei Experten jedoch umstritten. Bleibt noch, auf den Nationalen Diabetesplan zu hoffen.

Tag für Tag erkranken laut Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Deutschland mehr als 700 Menschen neu an Diabetes. Rund sechs Millionen Menschen sind hier zu Lande von der Stoffwechselerkrankung betroffen. Bei ihnen nennt die Statistik im gleichen Zeitraum 40.000 Amputationen, 2.000 zusätzliche Retinopathien und 2.300 neue Patienten mit Nephropathien, die zur Dialyse müssen. Neben menschlichem Leid schlagen die Erkrankungen gesundheitsökonomisch mit 35 Milliarden Euro jährlich zu Buche. Jetzt sind rigorose Maßnahmen gefragt.

Ungesundes wird teuer

Als Ursachen gelten vor allem Fehl- und Überernährung. Dr. Dieter Garlichs, Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), hält einen vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf besonders kalorienreiche, ballaststoffarme Lebensmittel für sinnvoll. Gleichzeitig sollen Abgaben auf Obst und Gemüse verringert werden, bisher sind es sieben Prozent. Die Idee wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Verbände argumentieren mit dem Erfolg entsprechender Steuerungsinstrumente bei Zigaretten.

Keine wirksame Verhaltensänderung

Der Vergleich mit Tabakprodukten hinkt: Kanzerogene haben keinen Schwellenwert, unser Körper benötigt aber sehr wohl Fette und Kohlenhydrate in adäquater Menge. Pauschale Steuern auf Fett treffen hochwertiges Olivenöl genauso wie gehärtetes Frittierfett. Ob der Unterschied zwischen sieben und 19 Prozent wirklich zu Verhaltensänderungen führt, wird von Experten teilweise bezweifelt. Und um bei Zigaretten zu bleiben: Zwar verringerte sich der Verkauf im letzten Jahrzehnt von 139 auf 80 Milliarden pro Jahr. Steuerbehörden schätzen jedoch, dass mittlerweile 22 Milliarden Glimmstängel auf dem hiesigen Schwarzmarkt den Besitzer wechseln. Genau aus diesem Grund hat Dänemark seine Fettsteuer wieder abgeschafft. Viele Bürger hatten ihre Einkäufe aus Kostengründen ins Ausland verlagert beziehungsweise Waren geschmuggelt.

Gemeinsam gegen Diabetes

Bleibt noch die Möglichkeit, einen Nationalen Diabetesplan zu erarbeiten. Neben dem Bundesrat, der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Diabetes Hilfe unterstützen auch die forschenden Pharma-Unternehmen entsprechende Planungen. „Die größte Herausforderung bei Diabetes ist das Zusammenwirken der vielen beteiligten Akteure“, erklärt vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Als wichtige Eckpunkte sieht sie Maßnahmen zur Stärkung der Prävention und der Früherkennung, einen gesunden Lebensstil, die Erforschung medikamentöser Behandlungsmöglichkeiten, bessere Versorgungsstrukturen und effizientere Patienteninformation. Fischer: „Diese Themen können nur gemeinsam von Patienten, Ärzten, Leistungserbringern, Forschern, Gesundheitsunternehmen, Kassen und Politik angegangen werden.“

13 Wertungen (4.15 ø)

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3 Kommentare:

Gast
Gast

Gast #1 zu Gast #2, ich meine, dass bei Nahrungsverteuerung, der Gesunde mitzahlen müsste, das meinte ich mit falscher Kollektivstrafe.
Die “Selbstverantwortung” für eigene Krankheitskosten ist dagegen ein unverzichtbarer Grundsatz, der zu wenig beachtet wird,
das fängt beim “Krankengeld” an, dass grundsätzlich nicht 100% betragen sollte.
Ein politisch “sozialer Besitzstand” um den natürlich heftig gekämpft wird.

#3 |
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Gast
Gast

Motivation geht nur über den Geldbeutel.
Komischerweise sind die meisten Diabetespatienten gerne bereit viel Geld für einen ungesunden Lebensstiel auszugeben.
Täglich billiges Fleisch, besonders jetzt in der Grillsaison, Alkohol, Zigaretten, Softdrinks… sind alles kein Problem.
Aber 30,-€ für BZ-Teststreifen sind zuviel.
Die meisten Patienten haben ja auch keinen Leidensdruck.
Hohe BZ-Werte werden sowohl vom Patienten als auch von vielen Hausärzten toleriert.
Gewichtsreduktion, Ernähungsumstellung, Bewegungsmodifakation ist alles zu mühsam.
Folgeerkrankungen sind doch noch so weit weg.
Die Patienten wissen gar nicht was das kostet, zahlt ja die Krankenkasse.
Der übergewichtige Mensch mit Diabetes Typ 2 ist kein Opfer, er ist der Täter!!
In der Regel sollte jede Tat bestraft werden.
Komischerweise muss man für Erkrankungen, für die man am wenigsten kann,
wie z.B. Sehschwäche, Schwerhörigkeit, oder einfach nur schlechte Zähne
(ich kann putzen wie ich will) die Kosten selber tragen.
Aber Krankheiten welche der Patient durch sein Verhalten mitverschultet wie z.B. Bronchialkarzinom bei Rauchern, Adipositas, Diabetes mit Folgerkrankungen, Hypertonie… kosten den Patienten nichts.

Das System muss sich ändern.
Ich bin für ein „Bonusheft“ zur Motivation einer Verhaltensänderung bei bestimmten Krankheiten.
Ansonsten muss der Patient einen Teil der Kosten mittragen.

Alles Vorurteile und etwas überspitzt geschrieben.

#2 |
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Gast
Gast

Schon in der Schule haben wir gelernt, dass Kollektivstrafen VERBOTEN sind, was bilden sich Politiker (“Grüne”) und sonstige Funktionäre eigentlich ein welche Rechte sie dazu haben? Auch “Selbstmord” ist nicht verboten, im übrigen mehr als 3x häufiger als Tote im Straßenverkehr.
Hilfe ist sinnvoller. Dazu gehört Aufklärung über die Zusammensetzung der Ernährung und entsprechende Deklarationspflicht über diese Zusammensetzung.
Denn die unnatürliche Ernährung im Überfluss ist ganz sicher hier das Hauptproblem.

#1 |
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