Autoimmunkrankheiten: Auslösern auf den Fersen

17. Juli 2014
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Bislang kann die Medizin nur die Symptome der Autoimmunerkrankungen behandeln, denn ihre Ursachen sind nicht bekannt. Forscher entwickelten nun ein Modell, mit dem sie den Zusammenhängen bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen auf die Spur kommen wollen.

Als Auslöser von Autoimmunerkrankungen gelten eine bisher nicht verstandene Kombination aus Veranlagung des Patienten und Umweltfaktoren. Solche Umweltfaktoren sind beispielsweise Infektionskrankheiten. „Im Prinzip gerät das Zusammenspiel der unterschiedlichen Immunzellen aus dem Gleichgewicht“, sagt Christian T. Mayer vom TWINCORE. Peyman Ghorbani und Christian T. Mayer, beide Wissenschaftler am Institut für Infektionsimmunologie, haben besonders die Rolle der Tregs, der regulatorischen T-Zellen, im Blick. „Ein genetisch bedingter Totalausfall aller Tregs führt zu lebensbedrohlichen Angriffen von Körpergewebe. Aber Tregs sind bei Autoimmunkrankheiten normalerweise nicht vollständig ausgeschaltet“, ergänzt Peyman Ghorbani.

Tregs gezielt ausschalten

In speziell gezüchteten Mäusen, können die Wissenschaftler einen Großteil der regulatorischen T-Zellen gezielt ausschalten. Allerdings erholen sich die restlichen regulatorischen T-Zellen sehr schnell, das Immunsystem stellt neue zur Verfügung und die Mäuse bleiben gesund. „Wir haben beobachtet, dass sich unterschiedliche Autoimmunerkrankungen nur ausbilden, wenn der Organismus schon eine bestimmte Veranlagung mitbringt“, sagt Christian T. Mayer. Nur wenn die Funktion der regulatorischen T-Zellen durch einen genetischen Fehler anfällig für Störungen ist, regenerieren sich die Immunzellen nicht mehr und je nach Stärke der Störung bilden sich unterschiedliche Autoimmunerkrankungen aus.

„Damit steht uns erstmals ein Modell zur Verfügung, mit dem wir die Vorgänge und Umweltfaktoren bei der Entstehung einer Autoimmunerkrankung nachbilden – und damit erforschen – können“, sagt Tim Sparwasser, Leiter des Instituts für Infektionsimmunologie.

Originalpublikation:


Few Foxp3+ regulatory T cells are sufficient to protect adult mice from lethal autoimmunity
Christian T. Mayer et al.; Eur J Immunol, doi: 10.1002/eji.201344315; 2014

27 Wertungen (4.41 ø)

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2 Kommentare:

Hallo liebe Frau Monte,
wow, Sie sind ja mächtig engagiert bei dem Thema. Aber die “Infektionstheorie” hat tatsächlich etwas für sich. Speziell zum Thema Multiple Sklerose gibt es hier eine ganze Menge neuer Erkenntnisse, z.B. weil es beim EBV mittlerweile mit der VCA-Serologie möglich ist, viel klarer zu sehen, ob da postinfektiös noch etwas aktiv im Körper herumschwirrt oder nicht.
Aber klar, Umweltgifte spielen mit Sicherheit auch oft eine Rolle. Mein persönliche Einschätzung nach zwanzig Jahren Vollerwerbspraxis, in der ich einige hundert Patienten mit Autoimmunopathien gesehen habe ist: Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine singuläre Ursache. Stattdessen eine Verkettung verschiedener pathogener Faktoren wie z.B. E-Smog, Umweltgifte, virale bzw. bakterielle Noxen, Mikronährstoffdefizite, Adrenal Fatigue, Herde (v.a. Mercaptane/Thioether aus wurzelbehandelten Zähnen können die TH1-TH2-Schiene bei manchen Patienten massiv destabilisieren) – da gibt es einiges zu tun, man sieht aber in der Praxis damit auch sehr befriedigende Ergebnisse, gerade auch was die Langzeitprognose angeht.
In diesem Sinne herzliche Grüße

Dirk-Rüdiger Noschinski

#2 |
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Ärztin

So gehts dann weiter mit dem drehen und schrauben GEGEN etwas im Menschen, zum Wohle der Pharmaindustrie, wie wärs mal nach den wirklich auslösenden Faktoren zu suchen? Eine Theorie, die nicht wirklich abwegig ist, ist die Quecksilberwirkung( vor allem, aber das gilt auch für andere Schwermetalle) auf unsere Eiweißstrukturen, die dann -koaguliert- für unser Immunsystem nicht mehr als eigen erkennbar sind. Daß heute unsere Quecksilberbelastung immens angestiegen ist, steht außer Frage, alle Mütter und Omas und Uromas? haben via Placenta und Muttermilch schon seit Generationen gesorgt, daß Ihre Amalgambelastung sich etwas verringerte…
entlastung von Schwermetallen ist vordringlich, aufhören mit Gift in der Landwirtschaft, das ist vor allem das, was Menschen krank macht und ihr Immunsystem zu ausrasten bringt.

#1 |
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