Gewichtszunahme übt Einfluss auf Darmkeime aus

15. Juli 2014
Teilen

Bei einer Zunahme des Körpergewichts verändern sich sowohl die Zusammensetzung der Darmkeime als auch die Muster tausender Stoffwechselprodukte. Dies haben Wissenschaftler nun mittels metabolomischer Analysen herausgefunden.

Kommt es zu einer Gewichtszunahme, hat dies auch Folgen für die Stoffwechselleistung sowie die bakterielle Gemeinschaft im Magen-Darm-Trakt. Ein Wissenschaftlerteam vom Helmholtz Zentrum München, der Technischen Universität München und der Universität Wien fand heraus, dass bei Mäusen Übergewicht darauf Einfluss nimmt, wie sich die Darmflora zusammensetzt. Insbesondere interessierte sich das Team um Alesia Walker und Prof. Dr. Philippe Schmitt-Kopplin für die Entdeckung veränderter Stoffwechselprodukte (Metaboliten) im Zusammenhang mit einer Gewichtszunahme. Dazu verglichen sie die Stoffwechselprofile sowie die Diversität und Zusammensetzung der Darmkeime von gesunden bzw. übergewichtigen Mäusen. Nur weniger als zehn Prozent der zu tausenden erfassten Metaboliten sind bekannt und in Datenbanken registriert.

„Übergewicht beeinflusst unmittelbar die Stoffwechselleistung“

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie komplex der Stoffwechsel reguliert und gesteuert wird und dass Übergewicht die Stoffwechselleistung unmittelbar beeinflusst“, sagt Studienleiter Schmitt-Kopplin. „Unsere Messungen mittels ultrahochauflösender Massenspektrometrie gewähren uns Einblicke in noch nicht beschriebene Stoffwechselveränderungen. Diese geben uns Hinweise darauf, welche molekularen Mechanismen bei Übergewicht zugrundeliegen und zu Folgeerkrankungen beitragen können.“

Diabetes mit veränderten Schwefelverbindungen assoziiert

Insbesondere das Mikrobiom wird seit längerem mit der Entstehung verschiedener Erkrankungen, wie z. B. Diabetes mellitus, in Verbindung gebracht. In einer weiteren Studie konnte die Gruppe um Prof. Dr. Philippe Schmitt-Kopplin zeigen, dass der Stoffwechsel in einem diabetischen Tiermodell insbesondere durch neuartige schwefelhaltige Metabolite charakterisiert ist. „In beiden Studien konnten wir verschiedene Stoffwechselprofile abbilden und sogar teils unbekannte Metaboliten identifizieren – ihre Funktionen wollen wir nun weiter untersuchen, mit besonderem Fokus auf den Schwefelmetabolismus“ erklärt Erstautorin Walker. „Der Vergleich mit den Darmkeimen erlaubt uns darüber hinaus Rückschlüsse auf körpereigene bzw. mikrobielle Stoffwechseleigenschaften.“

Originalpublikationen:

Distinct signatures of host–microbial meta-metabolome and gut microbiome in twoQ1 C57BL/6 strains under high-fat diet
Alesia Walker et al.; The ISME Journal (International Society for Microbial Ecology), doi: 10.1038/ismej.2014.79; 2014

The importance of sulfur-containing metabolites in discriminating fecal extracts between normal and type 2 diabetic mice
Alesia Walker et al.; Journal of Proteome Research, doi: 10.1021/pr500046b; 2014

26 Wertungen (3.85 ø)
Innere Medizin, Medizin

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Ronald Sarbacher
Ronald Sarbacher

Es geht hier wieder um die Frage, war das Huhn oder das Ei zuerst da. Vermutlich ist es so, das aufgrund falscher Ernährung und übertriebener Antibiotikabehandlungen zu einer Änderung des Mikrobioms kommt und
damit zu einer metabolischen Entgleisung mit der Folge Adipositas.

#3 |
  0
Dr. med.sin. Gunter Neeb
Dr. med.sin. Gunter Neeb

Wenn man die Mikrobiomforschung verfolgt, ist dieses Ergebnis ein alter Hut:Das gleiche haben schon andere mit Bacterioides- und Firmicutes-Stämmen nachgewiesen, allerdings mit anderer Interpretation: Das Darmbakteriom beeinflusst die Resorption und Verwertung und führt so zu Gewichtsänderungen, nicht umgekehrt, obwohl man ja durch die Ernährung die Zusammensetzung dessen beinflussen kann. Die Frage ist also: Haben Dicke mehr Rückenschmerzen oder machen Rückenschmerzen dick?

#2 |
  0
dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

so, isses ,das Finetuning des Gasotransmitters Schwefelwasserstoff ist das Entscheidende ,ebenso beim Herzstoffwechsel .
das Ganze im Cocktail mit den Gasotransmitter NO u. CO usw.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: