Alzheimer: Diagnostik am Fließband

15. Juli 2014
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Ärzte suchen nach Möglichkeiten zur Routinediagnostik von Morbus Alzheimer. Mit Phospholipiden oder Proteinen haben sie zwei heiße Spuren im Blut gefunden. Allerdings haben Patienten davon keinen Mehrwert, solange Möglichkeiten fehlen, um die Erkrankung zu stoppen.

Neurologen haben bei Morbus Alzheimer schlechte Karten. Zur Diagnose benötigen sie Positronen-Emissions-Tomographien. Bleibt alternativ noch die Liquordiagnostik. Hier fahnden Labors nach Abbauprodukten des Amyloid-Precursor-Proteins. Beide Verfahren sind zu teuer beziehungsweise zu zeitaufwändig, um Screenings durchzuführen. Deshalb suchen Forscher weltweit nach einfacheren Untersuchungsmethoden.

Verräterische Phospholipide

Bereits im März sorgte eine Studie in „Nature Medicine“ für Aufsehen. Wissenschaftlern gelang es, über zehn Phospholipide im Blut Alzheimer-Demenzen zu diagnostizieren. Damit waren überraschend gute Prognosen verbunden – die Rede ist von 90 Prozent diagnostischer Genauigkeit. Bleibt als Kritik, dass Howard Federoff vom Georgetown University Medical Center in Washington nur eine recht kleine Kohorte untersucht hat, nämlich 525 Personen. Zu Beginn hatten 46 Patienten bereits Alzheimer, und weitere 28 Menschen erkrankten zusätzlich.

Mit Proteinen auf der richtigen Spur

Simon Lovestone vom King’ College in London verfolgt eine andere Strategie. Zusammen mit Kollegen identifizierte er zehn relevante Markerproteine. Um seinen Test zu erproben, nahm er 476 Patienten mit Morbus Alzheimer und 220 Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (Mild Cognitive Impairment, MCI) in eine Studie auf. Zum Vergleich dienten Blutproben von 452 gesunden Menschen. Damit gelang es Lovestone, die Erkrankung mit einer Genauigkeit von 87 Prozent nachzuweisen.

Gut für Studien, schlecht für Patienten

Kritische Stimmen fragen jetzt, welchen Sinn ein Screening auf Morbus Alzheimer hätte. Aus Patientensicht hält sich der Mehrwert in Grenzen, so lange es keine Therapie gibt, um das Voranschreiten zu verhindern. Wertvoll wäre der Test allerdings für klinische Studien mit Arzneistoffen, die bei rechtzeitiger Gabe einen Mehrwert bringen. Um entsprechende Untersuchungen durchzuführen, sind schnelle, kostengünstige Screenings zum Nachweis von Frühstadien erforderlich.

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