Asperger: Und sie fühlen doch

25. Juli 2014
Teilen

Die landläufige Meinung ist: Menschen mit Asperger-Syndrom seien nicht empathisch. Das ist auch das Ergebnis vieler Studien, die den Fokus auf den kognitiven Anteil der Empathie legten. Eine aktuelle Studie, die den affektiven Anteil untersuchte, zeigt nun das Gegenteil.

Viele Studien zur Empathie bei Asperger-Syndrom arbeiten unter anderem mit Fragebögen oder mit Experimenten, bei denen die Studienteilnehmer relativ viel nachdenken können. Florence Hagenmuller und Kollegen der Universität Zürich haben nun ein Experiment durchgeführt, bei dem es nicht viel nachzudenken gab: Sie untersuchten, wie Teilnehmer mit und ohne Asperger-Syndrom reagieren, wenn sie einem Menschen dabei zuschauen, wie er in eine Zitrone beißt. Die Wissenschaftler haben dabei die direkte physiologische Reaktion gemessen, indem sie die Stärke des Speichelflusses der Studienteilnehmer ermittelten.

An ihrer Studie nahmen 29 Teilnehmer mit Asperger-Syndrom und 28 Kontrollpersonen teil. Die 11 weiblichen und 18 männlichen Teilnehmer der Asperger-Gruppe waren durchschnittlich 35 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Kontrollgruppe lag bei 33 Jahren und auch hier nahmen nur 11 Frauen teil. Die Patienten der Asperger-Gruppen hatten die Diagnose „Asperger“ gemäß den DSM-IV-Kriterien von erfahrenen Ärzten und Psychologen erhalten.

Die Blicke der Probanden

Alle Studienteilnehmer schauten sich ein Video an, auf dem eine Person zu sehen war, die in eine Zitrone biss. Auf dem Bild waren Zitronen auf einem Tisch zu sehen. Die Person hatte eine Zitrone in der Hand und verzog beim Hineinbeißen das Gesicht. Florence Hagenmuller und Kollegen analysierten, wohin die Probanden schauten und wie lange sie das taten. Die „Areas of Interest“ waren zum einen das Gesicht und zum anderen die Zitronen auf dem Tisch. Beim Blick auf das Gesicht differenzierten die Wissenschaftler nochmals zwischen dem Blick auf die Augen und dem Blick auf den Mund. Die Blicke der Probanden wurden mit einem Eye-Tracker erfasst.

Des Weiteren trugen die Probanden während des Experiments drei Wattebäuschchen im Mund. Die Forscher ermittelten die Speichelmenge, indem sie die Wattebäuschchen vor und nach dem Experiment wogen. Eine hohe Speichelmenge war ein Zeichen für ein starkes Mitgefühl mit der Person auf dem Video.

Mitfühlender mit zunehmendem Alter

Die Salivation bei den Teilnehmern der Asperger-Gruppe war signifikant geringer als bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe. Während 24 Teilnehmer der Kontrollgruppe verstärkt Speichel bildeten, war dies nur bei 19 Teilnehmern der Asperger-Gruppe der Fall. In beiden Gruppen bildeten die Probanden jedoch mehr Speichel, je älter sie waren, was die Annahme unterstreicht, dass die Empathiefähigkeit mit dem Alter generell zunimmt. Studien zeigen, dass auch Menschen mit Asperger-Syndrom mit zunehmendem Alter mitfühlender werden.

Zitronen als Blickfang

Interessante Ergebnisse lieferte auch das Eye-Tracking: Hier zeigte sich, dass der Speichelfluss besonders dann in Gang kam, wenn die Probanden auf das Gesicht der Person auf dem Video schauten. Je länger sie das taten, desto stärker war der Speichelfluss. Die Teilnehmer der Asperger-Gruppe blickten weniger intensiv auf das Gesicht, dafür aber verstärkt auf die Zitronen auf dem Tisch. Auch das entspricht den Ergebnissen anderer Studien, die zeigen, dass Menschen mit Asperger-Syndrom den Blickkontakt vermeiden.

Bei den Kontrollteilnehmern war der Speichelfluss insbesondere verbunden mit der Besorgnis über die Person auf dem Video. Die Reaktion der Kontrollteilnehmer erfolgte intuitiv beim Blick ins Gesicht der Person auf dem Video.

Empathie intellektuell trainierbar?

Florence Hagenmuller und Kollegen konnten zeigen, dass die physiologische Reaktion bei Menschen mit Asperger-Syndrom ebenso eintritt wie bei Menschen ohne Asperger-Syndrom. Die Salivation wurde besonders bei denjenigen Teilnehmern der Asperger-Gruppe induziert, die angaben, dass sie sich in Büchern und Filmen oft in andere Personen hineinversetzen. Die Autoren gehen daher davon aus, dass sich Empathie teilweise intellektuell trainieren lässt.

Fazit der Forscher

Die Schweizer Wissenschaftler gehen davon aus, dass Menschen mit einem Asperger-Syndrom umso empathischer werden, je länger sie ihre sozialen Fähigkeiten auf intellektueller Ebene trainieren. Je älter sie werden, desto mitfühlender werden sie. „Autistische Empathie“ sei also kein Oxymoron, schließen die Autoren.

101 Wertungen (4.19 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

18 Kommentare:

Gast
Gast

Sehr geehrter Herr Junghaertchen,

mich entsetzt Ihr Kommentar sehr. Als Arzt sollten sie wissen, dass das mangelnde Bonding zwischen Säuglingen und deren Mütter/ Väter nichts mit der Entwicklung des Asperger- Syndroms zu tun hat. Das Asperger-Syndrom ist IMMER angeboren.
Ich empfehle Ihnen dringend, sich mit entsprechender Literatur- z.B. den Büchern von Tony Attwood oder den Hps diverser Asperger- Initiativen fortzubilden.

Eine sehr gute Hp ist die der *autismus-nordbaden-pfalz.de*

Mit freundlichen Grüßen
von einer Mutter eines Aspie- Sohnes, gleichzeitig auch staatl. anerk. Erzieherin mit Fortbildungen im Asperger- Autismus

#18 |
  1
Annika Diederichs
Annika Diederichs

Hallo Katja, Du schreibst zumindest wie ein Aspie:) Es ist erfreulich, daß Du trotzdem gut zurecht kommst. Dieser Nonsens von wegen, Autisten hätten keine Gefühle und wären beziehungsunfähig. wurde ja auch schon von Seiten der Bindungsforscher widerlegt.

Der qualitative Unterschied bei Autisten liegt im Bereich der automatisierten Synchronisation. Autisten werden demnach weniger “mitgerissen”, als andere. Das kann die Bereiche der Emotionen und des Sozialverhaltens betreffen:
– Bei einer gering ausgeprägten automatischen Synchronisation mit Emotionen anderer, ist die emotionale Empathie beeinträchtigt.
– Bei einer gering ausgeprägten automatischen Synchronisation mit dem Sozialverhalten anderer, ist die Anpassung an soziale Erwartungen beeinträchtigt.
– Die kognitive Empathie liegt in etwa dazwischen.

Häufig liegt bei den als Asperger diagnostozierten eine Kombination daraus vor, was aber in erster Linie an den dianostischen Kriterien liegen dürfte, die eine Beeinterächtigung in mehreren Bereichen fordern. Würde man das epidemiologisch getrennt erfassen, käme möglicherweise ein unanhängiges Auftreten der Varianten heraus.

Klar ist, bei wem die automatisierte Anpassung verringert ist, dem beibt nur bewußte Anpassung als Alternative, um den Mindestanforderungen aus dem Umfeld zu genügen, was anstrengend ist und auch nur selten gewürdigt wird, woraus sich letztlich die Komorbs wie Depression und komplexe PTBS ergeben, was die ohnehin schon schwierige Integration noch zusätzlich erschwert.

Wenn Autisten sich um eine kompensatorische Anpassung bemühen, kann das hölzern wirken, weil es eben nicht automatisiert abläuft, dafür ist es um so mehr bemüht und reflektiert. Es sollte darum lieber als Zeichen für eine intensive bewußte Auseinanersetzug und gezielte Anpassung an eine Situation gewürdigt werden, anstatt es als Ausdruck einer Pathologie abzuqualifizieren.

Nachzudenken bevor man handelt, anstatt automatisch dasselbe zu machen, wie alle anderen, ist mehr als nur störend – es kann auch von Vorteil sein.

#17 |
  0
Katja Giesen
Katja Giesen

Da mir auch vom Psychologen nachgesagt wird ich hätte das AS kann ich evtl. auch Einblicke schildern. Ich sage gezielt nachgesagt,da ich damit klarkomme und die diagnosenrein garnix ändert.Ich würde es ablehnen das als Nachteil zu sehen oder gar als Einschränkung bzw Eingriff in den Charakter oder die vermeintlichen Probleme im Umgang mit Menschen. Ich hatte seit ich mich erinnern kann “Probleme” in der Interaktion mit Menschen, jedoch wirklich als Probleme wahrgenommen habe ich diesen Komplex erst als ich die gymnasiale Oberstufe begann. Gestört hat mich das nie (andere teilweise schon nehme ich an) und auch sonst war es mir relativ egal. Als Emotionslos würde jch AS-betroffene nicht bezeichnen. In meinem Fall ist es jedoch größtenteils antrainiert. Eine Aktion geschieht und ich entscheide auf Basis von Erfahrungswerten wie die Re-aktion auszusehen hat um meine Interessen auszudrücken oder voranzutreiben. Ein zweckdienliches Denken ist das und auch praktisch da ich kaum emotional beeinflussbar bin. Ich würde evtl. Sogar Anmaßen dass jch gezielt menschliche Interaktion erlebe und verstehe, da dies ja ohne AS quasi “automatisch” umgesetzt wird. Aber wie ich sagte bin ich nicht komplett emotionslos. 4 Basics scheine ich auf “natürlichem Wege” zu “empfinden”. Liebe,Hass,Freude,Trauer. Liebe ist nicht streitbar, Hass würde jch manches mal evtl. Eher als gesteigerten bzw übersteigerten Fanatismus definieren,aber im groben gehe ich von emotion aus (lässt sich oft nixht herleiten oder erklären). Freude spiegelt sich bei mir hauptsächlich in der Erkenntnis des eigenen Vorteils oder Triumphes wider (eine signifikante Verbesserung meiner Situation, richtige “Euphorie” entfaltet sich höchstens beim Gitarre spielen oder dem Trainieren mit dem Hund). Trauer ist jedoch bei mir kontrollierbar: Ich bin nie wirklich lange traurig und wenn ich aufhören will traurig zu sein -oder es einfach nicht pass oder geht wegen Terminen,Freunden,Arbeit -dann mache ich das einfach. Dieser “Wille” bzw die Durchführung scheint eher nicht sehr gängig zu sein,mein Umfeld scheint das nicht zu können.

Der Versuch mit der Zitrone erschließt sich mir auch nicht direkt,zu viele ungeklärte Parameter. Ich kann mir auch nicht vorstellen,dass man sich einen Kopf um eine Person machen kann die in eine Zitrone beisst. Ich würde wohl eher relativ zeitnah in den nächsten Supermarkt gehen bzw fahren und mir eine Sprite holen. Mitleid wäre weder zweckdienlich noch würde es Einen signifikanten Unterschied bewirken.

Da das Thema mit dem Blickkontakt schon öfter aufgetaucht ist:
Das kann ich bestätigen, ich schaue Menschen ungern in die Augen. Jedoch nicht aus Überforderung mit der Reaktion sondern da die meisten das als schier unhöflich und unangenehm gar einschüchternd wahrnehmen. Es scheint einen provokanten Charakter zu haben und unbehaglichkeit auszulösen. Laufe ich durch die Stadt fällt mir einiges mehr auf als anderen,so Finde ich oft Geld oder sonstiges auf dem Boden oder kann in Menschenmassen das von nur erwünschte Ziel (den bekannten,die Schwester etc) sehr schnell identifizieren.
Eine ausführliche Stellungnahme, für Fragen oder Anregungen bin ich jedoch offen.

#16 |
  0
Gast
Gast

hallo@Aspie-Gast Krankheitsdiagnosen stellen hängt nicht nur von der Zahl der Erkrankten ab, sondern auch von der “Bekanntheit” (Popularität) einer Diagnose.
“Psychologen” sind da oft etwas eigenwillig, in dem sie schlicht eine “Norm” selbst definieren und alles was davon abweicht, wird zur (krankhaften) Persönlichkeitsstörung erklärt, auch wenn der Betroffene das anders sieht.
Nun, wer allerdings selbst einen Psychologen aufsucht, darf sich nicht wundern wenn er auch eine Diagnose bekommt, manche sind ja ganz stolz darauf.

p.s.
eine Andropause gibt es nicht.

#15 |
  0
Schulpsychologin Marion Schmidt
Schulpsychologin Marion Schmidt

Über die Ursachen der Asperger Störung (Im DSM IV Diagnose F84.5) schreibt Tony Attwood “Ganz genau können wir heute die Ursachen des Asperger-Syndroms noch nicht angeben. … Doch wir können vor allem Eltern versichern, dass es nicht an Erziehungsfehlern liegt.”
Dagegen gehört es zu den Kriterien der “Reaktiven Bindungsstörung im Säuglingsalter oder in der frühen Kindheit” (Diagnose F94.1): Pathologische Fürsorgemerkmale: andauernde Missachtung der grundlegenden emotionalen Bedürfnisse des Kindes nach Geborgenheit, Anregung und Zuneigung.

#14 |
  0
Klaus Samer
Klaus Samer

Was ist verstärkter Speichelfluss , wie hoch ist hier der Fehler der Messung ? Die fünf Patienten aus der Aspergergruppe die “signifikant” weniger Speichel bildeten , das könnte ja vielleicht organische Ursachen haben oder die bilden von Hause aus weniger Speichel als alle anderen Teilnehmer, oder die getroffene Diagnose Asperger stimmt nicht. Dann sind da noch die anderen 19 Teilnehmer aus der Aspergergruppe die scheinbar auch verstärkt Speichel bilden.
Abgesehen von der überaus geringen Fallzahl , ergibt sich bei mir anhand dieser “Studie” nur eine einzige Schlussfolgerung “was soll das ?” oder anders formuliert ist diese Form der Testung überhaupt geeignet das zu messen was sie messen soll ?
Angesichts der Vielzahl der störenden Variablen und der 19 Teilnehmer der Aspergergruppe die vermehrt gespeichelt haben, würde ich auch ohne Erfahrung im Bereich Versuchsdesign sagen, nein.

#13 |
  0
Monika Maiwieden
Monika Maiwieden

sauer=ungenießbar=verzerrtes Gesicht=Erfahrungswert

#12 |
  0
Dr. med.sin. Gunter Neeb
Dr. med.sin. Gunter Neeb

@Arzt: Ich dachte, mit der Theorie von der “Kühlschrankmutter” hätten wir abgeschlossen. Wenn ASD durch Trauma erworben wäre, wie erklären wir dann die neurologischen Besonderheiten beim Hirnscan?
Ich hatte in Utero (30 SSW) einen Unfall, meine Tochter gehört wohl auch dem Spektrum an und war prä-/postnatal unauffällig, mein Sohn ist dagegen neurotypisch.
Wenn wir schon die alte nature/nurture Genese postulieren, dann wäre der nächste Schritt den prozentualen Anteil der Gene herauszufinden, um den eventuellen Einfluß der “bösen Kindheit” bestimmen zu können. Davon sind wir aber noch w e i t entfernt.

#11 |
  0
Gast
Gast

Ja, Heiko Junghärtchen.

#10 |
  0
Heilpraktikerin

Mir erschließt sich der Zusammenhang zwischen Speichelfluss und Empathie leider auch nicht.
Warum werden die Autisten nicht einfach gefragt nach ihren Gefühlen zu der beobachteten Situation?
Ich bin mir sicher, das dann eine verwertbare Antwort kommt.

#9 |
  1

Das Ergebnis erstaunt mich nicht. Aus meiner Sicht ist “Asperger” eine Diagnose, die Symptome bündelt und benennt. Anhand der Symptome lässt sich m. E. recht einfach eine mögliche Psychodynamik aus der frühen/primärfamiliären Situation ableiten, die ich in der klinischen Arbeit in einigen Patienten bestätigt fand.

Wenn Menschen von früher Kindheit an körperlich traumatisiert werden, ist das bewusste Schmerzempfinden verringert oder aufgehoben – das ist schon lange klar. Peripheres und zentrales Nervensystem sind natürlich in der Regel völlig in Ordnung, nur die zentrale Wertung/Verarbeitung ändert sich.

Meiner These nach kann psychische “Hyp- oder Anästhesie” analog stattfinden. Wird ein Kind in der frühkindlichen Situation unterversorgt, zu oft zu lange alleingelassen (nicht gespiegelt), geschüttelt, gefesselt, verängstigt, angeschrien, verstört… dann kann sich etwas wie “Asperger” ausbilden. Jedes einzelne der diagnostischen Kriterien lässt sich mit einer derartigen frühkindlichen Situation begründen.

Damit müsste die Symptomatik “Asperger” nicht angeboren sein, sie könnte auch erworben sein!

Z. B.:
– Ein Kind MUSS sich vom Menschen abwenden (sich einen “Gefühlsfilter” schaffen) und keine sozialen Interaktionen mehr wollen, wenn es die Erfahrung gemacht hat, dass Menschen mehr schaden als helfen, es aber nicht weggehen kann. Ein “innerer Filter” ist die einzige Lösung.
– Ein Kind, das zuhause zu häufig Böses erlebt hat, vermeidet Blickkontakt
– Ein Kind, für das nicht ausreichend gesorgt werden konnte, muss klug werden und sich selbst unabhängig machen
– Ein Kind, das keine Struktur von außen vorgegeben bekommt oder in einer gefährlichen Umgebung lebt, muss sich eine eigene Welt schaffen (schaukeln, Konzentration auf eine eigene “Insel”)

Folgt man dieser These, dann müssten die fortdauernden Traumatisierungen etwa 4 Jahre einwirken, bis es zu Symptomen kommt (die dann Asperger genannt werden).

So ließe es sich auch erklären, dass die Symptome mit zunehmendem Alter wieder abnehmen: Das “Filtern” geschieht in früher Kindheit bei plastischem Gehirn und fortdauernden Traumatisierungen recht schnell, das Wieder-Aufgeben des Filters dauert bei mit dem Altern zunehmend kristallinen Prozessen deutlich länger – aber es scheint zu gehen.
Aus meiner Sicht erklärlich dadurch, dass Betroffene im Erwachsenenalter immer weniger Kontakt zur möglicherweise traumatisierenden Primärfamilie haben und die “Schutzfunktion” bei wertschätzenderer Umgebung wieder aufgegeben werden kann. Die Anlage für Empathie ist schließlich vorhanden und kann wieder genutzt werden.

Meiner Ansicht nach bräuchte es dann nicht vor allem intellektuelles Lernen dafür. Es bräuchte eine verständnisvolle, wertschätzende, struktur- und haltgebende Umgebung. Und Zeit. Diese Menschen müssen “umlernen”, vertrauen lernen. Aber nicht intellektuell, sondern im Gefühl. Durch gute Beispiele/Modelle.

Bitte nicht pauschalierend zu verstehen im Sinne von
Asperger = frühe fortgesetzte Traumatisierungen (also erworben),
sondern als einen möglichen Zusatzentwurf zu dem vorherrschenden
Asperger = angeboren.

#8 |
  1

Nach meiner Erfahrung lernen Aspergerbetroffene unsere Verhaltensmuster wie Aliens unsere Sprache. Kommt jedoch eine “neue Vokabel”, sprich eine erneut fremde Situation, sind sie hilflos. Sie können die Situation nicht einschätzen, verkennen sie oder erkennen sie erst gar nicht.
Selbst die fehlende Empathie können sie Kraft ihrer Intelligenz durch antrainiertes Mitgefühl ersetzen.
Nein, sie empfinden in einer völlig neuen Situation nichts.
Es wäre interessant gewesen, die Probanden in eine dem Autisten unbekannte Substanz beißen zu lassen und und nach dem Grimmassieren dann die Empathie zu überprüfen. Zitrone ist bekannt, also antrainiert.

#7 |
  0
Aspie-Gast
Aspie-Gast

Ist das hier ein Stammtisch oder eine Expertenrunde? Die neurologische Variation beim HFA ist keine Krankheit und kann auch nicht “behandelt” oder mit Medikamenten gebessert werden! Die meisten Aspies wollen auch nicht “geheilt” werden.
Das viele Aspies im Alter schneller gerührt sind, kann ich von mir bestätigen, liegt aber vielleicht auch am absinkenden Testosteronspiegel bei der Andropause und ist nicht unbedingt mehr Empathie.
Die Studie erklärt nicht, weshalb sich (bei gleicher Diagnoselage) die Zahl der Kinder mit AS von 2003-2006 verdoppelt hat und seither weiter steigt.
Sie trägt aber zumindest dazu bei, daß das Vorurteil vom gefühllosen Autisten korrigiert wird.

#6 |
  0

Lieber Psychiater,
wie wollen Sie denn das Erlebe messen, wenn nicht an beobachtbarem und messbarem Verhalten?

#5 |
  0
Ernährungswissenschaftler / Ökotrophologe

Ist wohl eher eine Auswirkung klassischer Konditionierung, bei sehr klassischem Ergebnis. Davon abgesehen, eine Frage aus reiner Unwissenheit @Gast: Gibt es eine Asperger-spezifische Medikation?

#4 |
  0
Gast, Psychiater, Asperger in der engen Familie
Gast, Psychiater, Asperger in der engen Familie

Eine physiologische Reaktion haben, hier also Speichelfluss, bedeutet nicht automatisch etwas fühlen, mitfühlen, sondern erst mal nur ein mitreagieren.
Spannend wäre gewesen, etwas über das ERLEBEN zu erfahren, in beiden Gruppen.

Schade, sonst finde ich diesen Versuch sehr spannend.

#3 |
  0

Empathie zeigen bzw. äußern und Empathie spüren bzw. haben können durchaus unterschiedlich sein. Bisherige Studien bezogen sich auf das Äußern, diese nun auf das Haben. Es existiert offenbar. Im Übrigen ist der Unterschied von 24 versus 19 empathisch Reaktiven nicht signifikant.

#2 |
  0
Gast
Gast

Es wäre sicherlich interessant gewesen zu wissen, ob die Asperger-Probanten unter Medikamenteneinfluss gestanden haben; ggf. wie stark.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: