Hirntumor: Bremsen Ballaststoffe das Wachstum?

8. Juli 2014
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Ballaststoffe machen nicht nur satt und unterstützen die Verdauung. Die Faserstoffe könnten zudem auch eine wirksame Waffe bei der Behandlung bösartiger Hirntumoren sein. Das fanden nun zumindest Wissenschaftler heraus.

Schon seit längerer Zeit werden Patienten mit Hirntumoren, aber auch anderen Krebsformen, häufig auf eine Diät gesetzt, in der Kohlenhydrate durch Ballaststoffe ersetzt werden. Denn man weiß: Die Tumoren brauchen den Zucker, um zu wachsen. Jetzt konnten die Erlanger Forscher zeigen, dass die Faserstoffe in dieser Diät nicht bloße Ersatzstoffe für die Kohlenhydrate sind, die den Patienten ein Sättigungsgefühl geben sollen. Die Ballaststoffe haben auch therapeutisch nutzbare Wirkungen. „Durch die Ballaststoffe wachsen die Tumorzellen langsamer und sind weniger bösartig.“

Wirksame Ballaststoffe

Besonders effektiv auf bösartige Hirntumoren wirken, so haben die FAU-Forscher festgestellt, Biochanine, eine Untergruppe der Ballaststoffe, die in größeren Mengen vor allem in Kichererbsen, Sojabohnen und Rotklee vorkommen. Biochanine werden schon an anderer Stelle therapeutisch eingesetzt: Der Pflanzenstoff lindert Wechseljahresbeschwerden – und das ohne größere Nebenwirkungen bei den Patientinnen auszulösen. Dieser Vorteil mache Biochanine besonders attraktiv für die Krebstherapie, wo die Patienten ohnehin schon geschwächt sind, sagt der FAU-Forscher.

Diät als Therapieunterstützung

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine ballaststoffreiche Diät in der Krebstherapie zu befürworten ist und diese viel häufiger eingesetzt werden sollte“, erläutert der Neuroonkologe Dr. Eyüpoglu. Dass Ballaststoffe vor Krebs schützen, diesen Umkehrschluss lassen die Ergebnisse der Erlanger Wissenschaftler allerdings nicht zu. „Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass Patienten, die die Regeln der gesunden Ernährung berücksichtigen – also unter anderem wenig Zucker und reichlich Ballaststoffe zu sich nehmen – in einem besseren Allgemeinzustand zu uns kommen und die Therapien tendenziell besser vertragen.“

Originalpublikation:

The impact of dietary isoflavonoids an maligrant brain tumors
Tina Sehm et al.; Cancer Medicine, doi: 10.1002/cam4.265; 2014

33 Wertungen (4.52 ø)

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6 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Ich will gerne nur einige Detailles in dem wirklich großen Gebiet der “Ballaststoffe” anführen. In Persien, schon lange her, hat die WHO eine Art Epidemie von Kleinwuchs mit Hypogonadismus untersucht und ist dabei auf einen schweren Zinkmangel gestoßen.
Ursache war die Nahrung von Kleie einer bestimmten lokalen Getreidesorte, also Ballaststoffe pur, muss man doch sagen!
Nur diese Kleie war besonders Phytin-haltig, das sind chemisch “Komplexbilder” die Metalle (Zink) in der Nahrung binden, die dann ausgeschieden werden (auch in Honig).
Nun, man hat natürlich keine Zink-Substitution betrieben, sondern die Getreidesorte entfernt. Bei uns ist Weizenkleie auch recht phytinhaltig, “Haferbrei” wesentlich bekömmlicher, das wusste man schon im Mittelalter. Besonders günstig ist das nicht resorbierbare Inulin, eine “Polyfruktose” z.B. in Topinambur, ganz ohne Phytine.

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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Gerhard Wilhelm Ballaststoffreiche Kost verursacht nur so lange Blähungen, wie man die falschen Ballaststoffe nimmt.

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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

das Entscheidende ist der Einfluß auf den Hormonstoffwechsel , noch effektiver ist der qualifizierte Einsatz bioidentischer Hormone im Sinne von Rimkus .

#4 |
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Diätassistent

Ballaststoffreiche Kost verursacht nur so lange Blähungen, bis die Darmflora sich entsprechend angepasst hat.

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Arzt
Arzt

tut mir leid,
aber ein bischen laienhaft.
Es gibt nicht den oder die “Ballaststoffe”, manche verursachen Bauchschmerzen und viel Blähungen, manche nicht, nur um das Bekannteste zu erwähnen.
Ähnliches gilt selbstverständlich für eine Stoffwechselwirksamkeit von durchaus interessanten “sekundären Pflanzenstoffen”.
@Dr. med. Susanne Bihlmaier, keine Angst, ich denke auch an “natürliche” Nahrungsmittel.
Gerade bei “Fleischessern” muss einfach “Grünzeug” dazu.

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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Und jetzt bitte, bitte keine Ballaststoff-Kapseln futtern, sondern schlicht und ergreifend ECHT genießen: z.B. solange bei guten Bäckern suchen, bis man sein Lieblings-Vollkornbrot gefunden hat. Bei Vollwertnudeln kräftiger würzen, z.B. in die Pastasoße ein Eckchen Knoblauch und in Vollwertreis eine aromatische orientalische Würzmischung. (Tipps aus: Tomatenrot+Drachengrün, antikrebs-aktiv und abwehrstark, Koch-und Gesundheitsbuch)

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