Tennisellenbogen: Den Schmerz wegstrahlen?

10. Juli 2014
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Mit Strahlentherapie verbinden die meisten Menschen die Behandlung von Krebserkrankungen. Jährlich werden jedoch fast 50.000 Patienten bestrahlt, die eine gutartige Erkrankung haben. Die Bestrahlung könnte Schmerzen bei Arthrose, Fersensporn und Tennisellenbogen lindern.

Bei entzündlichen Weichteil-, degenerativen Gelenk- sowie Bindegewebserkrankungen leiden Patienten oft stark und dauerhaft an Schmerzen. „Viele Patienten, die zu uns kommen, haben schon einiges versucht, um ihre Schmerzen loszuwerden: Kortison-Spritzen, Stoßwellentherapie oder Eis-Auflage bringen manchmal nicht den gewünschten Erfolg“, berichtet Dr. med. Oliver Ott vom Universitätsklinikum Erlangen. Die Bestrahlung kann bei bestimmten chronischen, degenerativ-entzündlichen Erkrankungen, etwa dem Fersensporn oder dem Tennisellenbogen, Abhilfe schaffen, weiß der Mediziner. „Dieses Wissen ist nicht neu. Seit fast 100 Jahren wurde in vielen Publikationen bestätigt, dass die Bestrahlung antientzündlich wirkt und bei Gelenkerkrankungen hilft“, ergänzt Professor Dr. med. Wilfried Budach von der Universitätsklinik Düsseldorf.

Gesamtdosis bis 12 Gray

Üblicherweise werden die Patienten an sechs Terminen über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen kurz bestrahlt. Pro Sitzung erhielten sie bislang 0,5 bis 1,0 Gray (Gy) – die Einheit der Strahlendosis– in ein bis zwei Behandlungsserien. „Je nachdem, wie der Patient auf die Bestrahlung ansprach, wurde die Dosis angepasst. Die Gesamtdosis betrug daher in der Regel 3 bis 12 Gy“, erklärt Dr. Ott. 

Neuere Forschungsergebnisse ließen die Vermutung aufkommen, dass man einen gleich guten, schmerzlindernden Effekt auch mit einer niedrigeren Strahlendosis erreichen könnte.

Dosisoptimierung in Studie unternommen

Daher wurde an der Universitätsklinik Erlangen eine randomisierte Dosisoptimierungsstudie durchgeführt. Zwischen 2006 und 2010 wurden insgesamt 1080 Patienten per Zufallsverteilung entweder mit Einzeldosen von 0,5 oder 1,0 Gy behandelt. 312 von ihnen litten an einem Schultersyndrom, 199 an einem Ellenbogensyndrom und 569 an einem schmerzhaften unteren oder oberen Fersensporn. 90 Prozent der Patienten erhielten sechs bis acht Wochen danach eine zweite Bestrahlungsserie, da sie berichteten, noch keine zufriedenstellende Besserung zu verspüren.

Gute Ergebnisse auch mit niedriger Dosis

Die Ergebnisse direkt nach der letzten Bestrahlung waren beeindruckend: 84 Prozent der Behandelten gaben an, dass sich ihre Schmerzen komplett oder teilweise gebessert haben. Nach 32 Monaten wurden die Patienten erneut befragt, zu diesem Zeitpunkt waren es sogar 92 Prozent. Bei 43 Prozent der Patienten war der Schmerz komplett und anhaltend verschwunden und 49 Prozent gaben eine spürbare und nachhaltige Schmerzabnahme an. Nur bei acht Prozent aller Behandelten gab es keine Besserung. Studienleiter Dr. Ott bilanziert: „Zwischen den beiden Gruppen mit 0,5 und 1,0 Gy fanden sich keine Unterschiede. Die niedrigere Strahlendosis reichte also aus. Nebenwirkungen traten zudem nicht auf.“

„Für Patienten, bei denen konventionelle Therapien oder die Gabe von Schmerzmitteln nicht helfen, ist die Strahlentherapie mit reduzierten Einzeldosen eine gute und nebenwirkungsfreie Behandlungsoption“, fasst Professor Budach zusammen.

Originalpublikation:

The Erlangen Dose Optimization trial for low-dose radiotherapy of benign painful elbow syndrome. Long-term results.
Oliver Ott et al.; Strahlentherapie und Onkologie, doi: 10.1007/s00066-013-0504-1; 2014

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Medizin, Orthopädie

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5 Kommentare:

Arzt
Arzt

@Dr. med. Rain Berthold, die operative Therapie kennen Sie vermutlich nicht.

#5 |
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Dr. med. Rain Berthold
Dr. med. Rain Berthold

Der Artikel erstaunt und erschreckt mich ob seiner fehlenden Präzision. Wie der Kollege Bayerl meinte, gehört zur korrekten Therapie eine möglichst genaue Diagnose. Der ” Tennisarm ” ist in 90% keine Tendinitis. Meistens liegt eine Tendinose ohne entzündliche Komponente vor. Ursache sind Mikrotraumen oder Überlastung. Weder Kortikoide noch Bestrahlung haben hier etwas zu suchen – auch keine Operation. Neben Physiotherapie / gezielten Dehnungsübungen und Epicond. Spange zeigt die korrekt ohne LA durchgeführte Stoßwelle gute Ergebnisse – ggf. sonographisch gestütztes Needeling . Die spontane Heilungsrate bei fehlender Überlastung ist nicht unerheblich. Ähnliches gilt für den Fersensporn, der in der Regel eine Tendopathie der Plantarfaszie ist – ein Blick mit dem Sono genügt !!!!
Bei beidseitigem Befund ist an eine Plantarfasziitis zu denken und eine rheumatische Erkrankung auszuschliessen …
Wir schalten Kernkraftwerke ab, lassen uns von ärztlichen Stellen ärgern und bestrahlen “Tennisarme ” ?????? – Fortschritt durch Rückschritt …….

#4 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Die wichtigste “Konkurrenzursache” für die Entzündung bei “Epicondylitis radialis” ist die Neuropathie des n.radialis, der 2 Engpässen passieren muss, am Oberarm und im Supinatorkanal. Hier nützt also eine Behandlung von “Entzündung” überhaupt nichts!
In meinem Klientel weit über 50%.
Beim “Fersensporn” ist es eine Entzündung, durch den Zug/Ansatz der Palmaraponeurose, verursacht durch Senkung des Längsgewölbes, vulgo Plattfuß, etwas schwierig, weil “Einlagen” ja noch mehr drücken. Natürlich hilft hier auch Corticoid injektion oder Chirurgie, wers kann. :-)

#3 |
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Unspezifische iagnosen werden mit unspezifischen Mitteln behandelt. Die Erfolgsquote soll dann bei 84% liegen. Aha. Meine Erfahrungen sind da wesentlich schlechter, was die Erfolgsquote der Strahlentherapie angeht- eher so um die 10%. Die korrekte Diagnoseerstellung ist essentiell, um eine spezifische und hoch wirksame Therapie durchführen zu können- was in o.g. Studie wohl versäumt worden ist.

#2 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Die erste Voraussetzung für den Behandlungserfolg
wäre hier eine korrekte Diagnose.
“Tennisellenbogen” ist das nicht.
Das ist keinesfalls immer eine “Entzündung”. Kann man die (lokal) diagnostizieren, wäre man schon einen großen Schritt weiter.
Die Bestrahlung hat etwas endgültiges und etwas nicht genau lokalisiertes an sich,
das mir nicht sympathisch ist.

#1 |
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