Reportage: Medikamente auf dem Müll

7. Juli 2014
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Hunderte Tonnen brauchbarer Medikamente landen jedes Jahr im Hausmüll und werden verbrannt, obwohl sie als Spenden dringend gebraucht werden. Lobbyfreundliche Gesetze verbieten die Weitergabe an Bedürftige in Deutschland.

Werner P. fühlt sich oft erschöpft und mutlos, er ist dauernd durstig, seine Haut ist trocken und juckt. Der Malermeister kann sich seinen schlechten Zustand nicht erklären. Sein Betrieb läuft schleppend, er kann den Lehrling kaum bezahlen, in die Krankenkasse zahlt er längst nicht mehr ein, dafür fehlt dem Selbstständigen das Geld. P. ist müde, hat abgenommen. Seit Monaten geht das so. Eines Nachmittags fährt Werner P. nach Bad Segeberg in Schleswig-Holstein, klingelt an der Tür der Praxis ohne Grenzen hinter dem Marktplatz. Hier behandelt der Allgemeinmediziner und Kinderarzt Uwe Denker seit Januar 2010 kostenlos Menschen, die nicht krankenversichert sind. Ein paar Tests, die Diagnose ist gestellt: Werner P. hat Diabetes Typ I. Behandeln kann Denker ihn nur, indem er das Insulin kauft, zum vollen Preis, aus Spendengeldern. Medikamente als Spende darf er nicht annehmen und ausgeben.

Werner P. ist ein Fall von vielen. Die Patienten, die zu Denker in die Praxis kommen, wollen meist anonym bleiben: „Als wir die Praxis eröffneten, haben wir an Asylbewerber gedacht oder andere Menschen, die außerhalb unseres Sozialsystems leben“, sagt Denker. „Doch die überwiegende Mehrheit sind Männer aus dem Mittelstand, Selbstständige, deren Geschäft schlecht läuft und die deswegen keine Beiträge an die Krankenversicherung zahlen können.“ Aus Spendenmitteln könne er die Praxis finanzieren, sagt der Arzt, jeder Patient werde hinreichend untersucht und betreut. „Es gibt jede Menge Leute, die uns Medikamente spenden möchten“, erklärt Denker. „Doch zwei Paragraphen im Arzneimittelgesetz verbieten dies. Stattdessen werden in Deutschland jedes Jahr tonnenweise Medikamente in den Müll geworfen. Das ist ein Skandal.“

Praxis ohne Grenzen behandelt Mittellose

Uwe Denker von der Praxis ohne Grenzen in Bad Segeberg

Der 74-Jährige Gründer der ersten Praxis ohne Grenzen in Bad Segeberg hat schon mit vielen Kollegen, Apothekern, Politikern und Pharmaherstellern gesprochen. Seine Idee, Menschen ohne Krankenversicherung zu versorgen, füllt eine Lücke, die lange im deutschen Versorgungssystem klaffte. Sieben weitere Praxen sind nach seinem Modell in Norddeutschland bisher entstanden, etwa tausend Patienten kostenlos behandelt worden. „Die größte Hürde ist der Mangel an Medikamenten – und das, obwohl sie ja da sind. Wir dürfen sie nicht annehmen, wir Ärzte sowieso nicht, wir dürfen Medikamente auch nicht ausgeben. Es besteht ein Dispensierrecht, das besagt, dass nur der Apotheker Medikamente ausgeben darf.“

Das bestätigt auch das Sozialministerium Schleswig-Holsteins in Kiel. „Apothekenpflichtige Arzneimittel dürfen nur in Apotheken abgegeben werden“, betont Frank Strutz-Pindor, Sprecher des Ministeriums. „Ärztinnen und Ärzte haben nicht das Recht, Arzneimittel an die von ihnen behandelten Patienten abzugeben.“ Der Praxis ohne Grenzen würden oft Medikamente als private Spenden angeboten, auch sehr teure, die sie gern nehmen würden, so Denker: „Wir würden nur Medikamente nehmen wollen, die originalverpackt sind und wo das Verfallsdatum nicht überschritten ist. Die werden uns angeboten, wenn zum Beispiel jemand verstorben ist oder aus Altersheimen.“

Gespendete Medikamente müssen entsorgt werden

Medikamentenspenden, die in der Praxis ankämen, müssen über den Wegezweckverband Segeberg entsorgt werden, so der Mediziner. Seine Kollegen und er seien vom Amt für soziale Dienste aufgefordert worden, dies so zu handhaben. Bei Missachtung drohe ihm eine hohe Geldstrafe. Was bei ihm in der Praxis zusammenkäme, sei nur die Spitze des Eisbergs, so Denker: „Medikamente werden von den Entsorgungsunternehmen mit dem Hausmüll vernichtet. Vor drei Jahren wurden etwa 22 Tonnen Medikamente in einem Jahr aus der Region Segeberg vom Wegezweckverband verbrannt. Das ist zu viel.“

Es ist eine Verschwendung ohne Gleichen: „Kein Mensch sieht es ein, dass man originalverpackte Dinge auf den Müll wirft. Viele unserer Patienten würden sie sicherlich nehmen, wenn sie diese kostenlos kriegen könnten. Wie bei den Tafeln, die nehmen ja auch Lebensmittel, die ihnen gespendet werden.“ Es seien auch genügend Medikamente vorhanden: „Der Bedarf ließe sich weitgehend decken. Es sind Medikamente des täglichen Bedarfs, die wir brauchen, etwa Schmerzmittel, Antibiotika, Anti-Hypertonika gegen Bluthochdruck, Insulin, Heparin-Spritzen, die nach Operationen verabreicht werden, die teuer sind und auf dem Müll landen. Was in der allgemeinen Praxis üblicherweise anfällt.“

Patienten aus dem mittellosen Mittelstand

Die meisten Fälle seien chronische Krankheiten, die lange unbehandelt ins Bösartige umschlagen. Zum Beispiel Diabetes, der völlig aus den Fugen geriete, der Bluthochdruck, der zum Schlaganfall geführt habe, Schilddrüsenerkrankungen, die zu Über- oder Unterfunktion geführt hätten, erklärt der Arzt. Dramatische Erkrankungen, die sofortiges Eingreifen erforderten. Es kämen Patienten, die zum Teil 15 bis 20 Jahre lang nicht mehr beim Arzt gewesen seien, so Denker: „Bei uns in Segeberg sind es hauptsächlich Patienten des Mittelstandes, Handwerker, Beamte, Selbstständige und Freie Berufe, die nicht das Geld haben, um 600 Euro Krankenkassenbeitrag im Monat zu zahlen. Sie werden durch Krankheit insolvent, weil sie plötzlich nichts mehr verdienen.“

Dringend notwendige Medikamente bezahle die Praxis aus Spendengeldern: „Wir brauchen ungefähr ein Drittel unseres Spenden-Budgets für Medikamente und zwei Drittel für Operationen und ärztliche Behandlungen. Wir bezahlen das Original-Präparat und, was uns sehr ärgert, den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, wie ein Privatpatient.“

Große Pharmafirmen winken ab

Am Anfang habe er versucht, große Pharmakonzerne für die Gute Sache zu gewinnen, berichtet Denker. Doch alle hätten abgewunken. „Wir haben zum Beispiel Ratiopharm und Hexal um Arzneimittelspenden gebeten. Ratiopharm hat geschrieben, dass sie innerhalb Deutschlands nichts spenden, sie unterstützten Hilfsorganisationen in Haiti und Pakistan. Hexal hat ähnlich geantwortet. Da ist nichts zu holen.“ Nur die kleine Firma Q-Pharm AG spendet heute neue Medikamente an die Praxis ohne Grenzen. „Das Konzept passt zu unserem Versorgungsanspruch, das wir gerne nach unseren Möglichkeiten unterstützen. Leider treffen uns die rechtlichen Bestimmungen im Umgang mit Arzneimitteln auch wirtschaftlich“, erklärt Helmut Nissen, Marketingleiter von Q-Pharm. Die Firma gehört der Ärztegenossenschaft Nord und setzt sich in Zusammenarbeit mit Ärzte-Netzen für den Erhalt der qualitativen, regionalen medizinischen Versorgung ein.

„Mittlerweile spenden wir fast durchgängig nur noch aktuell vertriebsfähige Arzneimittel mit normaler Restlaufzeit. Zum einen wäre eine Umwidmung von bereits vom Handel, Apotheken und Großhändlern wegen geringer Restlaufzeit retournierter Ware mit einem hohen Dokumentationsaufwand verbunden. Zum zweiten läuft man als Industrie immer Gefahr, dass gut gemeinte Spenden diffamiert werden, als Weg, sich abgelaufener Ware zu entledigen und Entsorgungskosten zu sparen“, erklärt Nissen. Und diese sind auch bei einer kleinen Firma beträchtlich: Für die Entwertung nicht verkaufter und nicht mehr verkehrsfähiger Medikamente gibt Q-Pharm „ungefähr fünf bis zehn Prozent vom Umsatz” aus, das seien mehrere 100.000 Euro pro Jahr. Dazu kommen echte Entsorgungskosten. „Bei uns sind das einige Tausend Euro – bei einem Vernichtungspreis von rund 450 Euro pro Tonne Gewicht“, rechnet Nissen vor.

Die Hersteller von Medikamenten dürfen in Deutschland selbst festlegen, welche Verpackungsgrößen sie benutzen. Das sei ein Skandal, so Denker: „Eine 20er-Packung kostet hier zum Beispiel 11,75 Euro, die 50er Packung 12,10 Euro, die 100er 13,50 Euro. Diese Steigerung ist nicht zu verstehen. Es kann passieren, dass man zehn Tabletten kauft, eine nimmt und nach zwei Jahren neun wegwerfen muss. Einem Kassenpatient kann das egal sein, dem Arzt aber nicht. Denn wenn der Patient ein Medikament dauerhaft nimmt, ist es für den Arzt günstiger, gleich die große Packung aufzuschreiben, denn er hat nur ein gewisses Arzneimittelbudget. Und das wird er so niedrig halten, wie möglich, damit er es nicht überschreitet und selber bezahlen muss. Also wird er eher eine große Packung aufschreiben, auch wenn der Patient nur eine Tablette nimmt und 99 wegwerfen muss.“ Die Möglichkeit, einzelne Pillen in der Apotheke zu bekommen, wie es in vielen EU-Ländern seit Jahren gängige Praxis ist, gibt es in Deutschland nicht. Ein Missstand, der den Medikamente-Müllberg weiter wachsen lässt.

In Hamburg werden 100 Tonnen Medikamente pro Jahr verbrannt

Bis 2009 konnten Verbraucher ihre alten Medikamente kostenlos in der Apotheke abgeben. Heute werden alte Arzneien meist über den Hausmüll entsorgt, oder landen über Toiletten und Abflüsse in der Kanalisation. Allein in Hamburg fielen über den Hausmüll laut Hamburger Stadtreinigung pro Jahr rund 100 Tonnen Altmedikamente inklusive Verpackungen an und wurden in Müllverbrennungsanlagen vernichtet. Zahlen, wie viele Medikamente bundesweit im Müll landen und wie viele davon noch brauchbar sind, gibt es nicht.

Laut einer Umfrage des Instituts für Sozialökologische Forschung gaben 2011 weniger als ein Drittel der Verbraucher alte Arzneimittel in den Apotheken ab. 16 Prozent entsorgen Tabletten und Kapseln über die Toilette. Bei flüssigen Altmedikamenten sind es sogar 43 Prozent. So können zwischen 40 und 100 Medikamentenwirkstoffe ins Grundwasser gelangen, befüchten Umweltexperten. Darunter Schmerzmittel, Röntgenkontrastmittel, Antiepileptika, Antibiotika, Blutfett-Senker, Betablocker und Bestandteile von Anti-Baby-Pillen. „Das kann die Biologie einer ganzer Kläranlagen durcheinander bringen“, warnt die Hamburger Stadtreinigung.

Jedes Jahr landen in Deutschland rund sechs bis acht Prozent der gekauften Medikamente im Abfall, so die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Das Berliner Umweltbundesamt schätzt dagegen, dass bis zu 30 Prozent aller Medikamente weggeworfen werden. Das wären über tausend Tonnen pro Jahr. Auch hier fehlen genauen Zahlen. Wie viele Medikamente pro Jahr gekauft werden, ist genau bekannt: Die Deutsche Umwelthilfe gibt an, das 2011 knapp 1,4 Mrd. Humanarzneimittel-Packungen in Deutschland verkauft wurden und jeder Bundesbürger im Schnitt 539 Euro dafür ausgab. Das entspricht einen Pro-Kopf-Bedarf von über 17 Packungen pro Jahr – Tendenz steigend. Der Wert der Medikamente, die jedes Jahr in Deutschland im Müll landen, dürfte in die Milliarden gehen.

Bundesgesundheitsministerium sieht das Problem nicht

Geht es nach dem Bundesgesundheitsministerium, gehören alle unbenutzten Medikamente in den Hausmüll. „Entgegen einer vielfach geäußerten Auffassung ist die Hausmüllentsorgung ein sicherer Entsorgungsweg für Altmedikamente“, erklärt das Ministerium auf seiner Webseite. Dass viele Medikamente, sachgemäß gelagert, ungeöffnet und nicht abgelaufen, als Spende viel sinnvoller wären, statt in der Mülltonne zu landen, fällt dabei unter den Tisch.

„Medikamente sind im Müll gut aufgehoben“, betont auch Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung Hamburg. Sie werden mit dem Restmüll „schadlos und umweltgerecht“ entsorgt. Die Stadtreinigung empfiehlt ausdrücklich die Entsorgung im Restmüll („gut verpackt, damit Kinder nicht an die bunten Pillen kommen“). Auch die in Hamburger Apotheken abgegebenen Medikamente landen über deren Hausmülltonnen in der Müllverbrennungsanlage. „Wie die Entsorgung der Altmedikamente letztlich organisiert ist, bleibt den Apotheken überlassen“, so Fiedler. Nur gespendet werden dürfen sie nicht.

Apotheke will spenden, darf es aber nicht

Elektra Rigos, Inhaberin der Bahnhof-Apotheke in Herne, bekommt ungenutzte Medikamente von ihren Kunden zurück. Viele geöffnete Packungen, aber auch ca. 20 Prozent nicht angebrochene Medikamente. „Früher hatten wir mehr. Viele entsorgen die Medikamente mittlerweile über den Hausmüll“, erklärt Rigos. „Wir bekommen auch von Arztpraxen unbenutzte Packungen, meist Muster zur Entsorgung“. Das übernehme Ihr Großhändler Noweda in Essen. Bezahlen muss Rigos dafür nicht, der Service des Hauptlieferanten ist kostenlos. Dabei komme eine Menge Medizin zusammen, pro Quartal ein großer Müllsack voll. Rigos würde Medikamente sofort an Bedüftige spenden – wenn dies erlaubt wäre.

Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer Schleswig-Holstein in Kiel, sieht beim Thema Medikamentenspende viele Probleme: „Gebrauchte Medikamenten sind nur schwer weitergebbar, ähnlich wie bei gebrauchten Lebensmitteln ist das auch ein psychologisches Problem“. Rechtlich sei die Weitergabe in Deutschland nicht zulässig, ins Ausland sei sie erlaubt. Logisch ist das nicht.

„Wie mit einer Altkleidersammlung eine Armee auszustatten“

„Ich habe im Lauf der Zeit den Eindruck, dass Medikamentenspenden im Ausland die falsche Hilfe am falschen Ort sind. Zum Beispiel sei mit gespendetem Insulin keine dauerhafte Therapie möglich. Das ist so, als ob man mit einer Altkleidersammlung eine Armee ausstatten wollten“, erklärt er. Besser sei es, wenn Hilfsorganisationen konkrete Listen mit Medikamenten geschickt bekommen und diese zusammenstellen würden. Medikamentensammlungen in Deutschland seien problematisch, so Jaschowski, ehrenamtliche Helfer dürfen laut Gesetz keinen Kontakt zu verschreibungspflichtigen Medikamenten haben. Und das Recycling von Medikamenten sei ein aufwändiges Thema, das noch niemand angefasst habe.

Und noch eine rechtliche Hürde sieht der Apothekerkammer-Geschäftsführer: Apotheken seien in Deutschland, ähnlich wie der Buchhandel, an Festpreise gebunden. Das schreibe das Wettbewerbsrecht vor. „Im Prinzip müssen wir Apotheken, die dagegen verstoßen, anklagen“, erklärt Jaschkowski. Die Praxis ohne Grenzen in Bad Segeberg sei ein Sonderfall, „den halten wir aus“. Mehr noch, die Apothekerkammer spendet Geld an sie – und an „Apotheker ohne Grenzen“.

Apotheker ohne Grenzen warnen vor „Spendenmüll“

Der als gemeinnützig anerkannte Verein mit Sitz in München sammelt in Deutschland Spenden, um weltweit Menschen in Not mit Arznei- und Verbandmitteln zu versorgen. Doch die Apotheker ohne Grenzen haben kein Interesse daran, dass überschüssige Medikamente direkt gespendet werden – weder im Ausland noch in Deutschland. Der Verein engagiert sich in Projektländern nach Notfällen und Katastrophen in Afrika und Lateinamerika. Medikamentenspenden nennt er auf seiner Webseite „Spendenmüll“, den es zu vermeiden gilt. Zwar konstatiert der Apotheker-Verein drastisch „Tausende Tonnen von Alt-Arzneimitteln, die Monat für Monat im Müll landen“. Das sogenannte „Medikamentenrecycling“ lehnt er jedoch vehement ab: Die Arzneien seien nicht die, die benötigt werden, die Beipackzettel im Ausland unverständlich, Qualität und Mindesthaltbarkeit nicht gewährleistet. Dazu komme der enorme Aufwand, den es bedeuten würde, sie zu sammeln, zu sortieren oder zu vernichten. Auf ihrer Webseite listen die Apotheker ihre Bedenken gegen Medikamentenspenden auf.

Ihre Lösung ist eine, die den Apotheken in die Taschen spielt: Der Verband schlägt den Einsatz von neuen Großpackungen vor. Sogenannte „Bulk-Ware“ sei sehr günstig und die Qualität von den Anbietern geprüft und garantiert. 1.000 Tabletten Paracetamol à 500 Milligramm kosten nur etwa elf Euro. Eine weitere Möglichkeit seien „Emergency Heath Kits“, das Notfallsortiment wichtiger Arzneimittel für Katastropheneinsätze versorgt bis zu 10.000 Menschen drei Monate lang medizinisch mit dem Nötigsten. Die Medikamente sind bereits fertig verpackt und preisgünstig – was sie kosten, verrät der Verein nicht.

Medikamentenhilfe sammelt und spendet in Deutschland

Einen Weg, wie ungebrauchte Medikamente aus Apotheken an Bedürftige in Deutschland kommen, hat Sonne Ledding von der Medikamentenhilfe für Menschen in Not in Hamburg gefunden. Sie hat die Genehmigung der Arzneimittelbehörde in Kiel, Medikamente zu sammeln und zu spenden. Der Verein bekommt gebrauchte, ungeöffnete und nicht abgelaufene Medikamente aus 185 Apotheken in Deutschland – und aus Pflegeheimen. Diese werden von einem Arzt und einem Apotheker geprüft, nach Inhalt, Haltbarkeit und nach Fachgebiet sortiert. Die Deklaration der Medikamente, die überwiegend ins Ausland gehen, erfolgt in der jeweiligen Landessprache. „Sonst erreichen die Medikamente den Empfänger nicht“, erklärt Leddin. Die Medikamentenhilfe für Menschen in Not, ein eingetragener Verein, bekommt bei Notsituationen Anfragen, überwiegend aus der EU und aus Afrika.

In Hamburg hat Leddin eine stille Duldung mit den Behörden erreicht, sie darf Medikamentenspenden an soziale Einrichtungen liefern. Der Verein versorgt auch vier Einrichtungen der Caritas in Deutschland mit gespendeten Medikamenten. Über eine Apotheke in Hamburg, die über die Vergabe entscheidet. Doch auch Leddin nimmt derzeit keine Medizin von privaten Spendern an – obwohl sie das gern tun würde – da die rechtliche Haftung unklar ist. Ein medizinisch geschulter Jurist prüfe im Auftrag des Vereins die Rechtslage, so Leddin. So lang bleibt diese Möglichkeit versperrt.

„Wir würden das ja gern machen, müssen aber Fragen der Haftung klären“, erklärt Leddin. Über 30 Tonnen Medikamente hat der Verein bereits gesammelt und als Spende an Bedürftige weitergeleitet. Leddin sieht das Problem bei Medikamentenspenden von Privatpersonen so: „Es geht um die sichere Lagerung, das Verfallsdatum und die Frage, ob die Wirkung noch anhält.“ Sie würde gerne einen weiteren Verein aufbauen, um noch mehr brauchbare Medikamente zu sammeln. Zum Beispiel Retouren, die Großhändler bei den Apotheken einsammeln. „Wir könnten Tonnen von Medikamenten retten“, betont Leddin. Dazu müsse die Politik auf das Problem aufmerksam werden – und die Gesetze ändern, die Medikamentenspenden verhindern.

Artikel von Alexandra Grossmann und Helge Denker

196 Wertungen (4.66 ø)

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48 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

@Gast, auch eine N1- Packung ist noch zu viel zum bloßen Ausprobieren. Und wie kommen Sie darauf, dass der Patient die große Packung will? Der nimmt die Medikamente doch nicht – deshalb müssen sie ja entsorgt werden.

#48 |
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Studentin der Humanmedizin

All die interessanten Beiträge zu diesem Thema (nebst vielen anderen Themen auf Doccheck) für die ich mir einen Ordner reserviere, sodass ich sie alle ausgedruckt archiviere, und mir später etwas geben, wenn ich sinnvollerweise mal auf sie zurückgreife. Ich bin all diesen “Informanten” dankbar!
@Arzt, könnte sein, dass die Pharmariesen jenseits von Gut & Böse mächtig geworden sind, indem sie im Grunde genommen den Takt in der Gesundheitsbranche angeben mittels neuer medikamentösen Rämedien gegen viele Leiden ausser den “Orphan Diseases”, die zu wenig Gewinn erbringen können mangels genügend Patientengut.
Vielleicht sind wir allzu ethnozentrisch mit dem Export unserer Medikamenten überhaupt: Die nicht-westlichen Stammesgesellschaften haben ihre Glaubensinhalte und Medizinmänner, die mindestens gleich gut eine Ordnung aufrecht erhalten können in ihrer Kultur. Es gab mal ein Ehtnologie-Dozenten, der gelegentlich log zu seinem eigenen Vorteil wie es die meisten Menschen im Alltag tun. Er war in Afrika in einer Stammesgesellschaft, die sein Untersuchungsobjekt war. Das Haupt fragte nach einem, dem einen vor Kurzem gestorben war, um dann den Mann als Medium benutzen zu können um rituell die Geister der Verstorbenen wach rütteln zu können. Der Ethnologe stellte sich zur Verfügung für das Ritual, indem er log, dass einer seiner Verwandten vor Kurzem gestorben war. Am Anfang des Rituals wurde der Ethnologe schwer krank vor lauter Uebelkeit etc. Das Stammeshaupt erkannte, dass er gelogen haben muss. Der Ethnologe bekannte, dass dem so sei. Der Medizinmann des Stammes hatte dann Erbarmen, und tat etwas rituelles, sodass er seine Gesundheit zurück gewann…
Die Medizinmänner sind also für ihre kulturell bedingten Krankheiten auch ganz mächtig. Wer wäre edler und zufriedener im Alltag: Ein Westler, der dekadent lebt, und nachträglich erwartet, dass der Arzt ihn von allem Möglichen heilt mit Medizin, die sehr viel Geld kostet? Oder ein nicht-westliches Stammesmitglied, das vertraut auf den Medizinmann, der sich seiner Heilmittel und Ritualen bedient? Ich vermute, dass jedes auf seine eigene kulturelle Errungenschaften vertrauen darf (es ist ein Recht!), und dafür auch den kulturellen Preis bezahlt. Nur für eingeschleppte Krankheiten durch Sexualverkehr, wie zB eingeschleppte Alpha-1-Antitrypsinmangel durch nordische Kolonialherren, sollte man, gerechtigkeitshalber, pharmazeutische Leistungen aus dem Westen transferieren. Sonst sollten wir sie besser zufrieden lassen…

#47 |
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Arzt
Arzt

@Stud Edith Meyer im Einzelfall, nicht generell, ist halt die (unterschiedliche) Galenik wichtig, sowohl für Wirksamkeit (Resorbtionsdynamik) als auch Verträglichkeit.
Der Trend ist allerdings, dass die großen “Generika”-Hersteller inzwischen die Pharmariesen selbst sind, daher würde ich eher gerne etwas bekommen von diesen wohlhabenden Firmen, als ihnen auch nur einen einzigen Cent zu spenden.
Wer tanzt nicht alles nach deren Pfeife!

#46 |
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Arzt
Arzt

@Alois Dittrich, Sie sind sicher Apotheker :-) Ich würde sagen,
das war einmal, als diese Fachleute Medikamente noch selbst herstellen mussten (… quantum satis). Ich denke die meisten Ärzte können auch entsprechende Rezepte nicht mehr korrekt schreiben, obwohl ich noch einige kenne, für Salben.
Aber trockene Tabletten hermetisch verpackt?

#45 |
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Alois Dittrich
Alois Dittrich

Pharmaceuticus hat u.a. den Nagel auf dem Kopf getroffen, ebenso Arndt Fritsche.
Der Block zeigt hier wieder einmal auf, dass der Arbeitsaufwand des fachgerechten Umgang mit Arzneimitteln maßlos unterschätzt wird.
Drum gehören Arzneimittel in die Hände von Pharmazeuten.
Volllaien und sonstige Gutmenschen schaden durch sammeln von Arzneimüll und das Verteilen desselben mehr als sich vorstellen können.

#44 |
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Naturwissenschaftler

Apotheker Ohne Grenzen……sehr humanitär ….gar kein Frage.
Auch, wenn es eine gewisse Bedenklichkeit mit alten oder gebrauchten Medikamenten besteht, bleibt aber der Zweck der Nutzung für bedürftige und sehr kranke Menschen für diese Medikamente enorm groß……

Deutschland kann die Spendenaktionen vom Gebrauchtmedikamenten unter gewisser Vor-Selktion und Kontrolle auf (Datum, Haltbarkeit, Toleranzbereich..etc.) für die arme Länder, Kriegsländer….spenden.
MfG

#43 |
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Studentin der Humanmedizin

In der Schweiz bezahlen die Krankenkassen für Patienten, die Generika nehmen anstelle der patentierten Originalpräparate, 90% der Medikamentenrechnungen.
Für Patienten, die Orignalpräparate bevorzügen wenn’s auch ersatzweise Generika gibt, bezahlen die Krankenkassen 80% der Medikamentenrechnungen. So werden die Aerzte auch dazu motiviert, ihren Patienten wenigstens vorzuschlagen, sich Generika verordnen zu lassen. Das hat auch dazu geführt, dass die Pharma-Giganten, die das Patentrecht innehaben, unterdessen Generika zu ihren Originalprodukten anbieten, damit sie mithalten können im Wettbewerb. Das finde ich sehr gut so, wobei ich aber immer Originalpräparate bevorzugen würde, da ich es besonders wertvoll finde, die Kreativität und Originalität der Pharmakologen zu unterstützen.

#42 |
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pharmazeuticus
pharmazeuticus

Ergänzung, nachdem ich im Dienst heute Nacht nochmal meine Unterlagen für die Projektarbeit durchgesehen habe: Vom Gewicht her enthält Altarznei übrigens zu über 30 % GLAS – nämlich die Primärverpackung von Säften und Tropfen. Deshalb leere ich die zurückgebrachten Flüssigkeiten in Sammelgefässe, die dann der thermischen Entsorgung zugeführt werden können, das Glas aber versenke ich im Altglascontainer. Von daher sind die “100 Tonnen in Hamburg” schonmal sehr relativ. Weitere 30 % sind Salben, bei denen wir ja wohl unstrittig davon ausgehen können, dass eine Zweitverwertung unmöglich ist. Und vom Volumen her beeindrucken die Beipackzettel und Kartonagen, die dem Wertstoffkreislauf zurückgegeben werden können. Und noch ein Punkt – so sehr ich mich bemühe, nachhaltig zu denken und zu handeln: WIRTSCHAFTLICH ist das Auseinandersortieren von Altarznei in nahezu keinem Fall. Da macht es deutlich mehr Sinn, sich für Bedürftige über die auch im Artikel erwähnte Bulkware Gedanken zu machen. Günstig und dank Qualitätssicherung ohne gesundheitliche Risiken.

#41 |
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Arzt
Arzt

Lieber @ Apotheker Arndt Fritzsche, durchgefallen. Das Mineralwasser war korrekt abgefüllt und versiegelt mit einem Papierstreifen, den man zerreissen muss, wenn man die Flasche öffnen will. Ein Bierflasche mach ich in der Regel auch nur einmal auf. Wenn man der Werbung glauben darf, soll ja so manches Felsquellwasser Millionen Jahre als sein (Ironie für Angsthasen). Über Keimbesiedlung müssen Sie nicht gerade eine Dr. belehren wollen, ebenso über Wirkungen von Medikamenten, weil ICH sie verschreibe und den Patient behandle.
Na klar muss alles korrekt “gelagert” werden.

Im übrigen stimme ich @pharmazeuticus zu, dass hier sicher übertrieben wird,
eher 1% als 20%
aber das ist wie mit den Hund, der den Postboten beißt, das ist keine Sensationsmeldung, es muss schon der Postbote sein der den Hund beißt.
Regeln und Vorschriften, deren Sinn man auch als Fachmann nicht versteht, sind leider keine Seltenheit.

#40 |
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pharmazeuticus
pharmazeuticus

Warum muss das Thema immer, wenn es auf’s Tablett kommt, immer so ausarten ? Der Hauptgrund dürfte in der Tatsache begründet sein, dass der Grossteil der Diskutanten (vor allem diejenigen, die sich nicht hauptberuflich mit Arzneimitteln beschäftigen !) von völlig falschen Informationen ausgeht. Leider hilft auch der obige Artikel nicht weiter – eine Fülle von falschen Aussagen polarisiert, aber die Information bleibt auf der Strecke. Fakt ist: Es muss doch mal ganz wissenschaftlich geschaut werden, was in den Apotheken als “Altarznei” anfällt. Ich habe über Jahre “Altarznei” säuberlich sortiert und aufgeschlüsselt – Verfalldaten, Zustand der Packungen, Wert und viele andere Parameter. Bis hin zur Frage: “Würde ICH mir das zurückgebrachte Präparat persönlich nehmen oder meiner Familie geben ?”. Von wegen “20 % nicht angebrochene Packungen” – sorry, gefühlt oder evidence based ? Bei uns waren es über all die Jahre weniger als EIN Prozent der Packungen, die unangetastet waren bzw. mit einem verknitterten Beipackzettel weggeworfen wurden. Darunter viele Packungen, die schlichtweg verfallen waren, aber das ist halt der Unterschied zu Lebensmitteln, wo ich meinen Speiseplan danach richte, was weg muss. Aber meinen Schleimlöser nehme ich halt doch nicht ein, nur weil er gerade “abgelaufen” ist. Von der Qualität der zurückgebrachten Packungen mal ganz zu schweigen – Hygiene, ausgelaufene Betaisodona in der Tüte und und und. “Milliardenwerte” ? Vielleicht im ursprünglichen Verkaufswert – aber eben NICHT im Zeitwert ! “Überwiegend Grosspackungen” ? Schon seit etwa 10 Jahren NICHT (mehr) ! Klar kommen ab und zu Tüten, die jahrelang gesammelte Schätze von Oma Erna enthalten. Über derartige Sammelwut kann man an anderer Stelle mal diskutieren. Aber nicht einmal Bedürftige wollen diese Medis haben ! Also Zwischenfazit: In aller Regel ist der Medi-Müll aus der Apotheke für vernünftige Zwecke nicht zu gebrauchen. Auch nicht sortiert und aufbereitet. Ich habe schon live erlebt, wie rumänische Zöllner eine Spendenlieferung komplett zurück nach Deutschland geschickt haben – was übrigens auch das Totschlagargument “böse Pharmalobby” entkräftet. Wer anderer Meinung ist, muss harte Fakten bringen, übrigens auch hinsichtlich der Verfalldaten und anderer Qualitätskriterien. Die Grundüberlegung, dass man Bedürftigen helfen muss, ist von der Sache komplett abzukoppeln, weil die Diskussion sonst zwangsläufig emotional wird. Auch die Diskussion, ob die Verkaufspreise der Industrie gerechtfertigt sind, ist hier nicht hilfreich. Traurig finde ich, dass jeder, der gut gemeinte Spendenaktionen kritisch hinfragt, grundsätzlich erst einmal als Pharmalobbyist beschimpft wird. Dass dieses Hinterfragen aber ehrlicher Patientenschutz ist, das wird gerne übersehen.

#39 |
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Gast
Gast

Ich bin Volllaie – aber zum Nachdenken angeregt.

Zunächst finde ich es wundervoll, dass es Menschen wie Herrn Denker gibt. Die einfach helfen wollen, und es können, und dann auch tun.

Da wäre der Welt, Europe, Deutschland, Norddeutschland und Segeberg schon sehr geholfen, wenn es in allen Belangen unseres Zusammenlebens mehr von diesen Menschen gäbe.

Aber leider ist es ja oft so, dass man, wenn man nur einen Hammer hat, jedes Problem als einen Nagel identifiziert. Achtung: Transferleistung nötig.

Das Problem ist ja nicht, aber vielleicht auch, wie man mit bereits ausgehändigten Arzneimitteln umgeht.

Was mich am meisten an diesem, zugegebener Maßen etwas einseitigen Artikel, erstaunt hat ist, dass wir es als unfassbar reiches Land augenscheinlich immer noch zulassen, dass Menschen keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Versorgung haben, oder sie nicht in Anspruch nehmen.

Gerade wenn tatsächlich in der Hauptsache die beschriebenen Berufsgruppen: “…Mittelstandes, Handwerker, Beamte, Selbstständige und Freie Berufe…” betroffen wären, trifft das ja immerhin den Motor unseres Wachstums (ich bin mir übrigens sicher, dass es in diesem Zusammenhang im Nachgang Einlassungen über Beamte geben wird).

Aber was sind denn die wirklichen Ursachen:
– Zum einen die sicher unbestreitbaren Verschwendungsexzesse im Gesundheitswesen, die das System faktisch zu teuer machen.
– Zum anderen sicher auch der Faktor Mensch. Wir alle kennen den einen oder anderen Iatrophobiker, Verschweiger, Hinauszögerer oder Krankheitsverleugner
– Aber leider auch eine schlechte kaufmännische Herangehensweise: denn wenn ich einer Tätigkeit nachgehe, die es mir in einem Zeitraum von 10-15 Jahren nicht ermöglicht meine eigene Arbeitskraft zu erhalten, mache ich wohlmöglich einen echten Fehler. Was aus meiner – nicht ärztlichen – Sicht, eher auch die Annahme aufwerfen würde, dass die körperlichen Symptome dann eher psychisch induziert sind.
– …es gibt sicher noch ein paar mehr Gründe

Toll dass es Menschen wie Herrn Denker gibt. Toll, dass hier eine Diskussion angefangen hat. Gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ist das sicher ein großes Thema unserer Zeit.

Dann lasst uns/lassen Sie uns doch den demokratischen Dreisprung einleiten:
– Die breite Masse erkennt dies als Problem, und verspricht Politikern zu folgen, die dieses Problem lösen wollen
– Eine Partei erkennt diesen Trend und bietet Lösungen an, um sich Mehrheiten bei Wahlen zu sichern
– Mit Glück kommt dann ein sinnvolles Gesamtpaket dabei raus

#38 |
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F. Augstein
F. Augstein

Ich fände es sinnvoll auch andere Aspekte zu betrachten um den Medikamentenmüll zu reduzieren und KEINEN Bundesbürger zum Müllschlucker für Überproduktion machen zu müssen:

Verordnen Ärzte zu viele unnötige Medikamente ?
(Indikationen für pharamzeutische Intervention überdenken)

Lässt sich durch eine Punktereform in der Ambulanten Versorgung zu gunsten der N1-Packungen der Überschuss reduzieren?

Ist eine Basis(Bürger)Versicherung aus Steuermitteln für alle Bundesbürger nicht sinnvoller – damit NIEMAND auf Medikamentenspenden in Deutschland angewiesen ist – als der lokale Versuch der Schadensbegrenzung durch spendenfinanzierte Arztbehandlung?

#37 |
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Ärztin

@ Herrn Fritzsche: Vielen Dank für die sachliche Erklärung.

Es geht hier mMn um zwei Dinge:
Die Entsorgung nicht abgelaufener Originalprodukte, also nicht um “Medikamentenmüll”.
Und um die Tatsache, das es zahlreiche Menschen hier und anderswo gibt, die keinen Zugang zu Medikamenten irgendeiner Art haben. Das ist ein politisches Problem, das auf politischer Ebene gelöst werden muss. Solange das nicht der Fall ist (und das wird wohl noch einen Moment lang so sein), sind diese Menschen froh, wenn sich Fachleute mehr oder weniger privat um sie kümmern.

Argumente wie die Frau Hüttls (“Oder wollen Sie den Typ I-Diabetiker einmal mit Lantus®, drei Wochen später mit Insuman® Basal, und im nächsten Monat mit Levemir® behandeln, je nachdem was Sie gerade gespendet bekommen? Spritzfehler und Berg- und Tal-Fahrten des Blutzuckerspiegels vorprogrammiert….. inklusive der bekannten Folgeerkrankungen.”) sind nicht hilfreich. Was ist die Alternative? Wollen Sie den Typ-I-Diabetiker vielleicht besser gar nicht behandeln? Dann gibt es auch keine Spritzfehler. Aber die Folgeerkrankungen sind Ihnen ja wohl bekannt, wie Sie sagen.

@ Frau Böllecke: Wie drollig. Juristisch betrachtet war das schon eine Drohung. “;-)”

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Apothekerin

@Sven Freudenberg: ihre Bedenken kommen leider zu spät. Mein Status mitlerweile verändert. Prüfer mit pharmazeutischer Fachkompetenz schienen offensichtlich nicht ihrer Meinung zu sein (die nebenbei auf welcher Sachkenntnis beruht?). Interessant allerdings wie so ein Detail hier polemisiert wird um von der Abwesenheit jeglicher Argumente abzulenken. Für Sie heisst es dann wohl Augen auf die Namenschilder bei der Apothekenwahl ;-) – ich könnte sie durchaus bedienen und am Ende auch noch beraten.

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Apotheker

@ Dr. Specht
Typischerweise werden Verfalldaten so ermittelt, das unter Stress (z.b. Thermischem) geprüft wird, wie schnell der Wirkstoff abgebaut wird. Daraus extrapoliert man die wahrscheinliche Haltbarkeit eines Wirkstoffes bis zu einem Zeitpunkt, an dem die minimal zulässige Menge Wirkstoff noch enthalten ist. Das ist der theoretische Verfall (unter normalen Lagerbedingungen). Deshalb gibt es zum Beispiel ja auch kühl zu lagernde Produkte (Verlängerung der Haltbarkeit). Bei schon länger im Handel befindlichen Produkten muß der Hersteller Rückstellmuster aufheben. Diese werden nach Prüfplänen (GMP, vorgeschrieben) immer wieder auf Erfüllung verschiedener Parameter geprüft, u.a. auch Mindestgehalt. Wird dieser unterschritten gibt es einen Rückruf der Charge. Ist der Gehalt in Ordnung freuen sich alle. Ist der Gehalt dauerhaft hoch, kann bei einzelnen Wirkstoffen eine Verlängerung der Haltbarkeitsfrist erwogen werden. Alles in allem: naturwissenschaftlich belegt, gesetzlich geregelt.
Pharmazie ist eben doch viel mehr als der eine oder andere vermuten mag. Auch wenn es nicht so schön verschwörerisch ist.

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Dr. Gerd Specht
Dr. Gerd Specht

Was mich interessieren würde: Wie kommt das Verfallsdatum zustande? Nach welchen Kriterien legen die Hersteller das fest? Wie wird das nachgeprüft und von wem?-Ich vermute mal, dass es den Firmen überlassen bleibt.-Dann wird aber sicher nur ein möglichst kurzes Datum genommen, damit der Umsatz brummt. Über dieses Thema habe ich bisher noch nichts lesen können, obwohl es grosse Umsätze betrifft.

#33 |
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Andreas Gördes
Andreas Gördes

Der Text schlägt mal wieder in die gleiche Kerbe, schade.
Das Problem ist doch die rechtssichere Sicherstellung der Qualität die mehr Personalkosten verursacht als der Neuwert der Medikamente darstellt.
Bei rückgaben von Patienseite wäre auch die Konstanz der Versorgung problematisch.
Gabgbar wäre m.M.der Weg über Industrieretouren in Zusammenarbeit mit speziellen Ärzten, Großhandel und Apothekern auf ehrtenamtlicher Basis mit speziellen für diesen Zweck ausgestellten Rezepten.
Dafür müßte die rechtliche Grundlage geschaffen werden.

Ansonsten stellt sich für mich die gleiche Frage wie bei den Tafeln.
Wozu sind sie in einer doch eher wohlhabenden Gesellschaft nötig?
Das ist doch das wahre Armutszeugnis.

A.Gördes
Apotheker

#32 |
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Apotheker

@Arzt
Erstmal: Schade das hier nicht jeder Mut zu einem Klartextnamen hat.
Und dann: Nein ich habe keine Angst vor Mineralwasser. War auch ironisch gemeint und ich hätte eigentlich gedacht, dass ich das nicht extra unterstreichen muß. Davon mal ab: als Arzt kennen Sie ja vielleicht die Problematik von unkonserviertem, keimbelastetem Wasser. Da sammelt sich in 24h ganz schön was an. Und nach 48h…
Das war jetzt auch nicht ironisch (für alle denen der Hinweis hilft).
Wer in der Klinik arbeitet hat vielleicht auch schon mal zur Kenntnis genommen, welcher Aufwand getrieben wird nur um sauberes Wasser zu haben. Oder: Lasst doch mal einen Krug Wasser offen 1 od. 2 Tage stehen und wischt dann mal
mit dem Finger über die Inneseite: Biofilm! Ja, tatsächlich. Kräftiger Schluck gefällig?

Noch ein schönes Beispiel für Arzneimittelkompetenz (war gestern)?
Arzt: Das habe ich verordnet!
Apotheker: Der Hersteller hat es vom Markt genommen.
Arzt: Das steht aber in der Roten Liste! Dann müssen die Patienten eben ins Internet!

Lieber Arzt: Was es nicht gibt, gibt es auch nicht im Internet. Die Rote Liste hat einen Redaktionsschluß. Und nur weil du es verordnest wird sich nur selten das Rote Meer teilen. Da hat das Patent schon jemand anders.

So, Ironie wieder aus:
Bitte an alle hier Beteiligten: Ermöglicht einen respektvollen Umgang der Berufsgruppen miteinander (wie man hier sagt: die Apotheker sind auch nicht auf der Wurstsuppe hergeschwommen), dann werden viele Sachen einfacher gelöst werden können. Und zwar zum Vorteil der Patienten!

#31 |
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Gast
Gast

@Alois Dittrich:
Was für ein lächerlich unsachlicher und polemischer Beitrag eines Neiders?!

#30 |
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Alois Dittrich
Alois Dittrich

Da sieht man mal wieder, dass Ärzt(e?) keine Ahnung von Medikamenten haben.
Es ist auch äußerst weise dieser Gruppe das Dispensierrecht zu verweigern.

Hat schon mal einer daran gedacht, was das für ein Aufwand ist valide Aussagen über die Qualität von Arzneimittel zu machen, die von irgendwoher in einer Sammelstelle aufschlagen?

Praktisch ist das Sammeln von Arzneimitteln zur Weiterverabreichung an kranke Menschen idiotisch und verantwortungslos.

#29 |
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Gast123
Gast123

#27: Nö. Naja, Ihnen vielleicht, weil ich gemein bin.
Welches Label wollen Sie mir verpassen?

#28 |
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Arzt
Arzt

zu #26
Sie sind so ein Typ, der auch das Autofahren verbieten würde, wenn er könnte?

#27 |
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Gast123
Gast123

Ein sehr wohlmeinender, aber in den Kernpunkten leider auch dummer Artikel.
Los geht es mit der Verteufelung des ärztlichen Dispensierverbotes – aber wer Sondermüll an hilflose Patienten verteilen möchte, den stört die Kontroll- und Qualitätsinstanz Apotheke(r) natürlich.
Wenn man sich mal vorstellt, was hierzulande für ein Bohei losginge, wenn eine Apotheke wissentlich ein abgelaufenes Medikament an Kunden abgäbe!
Aber weil der Onkel Denker da einmal über die Schachtel schaut und Kraft seiner Wassersuppe analysiert: “Das ist noch gut”, dann geht das plötzlich?
Welche Qualifikation zum Thema Arzneimittelqualität und -haltbarkeit hat ein Arzt?
Selbst ein Apotheker kann das nicht mit Röntgenblick feststellen, genau dafür gibt es die Zentrallabore und QS-Abteilungen der Hersteller.

Was selbst bei den Tafeln nur mit Ach und Krach funktioniert (der ‘Kunde’ kann ja schlechte Ware selber sortieren oder zur Not so stark erhitzen, dass keine mikrobiologische Gefahr mehr besteht) soll jetzt bedürftigen Patienten helfen?
“Prima”, wird sich die Politik denken, kein Grund also, das menschenunwürdige Herausfallen aus jeder Versicherung mal wirksam anzugehen.
Vielleicht können wir das Modell ja auch auf Rentner erweitern und auf Zugereiste und Hartzer sowieso.

Ich kann R.Bölleke (#9) nur zustimmen.
Keiner von uns würde ohne größte Not von einem Straßenhändler in der dritten Welt Medikamente kaufen. Weil keiner weiß, was sich in den verbeulten Schachteln wirklich befindet und wie lange der Bauchladen schon durch die Sonne geschaukelt wurde.
Also sollten wir keinesfalls diese große Not unserer Mitbürger institutionalisieren!

Gleichzeitig zur Versicherungsreform (Privat abschaffen! Grundsicherung für alle und allenfalls Extrawürste als private Zusatzleistung!) kann man mal die Verschreibungspraxis unter die Lupe nehmen.
Es geht wirklich nicht an, dass im Regelfall (!) bei Versterben eines Patienten kiloweise unbenutzte Medikamente aus den Häusern zum Vorschein kommen.
Da läuft schon zwischen Patient und Arzt ganz viel schief.

#26 |
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Paddy Walterson
Paddy Walterson

Da ist vor allem an den Gesetzen etwas faul, denn schon unter Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wurde ein Gesetz erlassen, das unversicherte Patienten faktisch unmöglich machen sollte. Haut wohl nicht so hin, Bundestag: bitte nachjustieren.

Und was sich erst mal so gut anhört, relativiert sich im Detailblick sehr schnell: Würden denn die Arzneimittel-Recycling-Anhänger echt (Hand auf’s Herz) alle Packungen nehmen, auch wenn sie nicht wissen können, ob die Schachtel zwei Monate lang unter Opa Schulzes gammeliger Leberwurst gelegen hat?

Zu kühlpflichtigen Arzneien: Selbst wenn ein Arzt und ein Apotheker die Eingansprüfung machen würden, so könnten sie niemals garantieren, dass die Arznei nicht allzulange einer zu hohen Temperatur ausgesetzt war. Denn Arzneipackungen, die einen Chip mit sich führen, der jederzeit die Temperatur protokolliert, gibt es derzeit nicht, zumindest nicht in der EU (oder kenne ich jedenfalls nicht)

Arznei in den Hausmüll? Richtig! Das ist der einzig korrekte und so vorgesehene Entsorgungsweg. Da in D der Restmüll vollständig thermisch entsorft werden muss, werden hiermit Arznei-Abfälle rückstnadfrei entsorgt.

Und noch etwas: Wer schon im Einleitungsabschnitt von der bösen bösen Pharmaindustrie fabuliert, braucht sich nicht wundern, wenn der restliche Artikel mit gehöriger Schlagseite weiterkarriolt!

#25 |
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Arzt
Arzt

Hallo @ Apotheker Arndt Fritzsche, haben Sie echt Angst vor Mineralwasser?
Warum? Sie sind doch Apotheker!
Ich war nicht der einzige und mir ist es nur deshalb aufgefallen, weil mich grundsätzlich die Zusammensetzung interessiert (Elektrolyte), da ich kein Freund der weit verbreiteten Kochsalzphobie bin, gerade wenn man viel Durst hat. Und wenn man viel trinkt, sollte nicht zu viel Magnesium und Sulfat (sehr häufig) drin sein, sonst bekommt man noch Durchfall.
Kurz, es war eine ganze Op-Abteilung, die Flaschen standen kostenfrei im “Sozialraum”. Nun ich dachte, die müssten dann schnell weg sein,
waren sie aber nicht, ich hab darauf geachtet. Die hielten ca. 3-4 Wochen für alle.
Alle haben ohne Kommentar (und Nachteile) viel getrunken :-)
Da kam bei mir der Verdacht auf, dass “der Einkäufer des Krankenhauses” wieder einmal ein gutes Geschäft gemacht hat.
Das konnte doch kein Zufall sein.
Die “Quelle” war sicher o.k. da hab ich keine ernsthaften Zweifel.
Ich wundere mich allerdings über so viele kritische Beiträge,
Originalverpackungen, die noch NICHT abgelaufen sind, weiter zu verwenden,
wofür auch immer.
Wegschmeißen? NEIN!

mfG

#24 |
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Apothekerin

Sehr interessante Diskussion, einseitiger Artikel, aber ein Thema über das viel mehr geschrieben werden sollte – drei Anmerkungen:

Vor dem Hintergrund rasant zunehmender Fälschungen ist es meiner Meinung nach absolut unverantwortlich (gerade für teure Medikamente!) gespendete Arzneimittel aus unbekannten Quellen zu sammeln und an Patienten abzugeben. Erst recht Insulin & Co, die bei falscher Lagerung lange vor Ende der Laufzeit unbrauchbar sind und zu lebensbedrohlichen Notfällen führen können! Würden SIE, Frau Grossmann, ein Medikament nehmen von dem Ihnen keiner garantieren kann dass es Wirkstoff enthält, dass der Wirkstoff noch nicht zur Hälfte abgebaut ist, dass nicht irgendein anderer Mist drin ist? Wenn man anfängt mittellose Patienten damit zu behandeln degradiert man sie zu „Patienten 3. Klasse“. Auch diese Menschen haben ein Recht auf Arzneimittel von sicherer Qualität.

Für eine Dauertherapie chronisch Kranker macht es keinen Sinn sich auf gespendete Arzneimittel zu verlassen. Oder wollen Sie den Typ I-Diabetiker einmal mit Lantus®, drei Wochen später mit Insuman® Basal, und im nächsten Monat mit Levemir® behandeln, je nachdem was Sie gerade gespendet bekommen? Spritzfehler und Berg- und Tal-Fahrten des Blutzuckerspiegels vorprogrammiert….. inklusive der bekannten Folgeerkrankungen.

Die Warnung der Apotheker ohne Grenzen vor dem Spendenmüll macht definitiv Sinn. Wer sortiert denn die Spenden aus nach brauchbar und nicht brauchbar? Wer kümmert sich um die Entsorgung des unbrauchbaren Teils? Die Apotheker ohne Grenzen kennen die Hilflosigkeit angesichts unbrauchbarer Arzneimittelmüllberge in Katastrophengebieten und wissen absolut wovon sie reden. Ich selbst hatte die „Ehre“ als Krankenhausapothekerin in einem kleinen Krankenhaus in Tanzania die „Spende“ eines deutschen Arztes zu bekommen, die nicht abgewiesen werden durfte weil er ein alter Freund des Chefarztes war. Das Ergebnis: 350 Dollar Zoll um die Kisten ins Land zu bekommen (dafür hätte ich locker den Bedarf des Krankenhauses an Arzneimitteln für zwei Wochen decken können), 2 Tage Sortierarbeit, 4 Umzugskartons voll Müll (abgelaufen, nicht gekühlte Kühlartikel, Wirkstoffe die in diesem Krankenhaus kein Mensch brauchen kann – und ein Müllberg mit dem ich nicht wusste wohin) und am Ende ein paar einzelne Schachteln die wir für Patienten brauchen konnten. Hätte der liebe deutsche Arzt (der es sicher gut gemeint hat!) das Porto das er für all die Kisten bezahlt hat, als Spende überwiesen, hätte er uns deutlich mehr geholfen. Wenn man anfangen würde in Deutschland offiziell alte Arzneimittel einzusammeln wird der Müllberg nur woanders anfallen, es ist definitiv eine Illusion zu glauben dass da nur Arzneimittel zusammenkommen die man theoretisch weitergeben könnte.
Wir alle müssen uns fragen warum es möglich ist dass es in Deutschland Menschen gibt die sich eine Krankenversicherung und Medikamente nicht leisten können! Und dann alle gemeinsam, Politik, Industrie, und die Heilberufler, dafür sorgen dass diese Menschen zu einer vernünftigen medizinischen Versorgung kommen. In München gibt es die „Medikamentenhilfe München“ – ein Projekt bei der Bedürftige OTC-Arzneimittel zu vergünstigten Preisen in Apotheken bekommen. So etwas in großem Maßstab, deutschlandweit, für alle Arten von Arzneimitteln UND alle medizinische Behandlungen brauchen wir, brauchen die mittellosen Patienten – und keinen Arzneimittelmüll.

#23 |
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Sven Larisch
Sven Larisch

1. Wer trägt das Haftungsrisiko bei Medikamenten die bereits ausserhalb der gesetzlich vorgeschriebenen und überwachten Wege (Industrie, Großhandel, Apotheke) gelagert wurden?
2. Wenn ein Patient verstirbt und dabei 3 Müllsäcke voller Arzneimittel hinterlässt, stimmte doch etwas mit der Verschreibung nicht.
3. Warum lassen sich Patienten Arzneimittel verordnen, die sie dann nicht einnehmen (siehe den Absatz “unangebrochene Packungen”)?
4. Kann ein gemeinnütziger Verein wirklich eine kontnuierliche Versorgung mit dem selben Medikament gewährleisten für jeden bedürftigen Patienten?
5. Ich finde gerade in einem Staat wie Deutschland sollte jeder! das Recht auf eine ausreichende medizinische Versorgung haben. Warum fallen denn so viele durch das soziale Netz? Dies wäre für mich der Ansatzpunkt- dann kann der Arzt untersuchen und verordnen und der Apotheker beraten und abgeben und beide dürfen verdienen, denn beide müssen von ihrem Beruf auch leben.

#22 |
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Dr. Bettina Hellwig
Dr. Bettina Hellwig

Wer will und soll all die alten Sachen einnehmen, bei denen niemand mehr für irgend etwas garantieren kann, liebe Frau Grossmann, weder der Hersteller noch der abgebende Apotheker? Würden Sie verderbliche Lebensmittel aus unbekannten Quellen essen wollen? Noch dazu solche, bei denen ein Verderb gefährliche Nebenwirkungen haben kann? Das hat mit “Lobby” nichts zu tun, sondern mit Arzneimittelsicherheit und gesundem Menschenverstand.

Dr. Bettina Hellwig, Fachapothekerin für Arzneimittelinformation

#21 |
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Apotheker

Was hier ausgeführt wird und vor allem auch kommentiert wird, ist eben doch sehr einseitig. Wenn im Artikel steht, dass Packungen in unterschiedlichen Größen praktisch dasselbe kosten, dann ist das zwar erst mal richtig, allerdings geht bei den Packungen über ca. 40 € die Schere auseinander. Dann finktioniert der Vergleich nicht mehr, ist halt auch kein reißerisches Beispielmehr. Wenn kommentiert wird, das Paracetamol ca. 9 € Kostet, empfehle ich dem Schreiber einen Gang in die Apotheke. Da findet er die 20er bei ca. 1,80. Der nächste ist ein verwegener Held, der schon mal abgelaufenes Mineralwasser getrunken hat (probiere ich heute Abend mal heimlich unter der Decke). Würde er das auch mit Milch machen?
Mich schauen Patienten durchaus komisch an und bringen mir Arztmuster aller Coleur, die abgelaufen sind und diese durchaus nicht nehmen wollen.
In Zeiten, in denen die Apotheken sämtliche Reimport-Packungen auf Fälschungen durchsuchen dürfen, weil bei Paketdiensten CONTAINERWEISE Arzneimittel geklaut werden, wollen wir Sozialhelden den Tauschhandel mit zurückgegebenen Packungen??? Na, dann bin ich schon mal auf die nächste Diskusion bei Arzneimittelfälschungen gespannt… Die Welt ist eben nicht nur Schwarz und Weiss.

#20 |
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Heilpraktikerin

@11 – als das mit meiner Mutter passierte war ich noch kein HP, wir wohnten 1x quer durch Deurschland entfernt und ich schrieb, dass es einige Jahre her ist-nur es hat sich daran nichts geändert. Das ist das eigentliche Problem und nicht das, was ich hätte tun können!

#19 |
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Gast
Gast

Eine Liberalisierung des Gesundheitswesens mit Arztpraxen, die sich am Erfolg messen lassen, wäre sicher auch heilsam für die Patientenversorgung. Wer gut ist und Menschen tatsächlich heilt wird sich um eine volle Praxis sicher nicht sorgen müssen. Die anderen würden eben an ihrem beruflichen Handeln etwas zum Wohle der Patienten verändern. Bei Rechtsanwälten funktioniert das doch auch. Eine Zulassungsbeschränkung ist einfach nicht mehr zeitgemäß und verhindert eine vernünftige Versorgung der Patienten. Wenn man sich als Patient mit geringen Gebühren an den ärztlichen Honoraren bis zu einem einkommensabhängigen Jahreshöchstsatz beteiligt, wäre auch keine Kostenexplosion zu erwarten. Gutes Geld für gute Leistungen und notwendige Gelder für effektive Untersuchungen zur Verfügung zu stellen, würde so viel Geld sparen, dass wir die Kassenbeiträge drastisch senken könnten.

#18 |
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Herr Cloos hat vollkommen recht:

Die Macht der Pharma-Lobby und
die Ignoranz der Politik, !!!!!!!!!!!!!!!
Das Ganze ist eine Blutsauerei!!!

Schade dieses Skandalkapitel fehlte noch in Sarrazins Buch ;-))))

#17 |
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Heilpraktikerin

Grüße Frau Fischer,
ich kam gestern aus Spanien zurück, dort ist das Thema aktuell. Mütterchen und
Väterchen haben Tonnen von Medikamenten. Ich selbt habe eine blaue Tüte zurück an die Apotheke gebracht. Die Arzneiindustrie hat in Spanien einen neuen und guten Markt gefunden. Zum Glück schlucken die Patienten nicht alles, was veschrieben wurde.

#16 |
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Gast
Gast

Wie wäre es mit einer Liberalisierung des Marktes?

Die Preisgestaltung bei unterschiedlichen Packungsgrößen ist an sich schon ein Skandal. Wenn 1000 Tabletten Parazetamol für 11€ zu haben sind, warum wird dann die 20 Stck. Packung für UVP/AVP 8,10 € angeboten. Ich nenne das Wucher und es sollte bestraft werden, anstatt es gesetzlich zu legalisieren.
Bei einer angemessenen Preisstaffelung käme doch niemand auf die Idee viel zu hohe Mengen an Medikamenten zu kaufen und das würde sehr schnell zu einer Minimierung der Medikamentenmüllberge führen.

Eine Liberalisierung des Marktes würde auch dazu führen, dass Medikamente für Bedürftige über Spenden finanzierbar wären. Die Spendenbereitschaft in unserem Land ist glücklicherweise extrem hoch. Aber als Spender will man doch nicht die “armen” Großaktionäre der Pharmaindustrie unterstützen.

Die Idee vom Sozialstaat war mal ganz gut, aber außer dieser leeren Floskel haben wir leider nichts davon.

#15 |
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Nichtmedizinische Berufe

Die Macht der Pharma-Lobby und
die Ignoranz der Politik,
frustriert mich als potenzieller Spender teurer Medikamente die ich nicht mehr benötige…
Das Ganze ist eine Blutsauerei!!!

#14 |
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Sven Freudenberg
Sven Freudenberg

R. Böllecke
Studentin der Pharmazie

———————
Solche zukünftigen Pharmazeuten braucht unser LAND ( nicht )

Ich finde diese Einstellung absolut nicht zeitgemäß.
Deutlicher gesagt ich würde an Ihrer Stelle überlegen ob sie den Geist und den Sinn eines Pharmazeuten jemals spiegeln können !!!!!!!

#13 |
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Gast
Gast

@Remedias Cortes, es gibt für Patienten 3 unterschiedliche Packungsgrößen,
genannt N1, N2, N3
“Klinikpackungen” bekommt er nicht.
Und nicht der Arzt will die große, sondern der Patient.

#12 |
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Gast
Gast

@Ingrid Fischer,
hätte man vielleicht früher mal bei Mutter reinschauen sollen :-)

#11 |
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Gast
Gast

Bei nicht angebrochenen Originalpackungen, die noch nicht verfallen sind, steht ja drauf, seh ich keine rechtlichen Probleme.
Ich schütte auch kein nicht angebrochenes Mineralwasser weg, selbst wenn das aufgedruckte Verfallsdatum ÜBERSCHRITTEN ist.
Ja, so brutal bin ich und immer noch gesund.

#10 |
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Apothekerin

Leider kann ich diesem Artikel bis auf ein paar Bemerkungen zu Organisationen die sich dem Thema Arzneimittelhilfe bzw. -spende ernsthaft und vor allem realistisch befassen nicht so viel Positives abgewinnen. Empfinde das Gelesene als reisserisch und schlecht recherchiert. Mich wundert auch der Jubel der Leser die sich doch zu einem großen Anteil aus Personen zusammen setzt die beruflich der Heilkunde nachgehen und sich mit dem Thema doch schon öfter befasst haben und auch die Hintergründe hierzu kennen. Um nur ein paar Schlagwörter wie Arzneimittelsicherheit sowie ethischer Arzneimitteleinsatz, Ethik von klinischen Studien zu nennen. Über den durchaus verlockenden Versuch die Welt zu retten sind wir alle begeistert umso mehr kann ich nur die Leistung derer an dieser Stelle loben die neben der Ausübung eines sozialen Berufes auch ihre Freizeit opfern um sich realistisch und nachhaltig mit diesem schwierigen Thema befassen. Ein Artikel der Heilberufler animierte sich an dieser auch spannenden Aufgabe aktiv zu beteiligten hätte zur wirklichen Verbesserung eher beigetragen. Zur Information ist es laut aktueller ArzneimittelpreisVO Apothekern erlaubt FertigAM (selbstredend nach Prüfung!) weiter zu geben. Dazu gehört in meinem Ermessen auch das Prüfen des Sachverstandes des Kunden (heute ist etwa schon weitlaufig bekannt dass ein AM nicht im Backofen gelagert wird, aber ein im Artikel genanntes Insulin nach ‘kleiner’ Mallorca Rückfahrt- Gott bewahre den nachfolgenden Kunden). Die Abrechnung hierzu gesetzlich festgelegt auf 5,80 € p. Packung zzgl. MWSt. (Gesetzl. Zuzahlung der KK). Vielleicht hilft dieses gesetzliche Schlupfloch (das im Übrigen auch nicht auf dem Hintergrund des Wohlfahrtsgedanken sondern im Hinblick auf die Senkung der AM-Ausgaben der gesetzl. KK geschaffen wurde) ja eher als Angehörige des Heilberufes einmal quer durch den Quark zu ziehen. Sollte sich die Politik (oder auch dieser Artikel) nicht mal mit der Frage beschäftigen warum in Deutschland Personen die nach langer Zeit des Einbezahlens in soziale Auffangsysteme in so schlechte Versorgungszustände kommen und bleiben können?

#9 |
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Heilpraktikerin

Das habe ich noch nie verstanden. Als meine Mutter vor einigen Jahren verstorben ist, haben wir 3 blaue Müllsäcke!!! mit nicht gebrauchten Medikamenten zur Entsorgung in die Apotheke gebracht.
Es könnte so viel eingespart werden, aber wer will das schon in einer Welt, wo es nur noch um Geld geht. Es ist wie überall WIR müssen die Änderungen einfordern!

#8 |
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Nichtmedizinische Berufe

Wenn ich lese, dass Medikamente über den Hausmüll entsorgt werden sollen, dann bekomme ich Schweißperlen auf der Stirn und sehe sofort die vielen Leute, die im Müll herumstochern… Ich sehe Packungen, die aus den Containern fallen und Kinder, die die Pillen probieren.

Meine Medikamentenreste kommen direkt zur Schadstoffannahmestelle… Wenn ich überhaupt welche habe.

#7 |
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Nichtmedizinische Berufe

Das soviel weggeworfen wird, liegt nicht an der mangelnden compliance der Patienten. Oft bekommt man eine Großpackung verschrieben, mit der saloppen Anmerkung: “Gucken wir mal, wie Sie es vertragen.” Und wenn man es eben nicht verträgt – was dann? Wenn man Glück hat, gibt einem der Arzt erstmal ein Muster mit. Er hat aber auch keinen unbegrenzten Vorrat. Ich fordere die Einführung von Probierpackungen – 5 – 10 Tabletten .

#6 |
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Nirvana Hassouna-Güttner
Nirvana Hassouna-Güttner

Weiter so Frau Leddin, ich ziehe den Hut vor Ihnen und hoffe von ganzem Herzen, dass viele Ihrem großartigem Beispiel folgen und vor der Bürokratie keinen Halt machen.

#5 |
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Nix ewig Gestriges: ja, die Menschen werden immer schlimmer und gefährlicher!
How come? Fäulnisbeseitigung: uns betrifft es ja nicht! Olfaktorische Wahrnehmung: Gefühl, Gewissen auch verkümmert?

#4 |
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Krank! Mehr fällt mir micht ein. Meine Hochachtung diesem und den anderen Kollegen, die trotzdem weitermachen, auf eigene Kosten.

#3 |
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Olaf Garbe
Olaf Garbe

In unserem Staat gibt es nur zwei Möglichkeiten: 1. Man “mässtet” die Abzocker oder 2. Man krepiert.

#2 |
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Christiane Förster-Zimmermann
Christiane Förster-Zimmermann

Wenn es im Ausland möglich ist, warum klärt man das nicht über EU-Recht?

#1 |
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