Mehr Todesfälle durch extreme Temperaturen

2. Juli 2014
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Eine Studie belegt, dass bei extrem hohen und niedrigen Temperaturen die Anzahl an Todesfällen steigt. Besonders anfällig sind hierbei ältere Personen, die durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbelastet sind. Die Ergebnisse sollen Aufschluss über Präventionsmaßnahmen geben.

Dass bei großer Hitze die Zahl der Todesfälle steigt, legen Statistiken immer wieder nahe. So werden der Hitzewelle im Sommer 2003 in Westeuropa rund 22.000 zusätzliche Todesfälle zugeschrieben. Ein Team von Forscherinnen rund um Dr. Alexandra Schneider am Institut für Epidemiologie II am Helmholtz Zentrum München untersuchte nun in drei bayerischen Städten den Einfluss extremer Temperaturen auf die Anzahl der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schloss dabei neben hohen auch niedrige Temperaturen mit ein.

„Unsere Ergebnisse bestätigen Resultate aus unseren früheren Studien, die bereits Hinweise darauf gaben, dass ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen besonders sensibel auf Hitze und Kälte reagieren“, sagt Alexandra Schneider. „Wenn man die gesundheitlichen Auswirkungen der Lufttemperatur kennt, kann man besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen identifizieren und vorbeugende Maßnahmen ergreifen.“

Vor allem Ältere sind gefährdet

Für den Zeitraum zwischen 1990 und 2006 werteten Dr. Susanne Breitner, Dr. Alexandra Schneider und Prof. Annette Peters nahezu 188.000 Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Städten München, Nürnberg und Augsburg aus. Sie konnten belegen, dass sowohl bei einem Temperaturanstieg von 20°C auf 25°C als auch bei einem Temperaturabfall von -1°C auf -8°C die Zahl der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant um 9,5% bzw. 7,9% anstieg. Dabei hielten die Effekte der Hitze ein bis zwei Tage an, die der Kälte sogar bis zu zwei Wochen. Betroffen waren vor allem ältere Personen. Besonders deutlich waren diese Effekte für die Sterblichkeit aufgrund von Herzinsuffizienz, Arrhythmien und Schlaganfällen.

Die Mechanismen, die zu den Todesfällen führen, sind allerdings noch nicht wirklich geklärt. Man weiß bislang, dass hohe Temperaturen unter anderem die Hämostase verändern können und das Blut zähflüssiger werden lassen. Dadurch steigt das Thromboserisiko. Darüber hinaus zeigen Temperaturabfälle zum Beispiel einen Einfluss auf den Blutdruck, sodass für niedrige Temperaturen ebenfalls ein Zusammenhang mit der Häufung von kardiovaskulären Ereignissen und Schlaganfällen nahe liegt.

Programme zur Vorbeugung

„Die Resultate unserer Studie geben Hinweise auf die Krankheiten, die für den beobachteten Zusammenhang zwischen Lufttemperatur und Todesfällen verantwortlich sind, und liefern damit teilweise eine Erklärung dafür, warum manche Menschen stärker auf Hitze oder Kälte reagieren als andere und somit einem höheren gesundheitlichen Risiko an heißen oder kalten Tagen ausgesetzt sind“, sagt Alexandra Schneider. „Diese Erkenntnisse sind wichtig, um Präventionsprogramme und Verhaltensempfehlungen entwickeln bzw. anpassen zu können.“

Um den Ursachen weiter auf den Grund zu gehen, wollen die Wissenschaftlerinnen mögliche Mechanismen weiter erforschen, wie Kälte und besonders Hitze zu den beobachteten Gesundheitseffekten führen. Darüber hinaus sind auch mögliche Wechselwirkungen mit Luftschadstoffen von Interesse, die für die Vorhersage von gesundheitlichen Folgen des Klimawandels für die Bevölkerung vor allem in Städten und Ballungsgebieten benötigt werden.

Originalpublikation:

Short-term effects of air temperature on cause-specific cardiovascular mortality in Bavaria
Alexandra Schneider et al.; Heart, doi: 10.1136/heartjnl-2014-305578; 2014

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6 Kommentare:

Arzt
Arzt

Wie heißt es so schön:
Es gibt kein falsches Wetter, es gibt nur falsche Bekleidung.

#6 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Hallo Gast#4
nein, siehe #2 Hitze ist gute, Kälte ist schlecht.
Der positive Effekt von Sauna ist auch das “Hautgefäßtrainig” beim kalten Absduschen, oder gar Schwimmen, NACH der Sauna, was dem Körper wegen der erhöhte (inneren) Temperatur, an die man sich schrittweise gewöhnen muss, nicht schadet.
Das ist gut besonders bei Beschwerden wegen zu NIEDRIGEM Blutdruck.
Japaner, die bekanntlich immer noch die höchste Lebenserwartung haben, lieben heiße Bäder bis 50°C bis ins hohe Alter.

zu #3 Bildzeitung?
siehe
Climate  Change  Reconsidered  –  2011  Interim  Report
9.1 Temperature-Related Human Mortality

“The data clearly demonstrate the people of the Castile-Leon region of Spain are much more likely to die from a cardiovascular disease in the extreme cold of winter than in the extreme heat of summer. The same was found to hold true with respect to respiratory and digestive system diseases. Cold has been found to be a much greater killer of people than heat almost everywhere in the world, and in conjunction with almost any type of illness.”

Also die Kälte ist die Gefahr, nicht die Wärme,
auch in Deutschland:

Laschewski and Jendritzky (2002) analyzed daily mortality rates in Baden-Wurttemberg (10.5 million inhabitants) over the 30-year period 1958-97:
“a marked seasonal pattern with a minimum in summer,
and a maximum in winter.”

#5 |
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Gast
Gast

Das regelmäßige Saunabesuche gut für die Gesundheit sein sollen ist dann wohl ein Binsenmärchen?

#4 |
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Das ist ja noch deutlich unter Bild Zeitung Niveau.

#3 |
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Gast
Gast

Es sterben erheblich mehr Menschen im Winter,
weshalb man zuerst den Winter abschaffen muss!!!

Leider wird der in Deutschland nun seit ca.20 Jahren oder mehr immer kälter

#2 |
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Einfache Lösung:
Die Bundesregierung wird per Mehrheitsbeschluss des Deutschen Bundestages gesetzlich verpflichtet, bei extrem hohen und niedrigen Temperaturen zur Vermeidung der dann steigenden Anzahl an Todesfällen besonders bei anfälligen, älteren Personen ganz Deutschland flächendeckend herunterzukühlen bzw. aufzuheizen. Eine Machbarkeits-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass man durch eine damalige Beibehaltung der Stadt Bonn als Bundeshauptstadt, den Verzicht auf Stuttgart 21 und den BER-Flughafen “Willy Brandt” beide o. g. Projekte durchaus hätte finanzieren können. Die “Elbphilharmonie Konzerthaus Hamburg” könnte trotz alledem weiter gebaut werden. MfG

#1 |
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