Ebola: Der Marsch des Roten Todes

1. Juli 2014
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Eine noch nie dagewesene Ebola-Welle überrollt seit Anfang des Jahres Westafrika. Drei Staaten sind bereits betroffen, Fluchtbewegungen verschlimmern die Situation. Die „Ärzte ohne Grenzen“ sind am Limit. Ist die Situation noch beherrschbar?

Seit Februar breitet sich im west-afrikanischen Guinea das Ebola-Virus aus. Inzwischen sind auch die Nachbarländer Sierra Leone und Liberia betroffen. Von etwa 400 Toten spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher, die Dunkelziffer ist mit großer Wahrscheinlichkeit sehr viel höher. Die Helfer seien hoffnungslos überfordert, die Menschen verängstigt, die Situation außer Kontrolle, berichten die Menschen vor Ort. Am 2. und 3. Juli hat die WHO die elf Gesundheitsminister Westafrikas zu einer Konferenz im ghanaischen Accra einberufen. Die Organisation fordert „drastische Maßnahmen“.

Ärzte ohne Grenzen am Limit

Währenddessen unterstützen die “Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) als einzige Hilfsorganisation, die Ebola-Infizierte behandelt,die Menschen vor Ort in fünf Behandlungszentren in Guinea und Sierra Leone. Doch das Virus scheint sich unaufhaltsam immer weiter auszubreiten. Neue Ausbruchsherde könnten von den Helfern nicht mehr bekämpft werden, so Bart Janssens Janssens, Programmverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel. Die Grenzen der Ärzte ohne Grenzen seien erreicht. “Mit dem Auftreten neuer Herde besteht das ernsthafte Risiko einer Ausbreitung in weitere Regionen”, so Janssens. Warum eskaliert die Situation in West-Afrika?

Hohe Virulenz und lange Inkubationszeit

Grund für die noch nie zuvor beobachtete Verbreitung des Ebola Virus ist zum einen die große Aggressivität des Virus. Ebola wird durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen. Nach einer Inkubationszeit von drei bis 21 Tagen leiden Infizierte an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall sowie in heftigen Fällen an inneren Blutungen und Organversagen. Bei manchen Erregertypen überleben lediglich 10 Prozent der Betroffenen. Impf- oder Therapiemöglichkeiten gibt es bis heute nicht. Die lange Inkubationszeit erschwert es den Helfern vor Ort zusätzlich, neue Infektionsherde auszumachen. Zudem sind viele Menschen in den betroffenen Gebieten bereits auf der Flucht vor dem Virus und fördern so die Verbreitung der Epidemie.

Traditionen, Flucht und Unkenntnis

Die einzige Möglichkeit, sich vor dem Virus zu schützten, besteht darin, den Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten zu vermeiden. Mitarbeiter der “Ärzte ohne Grenzen“ hüllen sich daher in futuristisch anmutende Schutzanzüge, tragen Mundschutz und Schutzbrillen, wenn sie Ebola-Patienten behandeln oder Opfer des Virus begraben. Das schürt die Angst unter der afrikanischen Bevölkerung und lässt viele Menschen ihre kranken oder bereits verstorbenen Verwandten vor dem Hilfspersonal verstecken. Doch wer infizierte Angehörige ohne Schutzausrüstung selbst pflegt oder Tote berührt, erkrankt mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst an dem gefährlichen Virus.

Hauptproblem: Beerdigungen

Auch aus Angst vor Ausgrenzung verneinten viele Afrikaner den Kontakt zu Kranken, wie die Krankenschwester Anja Wolz, die für die “Ärzte ohne Grenzen“ in Sierra Leona im Einsatz ist,in einem aktuellen Beitrag berichtet. „Das Problem sind die Beerdigungen. In Sierra Leone ist es Tradition, dass die Toten besonders aufwendig gewaschen und neu eingekleidet werden. Viele Verwandte und Freunde berühren die Verstorbenen noch einmal. Und das kann für eine Ansteckung mit dem Ebola-Virus reichen“, schreibt die Helferin. Die Regierung in Sierra Leone gab mittlerweile eine Warnung an die Bevölkerung aus: Wer einen Ebola-Kranken verstecke oder jemanden beerdige, der an dem Virus gestorben sei, mache sich strafbar.

Bisher immer lokal begrenzt

Die schlimmste bisher erfasste Ebola-Epidemie wütete in Afrika im Jahr 1976, als das Virus erstmals aufgetaucht war. Im damaligen Zaire, im heutigen Kongo, erkrankten damals 318 Menschen an dem Virus, 280 davon starben. Seitdem tauchte das Virus zwar immer wieder in entlegenen Dörfern auf, war aber durch seine regionale Begrenzung bisher immer recht schnell wieder eingedämmt worden.

Diese Ebola-Epidemie sei anders: Beispiellos, was die geografische Verbreitung, die Zahl der infizierten Menschen und die Todesfälle betreffe. Ganz Westafrika sei betroffen, berichten die “Ärzte ohne Grenzen“. Erschwerend komme hinzu, dass sich viele zivile, politische und religiöse Autoritäten weigerten, die Schwere des Ausbruchs anzuerkennen.

Überzeugungsarbeit durch mehr geschultes Personal

Nur durch massive Anstrengungen aller Beteiligten könne man nach Angaben der MSF dem Problem noch Herr werden. Dazu müssten die Regierungen der betroffenen Länder und andere Hilfsorganisationen alle zur Verfügung stehenden Ressourcen einsetzen. : “Vor allem muss qualifiziertes Personal zur Verfügung gestellt werden, es muss trainiert werden, wie Ebola behandelt wird und die Aufklärungsarbeit und das Abverfolgen der Personen, die Kontakt mit einem Infizierten hatten, muss verstärkt werden“, so Janssens. In Westafrika sei nicht nur medizinisches Wissen gefragt, auch Anthropologen müssten mithelfen, die die Helfer zu schulen und die Bevölkerung aufzuklären. “Wir haben keine Erfahrung mit solchen Ausbrüchen in Westafrika, die Situation ist einfach anders, wir müssen erst einmal die Menschen verstehen und entschlüsseln, wie wir sie überzeugt bekommen, dass die richtigen und guten Gegenmaßnahmen von Organisationen vor Ort ihr Leben retten werden.” Doch dafür bleibt nicht viel Zeit.

247 Wertungen (4.82 ø)

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19 Kommentare:

Fr. Schümberg, ich kann ihre Neugierde verstehen. Normalerweise löschen wir solche Kommentare nicht. Aber nachdem einer unser Autoren wg. eines MMS-kritischen Artikels persönlich bedroht wurde, reagieren wie auf dieses Stichwort äußerst allergisch.

#19 |
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Studentin der Humanmedizin

Finde es aber trotzdem schade – hätte gern mal gewußt, welche Pseudotherapie Prof. Heiliger nun propagiert hätte – auch damit man so etwas weiß / richtig einordnen kann, wenn man es an anderer Stelle hört. Jetzt muß ich ihm auch noch zusätzliche Klicks auf seiner Website verschaffen, um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um MMS oder eben doch noch etwas anderes handelte. Wäre es denn nicht möglich, den Beitrag zu “verstecken” und einfach bei Bedarf auf Klick anzeigen lassen zu können? Dann könnten sich Leute, die nur seriöse Kommentare lesen wollen, die paramedizinischen ersparen, und die Neugierigen, die zumindest wissen wollen, welche neuen tollen Wundermittelchen im Umlauf sind, könnten diese Information noch erhalten…

#18 |
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Gast
Gast

Danke Herr Antwerpes!
Nicht schon wieder diese sinnfreie Diskussion um Bleichmittel, auch wenn ich sie schon amüsant fand.

#17 |
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SkeptikEr
SkeptikEr

Ganz recht. Und nehmen Sie Prof. Heiliger am besten mit. Gemeinsam “heilt” es sich besser.

#16 |
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Gast
Gast

Liebe Frau Olson, dann fahren Sie doch gerne nach Westafrika und heilen dort!

#15 |
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Claudia Olson
Claudia Olson

wer heilt hat recht

#14 |
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Wir schätzen unsere Leser sehr. Aber DocCheck ist kein Forum für die Verbreitung von Paramedizin. Andersdenkende können sich auf anderen Plattformen artikulieren.

Frank Antwerpes – Chefredaktion

#13 |
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Dr. Rüdiger Gall
Dr. Rüdiger Gall

Warum wurde der Kommentar von Prof.Dr. Heiliger entfernt???
Hat er jemanden beleidigt? Oder passen seine Ansichten nicht in das Weltbild der etablierten Medizin? Ich finde, auch solche Kommentare, die von Andersdenkenden verfasst werden, sollten von der Redaktion nicht entfernt werden. Oder glaubt die Redaktion, ihre Leser seien unmündige Zeitgenossen, die sich nicht selbst ein Urteil bilden können?

#12 |
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Dr. med Henning Ritter
Dr. med Henning Ritter

Ich war im Mai in Sierra Leone habe viele Patienten Operiert und bin glücklich wieder hier.
Ich weiß nicht ob ich jetzt noch einmal fahren würde.
Dr. Henning Ritter

#11 |
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Altenpfleger

Meine Hochachtung an Ärzte ohne Grenzen!! Meine Verachtung an die Regierungen der “westlichen Welt” für das Nicht-Bereitstellen von erforderlichen Geldern!!

#10 |
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Apothekerin

Meinerseits ebenfalls größten Respekt den Helfern der Ärzte ohne Grenzen die in höchster Gefahr versuchen diese Epidemie einzugrenzen. Die Nachrichten über die Ausbreitung lese ich alle Jahre wieder mit Entsetzen. Auch in afrikanischen Ländern ist es heute nicht mehr ohne Weiteres möglich betroffene Gebiete einfach bis zum Vorübergehen einer Infektionswelle abzuriegeln. Eine Verbreitung ist unter schwierigen Umständen dazu schwer einzudämmen. Hoffen wir auf gutes Wirken der Helfer, gute Zusammenarbeit der vorhandenen Gesundheitsstrukturen in Westafrika und eventuell gute Handlungsansätze von seiten der WHO falls das Virus weiter fortschreitet.

#9 |
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Christine Wehrstedt
Christine Wehrstedt

@Patrick Danielewski : Ich habe es so verstanden, dass Dr. Goldins Beitrag Ironie in Reaktion auf Prof. Heiligers Beitrag war.

#8 |
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Naja, wenn dort die Toten ausgiebig gewaschen werden, sollte es zumindest nicht schaden, in das Waschwasser eine ORDENTLICHE Portion MMS zu geben…

#7 |
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Arzt
Arzt

Nun, dass dort eine Ebola-Welle abläuft, hört man schon.
Mich hätte interessiert, WAS genau dagegen strategisch unternommen wird,
oder unternommen werden kann,
oder unternommen werden könnte.

Keime sind ja “strategisch” eher auf dem Vormarsch, auch bei uns.
Also nicht nur Ebola.

#6 |
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Patrick Danielewski
Patrick Danielewski

@Dr. med. dent. Dan S. Goldin

Es grenzt beinahe schon an einer Unverschämtheit, eine ernstzunehmende Epidemie mit einem Pseude-Heilmittel (MMS) therapieren zu wollen.

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass das Produkt auch NaClO2 und einer Carbonsäure Chlordioxid (Chlorbleiche) darstellt und von der Toxizität mit “Sehr giftig” eingestuft ist.

Es gibt noch niemals Studien die eine tendenzielle Wirksamkeit von MMS verifizieren.

Selbst wenn, dann wäre es mit der Risiko-/Nutzenabwägung nicht vereinbar. Wir reden von einem in vivo und nicht in vitro Einsatz.

#5 |
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Student der Humanmedizin

@Professor Heiliger,ich möchte sie hiermit bitten ihren Vorschlag öffentlich an sich selbst auszuprobieren.
Das Bernhard-Nocht-Institut oder die Virologie der Universität Marburg werden ihnen vielleicht dabei helfen.

#4 |
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Medizinphysiker

@ Prof. Dr? Heiliger

Falls Ihr Kommentar wirklich ernst gemeint war:
Sollte man es vorher nicht mal mit hochdosiertem VitC und Fango versuchen??

Im Ernst: In Anbetracht der schrecklichen Bilder und Berichte über diese Epidemie finde ich es schon mehr als dreist und geschmacklos, hier solche dubiosen Wundermittelchen zu empfehlen.

Höchsten Respekt habe ich vor den Ärzten und Pflegekräften, die dort arbeiten…

#3 |
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Dr. med. dent. Dan S. Goldin
Dr. med. dent. Dan S. Goldin

Gute Idee. MMS gibts bei Scientology und hilft auch gegen Autismus.
http://www.arznei-telegramm.de/html/sonder/1406063_03.html

#2 |
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[Kommentar von der Redaktion entfernt]

#1 |
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