Bakteriologie: Mein Mobiltelefon, mein Mikrobiom

4. Juli 2014
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Auf der Oberfläche von Smartphones tummeln sich ähnliche Bakterien wie an den Fingerspitzen des Besitzers, berichten Forscher. Was vergleichsweise banal klingt, hat Potenzial: Vielleicht gibt es bald Sensoren, um das Mikrobiom nach pathogenen Erregern zu screenen.

Handys sind treue Begleiter in allen Lebenslagen: Fast 50 Millionen Deutsche haben ihr tragbares Telefon immer dabei, berichtet der Branchenverband Bitkom. Das ist nicht nur für mobile Anwendungen aus dem Marketingbereich ein wichtiger Aspekt. Aus medizinischer Sicht werden die kleinen Alleskönner auch immer interessanter. Sie können weitaus mehr als lediglich Blutdruck, Blutzucker, Puls oder Stoffwechselraten messen.

Biologischer Fingerabdruck

James F. Meadow​ von der University of Oregon hat jetzt untersucht, welche Bakterienstämme Smartphones besiedeln. Er nahm 51 Geräte unter die Lupe und verglich Mikroben auf deren Oberfläche mit Abstrichen von Zeigefingern und Daumen der Besitzer. Bei Frauen erwies sich die Übereinstimmung als größer, bei Männern als etwas geringer. Touchscreens führen trotzdem zu keiner großen Selektion von Mikroorganismen. Aufgrund der überschaubaren Stichprobe hat Meadows Arbeit keine große Aussagekraft, zeigt aber wichtige Impulse für Forschung und Anwendung auf.

Bessere Probennahme, neue App

Mobiltelefone können in sensiblen Bereichen als Vektoren von Mikroorganismen dienen, vor allem bei Patienten mit Suppression des Immunsystems und in Kliniken. Ohne Oberflächendesinfektion sollten die Geräte nicht von Person zu Person gehen: kein überraschender Gedanke. Darüber hinaus spekuliert Meadow, bei großen Studien könnten Abstriche von Handys die Probennahme erleichtern, falls Wissenschaftler Fragestellungen zum Mikrobiom untersuchen. Und wer weiß, vielleicht gelingt es schon in wenigen Jahren, Hardwarekomponenten zu konstruieren, die zusammen mit einer App User vor bestimmten Keimen warnen: beispielsweise vor Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA).

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Forschung, Pharmazie
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