HCV: Virusinfektion unterstützt Organakzeptanz

27. Juni 2014
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Da vorhandene Hepatitis-C-Viren nach einer Lebertransplantation auch das neue Organ infizieren, ist das Immunsystem dort hochaktiv, ohne dass die Leber abgestoßen wird. Forscher zeigen: die Stimulation des Immunsystems durch das Virus unterstützt sogar die Organakzeptanz.

Über 150 Millionen Menschen leiden weltweit an einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV), das die Leber massiv schädigt. Fortgeschrittene Lebererkrankungen bedürfen nicht selten einer Lebertransplantation. In einer klinischen Studie untersuchten Dr. Felix Bohne und seine Kollegen zusammen mit Prof. Alberto Sánchez-Fueyo vom King’s College London jetzt 34 Hepatitis-C-Patienten am Universitätsklinikum in Barcelona, die zuvor eine neue Leber erhalten hatten.

Die Forscher verfolgten dabei zwei Ziele: zum einen wollten sie die Mechanismen besser verstehen, wie trotz HCV-Infektion das körpereigene Immunsystem das neue Organ tolerieren kann. Zum anderen suchten sie nach Faktoren, die in den Patienten als Biomarker für eine Toleranz dienen könnten.

„Wenn durch bestimmte Marker eine Toleranz zuverlässig vorhersagbar wäre, könnten viele Patienten nach einer gewissen Zeit ihre Immunsuppressiva absetzen“, erklärt Dr. Felix Bohne. Diese starken Medikamente müssen Patienten nach einer Transplantation einnehmen. Sie unterdrücken das Immunsystem, damit das neue Organ nicht als körperfremd erkannt und abgestoßen wird. Für Patienten mit einer Hepatitis C ist das eine besondere Belastung, weil sie nach der Transplantation eigentlich ein stabiles Immunsystem brauchen, um ihre chronische HCV-Infektion zu kontrollieren.

Marker für die Toleranz

Während der Studie wurden bei den Patienten die Immunsuppressiva abgesetzt. Anschließend wurden sie für zwölf Monate beobachtet, um zu sehen, wer sein Organ auch ohne Immunsuppressiva tolerierte und wer nicht. Vor und nach dem Absetzen der Medikamente entnahmen die Wissenschaftler Gewebe aus der Leber und dem Blut der Patienten. Detaillierte immunologische Untersuchungen der Patientenmaterialien fanden unter der Leitung von Prof. Ulrike Protzer in der Immunmonitoring Plattform am Institut für Virologie statt. Die Forscher verglichen die Patienten miteinander und suchten nach Unterschieden, die nur bei toleranten Patienten auftauchten.

Und sie wurden fündig: nur in Lebern von toleranten Patienten war eine bestimmte Gruppe von Genen sehr aktiv. Es handelte sich dabei um Gene des Typ I Interferon Systems, das als Teil des angeborenen Immunsystems gegen Viren wie das HCV gerichtet ist. Ein eigentlich antiviraler Mechanismus erlaubt den Patienten somit, ein fremdes Organ besser zu tolerieren, wie die Ergebnisse zeigten.

Wie ein natürliches Immunsuppresivum

Ulrike Protzer liefert eine mögliche Erklärung: „Wenn das Interferon-System wie in einigen chronisch infizierten Patienten ständig aktiviert wird, reguliert es andere Immunreaktionen nach unten, um den Körper zu schützen. Dieser Zustand könnte wie ein natürliches Immunsuppresivum wirken und die Abstoßung des Organs verringern.“

Neben den Genen des Typ I Interferon-Systems kam zudem ein zweiter Faktor als möglicher Marker in Frage. Diesen hatten die Forscher in einer vorherigen Studie an Leberempfängern ohne HCV-Infektion entdeckt. Patienten waren mit hoher Wahrscheinlichkeit tolerant, wenn sie zwei verschiedene Untergruppen von Immunzellen in einem bestimmten Verhältnis im Blut hatten. Auch in der neuen Studie mit HCV-Patienten sagte dieses Verhältnis zuverlässig eine Toleranz vorher.

Originalpublikation:

HCV-induced immune responses influence the development of operational tolerance following liver transplantation in humans
Felix Bohne et al.; Science Translational Medicine, doi: 10.1126/scitranslmed.3008793; 2014

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