Statine: Pharmaka unter der Gürtellinie

27. Juni 2014
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Sie verringern nicht nur die Serumkonzentration von Cholesterin: Statine haben wissenschaftlichen Arbeiten zufolge zahlreiche indirekte, sprich pleiotrope Effekte. Davon profitieren Patienten mit erektiler Dysfunktion.

Statine waren über die Jahre Gegenstand zahlreicher Studien. Beispielsweise gibt es Hinweise aus Kohortenstudien, dass die Lipidsenker bei Senioren protektiv gegen eine Demenz wirken. Jetzt haben Wissenschaftler einen neuen Effekt gefunden, und zwar bei Patienten mit erektiler Dysfunktion.

Überraschende Daten

John B. Kostis von der Rutgers Robert Wood Johnson Medical School im amerikanischen New Brunswick sichtete zusammen mit seinem Team Veröffentlichungen, die sich dem Effekt von Statinen auf erektile Funktionen befasst haben. Insgesamt werteten Forscher elf Studien mit 647 Patienten aus, deren durchschnittliches Alter lag bei 58 Jahren. Nach viermonatiger Pharmakotherapie verringerte sich ihr LDL-Cholesterin-Spiegel von anfangs 138 auf 91 mg/dl. Gleichzeitig verbesserten sich erektile Funktionen. Als Maßstab diente Kostis das International Inventory of Erectile Function Survey – eine Skala mit maximal 25 Punkten. Wer den Lipidsenker einnahm, hatte vor Therapiebeginn 14 Punkte, später waren es 17,4.

Überraschend deutlicher Benefit

Kostis´ Resultate überraschen insofern, als frühere Studien eher von gegenteiligen Auswirkungen berichtet hatten: Es kam zu einer negativen Assoziation zwischen Statinen und dem Testosteronspiegel. Der jetzt belegte Effekt lasse sich mit bekannten Arzneimitteln zur Behandlung der erektilen Dysfunktion vergleichen: Die Autoren sprechen von 30 bis 50 Prozent, gemessen an Sildenafil– oder Tadalafil-Standardgaben. Gleichzeitig sei der Mehrwert deutlich höher als bei Testosteron-Substitutionen oder bei Veränderungen des Lebensstils, heißt es weiter.

Vorteil für die Compliance

Als Erklärung für das beschriebene Phänomen vermutet Kostis einen besseren Blutfluss zum Penis. Er warnt davor, Statine generell bei erektiler Dysfunktion einzusetzen. Patienten mit Hypercholesterinämie profitieren aber ohne Zweifel – ein Mehrwert für das Beratungsgespräch. Bei Stoffwechselerkrankungen sinkt die Compliance aufgrund des niedrigen Leidensdrucks früher oder später. Weisen Apotheker auf den Zusatznutzen hin, achten Männer eher auf eine korrekte Einnahme.

15 Wertungen (4.13 ø)

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2 Kommentare:

Arzt
Arzt

Cholesterinsenker sollen allerdings auch den Abbau von Sildenafil (Viagra) behindern (verlangsamen), was man ja auch grapefruit nachsagt.

#2 |
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Arzt
Arzt

von wegen der “Aufklärung”:
vielleicht liegt es daran, dass Statine die libido und Orgasmusfähigkeit SENKEN.
Wobei Simvastatin schlimmer sein soll als Pravastatin, das allerdings auch Cholesterin weniger senkt. Bei Frauen war die Wirkung “schwächer”, na ja.

#1 |
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