Das Experiment: Der Drei-Euro-Student

13. Juni 2012
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Die meisten Studenten sind keine Goldesel und am Ende des Geldes bleibt oft noch ein Stück Monat übrig. DocCheck machte nun die Probe aufs Exempel. Hier lest Ihr nun Charlottes Erfahrungen in ihrer Woche als Drei-Euro-Student.

Für eine Woche habe ich 21 Euro zur Verfügung, pro Tag dementsprechend drei Euro. Das wären ca. 90 Euro pro Monat. Kann ein Student mit so wenig auskommen? Wie sehr schränkt einen dieses Minimalbudget ein? Auf was muss man achten, auf was verzichten? Ich werde es nun testen!

Vorab-Einschätzung:

Noch kann ich mir nicht vorstellen, wie und ob man mit durchschnittlich drei Euro pro Tag auskommen kann. Morgen geht’s los und schon heute Vormittag habe ich alleine für mein “Frühstück” (eine Flasche Wasser, Schokocroissant und Kaffee) knappe drei Euro ausgegeben…

Tag 1 – Aller Anfang ist schwer (und teuer)

Rechnete man die Frühstücksausgaben des Vortages hoch, so ergäbe dies 10 Euro in der Woche (nur auf die Werktage bezogen) und rund 40 Euro im Monat. Und das nur fürs Frühstück. Das muss sich ändern! Also beginne ich den ersten Tag meines Experiments mit einer leicht angetrockneten Scheibe Brot und dem Rest Frischkäse, der sich noch im Kühlschrank befindet. Da ist geschmacklich noch Luft nach oben, aber gespart habe ich schon mal.

Um 10 Uhr, nach den ersten beiden Vorlesungen, kommt die erste Versuchung, der ich – psychisch noch nicht ausreichend vorbereitet – leider nicht widerstehen kann: die Cafeteria ruft. Meine Kommilitonen und ich wollen uns mit einem Kaffee von dem frühen Aufstehen erholen. Ich nehme statt des leckeren Latte Macchiato immerhin nur den normalen Filterkaffee. Das sind dann 0,80 Euro.

Einkauf mit Kopfzerbrechen

Eine erste große Herausforderung stellt heute natürlich das Einkaufen dar. Im Kühlschrank sind noch drei Eier, zwei Tomaten, ein halber Fetakäse und allerhand nicht sehr nahrhaften Dinge (Senf, Marmelade, Sojasoße). Aus den Resten mache ich mir ein leckeres Rührei. Die Einkaufswahl fällt – budgetbedingt – auf den Discounter. Das Einkaufen gestaltet sich als mühsam und anstrengend, es dauert doppelt so lange wie normalerweise. Ich nehme mir vor, höchstens sechs bis sieben Euro auszugeben.

Könnten sie meine Gedanken lesen, hätten die anderen Einkäufer wahrscheinlich schon Kopfschmerzen und Mitleid bekommen: „Oh nee, ich liebe Nektarinen, doch das Kilo kostet 4,99 Euro. Tomaten, am liebsten esse ich die Cherrytomaten, die sind jetzt aber zu teuer. Rispentomaten sind im Angebot, die nehme ich. Eine Gurke für nur 0,49 Euro, das kann ich mir leisten. Und so geht es noch etwas weiter, bis ich für das kommende Abendbrot und das morgige Frühstück und Abendessen versorgt bin, mittags geht es in die Mensa.

Kosten des gesamten Einkaufs: 6,51 Euro.

Abends geht es dann Grillfest unserer Fachschaft. Meine Laune verschlechtert sich, denke ich doch an die Kosten des Grillfleischs, bis ich erfahre, dass ich – als Fachschaftsmitglied – das Würstchen umsonst bekomme. Puh, gerettet! Ein Bier (1 €) kaufe ich mir selbst, das nächste spendiert mir ein Freund, nachdem ich ihm von dem Experiment erzählt habe, mit den Worten: „Als Düsseldorferin gibt man doch 3 Euro in der Minute aus!“ Danke, nicht sehr hilfreich! Ok, der erste Tag ist überstanden und ich habe schon mehr als 1/3 meines Wochenbudgets ausgegeben. Na bravo, das fängt ja gut an!

Fazit des ersten Tages:
– 8,31 Euro

Tag 2 – Die Motivation steigt

Ich bin stolz auf mich! Da ich erst um 11Uhr Uni habe, kann ich entspannt zu Hause frühstücken. Ich koche mir – zusätzlich zum Frühstückskaffee – einen zum Mitnehmen und fülle ihn in meine nie benutzte Thermo-Tasse. Leider kann ich nach dem leicht ekligen Rechtsmedizinseminar niemanden motivieren, mit mir in die Mensa zu gehen. Es liegt aber weniger an dem Seminar (den fortgeschrittenen Medizinstudenten würde ja kaum etwas ekliges vom Essen abhalten), sondern daran, dass viele meiner Kommilitonen keine Lust auf unsere Mensa haben. Klar gibt es da keine kulinarischen Meisterwerke, aber ich mag die soziale Komponente des gemeinsamen Essens in der Mensa.

Als ich nach Hause komme, fällt mir auf, dass ich kein Mineralwasser mehr habe. Ich verzichte schweren Herzens auf mein Lieblingsmineralwasser und entscheide mich – statt mir günstigeres Wasser zu kaufen, das mir nicht so gut schmeckt – für Leitungswasser. Im Supermarkt kaufe ich mir dann das günstigste Pesto (die Preise variieren von 1,49 – 2,59 Euro) und die günstigsten Nudeln (0,49 Euro) und koche mir, mit den noch vorhanden Tomaten, ein leckeres Mittagessen. Und das Beste ist, dass ich dank Pfandrückgabe noch 1,12 Euro herausbekomme.

Heute ist übrigens Freitag und ich hatte zuvor große Angst vor der Abendplanung. Ich fahre nämlich nach Düsseldorf und unternehme etwas mit Freunden. Wenn wir Cocktails trinken gehen würden, müsste ich wahrscheinlich schon heute den Rest meines Wochengeldes ausgeben! Aber ich habe Glück. Nach einem abgeschlagenen Kino-Vorschlag (glücklicherweise, denn für Kinoabende muss man ja heutzutage schon fast einen Kredit aufnehmen), wird ein DVD- oder Spieleabend geplant. Perfekt! Ich habe sogar noch Chips zuhause, die ich mitbringen kann.

Tagesfazit: + 1,12 Euro

Tag 3 – ein voller Erfolg

Vor dem kleinen Experiment habe ich vermutet, dass das Wochenende am schlimmsten wird. Heute ist Samstag und ganz im Gegenteil geht durch eine Verkettung glücklicher Zufälle alles gut. Tagsüber bin ich bei meinen Eltern zu Besuch und es gibt leckeres Mittagessen (für mich umsonst). Abends bin ich auf einen Geburtstag eingeladen, bei dem gegrillt wird – das Geschenk habe ich glücklicherweise schon vorige Woche gekauft. Im Anschluss geht es in die Stadt. Wir schauen uns ein Feuerwerk an und ich wittere die Gefahr eines Kneipen- oder Clubbesuchs, aber stattdessen fahren wir zu einem Freund in die Innenstadt und trinken dort einige Gläser Wein. Und das alles ohne das ich meine sparenden Finger im Spiel gehabt hätte.

Fazit: +/- 0

Tag 4 – verbotenes Brunchen

Sonntags läuft es hingegen weniger gut. Meine zwei besten Freundinnen aus der Schulzeit und ich sind heute zum ersten Mal seit März wieder vereint und haben uns zum Frühstücken verabredet. Und bei der ganzen Freude vergesse ich meinen Super-Spar-Trip komplett! Man, man, man, sonst hätte ich mir natürlich das günstigste ausgesucht, aber ich denke aufgrund des Schlafmangels und des Weinkaterkopfs nicht daran. Den Rest des Tages feiere ich einen Geburtstag im Kreise meiner Familie und habe somit glücklicherweise keine weiteren Ausgaben.

Ernüchterndes Fazit: – 10 Euro (davon wurden mir drei Euro geliehen, da ich in diesen Tagen nicht viel Bargeld bei mir trage)

Tag 5 – Gesundheit ist teuer

Frühstückstechnisch habe ich mich wirklich gebessert. Der Kaffee zu Hause und das selbstgeschmierte Brot sind gar nicht mal so schlecht. Vormittags habe ich einen Zahnarzttermin, das sind dann prompt 10 Euro Praxisgebühr. Wenn ich wirklich nur 3 Euro pro Tag zur Verfügung hätte, würde das jetzt 3 Tage hungern heißen. Und das für die Tortur beim Zahnarzt. Mittags schlägt meine Mitbewohnerin einen Mensabesuch vor. Das günstigste Essen muss her, für Currywust (1,10 Euro), Pommes (0,45 Euro) und Salat (0,45 Euro) fallen 2 Euro an. Abends bin ich beim Sport und halte mich mit Resteessen über die Runden.

Fazit: – 2,00 Euro, mit Zahnarzt: – 12,00 Euro

Tag 6 – Alles vermasselt

Es geht gar nicht schlecht los: Stolz zu Hause gefrühstückt, Kaffee mitgenommen und anwesend bei allen Vorlesungen, einem Kurs und mittags in der Mensa. Dort nehme ich nicht das Günstigste, weil ich keinen Reibekuchen mag, aber das zweitgünstigste: Chilli con carne mit Baguette (1,70 Euro) und Salat (0,45 Euro). Nachmittags muss ich Dinge für Uni und Fachschaft erledigen und bin echt froh, als ich merke, dass Dienstag ist und deswegen unser Stammkneipenabend ansteht. Die letzten Wochen war mir immer etwas dazwischen gekommen! Ich bin glücklich, die Stimmung ist gut, alle sind ausgelassen und fröhlich und ich genieße es, dass wir noch so unbeschwert beisammen sein können, bevor bald die Klausurphase beginnt.

Nur leider habe ich mich durch diese Euphorie auch Hals über Kopf ins Verderben gestürzt und drei Weißweine getrunken. Je drei Euro!!! Ein Freund, der von meinem Experiment weiß, schnappt sich gegen Ende des Abends meinen Bierdeckel und lacht mich lauthals aus! „Das klappt ja super, Charlotte.“ Ich schäme mich, dass ich mich so leicht habe ablenken lassen. Hätte ich doch bloß nur ein kleines Bier getrunken! Aber dann hätte ich auch schon zu viel ausgegeben.

Fazit des Tages: – 12,00 Euro

Tag 7 – Rettungsversuch

Auch wenn ich mich nach dem Weindesaster ziemlich schlecht fühle, versuche ich noch einmal alles zu geben. Ich hatte schon am Wochenende dieses Kochbuch für Studenten gefunden, mit einem Kapitel namens „Am Monatsende“. Ich kaufe mir drei Paprika, eine Tomate und Feta und mache mir gefüllte Paprika im Ofen (2,16 Euro). Reis habe ich noch zu Hause. Abends gibt es die Reste des Mittagessens mit einem Spiegelei, gespendet von meiner Mitbewohnerin. Leckere und günstige Rezeptideen für die Studentenküche finde Ihr übrigens auch hier.

Mein Wochenfazit

Wenn man nun alle meine Ausgaben, mit geliehenem Geld und ohne Ausreden, addiert, habe ich in den 7 Tagen 43,76 Euro ausgegeben. Also doppelt so viel, wie ich wollte und durfte. Wenn man aber den Zahnarzt-Besuch abzieht – denn hier konnte ich ja schlecht sparen – und das Brunchen, was ich aufgrund des Überraschungsbesuches meiner Freundin nicht absagen konnte, sind es nur noch 23,85 Euro. Wenn ich dann nur einen Wein weniger getrunken hätte, läge ich im erlaubten Bereich. Das heißt, dass ich eigentlich schon ziemlich gut gespart habe. Andererseits habe ich mir auch ein Bier ausgeben lassen, was ja nicht jede Woche möglich wäre und ich hatte Glück mit den günstigen Aktivitäten des Wochenendes.

Ist es so überhaupt realistisch, nur drei Euro am Tag zur Verfügung zu haben? Wir wussten natürlich vorher, dass diese geringe Menge schon extrem ist, aber das sollte ja auch den Schwierigkeitsgrad erhöhen und damit auch die Sparanstrengungen.

Der Bafög-Höchstsatz für Studierende liegt bei 670 bzw. 495 Euro im Monat, je nachdem ob man alleine oder noch zu Hause wohnt. Diesen Höchstsatz bekommen aber nur wenige, der exakte Betrag ist abhängig vom Einkommen der Eltern. Davon muss man jeden Monat seine Wohnung bezahlen (je nachdem, in welcher Stadt man wohnt, kann das sehr teuer werden), die Nebenkosten, die Handyrechnung, vielleicht einen Fitnessstudio- oder Unisportbeitrag und einiges mehr. Und am Ende bleibt nicht mehr viel Geld zur freien Verfügung übrig.

Experiment regt zum Nachdenken an

Das Experiment hat mir viel gebracht. Ich habe an vielen Ecken erkannt, dass ich Geld einsparen kann. Beim Frühstück, beim Kaffee, bei der Wasserauswahl, in der Mensa – und dass ohne große Nachteile oder weniger Essen. Aber abgesehen vom Essen braucht man zum Leben auch noch Haushaltsartikel. Doch auch dort sind nicht das teuerste Shampoo, Markenküchentücher oder eine Luxus-Handseife nötig. Die Teilnahme am sozialen Leben ist finanziell ein größeres Problem, ist es doch gemeinsam mit Sport und anderen Hobbies, eine der besten Entspannungs- und Ausgleichsmöglickkeiten zum Studium, gehen doch zum Beispiel Kino- und Discoabende ganz schön ins Geld. Hier bieten aber auch Hauspartys und Grill- oder DVD-Abende mit Freunden gute Alternativen.

Die Vergünstigungen und Vorteile, die man als Student hat, sind mir, während des Experiments, viel bewusster geworden. Seien es das günstige Bahnfahren dank Semesterticket, das vergünstigte Mittagessen in der Mensa, das umfangreiche Angebot der Hochschulbibliothek und die Studentenpreise bei vielen Kultur- und Freizeitaktivitäten, wie Museen-, Theater- oder Kinobesuch. Alles in allem hat mich dieses Experiment zum Nachdenken gebracht. Auch wenn ich schon zuvor auf meine Ausgaben geachtet habe, ist es gut, sich in die Lage derer zu versetzen, die vielleicht wirklich jeden Tag überlegen müssen, was und ob sie in der Mensa essen können.

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