PONV: Kotzeritis chirurgica

13. März 2013
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Es gehört immer noch zum Alltag auf der Aufwachstation: Postoperative nausea and vomiting (PONV). Trotz volativer Anästhetika und i-v-Narkotika ist die Übelkeit nach einer OP immer noch ein Thema. Welche prophylaktischen Maßnahmen können ergriffen werden?

Ohne jegliche Prophylaxe beträgt die Inzidenz von PONV 20–30 %. Bei ca. 8 Millionen Anästhesieleistungen bei Operationen pro Jahr in Deutschland bedeutet dies, dass die Nierenschale bei bis zu 2,4 Millionen Patienten gefüllt wird. Ist das Erbrechen erst einmal da, ist eine Therapie schwierig. Deshalb ist es besser, im Vorfeld eine PONV-Prophylaxe zu betreiben. Ob und welches Schema dabei eingesetzt wird, ist nicht klar festgeschrieben. Die Problematik wird dadurch verstärkt, dass die Auswahl an wirksamen Antiemetika sehr begrenzt ist. Entweder liegen keine validen Daten zur zuverlässigen Wirkung vor, oder die Substanzen werden im Rahmen eines Off-Label-Use bei PONV eingesetzt.

“Warum müssen wir uns immer noch mit PONV befassen? Obwohl PONV ein Qualitätskriterium für die Anästhesie ist und das Renommee des Fachgebiets durchaus mit der PONV-Inzidenz zusammenhängt, erfolgt nicht immer eine hinreichende Prophylaxe” – diese deutlichen Worte fand Prof. Peter Kranke, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Würzburg auf einer Konsensuskonferenz im Jahr 2010. Kranke weiter: “Wenn wir PONV als Qualitätskriterium ansehen, müssen wir den Patienten direkt danach fragen, denn nicht jedem sehen wir die Übelkeit auch an.”

Risiko ist berechenbar

Es existieren unterschiedliche Modelle, um das Risiko für PONV zu berechnen. Danach kann die Narkoseführung adaptiert und eine Prophylaxe zusammengestellt werden. Diese Risikomodelle variieren sehr stark in ihrer Komplexität und reichen von vereinfachten (Risiko-Score nach Apfel mit 4 Faktoren) bis zu sehr komplexen Scores.

Prognosesystem Koivuranta Apfel Eberhart
Patientenkollektiv Erwachsene Erwachsene Kinder
Risikofaktor weiblich weiblich Alter > 3 Jahre
PONV in der Anamnese PONV oder Reisekrankheit in der Anamnese PONV oder Reisekrankheit in der Anamnese des Kindes oder Verwandter ersten Grades
Reisekrankheit in der Anamnese
Nichtraucherstatus Nichtraucherstatus Strabismusoperation
Operationsdauer > 60 Min. erwartete postoperative Opioidgabe Operationsdauer > 30 Min.

Das Risikomodell von Koivuranta (1997) betrachtet postoperative Übelkeit und postoperatives Erbrechen getrennt. Es wurden 10 Risikofaktoren erhoben. Die Autoren gelangten jedoch zu dem Schluss, dass die Qualität der Vorhersage nicht wesentlich leide, wenn man nur die fünf stärksten Risikofaktoren (weibliches Geschlecht, PONV-Anamnese, OP-Dauer >60 Minuten, Kinetose und Nichtraucherstatus) heranzöge. Darüber hinaus entwickelte Koivuranta einen vereinfachten Score II, bei dem die einzelnen Risikofaktoren gleich gewichtet werden. Dabei ergeben sich die Wahrscheinlichkeiten für postoperative Übelkeit bzw. postoperatives Erbrechen in Abhängigkeit von der Anzahl der Risikofaktoren:

Anzahl Risikofaktoren p(Übelkeit) p(Erbrechen)
0 17 7
1 18 7
2 42 17
3 54 25
4 74 38
5 87 61

Apfel gegen Übelkeit

Von der Arbeitsgruppe um Dr. Christian C. Apfel von der Universität in San Francisco wurde der APFEL-Score entwickelt. Das Modell basiert auf der Erkenntnis, dass es fünf unabhängige Risikofaktoren für Übelkeit und Erbrechen innerhalb von 48 Stunden nach der Entlassung nach Hause (PDNV: postdischarge nausea and vomiting) gibt:

  • weibliches Geschlecht
  • Alter unter 50
  • Nausea oder Emesis oder beides nach Anästhesie in der Vorgeschichte
  • Opioid-Applikation
  • Übelkeit im Aufwachraum

Mit einer PDNV-Inzidenz von 10, 20, 30, 50, 60 und 80 Prozent ist zu rechnen, wenn kein Risikofaktor, ein Risikofaktor, zwei, drei, vier oder alle fünf unabhängigen Risikofaktoren vorliegen.

Zur Entwicklung eines vereinfachten Risikomodells wurden die beiden Modelle von Koivuranta und Apfel an zwei unterschiedlichen Zentren (Würzburg und Oulu / Finnland) kreuzvalidiert. Es zeigte sich, dass die beiden Risikomodelle auch bei dem Patientenkollektiv der jeweils anderen Klinik die PONV-Wahrscheinlichkeit vorhersagen konnten. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass eine Vereinfachung des Risiko-Scores auf vier Risikofaktoren nicht zu einem Verlust der Aussagefähigkeit führte.

Der vereinfachte Risiko-Score beinhaltet folgende gleichwertige
Risikofaktoren:

  • Kinetose oder PONV in der Eigenanamnese
  • Weibliches Geschlecht
  • Nichtraucherstatus
  • zu erwartende postoperative Gabe von Opioiden

Daraus ergibt sich folgendes PONV-Risiko:

Anzahl Risikofaktoren PONV-Risiko (%)
0 10
1 21
2 39
3 61
4 79

Glimmstengel mindert PONV

Nichtraucher haben ein erhöhtes Risiko für postoperative Übelkeit und Erbrechen. Cohen et al. belegte mit einer Studie mit fast 16.000 Patienten, dass Raucher weniger anfällig für PONV sind. Der Mechanismus dieser erstaunlichen Entdeckung ist nicht ganz klar. Nikotin hemmt im GABA-ergen System die Freisetzung von Dopamin, die synaptische Konzentration des Neurotransmitters steigt an und die Rezeptoren der postsynaptischen Membran reagieren mit einer Downregulation. Sweeney et al. kommen in einer Studie zu dem Ergebnis, dass die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe des Zigarettenrauchs über Beeinflussung der Cytochromoxidaseenzyme zu einem veränderten Metabolismus von Medikamenten in der Leber führen. Dies soll PONV mindern.

Eberhart et al. (2000) verglichen die Risiko-Scores von Apfel, Koivuranta und Palazzo & Evans. Dabei stellte sich heraus, dass der Koivuranta-Score PONV signifikant besser vorhersagte als der von Palazzo & Evans. Bei der Vorhersage postoperativen Erbrechens war der Apfel-Score dem Palazzo-Score signifikant überlegen. Jedoch waren alle drei Risiko-Scores in der Lage, PONV mit nur mäßiger aber dennoch akzeptabler Genauigkeit vorherzusagen. Die für erwachsene Patienten entwickelten Scores sind nicht auf Kinder übertragbar. POVOC-Score (POVOC-Score = Postoperative Vomiting in Children-Score) ist das Gegenstück für “kleine” Patienten. Während Säuglinge mit ca. 5% selten erbrechen, steigt die Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen bis auf das Niveau der Erwachsenen an. Mit zunehmenden Alter geht die Inzidenz wieder zurück.

Die Therapie-Empfehlung nach Apfel:

  • Je nach errechnetem Risikoscore wird die Narkose adaptiert.
  • Bei 0 bis 1 Punkten gibt es keine Einschränkung bei der Anästhesieauswahl.
  • Bei 2 Punkten erfolgt die Narkoseführung als totale intravenöse Anästhesie (TIVA) mit Propofol und Luft oder als Inhalationsnarkose.
  • Im Falle einer volatilen Anästhesie soll 4 mg Dexamethason zur Einleitung gegeben werden.
  • Ab 3 Risikopunkten wird eine TIVA empfohlen und 4 mg Dexamethason zur Einleitung gegeben. Gegebenenfalls wird noch ein zweites Antiemetikum prophylaktisch verabreicht.

Postoperativ erhalten die Patienten bei Übelkeit initial einen 5-HT3-Antagonisten intravenös, insofern dieser intraoperativ noch nicht zur Prophylaxe appliziert wurde. Bei persistierenden Beschwerden erhalten die Patienten erst gewichtsadaptiert Dimenhydrinat, danach Dehydrobenzperidol. Nach dem Therapieregime von Apfel et al. ist eine weitere antiemetische Therapie innerhalb von 6 Stunden dabei nicht vorgesehen. Der Mediziner Rolf Zimmermann, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, fertigte unter dem Titel “Inzidenz postoperativer Übelkeit und Erbrechens in einer Hochrisikogruppe vor und nach Einführung eines antiemetischen Prophylaxe-Schemas – prospektiv – deskriptive Studie” seine Dissertation. Grund war u.a., dass Dehydrobenzperidol auf dem Deutschen Markt nicht mehr zur Verfügung steht. Der Doktorand tauschte DHB gegen Haloperidol.

Corticoide

Glucocorticoide wirken über intrazelluläre Rezeptoren, indem sie in die Proteinsynthese eingreifen. Sie hemmen die Prostaglandinsynthese und interagieren mit der Interleukin-1-Bildung in Makrophagen und der Interleukin-2-Bildung in T-Lymphozyten. Außerdem hemmen sie die Synthese von anderen Zytokinen wie Interferon und Tumornekrosefaktoren. Ein wesentlicher Vorteil von Dexamethason in der antiemetischen Dosis ist sein geringes Nebenwirkungsspektrum im Vergleich zu den anderen Substanzen. Der Wirkmechanismus ist unklar. Wegen der trägen Kinetik sollten Corticoide wie Dexamethason (10 mg i.v.) nicht als Monomittel, sondern in Kombination mit anderen Antiemetika eingesetzt werden. Wegen der späten Wirkung empfiehlt sich eine Gabe zu Beginn der Narkose.

Die Therapie mit Dexamethason gilt als evidenzbasiert, so das Ergebnis einer Studie der Universität Genf. Während 44 Prozent der Kinder unter Placebo nach der Operation eine PONV-Episode erlitten, nahm die Häufigkeit unter Dexamethason dosisabhängig ab. In der höchsten Dosierung von 0,5 mg/kg Körpergewicht litten nur zwölf Prozent der Kinder unter PONV. Die Einmalgabe eines Steroids zu Beginn einer Tonsillektomie kann zwar häufig eine PONV verhindern. Dies erkauft man sich jedoch mit einem höheren Blutungsrisiko. Die Studie wurde aus Sicherheitsgründen vorzeitig abgebrochen. Bei 20 von 159 Patienten war es nach Gabe von Dexamethason zu postoperativen Blutungen gekommen, gegenüber zwei von 54 Patienten in der Placebogruppe. Bei der höchsten Dosierung von Dexamethason lag ein um den Faktor 6,8 erhöhtes Blutungsrisiko vor. Angenommen wird eine dosisunabhängige Störung der Wundheilung, die dann die Blutungsneigung erhöht.

5-HT3-Antagonisten

Die PONV-prophylaktische Wirksamkeit ist für alle 5-HT3-Antagonisten umfangreich belegt. Kurzwirksame Substanzen wie Ondansetron sollten kurz vor Ende der Narkose verabreicht werden. Neuere Setrone wie Palonosetron sind zwar hochpreisiger, wirken aber länger und zeichnen sich durch weniger kardiale Nebenwirkungen aus. In einer Studie von Pickering et al. wurden die analgetischen Effekte von Paracetamol sowohl durch Tropisetron (i.v.) als auch durch Granisetron (i.v.) stark vermindert. Die analgetische Wirkung von Paracetamol scheint teilweise über den 5-HT3-Rezeptor vermittelt zu sein. Der Wirkstoffspiegel wird durch die Setrone nicht beeinflusst, es handelt sich somit um eine pharmakodynamische Interaktion.

Äquivalenzdosen HWZ (h) Dosis (i.v) (p.o.)
Ondansetron 4,0 8–16 (32) mg 12–16 (32) mg
Tropisetron 8,0 5 mg 5 mg
Granisetron 9,0 1–3 mg 2 mg
Palonosetron 40,0 250 µg (Bolus) 500 µg

Droperidol

Droperidol entfaltet seine antiemetische Wirkung vor allem über Blockade von D2-Rezeptoren in der Chemotrigger-Zone der Area postrema. Es war einige Jahre nicht lieferbar und es wurde auf das Neuroleptikum Haloperidol zurückgegriffen. Eine Zulassung für die Indikation PONV besteht für Haloperidol nicht. Die Gabe von Droperidol sollte am Ende der Narkose erfolgen. Das Pharmakon löst bei 5 Prozent der Patienten eine QT-Zeit-Verlängerung aus, deshalb wurde die Substanz 2001 vom Markt genommen. Seit 2008 ist der Wirkstoff wieder zugelassen, da die notwendige Überwachung im Rahmen der Anästhesieführung und anschließenden Aufwachraumbetreuung gewährleistet ist. Außerdem wirkt Droperidol postoperativen Kopfschmerzen entgegen. Haloperidol hat sich hinsichtlich der Wirksamkeit als würdiger Interimsvertreter erwiesen. Die Nebenwirkungen sind jedoch ausgeprägter.

Vor der Einführung der Dopamin-Antagonisten gehörte das H1-Antihistaminikum Dimenhydrinat zu den gebräuchlichsten Antiemetika. Heute wird es vornehmlich in der Kinderanästhesie eingesetzt.

Metoclopramid

Metoclopramid ist von seiner Grundstruktur ein mildes Neuroleptikum. Es blockiert D2-Rezeptoren, in sehr hohen Dosierungen auch den 5-HT3-Rezeptor und wirkt am ACh-Rezeptor agonistisch. Eine Studie von Henzi et al., Review in Bandolier (2000) bescheinigt MCP in einer Dosierung von 10 mg Wirkungslosigkeit bei PONV! Eine Dosissteigerung auf 25 und 50 mg in Kombination mit 8 mg Dexamethason weist eine signifikant bessere antiemetische Wirkung auf als 8 mg Dexamethason alleine, das war das Ergebnis einer Studie von Wallenborn et al.

Die französische Gesundheitsbehörde Afssaps (Agence Francaise de Securite Sanitaire des Produits de Sante) hat einen Vergiftungsfall, bei dem Eltern ihrem Kind eine überhöhte Dosis von Metoclopramid verabreicht hatten, zum Anlass genommen, die Anwendung Metoclopramid-haltiger Arzneimittel an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zu verbieten. “Das bei Brechreiz und Übelkeit eingesetzte Metoclopramid habe, bei nur schwach ausgeprägter Wirkung, ein vergleichsweise hohes Risiko von schwerwiegenden neurologischen und kardiovaskulären Nebenwirkungen, insbesondere bei Kindern”, so die Behörde.

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat im Jahr 2012 für Arzneimittel mit dem Wirkstoff Metoclopramid in allen Darreichungsformen auf Ersuchen der Afssaps ein Risikobewertungsverfahren nach Artikel 31 der Richtlinie 2001/83/EG für alle in der EU zugelassenen Anwendungsgebiete eingeleitet. Die geänderte Indikation für MCP lautet: “Metoclopramid wird angewendet bei Kindern ab 1 Jahr zur Behandlung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen. Bei den anderen Anwendungsgebieten wird die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen”. Gerade im Hinblick auf die dürftige Studienlage bei PONV erscheint dies diskussionswürdig. Vor kurzem haben die Amerikanischen Zulassungsbehörden eine Box-Warnung erlassen und sogar im Fernsehen vor irreversiblen tardiven Dyskinesien unter MCP bei einer längeren Therapiedauer gewarnt. Auch in die deutschen Fachinformationen hat die Warnung Einzug gehalten. Dort wird zugegeben, dass eine Therapie gegen diese Spätdyskinesien mit massiven Störungen nicht existiert.

Neurokinin1-Antagonisten

Neurokininantagonisten (NK1-Antagonisten) verhindern die Wirkung von Substanz P an Neurokininrezeptoren im Brechzentrum und auch an peripheren Nerven. Aprepitant bzw. dessen Prodrug Fosaprepitant-Dimeglumin haben eine Nischenindikation: “Prävention von akuter und verzögerter Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten, die eine hoch emetogene, auf Cisplatin basierende Chemotherapie oder eine moderat emetogene Chemotherapie erhalten”. Meist erfolgt die Gabe in Verbindung mit einem Corticoid und einem Setron. Nach einer dreitägigen Therapie sind mehr als 95 Prozent der zerebralen NK-1-Rezeptoren blockiert. Als Cytochrom-P450-Inhibitor kann es zu ein Wirkverlängerung anderer Arzneimittel kommen. Weitere Substanzen dieser Klasse sind Vofopitant, Rolapitant und Casopitant, die auch intravenös anwendbar sind, sich jedoch noch in der klinischen Prüfung befinden.

Die PONV-prophylaktische Wirksamkeit von Aprepitant, wenn vor Narkoseeinleitung gegeben, ist vergleichbar mit der von Ondansetron, so eine Studie von Gan und Apfel et al.

Benzodiazepine

Midazolam, Lorazepam und Alprazolam sind bei antizipatorsichen Erbrechen wirksam. Vermutlich geht die Wirkung auf anxiolytische, amnestische und sedierende Eigenschaften zurück. Die Datenlage für Benzodiazepine zur PONV-Prophylaxe ist dürftig und die optimale Dosierung nicht hinreichend geklärt. Didaktisch reduziert: “Für Dexamethason, Droperidol und Ondansetron konnte eine vergleichbare antiemetische Effektivität mit einer relativen Reduktion des PONV-Risikos von ca. 26 % aufgezeigt werden”, so fasst es der Emesispapst Apfel 2004 im N Engl. J Med zusammen. Apfel ist der Ansicht, dass es bei einer Kombination diverser Antiemetika nicht zu einem überadditiven Synergismus kommt. Die Effekte sind rein additiv.

Versäumt ein Arzt eine effiziente PONV-Prophylaxe, kann das juristische Konsequenzen haben. Eine dreitätige, anästhesiebedingte postoperative Übelkeit mit Erbrechen, die durch die Gabe eines weiteren Medikaments vermeidbar gewesen wäre, kann einen Schmerzensgeldanspruch begründen.

101 Wertungen (4.53 ø)
Medizin

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17 Kommentare:

Stefan Margraf
Stefan Margraf

MCP Studienkatastrophe
Ich erinnere mich noch gut an eine Medikamentenstudie mit MCP in meiner Studienzeit in Bad Nauheim für Fresenius. Wir bekamen es iv, bei der Anflutung konnte man es schmecken. Der Ausgang war katastrophal: jeder hatte ca ein dutzend NW, auch Übelkeit. Schwerwiegend waren die extrapyramidalen Krämpfe, psychotisches Verhalten und starke Sehstörungen, welche über 10 Tage anhielten (Sehfelder:Dopamin). Wir bekamen alle Valium. Blutanalysedaten bekam ich trotz Anfrage nicht, ich vermutete eine Überdosierung. Alles wurde erfolgreich unter den Teppich gekehrt (wir waren unerfahren und gingen nicht zum Anwalt). Meiner Ansicht nach haben sich die Sehstörungen nie vollständig zurückgebildet…
Ich werde nie wieder MCP nehmen.

#17 |
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Sehr geehrte Frau Schuster!

Es ist sicher alles richtig, was Sie über eine gute Narkoseführung schreiben. Aber was hat das mit einer suffizienten PONV-Prophylaxe zu tun?
Und was machen Sie, wenn dann eben doch Opiate (bei uns in mindestens 80% der OPs) notwendig sind? Opiatfrei und möglichst langwirksam – hört sich gut an, aber es gibt doch kaum geeignete Medikamente für diesen Anspruch.

#16 |
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Raimund Langner
Raimund Langner

aus eigener erfahrung

#15 |
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Ärztin

Der übliche Fragebogen zur Narkoseaufklärung beinhaltet die PONV-Frage. Im Rahmen eines suffizienten Narkoseaufklärungsgespräches sollte der Anästhesist alles wissen was er wissen muss. Eine strressarme und dem Patienten zugewandte Atmosphäre bei Narkoseeinleitung sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die Prämedikation erfolgt, wenn keine Kontraindikationen vorliegen, üblicherweise mit Benzodiazepinen (z.B.Tranxilium oder Dormicum). Dexamethason vor Narkoseeinleitung (wir geben 4mg)sollte, wenn keine Kontraindikationen vorliegen, Standart sein. Narkoseeinleitung und intraoperative Narkoseführung sollte für den Patienten stressfrei sein. Blutdruckspitzen oder -abfälle,zu flache Narkose und Schmerzen unter Narkose sind zu vermeiden.Eine opiatfreie möglichst lang wirksame Analgesie vor Verlegung in den AWR sollte bereits intraoperativ gegeben werden (zB Novalgin, falls dies vertragen wird). Der Patient muss schmerzfrei und normoton in den AWR verlegt werden. Wichtig:Das Antagonisieren von Muskelrelaxantien sollte ebenso wie Relaxantienüberhang vermieden werden. Narkoseführung anpassen! Auch intraoperative Hyper- und Hypoventilation ist zu vermeiden.
Chirurgen, die ihre Patienten im praxiseigenen AWR führen haben ein anderes Verhältnis zu Muskelrelaxantien als Klinikchirurgen. Mitunter ist es hilfreich junge Chirurgen, z.B. wenn sie intubieren wollen, in die Anmästhesie einzubinden und auch im AWR hospitieren zu lassen.
Anästhesisiten sollten aufmerksam die OP verfolgen und entsprechend der chirurgischen Maßnahmen ihre Narkose führen, z.B. bei besonders schmerzhaften Maßnahmen die Narkose vertiefen und rechtzeitig die Analgesie verstärken.
Zofran oder Anemet intraoperativ gegeben beugt einer PONV meist suffizient vor.
Wir haben leider keine Erfahrung mit Akkupunktur im OP zur PONV-Prophlaxe. Wenn es gut wirkt ist sicher eine gute Alternativmethode.
Bei langen Narkosen ist selbstverständlich auf ausgewogene Flüssigkeitssubstitution, Blasenentleeerung mittels DK und ein optimales Wärmemanagement zu achten.
Es gibt noch viele weitere Faktoren, die eine gute Narkose bedingen. Hauptsache ist: der Patient sollte es so komfortabel wie möglich während seiner Narkose haben, in jeder Beziehung!

#14 |
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Dr. Klaus Gillner
Dr. Klaus Gillner

Ein Antihistaminikum am Abend vor der OP und dann herrscht laut Prof. Jarisch, Wien “Frieden im Land”.
Ein simples Antihistaminikum als präoperative Propylaxe und die Probleme sind passee.
Das zeigen die Ergebnisse seiner dahingehenden Studien.
Es scheint seiner Beobachtung nach die Anästhesie als Histaminliberator zu wirken und dann kommt es bei entsprechend “Histaminintoleranten” Patienten zu den Übelkeit Problemen.

#13 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Werde wieder zum Raucher, damit ich mir nach Erwachen einer Operation die ganze zusätzliche üble Medikation erspare.

#12 |
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Dr. med. Peter Calais
Dr. med. Peter Calais

In dieser sehr umfangreichen Studie habe ich keine Daten über die Dauwer der Narkose/Operation gefunden, keine Daten über Flüssigkeitszufuhr während der Operation und keine Daten über die Ausscheidungsmenge. Alleine eine überfüllte Blase kann zu erheblicher Übelkeit führen, eine Katheterisierung wirkt dann Wunder und macht weitere Medikamente überflüssig.

#11 |
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Jens Zimmermann
Jens Zimmermann

@ Rainer Kumm
Ja, das ist des Pudels Kern: die angstfreie OP. Kann leicht induziert werden durch Suggestive Kommunikation – und kann leicht erlernt werden durch OP-Mitarbeiter. Patienten befinden sich in der Kliniksituation a priori in hoch sugestiblem Zustand. Bedeutet für die Klinik verkürzte OP-Dauer, geringerer Einsatz von Narkose- und Schmerzmitteln, besseres postoperatives Outcome, geringeres PONV-Risiko, kürzere Verweildauer, besseres Rating für die Klinik. Schulung 2 x 1 Tag kke01@aol.com

#10 |
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Hypotone Kreislauf Entwicklungen begünstigen zusätzlich PONV.

#9 |
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Ich glaube zu Akupunkt P40 gibt es Studien.

Dr. Armbruster sagt uns daß Zuwendung, persönlicher Bezug und also Angstminderung hilfreich ist.

#8 |
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Erfahrungswerte belegen, dass die Gabe von MCP zu Beginn der Narkose in Kombination mit der präoperativen Gabe von Midazolam in den meisten Fällen den gewünschten Effekt erbringt, bei Patienten, bei denen Komplikationen aus der Vorgeschichte bekannt sind, sollten jedoch in erster Linie mit Dexamethason behandelt werden.

#7 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ist das typisch für das “Gesundheitssystem” und Datensammler einen Erhebungsbogen erst postoperativ einzusammeln? Wie dann ein PONV-Profilaxe gemacht werden kann ist für mich unvorstellbar. sicherlich läuft für diese Unmöglichkeit eine wissenschaftliche Studie oder?

namasté Wolf Henrichs

#6 |
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Dr. med. Christine Ligner
Dr. med. Christine Ligner

Die geringsten Nebenwirkungen hat die Akupunktur. Schon vor der Operation bzw. während Prämedikation sollten die Nadeln gelegt werden. Damit sie nicht verrutschen, klebt man diese mit Pflaster vorsichtig fest- Vorherige Aufklärung und Einverständnis des Pat. natürlich vorausgesetzt.Anästhesistin

#5 |
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Ärztin

@ Herrn Respondek

Danke! Deckt sich mit meinen Erfahrungen!

#4 |
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Siegfried Armbruster
Siegfried Armbruster

Es gibt eine sehr einfache Methode, die ohne Medikamente auskommt und funktioniert. Jeder Patient erhält vor dem Eingriff einen Fragebogen, der auch PONV beinhaltet. Der ausgefüllte Fragebogen wird von einer Anästhesiepflegekraft am Tag nach der Anästhesie eingesammelt und dem zuständigen Oberarzt vorgelegt. Dieser veranlasst dass der für den Eingriff zuständige Anästhesist persönlich zu dem betroffenen Patienten geht, um mit ihm/ihr zu besprechen warum es zu PONV kam und was dagegen getan wird. – Wirkt Wunder, habe ich selbst erlebt.

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Dr. med. Werner Ewald
Dr. med. Werner Ewald

Sehr uebersichtliche Darstellung, ich operiere nur noch Raucher

#2 |
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Dr. med. Peter Respondek
Dr. med. Peter Respondek

In der Mehrzahl der Fälle wird Nux vomica die Symptomatik in kürzester zeit zum Verschwinden bringen. Eine Gabe, evtl. 2 oder 3 mal zu wiederholen, zB in der Potenz C30.

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