Psychische Erkrankungen: miR135 als Biomarker?

26. Juni 2014
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Ein Zusammenhang zwischen der Fehlregulation des Serotoninhaushalts im Gehirn und psychischen Erkrankungen ist bekannt. Über die Ursachen weiß man jedoch wenig. Forscher beobachteten nun eine Verbindung zwischen einer microRNA und zwei zentralen Faktoren im Serotoninhaushalt.

Alon Chen, Direktor am Max-Planck-Institut für Psychiatrie und sein Team haben die Funktion von microRNAs in denjenigen Nervenzellen untersucht, die Serotonin produzieren. Die Forscher haben nun zum ersten Mal eine spezielle microRNA identifiziert (miR135), welche die Expression von zwei Proteinen aus dem Serotoninsystem abschwächt. Das eine Protein, der Serotonintransporter SERT, ist der Angriffspunkt der meisten derzeit verfügbaren Antidepressiva. Das zweite Protein, der Rezeptor HTR1A, hemmt serotoninproduzierende Nervenzellen. Vermutlich ist HTR1A für die häufig beobachteten verzögerten Effekte von Medikamenten gegen Depression verantwortlich, die auf das Serotoninsystem wirken. Durch eine geringere Menge an SERT und HTR1A steigt der Serotoninspiegel im Gehirn. Das entspricht dem Wirkmechanismus von gängigen Antidepressiva und dem durch sie verursachten Abklingen der depressiven Symptome.

In Mäusen konnte ein deutlicher Anstieg an miR135 nach der Gabe von Antidepressiva beobachtet werden. Außerdem reagierten genetisch veränderte Mäuse, die entweder erhöhte oder verminderte Mengen an miR135 produzierten, sehr verschieden in Verhaltenstests und zeigten unterschiedliche Reaktionen auf Antidepressiva. Mäuse, die in den serotoninproduzierenden Nervenzellen erhöhte Mengen an miR135 aufwiesen, waren gegenüber chronischem sozialem Stress weniger anfällig. Umgekehrt zeigten Mäuse mit niedrigerem miR135-Level depressionsähnliche Verhaltensweisen und Antidepressiva wirkten schwächer. Übereinstimmend mit diesen Daten aus Tiermodellen wurden in Zusammenarbeit mit Elisabeth Binder, Direktorin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, verminderte Mengen an miR135 in Blutproben von depressiven Patienten gefunden.

„Unsere Beobachtungen bei Mäusen wiesen darauf hin, dass das körpereigene Molekül miR135 unsere Gefühlsregungen und die Anfälligkeit für Depression beeinflusst. Nach unseren weiteren Ergebnissen könnte miR135 möglicherweise als Biomarker für den Schweregrad einer Depression oder für die Wirksamkeit von Medikamenten bei Patienten dienen“, sagt Orna Issler, eine ehemalige Doktorandin von Alon Chen und Erstautorin der aktuellen Studie. Diese Erkenntnisse könnten die Grundlage zum besseren Verständnis von psychischen Erkrankungen, die mit Fehregulation des Serotoninhaushalts in Verbindung stehen, bilden und bei der Entwicklung von neuen Medikamenten oder als Biomarker wichtig sein.

Originalpublikation:

MicroRNA 135 Is Essential for Chronic Stress Resiliency, Antidepressant Efficacy, and Intact Serotonergic Activity
Orna Issler et al.; Neuron, doi: 10.1016/j.neuron.2014.05.042; 2014

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Medizin, Neurologie, Psychiatrie

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