Schlaf: Doch kein Einfluss durch Mondphasen?

17. Juni 2014
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Im Volksglauben gibt es diverse Mythen über den Einfluss des Mondes auf den Menschen. So leiden angeblich viele Menschen bei Vollmond unter Schlafstörungen. Eine aktuelle Studie konnte jedoch keinen Zusammenhang zwischen dem menschlichen Schlaf und den Mondphasen finden.

Für die Untersuchung werteten die Forscher große, bereits vorhandene Datensätze über den Schlaf zahlreicher Probanden aus. Während der Recherchen stießen sie auf weitere Studienergebnisse, welche ebenfalls keinen Einfluss des Mondes feststellen konnten. Diese sind jedoch häufig nicht veröffentlicht worden. Dadurch waren Studien mit positivem Befund bislang in der wissenschaftlichen Literatur überrepräsentiert.

Seit Jahrhunderten glauben die Menschen, dass ihre Gesundheit oder ihr Verhalten durch den Mond beeinflusst werden. Im Volksglauben hält sich vor allem die Überzeugung, dass man in Vollmondnächten schlechter schläft. Aber gibt es tatsächlich einen wissenschaftlich nachweisbaren Zusammenhang?

Einige Studien beschäftigten sich bereits in Nachanalysen von zuvor zu einem anderen Zweck erhobenen Schlafdaten mit dem Einfluss des Mondes auf den menschlichen Schlaf. Allerdings wurden die Auswirkungen auf den Schlaf selten mit objektiven Methoden, wie z.B. dem Schlaf-EEG, untersucht und die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich. In manchen Studien schienen sich die Mondphasen besonders auf Frauen auszuwirken, in anderen wiederum besonders auf Männer. Zwei Analysen von Datensätzen mit jeweils 30 bis 50 Teilnehmern aus den Jahren 2013 und 2014 zeigten übereinstimmend, dass die Schlafdauer in Vollmondnächten verkürzt ist. Für andere Messungen kamen sie jedoch zu kontroversen Ergebnissen. Beispielsweise wurde in einer der beiden Analysen gezeigt, dass das Einsetzen des REM-Schlafes bei Neumond verzögert ist. In der anderen Studie wurde hingegen eine Verzögerung in Vollmondnächten festgestellt.

Verzerrte Veröffentlichungspraxis?

Um Zufallsbefunde zu vermeiden, wie sie in Studien mit geringer Teilnehmerzahl möglich sind, untersuchten die Wissenschaftler nun Schlafdaten von 1.265 Probanden aus 2.097 Nächten. „Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen“, berichtet Martin Dresler, Neurowissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour in Nijmegen, Niederlande. „Wir konnten keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen menschlichem Schlaf und den Mondphasen aufzeigen.“ Im Rahmen dieser Untersuchungen fand sein Team weitere unveröffentlichte Analysen von über 20.000 Schlafnächten, welche ebenfalls keinen Einfluss des Mondes feststellen konnten. Dass diese Ergebnisse nicht veröffentlicht worden sind, könnte ein Beispiel für eine verzerrte Veröffentlichungspraxis sein, wie sie beispielsweise auch als „Schubladenproblem“ bekannt ist.

Bisher wurde der Einfluss des Mondes auf den menschlichen Schlaf durch die Nachanalyse von bereits früher zu einem anderen Zweck erhobenen Datensätzen untersucht. „Um die ganz offensichtlichen Einschränkungen von solchen Nachanalysen zu umgehen, müssten gut überlegte und genau auf den Zweck abgestimmte Experimentreihen mit einer großen Anzahl von Probanden durchgeführt werden“, kommentiert Dresler.

Originalpublikation:

Lunar cycle effects on sleep and the file drawer problem
Martin Dresler et al.; Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2014.05.017; 2014

27 Wertungen (3.74 ø)
Allgemeinmedizin, Medizin

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11 Kommentare:

Gast
Gast

meine Frau wird regelmäßig böse, wenn sie ihre Regel bekommt.
Oder isses der Mond?

#11 |
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Gast
Gast

Ich schlafe mal 12 Tage vor Vollmond schlecht, mal zwei Tage vorher, mal 7 Tage vorher, mal 3 Tage, mal 5 Tage, mal 11 Tage und manchmal sogar am Vollmondtag!
Typischer Fall von Mondsensibel?

#10 |
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Heilpraktikerin Brigitte Gotter
Heilpraktikerin Brigitte Gotter

Hier nochmals eine Ausnahme – ich schlafe ebenfalls in der 3. oder 4. Nacht vor Vollmond nicht besonders gut und nicht besonders lang.
Der Mensch ist halt ein Stück aus der Natur und warum sollen wir alle statistisch zu messen sein?

#9 |
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Dr. med./Univ.Zagreb Rudolf Pastovic
Dr. med./Univ.Zagreb Rudolf Pastovic

Volksglauben und Studien hin oder her, ich habe bei mir persönlich festgestellt dass ich bei Vollmond viel vigiler bin und in solchen Nächten kein Bedürfnis nach Schlaf habe sondern eher geneigt bin Nachts lange aufzubleiben oder sogar etwas zu unternehmen.

#8 |
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Gast
Gast

sollte natürlich heißen: ich BIN eine dieser Ausnahmen
K.J. Bichmann

#7 |
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Gast
Gast

Manchmal schlafe ich schlecht und wundere mich morgens …
… und wenn ich dann in den Kalender schauen, ist Vollmond plus minus ein Tag.
Kein Grund, nach dem Mond zu leben, aber ich eine dieser Ausnahmen.
Grüße ins Forum
K.J. Bichmann
ehemaliger Biolehrer, jetzt im Medizinlabor tätig

#6 |
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Pro Proband weniger als zwei ausgewählte Nächte, nicht einmal ein Vergleich zwischen Vollmond und Neumondphase. Derr untern aufgeführte Paradigmenwechsel läßt grüßen. Es gibt Mond-Sensible, die bilden eher die Ausnahme. Aber laßt doch die Ausnahme zu !

#5 |
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Gast
Gast

Ach ja, wieder eine Negativstudie über Mondabhängigkeit die natürlich wieder nichts beweist. Ich kann mich noch dunkel erinnern an eine Sendung im BR (vor X Jahren) in dem Mondabhängige gezeigt worden sind. Die Familien waren echt verzweifelt in ihrer Sorge. Aber war damals schon ein RTL-Faktor mit dabei? Natürlich genauso wie bei der Katholischen Kirche, daß von Satan das Leben Christi an viele verschiedene Religionen in vorhergehende Jahrhunderte übertragen wurde um das Alleinseligmachende zu verunglimpfen.

Logische Frage: Wenn es Mondabhängige in einem Bruchteil der Bevölkerung gibt, ist eine zufällige Bevölkerungszahl dafür repräsentativ? 1265 Menschen sollen also 80 Mio. gleichzusetzen sein? Wenn es vielleicht irgendeine Zahl zw. 100-100000 gibt? wie groß ist die statistisch Wahrscheinlichkeit für einen Studienteilnehmer und wie groß ist seine statistische Relevanz? Mondsüchtigkeit scheint eher eine Frage einer spezifischen und nicht einer allgemeinen Sensitivität zu sein. Ich hatte mal einen Kollegen der konnte die Ultraschallsignale der Fernsehfernbedienung hören. Wie viele Menschen gibt es noch von dieser Abweichung der Normalität.
Wie sagte der alte Kriegstreiber W. -Es gibt nichts langweiligeres als ein friedlicher Himmel- Churchill: Traue keiner Statistik die Du nicht selber gefälscht hast. Denn Statistiken sind nur für allgemeine Phänomene relevant, nicht für Details.
Wieder einmal Wissenschaft vs. Logik, wie viel zu oft. Wissenschaft ist heute eher eine Religion. Beispiel gefällig? Ein dt. Professor der Archäologie sagte auf die Journalistenfrage woher man das alles wisse: Das ist Archäologenpoesie. Mich hat es fast aus dem Sessel gekugelt vor lachen.
Dazu noch ein Aphorismus von mir:
Paradeigmawechsel:
Autonomie – Selbstbewußtsein – geistige Durchdringung der Welt W. v. Humboldt
Lebensnähe – soziale Kompetenz – Freude am Lernen Reformpädagogik
Flexibilität – Mobilität – Beschäftigungsfähigkeit neoliberale Schulpolitik
Denkt mal darüber nach

#4 |
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Prof. Dr. med. Barbara M.E. Kuntz
Prof. Dr. med. Barbara M.E. Kuntz

“weil nicht sein kann, was nicht sein darf.”
Psychiatrie (Vorkommentar) und Polizei
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13507496.html
wissen mehr.

#3 |
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Dr. med. Jan-Hinrich Wrage
Dr. med. Jan-Hinrich Wrage

Das ist gut, dass das jetzt mal klargestellt wird! Woran soll man den auch sonst als Naturwissenschaftler glauben … allerdings als Assistenzarzt in einem psychiatrischen Landeskrankenhaus habe ich Nachtdienste bei Vollmond gemieden wie der Teufel das Weihwasser.

#2 |
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Heilpraktikerin

Und darüber werden nun Studien gemacht, die viel Geld kosten, dass halte ich für Unsinn. Denn wenn Jemand schlecht bei einer bestimmten Mondphase schlafen kann, dann ist das doch so – egal was nun bei einer Studie rauskommt. Dieser eine Mensch schläft bei Vollmond nicht gut – egal ob 100 andere Personen dadurch nicht beeinträchtigt werden.

#1 |
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