Hasta la vista, apoBank

19. Juni 2012
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Mit rund 180 Millionen Euro stehen spanische Banken bei der apoBank in der Kreide. Und damit nicht genug: Im überhitzten spanischen Immobilienmarkt hat die Genossenschaftsbank weitere 330 Millionen Euro in Form von Hypothekenkrediten angelegt. Muss bald der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken einspringen?

Der Vorstand der apoBank hat von Kanzlerin Merkel gelernt. Schlechte Nachrichten werden am besten scheibchenweise serviert. Im Zuge der US-Bankenkrise hatte das Kreditinstitut für die Heilberufe rund 5,5 Mrd. Euro an toxischen Wertpapieren identifiziert (DocCheck berichtete). Rund die Hälfte ist davon mittlerweile abgeschrieben – 2,7 Mrd. schlummern immer noch mit unbekanntem Verlustpotential in der Bilanz.

Verluste in Südeuropa

Nun folgen die nächsten Hiobsbotschaften: Für faule Kredite in Griechenland und Ungarn werden weitere Gelder – insgesamt 90 Millionen Euro – als „Risikovorsorge“ beiseite geschafft, sprich vorsorglich abgeschrieben. Und auch im krisengebeutelten Spanien operierte die apoBank ohne Fortüne. Rund 180 Millionen Euro hat sie an spanische Banken ausgeliehen, die – wie man der Wirtschaftspresse täglich entnehmen kann – teilweise nur noch durch staatliche Beatmungsmaßnahmen am Leben gehalten werden. Dazu kommen noch mal 330 Millionen Euro an Hypothekenkrediten für das ehemalige Beton-Eldorado am Mittelmeer.

Mit 500 Millionen steht die apoBank also im Risiko und viele Genossenschafter dürfte mit Blick auf die Zukunft interessieren, in welchem Umfang das Institut in Italien exponiert ist.

Eigenkapitalquote weiterhin zu gering

Kann die apoBank diese Risiken aus eigener Kraft stemmen? Kaum. Zwar hat sich die Eigenkapitalquote von 7,2 auf 8,5% verbessert, aber das ist noch weit von der 12%-Marke entfernt, die allgemein als „gesund“ angesehen wird. Insofern wundert es nicht, dass Vorstandschef Pfennig mit der Stärkung der Kapitalbasis liebäugelt: Statt 1.500 Euro Genossenschaftsanteil sollen in Zukunft 2.000 Euro gezeichnet werden. Rund 250 Millionen Euro will er damit einspielen.

Da passt nicht recht ins Bild, dass die Bank nun eine Dividendenzahlung von 4% ausschüttet. Damit sollen wahrscheinlich die Anteilseigner milde gestimmt werden, die 2010 ja eine Nullrunde drehen mussten. Sinn macht sie nicht. Was nützt eine Dividende, wenn man seiner Bank das Vielfache gleich wieder vorstrecken muss?

Aber auch über den Kreis der rund 100.000 Anteilseigner hinaus soll frisches Geld eingesammelt werden. Die Verluste der apoBank werden zunehmend auf alle Heilberufler umgelegt, wenn die Banker – wie angedacht – weiteres Kapital in Form stiller Einlagen bei den kapitalkräftigen Versorgungswerken abzapfen. Ob die “Härtung” der apoBank die beste Investitionsmöglichkeit für die Altersrücklagen von Ärzten und Apothekern ist, sei dahin gestellt. Nicht nur unter Euroländern, sondern auch unter Kittelträgern scheint die Sozialisierung von Schulden im Trend zu liegen.

Reißfeste Garantievereinbarung?

Den ein oder anderen Genossenschafter dürfte angesichts so viel Phantasie bei der Geldbeschaffung langsam ein mulmiges Gefühl beschleichen. Da nutzt es wenig, wenn Vorstandschef Pfennig auf die bestehende Garantievereinbarung mit dem BVR (Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken) verweist. Die Volks- und Raiffeisenbanken werden sich notwendige Rettungsaktionen durch Anteile bezahlen lassen, was das Ende der Heilberuflerbank in ihrer jetzigen Form einläuten dürfte. Und überhaupt: Wie viel ist die Garantievereinbarung noch wert, wenn andere Genossenschaftsbanken ihre eigenen Verluste in Spanien decken müssen?

Diese Fragen scheinen das Management weitgehend kalt zu lassen. Statt dessen will das Finanzinstitut in seinem Stammmarkt weiter wachsen. “Bis 2020 soll jeder dritte Student der Heilberufe Kunde der apoBank sein”, verkündet Pfennig. Ärzte und Apotheker sollen in Zukunft in jeder Lebensphase – vom Studenten bis zum Ruheständler – bedient werden. Das klingt gut. Die Frage ist nur, ob die Bank das gleiche gesegnete Alter wie ihre Kunden erreicht.

221 Wertungen (4.36 ø)
Medizin, Pharmazie

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19 Kommentare:

Dr. med. Michael Grabowski
Dr. med. Michael Grabowski

Es sollte jedermann, wie es üblich ist, für die Entscheidungen, die trifft und unterzeichnet mit all# seinem Hab# und Gut gerade stehen.
Für’s Zocken und hochriskante Geldgeschäfte darf niemals Geld von Dritten ( Anlegern/Anteileigner ) ohne deren persönliche Zustimmung angelegt werden.
Auch hier sollten die Berater mit der vollen Haftung für das Geschehen eingebunden werden.

#19 |
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Dr. med. Uwe  Kaßler
Dr. med. Uwe Kaßler

Die “normalen” Mitarbeiter der Bank sind mit den Kommentaren sicher nicht gemeint!!! Sie sind wirklich sehr hilfsbereit.

#18 |
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Dr. med. Uwe  Kaßler
Dr. med. Uwe Kaßler

Meine Gedanken behalte ich lieber für mich, es wäre zu unanständig, meine Wut in Worte zu fassen!!!!

“Wutbürger”

#17 |
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Ärztegemeinschaft  Amedis
Ärztegemeinschaft Amedis

Die Apobank ist Teil eines Sumpfes um unsere lieben Standesvertreter. Kein Wunder, dass sie sich an unseren Altersrückstellungen bedienen darf. Einfach nur grausig. Andere Banken finanzieren Gesundheitsdienstleister genauso und haben längst erkannt, dass Gesundheit ein wichtiger Teil unserer Wirtschaft ist. Sie haben also ebenso Spezialisten für das Gesundheitswesen. Die APO Bank sollte daher auf keinen Fall mit unseren Altersrückstellungen gerettet werden, sondern selbst die Folgen einer verfehlten Geschäftspolitik tragen.

#16 |
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Ganz kurz und ganz klar: derartige wirtschafts- und finanzpolitische Artikel haben in DocCheck nichts zu suchen!

#15 |
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Dr. Michael Kirch
Dr. Michael Kirch

Habe schon eine kleine Sammlung von Fakten über die APO. Würde mich über weitere Kollegen freuen, die mir berichten. Vielleicht reicht es dann für eine Sammelklage. Es gehören nämlich diverse jetzige und Ex-Mitarbeiter möglicherweise in den Knast.
Und sollte jetzt – wie auch immer – die Ärzteversorgung “angezapft” werden, sollten wir alle vielleicht mal Hausbesuche hier oder da durchführen. aesklepion@hotmail.com freut sich auf Ihre Mails.

#14 |
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Es wird sich so lange nichts ändern bis diejenigen, die mit dem Geld anderer jonglieren und rechnerisch kurzfristig hohe rechnerische Renditen erzielen wollen und dafür entsprechende Unsicherheiten billigend in Kauf nehmen um möglichst viele Abschlüsse zu erzielen und Provisionen/ Boni einstreichen, egal wie nachhaltig ihr Wirken ist. Der Dumme ist dann die sog. “Allgemeinheit”, die wieder einspringt. Das gilt nicht nur für die apoBank sondern für das derzeitige Finanzsystem als solches. Wenn man an die Schrecksekunde zur Zeit der Lehman-Pleite zurückdenkt, als sich die Spitzenbanker geläutert zeigte und Besserung gelobte und sieht wie jetzt wieder die gleichen Böcke geschossen werden, liegt der Schluss nahe, dass sich für diese Leute kein Zwang zum Umdenken besteht, da sie scheinbar immer wieder ungeschoren davon kommen und Boni fließen trotzdem… Man könnte noch viel dazu schreiben, aber man vergleiche die Pressemitteilungen jetzt und zu Beginn der US-Immobilienkrise, dann kommt einem vieles wieder bekannt vor.

#13 |
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Sehr beunruhigende Nachrichten… Auch ich habe mit dem als risikoarm verkauften KanAM-Fonds erhebliche Verluste erlitten. Die Frage ist, was die Genossenschaftsanteile eigentlich noch wert sind. Hätte nicht gedacht, dass die Finanzkrise ein scheinbar so solides Haus nun auch erreicht- offenbar hat niemand aus den Fehlern gelernt und es wird weiter hochspekulativ angelegt.

#12 |
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Ich kenne die Apobank auch nur als
Vermittler fauler Fonds , etc. Seit der
Pensionierung des Herrn Deutsch nur
Noch Schreckensszenarien. Wer wählt
solche “Banker” in Stellungen in denen
sie die höchste Stufe ihrer Inkompetenz
rasch erreichten

#11 |
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Dr. med. Lutz Müller
Dr. med. Lutz Müller

Bei aller Kritik halte ich eine Bank, die sich in der Gesundheitsbranche auskennt, für besser als nur fachfremde Banken. Die Apobank sollte sich aber wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

#10 |
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Haben die Herren und Damen der Apo-Bank Geschäftsführung auch eine
Haftpflichtversicherung für Anlagefehlern, Veruntreung von
Geldern der Kunden usw. oder bekommen diese Herren eine
Sonderprämie für Mißwirtschaft und Inkompetenz.
Ich meine, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht soll möglichst schnell tätig werden.
Als Gesellschafter fordere ich das der Vorstand die Verantwortung für diese erneute Verlustgeschäfte übernimmt
und zurücktretten soll.

#9 |
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Christoph Höwner
Christoph Höwner

@Kollege Rinker:
Kriminelle Energie? Mag sein, aber möglicherweise ist es “nur” der Ansporn unter den Top Ten-Genossenschaftsbanken zu sein und möglicherweise Gratifikationen einzustreichen.
Da fehlt halt nur noch ein institutioneller Anlagre wie ein Versorgungswerk und schon wird es dramatisch….
Gruß
C. Höwner

#8 |
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Dr. Michael Zimmermann
Dr. Michael Zimmermann

Kann die negativen Erfahrungen bestätigen.Mir wurde u.a.der offene Immobilien Fonds KanAm als sichere Anlage verkauft. Dieser wird zur Zeit abgewickelt und aus den ersten Verkäufen der Objekte wurden vorwiegend die Banken bedient.
Wer ist auch geschädigt und sich an einer Klage beteiligen will bitte an dr-michael-zimmermann@t-online.de

#7 |
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Wer derart regelwidrig mit Geld umgeht, das ihm nicht gehört, sollte strafrechtlich verfolgt werden. Dies gilt übrigens für Politiker ebenso wie für Banker!

#6 |
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Die Frage bleibt- nur Dusseligkeit der Banker oder nicht eher
exorbitante kriminelle Energie und unsägliche Gier nach zu viel
Rendite. Natürlich wieder notfalls auf Kosten der Allgemeinheit- hier der Mitglieder der beruflichen Versorgungswerke. Geschädigte müssen sich dann überlegen, ob sie sich noch bedeckt halten oder nicht besser zu richtigen “Wutbürgern” werden wollen. Ungschoren dürfen die spekulierenden “Ehrenmänner”- ein Mafiaausdruck- m.E. nicht davonkommen!
Dr. D. Rinker

#5 |
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Christoph Höwner
Christoph Höwner

Beunruhigend!
Ich bin zwar bei einer anderen Genossenschaftsbank und bin ein Freund dieser Form, aber dass man “plant” die Versorgungswerke anzuzapfen trifft mich natürlich auch mittelbar.
Hierbei ist für die Ärzteversorgung Nordrhein zu sagen, dass das Versorgungswerk noch nicht einmal schafft den Geschäftsbericht 2010 noch in 2011 den Mitgliedern zur Verfügung zu stellen.

#4 |
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Dr. med.  Hans Ulrich Kötter
Dr. med. Hans Ulrich Kötter

Diese Bank hat nichts gelernt! Nicht nur faule Zertifikate und skandalöse geschlossene Immobilienfonds mit 15-18% Markeringskosten(!), die dann den Bach runtergingen, jetzt auch noch ein weitere Volltreffer in Anleihen. Erstaunlich, weiß doch jeder Banker, daß Dividende direkt mit dem Risiko korreliert und daß hohe Dividenden in den Mittelmeerländern klare Ausfallrisiken haben. Ich empfehle dem Vorstand unbedingt SWAP und OTC Geschäfte mit Goldman Sachs, damit der nächste Schritt der Verlustgeschichte geschrieben werden kann…

#3 |
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Die Empfehlungen der Bank für die Kunden waren auch bisher eher nicht so gelungen.ich kann einige Flops verbuchen

#2 |
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Dr. Heli B.  Engels
Dr. Heli B. Engels

Man sollte den Bankern die ungewöhnlich hohen Provisionen abziehen, denn sie wissen nicht was sie tun!

#1 |
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