Bromid: Heiße Spuren im Körper

20. Juni 2014
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Ein altes Element unter neuem Blickwinkel: Erstmals gelang es Wissenschaftlern, aufzuklären, warum unser Körper Brom benötigt. Das Halogen fungiert als Cofaktor in bestimmten Enzymen des Collagenstoffwechsels.

Bereits 1826 extrahierte Antoine-Jérôme Balard Brom aus Meeresalgen. Genauere Arbeiten gehen auf Justus von Liebig zurück, der ab 1824 diverse Experimente durchführte. Beim ihm standen chemische Aspekte im Fokus. Doch was hat es unter pharmazeutischen Gesichtspunkten mit dem Salz auf sich, sprich benötigen Säuretiere das Salz, um zu überleben?

Wichtig bei der Kollagensynthese

Bislang war bekannt, dass Taufliegen ohne Bromid nicht überleben. Das Ion lässt sich in allen Säugetieren nachweisen, ohne dass bekannt wäre, welche Aufgabe es übernimmt. Billy G. Hudson von der Vanderbilt University School of Medicine löste zumindest ein Rätsel: Bromid fungiert als Cofaktor bei Peroxidasin. Dieses höchst spezielle Enzym verbindet Vorläufer des Collagens IV miteinander: ein Bestandteils der Lamina densa der Basalmembran. Ohne Bromid kann Peroxidasin seine Aufgabe aber nicht erfüllen.

Konsequenzen für Medizin und Pharmazie

Im nächsten Schritt werden Wissenschaftler prüfen, welche Konsequenzen ihre Entdeckung für die Praxis hat: Gibt es Patienten, die infolge eines Bromidmangels erkranken? Auf welche Symptome ist zu achten – und nach welchen Regeln sollte supplementiert werden? Auch ist zu klären, inwieweit Präparate zur parenteralen Ernährung oder zur Dialyse überarbeitet werden müssen. Darüber hinaus spekuliert Hudson, Bromid könne eine Rolle beim Goodpasture-Syndrom spielen. Diese seltene Erkrankung ist auf Autoantikörper zurückzuführen. In der Folge werden Basalmembranen von Blutgefäßen in Nieren und Lungen zerstört. Ein wissenschaftlicher Beweis von Hudsons Vermutung steht noch aus.

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