Mit Sicherheit verliebt: Let’s talk about sex

18. Juni 2014
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Über Sex spricht man nicht. Das ist leider häufig immer noch die Auffassung mancher Eltern. Doch wie sollen Jugendliche dann zeitgemäß über Sexualität aufgeklärt werden? Die Medizinstudentin Georgina Alber unterstützt das Projekt „Mit Sicherheit verliebt“. Wir haben sie zur ihrer Aufklärungsarbeit interviewt.

Sexualkundeunterricht in der Schule. Wer denkt da nicht an peinliche Bienchen-und Blümchen-Geschichten der Lehrer zurück. Da hat der Spaßfaktor oft deutlich den aufklärerischen Aspekt überwogen. Und doch ist es heutzutage wichtig, dass Jugendliche über sexuelle Themen wie Verhütung, Schwangerschaft und Co. Bescheid wissen. Schaut man sich die Ansteckungsraten von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten an, sieht man, dass diese in den letzten Jahren in Deutschland abermals gestiegen sind. Gerade Jungendliche und junge Erwachsene gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen.

Dass aber weder Lehrer noch Eltern besonders scharf darauf sind, „Aufklärungsgespräche“ mit den pubertierenden Halbstarken zu führen, ist nicht verwunderlich. Doch Sexualität ist kein Tabu-Thema und sollte auch keines sein. Deswegen ist 2001 das Projekt „Mit Sicherheit verliebt“ von der Arbeitsgemeinschaft „Sexualität und Prävention“ der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) ins Leben gerufen worden, welches mittlerweile an den medizinischen Fakultäten vieler deutscher Städte und auch international präsent ist. Ursprünglich stammt das Konzept aus Schweden, wo bereits in den 1990er Jahren ähnliche Projekte durchgeführt wurden. Georgina Alber, Medizinstudentin im sechsten Semester an der TU München, erzählt von ihrer Arbeit bei „Mit Sicherheit verliebt“.

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Georgina Alber

Sexualkunde à la Dr. Sommer

DocCheck: Georgina, bitte beschreibe uns kurz das Projekt „Mit Sicherheit verliebt“?

Georgina: Mit Sicherheit verliebt (MSV) ist ein Projekt von Medizinstudenten, aber auch Studierenden anderer Fachrichtungen, die in Schulklassen gehen und dort Sexualkundeunterricht abhalten. Wir klären auf spielerische und altersgerechte Art in lockerer Atmosphäre über Themen wie Sexualität, Liebe und Partnerschaft, Verhütung, Geschlechtskrankheiten und Homosexualität auf. Kurz gesagt: wir agieren als eine Art „Dr. Sommer“. Am wichtigsten ist es uns natürlich, darüber zu informieren, wie man sich vor Aids und anderen Geschlechtskrankheiten sowie vor ungewollten Schwangerschaften schützen kann. Aber auch Pornographie, auf die Schüler durch das Internet heutzutage leicht Zugriff haben, und andere aktuelle Themen werden thematisiert. Wir haben bemerkt, dass das Wissen über „normalen“ Sex, Liebe und Partnerschaft bei den Schülern oft sehr begrenzt ist. Das ist eine ungute Kombination, denn häufig herrscht bei den Jugendlichen eine ziemliche Verwirrung, die wir in unserer Aufklärungsarbeit lichten wollen. Als selbst noch jungen Erwachsenen fällt es uns Studierenden leichter, Zugang zu den Jugendlichen zu finden und uns in sie und ihre Probleme und Fragen hineinzuversetzen. Das ist das Konzept des sogenannten „Peer-Teachings“. Außerdem erhalten die Kinder die Möglichkeit, Antworten auf Fragen zu bekommen, die sie ihren Eltern oder Lehrern niemals stellen würden.

DocCheck: Wie bist Du zu Deiner Arbeit bei „Mit Sicherheit verliebt“ gekommen?

Georgina: Bei meiner Erstsemester-Einführung vor drei Jahren wurde uns das Projekt von der Uni vorgestellt. Da ich schon länger auf der Suche nach einem neuen, coolen Projekt war, für das ich mich engagieren wollte, habe ich mich sofort dafür begeistert. Mittlerweile haben wir in München 50 aktive Mitglieder aus allen Semestern. Vor einem Jahr habe ich dann die Leitung des Projekts in München übernommen.

DocCheck: Was gab es für anfängliche Probleme?

Georgina: Anfänglich war das Projekt natürlich nicht sehr bekannt, weder bei den Schulen, noch bei den Studenten. Die erste Aufgabe war, ein Organisationsteam zu gründen und MSV dann bekannt zu machen. So konnte man dann die ersten Lehrer, Schulen und Studenten davon überzeugen. Da das Thema Sexualität irgendwann jeden Menschen persönlich betrifft, war dies auf jeden Fall gut zu meistern. Mittlerweile ist Sexualaufklärung fester Bestandteil der Lehrpläne und so wird „Mit Sicherheit verliebt“ immer häufiger angefragt. Viele Lehrer erkennen die Vorteile des „Peer-Teaching“-Prinzips, wovon wir sehr profitieren.

DocCheck: Für welche Schulen wird das Projekt angeboten?

Georgina: Wir sind an den verschiedensten Schulen hier in München und Umgebung bis nach Garmisch-Partenkirchen aktiv. Ob Realschule, Hauptschule, Gymnasium, Fach-/Berufsoberschule, Montessori-Schule, Euro Trainings Centre für Jugendliche mit Migrationshintergrund oder Grundschule, wir haben immer viel zu erzählen und dabei eine Menge Spaß mit den Schülern. Im Sinne der „Peer Education“ findet unser Projekt stets ohne Anwesenheit von Lehrern statt. Unsere Stärken hierbei sind unser geringer Altersabstand zu den Jugendlichen sowie eine gewisse Anonymität durch unseren einmaligen Besuch. Pro Semester stehen etwa zehn Schulbesuche an. Darunter sind Schulen, zu denen wir schon viele Jahre kommen, aber es melden sich auch immer wieder neue bei uns. Außerdem pflegt MSV München guten Kontakt zu den Deutschen Schulen in Paris, Brüssel und Warschau. Alle ein bis zwei Jahre fahren ein paar unserer Leute dann ins Ausland, um auch dort mit den Jugendlichen über alle Fragen rund um „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ zu sprechen.

DocCheck: Und wie genau sieht Eure Aufklärungsarbeit dort aus?

Georgina: Meistens gehen wir vormittags in die Klassen und bleiben für vier bis fünf Stunden dort. In dieser Zeit wollen wir alle uns wichtigen Themen wie die Basics der Anatomie, Verhütung, Geschlechtskrankheiten, das erste Mal, Beziehungen usw. ansprechen. Wir gehen aber auch sehr viel auf die Fragen und Interessen der Schüler ein und versuchen herauszufinden, was sie gerade besonders beschäftigt. Wichtig ist es uns, einfach zu zeigen, dass es völlig in Ordnung ist, offen über Sex zu sprechen. Deswegen vermeiden wir Frontalunterricht, sondern sitzen im Stuhlkreis und fördern die Mitarbeit der Schüler durch Gruppenarbeit und Spiele. Ursprünglich war das Projekt für Schüler der Klassenstufen 7 und 8 konzipiert. Doch nach und nach haben wir immer mehr Anfragen von nahezu allen Klassenstufen erhalten, sodass wir nun Schulbesuche von der dritten Klasse Grundschule bis zur 13. Klasse der FOS, BOS und Berufsschulen durchführen. Wir passen unser Projekt für jede Klasse individuell an und behandeln genau die Themen, die gerade in dem Alter am interessantesten sind. Kurz und knapp: Wir unterrichten alle Klassenstufen und alle Schularten, denn Sexualität ist ein Thema, das jeden was angeht. Wir führen außerdem geschlechtergetrennte Seminare durch, d. h. wir teilen die Klassen in Jungs und Mädchen, weil wir in getrennten Gruppen intensiver und spezifischer arbeiten können. Für Mädchen ist beispielsweise das Thema Frauenarzt interessant, für Jungs das Thema Umgang mit Pornographie. Außerdem reden die Schüler in den geschlechtergetrennten Gruppen offener und freier miteinander.

Lehrer müssen draußen bleiben!

Ein besonderer Aspekt, der gewährleistet, dass man offen über Sexualitätsthemen mit den Schülern sprechen kann, ist, dass Lehrer während des Gesprächs nicht anwesend sein dürfen. So trauen sich die Schüler, offen mit den Medizinstudenten zu reden. Durch Rollenspiele und andere erlebnisorientierte Methoden aus dem Bereich der Sexualpädagogik wird das peinliche Thema aufgelockert. Die Ernsthaftigkeit bestimmter Aspekte wird dabei aber stets betont, ebenso werden persönliche Grenzen oder kulturelle Verschiedenheiten immer beachtet.

DocCheck: Warum ist es so wichtig, dass es Euer Projekt gibt? Sind die Schüler von heute nicht schon genug aufgeklärt?

Georgina: Die Schüler haben zwar leichter Zugang zu Medien, die Sex und Sexualität zeigen und thematisieren, aber wir merken jedes Mal in den Klassen, dass es doch bei den kleinsten Dingen Missverständnisse gibt („Gehören der Penis und der Tampon in das gleiche Loch?“) und viele zwischenmenschliche Fragen („Wie sage ich meinen Eltern, dass ich einen Freund habe?“) lassen sich auch nicht so einfach im Internet klären. Bestimmte Themen und Problematiken sind den Schülern auch einfach noch nicht bewusst und wir können sie dafür sensibilisieren. Wir wollen den Jugendlichen Wissen vermitteln und können dies oft verständlicher als der Biologielehrer, da wir selbst noch sehr gut wissen, wie verwirrend es manchmal war, in der Pubertät zu sein.

DocCheck: Ihr betreibt Aufklärung auf Augenhöhe, wie kommt Ihr denn besser an die Schüler heran als ein Lehrer oder die Eltern? Wie brecht Ihr das Eis bei einem doch sehr heiklen Gesprächsthema?

Georgina: Indem wir einfach von Anfang an nicht um den heißen Brei herumreden, sondern offen sind und klar aussprechen, was wir sagen wollen. Die Schüler merken dann sehr schnell, dass sie bei uns nicht auf peinliches und verlegenes Schweigen treffen werden, wenn sie fragen, was beispielsweise Analsex eigentlich genau ist. Zu Beginn eines Projekttages spielen wir auch das sog. „Sex-ABC“, bei dem die Schüler zu jedem Buchstaben im Alphabet einen Begriff aus dem Themenkreis Sex und Liebe finden und an die Tafel schreiben sollen. Das bringt schon mal die „verbotenen“ Worte ins Spiel und hilft uns auch zu sehen, auf welchem Wissens- und Erfahrungsstand die Gruppe ist.

DocCheck: Trauen sich die Schüler denn, wirklich offen über Sexualität zu sprechen?

Georgina: Bei manchen Gruppen dauert es länger als bei anderen, aber es kommt immer eine gute Diskussion zustande. Wir haben auch eine „Blackbox“, in die die Schüler anonym Fragen an uns einwerfen können und die wir dann meistens nach der Pause vor allen beantworten. Beliebte Themen sind immer abhängig vom Alter und auch von dem, was in der Schule gerade „in“ ist. Das reicht von bestimmten Sexualtechniken über Nacktbilder per SMS bis Sex oder kein Sex vor der Ehe. Natürlich gibt es auch geschlechtsspezifische Unterschiede. Die Mädchen interessieren sich beispielsweise natürlich mehr für die Wirkungsweise der Pille und weniger für das „Wie verstecke ich eine ungewollte Erektion?“ als die Jungs.

DocCheck: Was gefällt Dir so besonders an der Aufklärungsarbeit?

Georgina: Schön ist es jedes Mal, wenn die Schüler nach einem Vormittag sagen: „Es hat uns wirklich gut gefallen, obwohl wir vorher etwas skeptisch waren“. Das ist dann schon ein gutes Gefühl, dass man wirklich etwas geschafft hat. Oft erlebt man auch besonders lustige Situationen, beispielsweise, wenn Fragen wie „Wie viele Löcher hat eine Frau untenrum“ munteres Raten bei den Schülern auslösen. Generell macht es einfach unglaublich viel Spaß mit den Schülern zu arbeiten und ihnen wichtige Themen näherzubringen, über die sie sonst nicht offen reden.

Ohne Dings kein Bums

Gerade das Thema Verhütung in Bezug auf Geschlechtskrankheiten ist ein wichtiger Kern des Projekts „Mit Sicherheit verliebt“. Der thematische Schwerpunkt liegt hierbei auf HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten sowie der Wichtigkeit, sich effektiv durch den Gebrauch von Kondomen zu schützen. Dazu wird es dann auch praktisch: in der Stunde zur Verhütung darf jeder Schüler den Gebrauch von Kondomen selbst üben. Außerdem geht ein Säckchen mit verschiedenen Verhütungsgegenständen im Stuhlkreis herum, aus dem sich jeder Jugendliche etwas herausgreift und dann gemeinsam besprochen wird, wie damit verhütet werden kann. Da auch in Deutschland noch immer viele Vorurteile gegenüber HIV-positiven Menschen existieren, wird auch hierüber gesprochen. „Mit Sicherheit verliebt“ möchte helfen, Stigmata und Vorurteile abzubauen und die Jugendlichen zu einem toleranten Umgang zu bewegen. In diesem Zusammenhang kooperiert die Münchner Lokalgruppe auch mit dem QUEER-Beauftragten und der Münchener-AIDS-Hilfe. Jedes Jahr zum Aidstag werden verschiedene Aktionen an den Münchner Kliniken geplant, mit Infoständen und Kuchenverkauf, dessen Erlös an die AIDS-Hilfe gespendet wird. Finanziert wird das Projekt übrigens aus Geldern der Fachschaften der LMU und TU München.

DocCheck: Wie bereitet Ihr Euch auf die Seminare in den Schulen vor?

Georgina: Zu Semesterbeginn veranstalten wir eine interne Fortbildung für alle MSV-Mitglieder. Hier vermitteln wir Wissen über Geschlechtskrankheiten, Verhütungsmittel, Schwangerschaft und Abtreibung. Außerdem gibt es ein Methoden-Training, wo wir neu hinzugekommenen Medizinstudenten unsere altbewährten Methoden vorstellen und wir anderen uns neue Unterrichtskonzepte überlegen. Wir treffen uns während des Semesters jeden Monat zu einer anderen Aktion. Sei es eine Fortbildung, die uns hilft, unseren Schulunterricht besser zu gestalten oder eine Diskussion mit einer Gynäkologin oder einem Urologen, die uns neue Einblicke in verschiedene Themen rund um die Sexualität ermöglicht. Wir unternehmen aber auch viele andere Sachen zusammen. Beispielsweise haben wir auf den Mediziner-Partys meist einen Informationsstand und verteilen kostenlos Kondome.

DocCheck: Wie schaffst Du es neben Deinem Medizinstudium noch Zeit für Deine ehrenamtliche Tätigkeit bei „Mit Sicherheit verliebt“ aufzubringen?

Georgina: Das Projekt ist es einfach wert und auch, wenn es manchmal stressig ist, macht es unglaublich viel Spaß. Wir teilen uns auch viele Aufgaben und arbeiten in der Gruppe Hand in Hand. So kann man auf jeden Fall viel neben dem Studium erreichen.

DocCheck: Wie beeinflusst Dich die Arbeit bei „Mit Sicherheit verliebt“ im Hinblick auf deinen Wunsch, Ärztin zu werden?

Georgina: Ich profitiere auf jeden Fall von einer sehr erfüllenden ehrenamtlichen Tätigkeit, die nebenbei das Agieren und Reden vor Gruppen trainiert. Auch bei schwierigen Themen lernt man, cool zu bleiben. Für spätere Ärzte ein nicht zu unterschätzendes Talent. Ich fühle mich insgesamt besser darauf vorbereitet, mit meinen Patienten über ihre Sexualität zu sprechen und sie in ihrem Körpergefühl ernst zu nehmen. Es gibt unter den MSV’lern tatsächlich auch sehr viele Studenten, die später gerne in die Urologie möchten. Das Thema wächst einem eben ans Herz.

DocCheck: Wie können interessierte Medizinstudenten aus ganz Deutschland an dem Projekt mitwirken?

Georgina: Jeder Medizinstudent kann mitmachen. Wir freuen uns immer über neue Mitglieder. An fast allen Hochschulorten gibt es eine Lokalvertretung, also ein lokales Projekt, das die Schulen in der Umgebung aufklärt. Am Besten kann man unter sicher-verliebt.de einfach die eMail-Adresse der jeweiligen Lokalgruppe suchen und die Leute direkt anschreiben. Interessierte Studenten können sich ansonsten auch einfach an unsere bundesweite Koordination (nora@bvmd.de) wenden.

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14 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Frau Meyer, fragen Sie einen Mann nach seiner Scheidung gegen seinen Willen,
ob er bei der Heiratsentscheidung einem “Trieb” gefolgt ist, oder seinen Verstand gefragt hat, dann werden Sie auch Schiller verstehen.
Wenn Sie schon die Bibel zitieren, so war es immerhin Eva, die dem Adam den Apfel gereicht hat.:-). Aus sexueller Neugier zu heiraten ist Quatsch!
Die “Pause” nach einem Baby ist dagegen eher keine “schwere Leidensgeschichte” und eher gedanklich eingeplant, wenn er Kinder liebt.
Eine dauerhafte Abwendung dagegen wohl schwerlich “am Anfang” so etwas wie Liebe gewesen.
Es ist immer etwas tragisch und nachteilig für den Liebenden, wenn Liebe ungleich verteilt ist. Manche können das offensichtlich nicht und verwechseln das schöne Gefühl, geliebt zu werden, mit Liebe.
Das mit dem “Üben und Lernen” ist selbstverständlich die Sicht dessen, der das alles schon kennt und vielleicht auch trotz Scheidung auch ohne Abschaltung des Verstandes ein zweites mal geheiratet hat, solls ja geben :-).
Aus Sicht des Novicen ist das (nicht immer) durchaus ernst gemeint, mit den besten Absichten und dann immer etwas tragisch, wenn es nicht klappt, was den Außenstehenden nicht wundert.
Menschen müssen NICHT “gleich” sein, was ja häufig gefordert wird und Attraktivität entspringt ja aus der Verschiedenheit, wofür es Toleranz und Verständnis braucht.
Ich hab nicht die allergeringste Neigung, einen mir viel ähnlicheren Mann (statt meiner Frau) in meinem Bett liegen zu sehen.
Und wenn meine Frau an Hexen glaubt und ich nicht, ist das ebenfalls kein “Partnerproblem”.

Daher sehe ich Sex (als Handlung) NICHT als Selbstzweck, Ausnahmen bestätigen die Regel, sondern als Belohnung, weil es “sonst” klappt.

Gruß

#14 |
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Studentin der Humanmedizin

Arzt auf Nr. 10, herzlichen Dank für den ausführlichen Artikel zu den Studien zum Thema Beschneidung und Gebärmutterhalskrebs.
Mit Friedrich Schiller’s Bemerkung “drum prüfe, wer sich…” kann ich mich nicht anfreunden. Denn, die emotionalen Rhythmen des Mannes und der Frau sind so unterschiedlich, dass eine ausgereifte sexuelle Beziehung schwieriger zustande kommen wird, wenn die Partner schon vom Anfang an wissen, dass es ein Versuch darstellt und sie sich bei Nicht-Gefallen relativ einfach wieder trennen können. Es gibt doch eine völlig andere Ruhe, vielleicht westlich-zivilisatorische Ruhe, als die Ruhe des Wesens bzw Ursprungs des Menschen. Wie kann noch die erste Narkose der Geschichte der Menschheit (Gott schuf die Frau aus der Rippe ihres Mannes) zum Tragen kommen, wenn man sich einfach ausprobiert? Ich glaube, es geht etwas wesentliches der Liebe verloren. Uebrigens noch etwas hinzu: Es kommt komischerweise in unserer Kultur immer wieder mal vor, dass die Frau mit dem Manne keinerlei sexuelle Beziehung mehr pflegen will, sobald ein erstes Kind geboren ist. Ich habe die schwere Leidensgeschichte von zwei männlichen Bekannten vernommen, und es auch mindestens éin Mal in der Zeitung gelesen. Was nützt denn überhaupt ein Ausprobieren noch, wenn die Frau sich hormonell (?) oder seelisch (?) völlig ändert nach einer Geburt? Ich vermute sehr, dass der Mann, der erst nach Eheschliessung eine sexuelle Beziehung mit seiner ausgenommenen Rippe aufbaut, am Besten drann ist. Seiner Reinheit wegen und des Vertrauens und Schutzes, den er bietet, nachdem er seine hormonell anders gearteten Emotionen
gezügelt hat. Ich sage es zu Herrn Dr Bayerl und seinem Namen im Sinne der schönen Berufsbezeichnung, und aus Liebe zu allen Männern die ein schweres Schicksal erlitten, nachdem sie ein Kind erweckt hatten.

#13 |
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Arzt
Arzt

Zweifellos gibt es einen westlich-gesellschaftlichen Trend zur Auflösung der Institution von Ehe, vorangehend wie immer unser “Vorbild” USA erkennbar an der “Scheidungsrate”, die ja von vielen (Frauen) als großer Fortschritt gepriesen wird.
Unterhaltszahlung für Erwachsene ist allerdings eher das Gegenteil von Emanzipation.
So hat denn das fortschrittliche Schweden schon vor vielen Jahren Unterhaltszahlungen nach Scheidung KOMPLETT abgeschafft und siehe da, die Scheidungsrate ist wieder deutlich unter 50 % zurückgegangen. Auch die Nachwuchsrate ist besser als bei uns, logisch.
Deshalb gilt für deutsche Männer ganz besonders der Spruch von Friedrich Schiller:
“drum prüfe, wer sich …

mfG

#12 |
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Arzt
Arzt

Das Problem “westlicher Sexualität” ist ja gerade die zunehmende künstliche Trennung von Körper und Seele (Liebe), so dass junge Menschen durch all den kulturellen Medien-Sex-Rummel, den “Sex” ganz unabhängig von dem anderen geradezu als Konsum-Verpflichtung wahrnehmen. Insbesondere wird man ja zu allerhand “Abweichungen” bei Sex vom Normalen geradezu ermuntert.

Liebe wird zweitrangig, bleibt auf der Strecke. Ein ganzes Heer von Therapeuten ist daher (erfolglos) damit beschäftigt, bei der weit verbreiteten Störung dieses nicht so richtig funktionierenden Sex (ohne Liebe), genannt Orgasmusprobleme behilflich zu sein.
Es gibt auch in Deutschland (Uni Bremen) Studien, die zeigen dass nach der “sexuellen Revolution” (wer zwei mal mit demselben pennt, gehört schon zum Establishment), der Sex zwischen Mann und Frau nicht zu- sondern abgenommen hat. Ich hab im Internet eine Heiratsanzeige einer Amerikanerin gelesen, die einen Mann mit Kindern wollte,
allerdings müsste dieser Traummann Verständnis dafür haben, dass Sie ihr augenblickliches Sexverhältnis mit einem anderen Mann, der sie nicht heiraten wollte weiterführen würde.
Da fragt man sich unwillkürlich, was junge Studentinnen unter sexueller Aufklärung eigentlich verstehen?
Würde mich interessieren.

#11 |
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Arzt
Arzt
#10 |
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Studentin der Humanmedizin

Sehr geehrter Arzt auf Nr 8:
Ich habe es von irgendwo her, und in den USA gibt es einige Männer, die sich beschneiden liessen ohne jüdischen oder islamischen Ursprungs zu sein. Mir ist allerdings nicht bekannt, aus welchem Grund, aber ich erinnere mir wenigstens, dass es genau aus dem Grund der “Sexualhygiene” ist.
Ich melde mich ggf später, wenn ich belegen kann, woher ich das Wissen habe.

#9 |
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Arzt
Arzt

Warum löscht Doc die Korrektur von so beschämenden Falschmeldungen über kindliche Beschneidung wie von stud. med. Edith Meyer???

#8 |
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Studentin der Humanmedizin

Herr Doktor Bayerl, die Kondome die da »…medial überall herum hängen…«, habe ich nie in so vielen Farben gesehen. Ich finde es wohl lustig, dass sie die an die Wäscheleine hinausgehängt haben.
Vermutlich sagen wir eigentlich das Gleiche, indem Sie meinen, dass der Mensch kein Anhängsel seiner Hormone sein sollte, und Sex (wenigstens in einer längeren Phase des sich Kennenlernens) im Kopf stattfindet. Ich verschiebe es noch etwas weiter hinauf, indem ich die Sexualität an einem höheren Ziel hänge, in meinem Fall das Zuhausesein und -bleiben in einer Religion. Der Begriff ist weit aus zu legen: Menschen, die sehr viel im Internet die Freizeit versurfen oder viel TV schauen, hängen den Götzen an, der das Leben inhaltlich gleichermassen bestimmt, wie ein Mensch, der jeden Tag eine Viertelstunde die Bibel liest und sinnstiftend damit umgeht. Dass die westliche Gesellschaft sexuell verklemmt ist, kann ich mir vorstellen. Vor Allem wenn die Menschen ihre Triebe nachgehen.
Aus dem Grund finde ich den Artikel der Frau Heckl gut, indem sie uns das Wissen mitgibt über den Sexualunterricht im Schulwesen. Vor 35 Jahren lernten wir es noch vom Pfarrer.

Was die Beschneidung der jüdischen Knaben betrifft: Sie tun im Grunde genommen etwas Gutes! Das Risiko des Gebärmutterhalskrebses ist signifikant kleiner bei Frauen, die einen beschnittenen Mann geheiratet haben. Die beschnittenen Männer haben weniger potentielle Krankheitserreger unter der Vorhaut.

Vor nicht all zu langer Zeit war es in der Schweiz noch üblich, dass Ehepartner um Zustimmung fragen sollten bei den Blutsverwandten, wenn sie scheiden wollten!
Das Heiraten und Scheiden war noch eine Sache zwischen Familien statt Individuen.
Ich weiss selber wenig dazu, da ich auch nur eingewandert bin vor 28 Jahren, aber es gab eine Gesetzesänderung vor etwa 15 Jahren, die besagte, dass die Scheidungswilligen nicht mehr die Zustimmung der Verwandten einholen sollen.
Diese Aera lief vielleicht noch ab auf Herzensebene, zwischen Kopf und Triebwesen.
Ich glaube, wir dürfen zufrieden und glücklich sein, wenn wir liebesfähig sind.
Diesbezüglich haben Sie auch wohl Recht, und ich füge hinzu: Man lernt sich als potentielle Ehepartner am Besten kennen bezüglich Spannungsfeld zwischen Egoismus und Altruismus, wenn man seine sexuellen Neigungen kennenlernt.
Viele liebe Grüsse, mögen sie glücklich verheiratet sein! (Ich selber bin ledig, und möchte mich irgendwie sinnvoll entfalten bei Lebensweisheit)

#7 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Liebe stud.med. ich habe nicht den Ehrgeiz, einen Platz an der Spitze zu beanspruchen,
deshalb schreib ich gerne auch mal anonym.
Und wenn ich Fragen stelle, will ich schon mal was von anderen wissen bzw. dazulernen, das gehört zum Leben.
Hier geht es eher nicht um ein med. Thema, bis auf den vorsichtigen Hinweis, dass der Schutz vor Ansteckung in diesem Bereich ja auch mal durch Verzicht oder Testung DAVOR möglich ist, soviel Zeit sollte möglich sein. Das scheint (medial) ein Tabu zu sein, weil überall immer Kondome rumhängen.
Trotzdem bin ich ganz empirisch (Lebenserfahrung) der Meinung,
dass man auch auf diesem Feld eine gewisse Lernphase benötigt, das so gut hinzukriegen, wie die Natur es wohl geplant hat, deshalb muss man keineswegs den Verstand abschalten und in jede Falle Tappen, die da heute reichlich ausgelegt sind.
Der Mensch sollte nicht ein Anhängsel seiner Hormone sein.
Ein Blick in die Scheidungsstatistik sollte ernüchtern.
Sowohl die traditionelle Kirche wie die übrige “westliche” Gesellschaft als anderes Extrem halt ich für sexuell verklemmt. Ein besonderer Tiefpunkt ist dabei die Beschneidung kleiner Jungs.

Mit Prüfung, nach Schiller, meinte ich allerdings weniger den Sex und die angedeutete Lernphase, sondern eher den Charakter des Partners.
Der anglo-amerikanische “mediale” mainstream ist mir entschieden zu egoistisch.
Auch Sex und das was man als Höhepunkt beschreibt, findet im Kopf statt,
da muss es schon irgendwie stimmen, wenn das klappen soll :-)

#6 |
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Studentin der Humanmedizin

Herr Dr. Bayerl, sind Sie noch da? Finden Sie es eher unpassend, wenn ich etwas schreibe über juristische Sachen zwecks Illustration meiner Ideen oder Meinungen?
Ich versuche schon eher nicht, ausufernd zu schreiben auf dieser Aerzte-Website,
aber ab und zu finde ich es selber iO. Wenn Sie es eher unpassend oder gar langweilig finden, dann lasse ich es inskünftig sein. Weil ich Ihre Beiträge immer gut finde, sind Sie sowas wie mein Massstab des guten Beitrags auf Doccheck! Sie sind zwar der medizinische Wissenschaftler, und ich schreibe ganz anders wie Sie, weshalb ich mich sonst nicht mit Ihnen vergleichen kann, und Ihnen gerne den Platz überlasse an der Spitze dieser Site.

#5 |
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Studentin der Humanmedizin

Herr Dr. Bayerl, danke herzlich für die interessante Antwort. Ich bin der Meinung, dass das “Prüfen vor der ewigen Bindung” auch eine Schattenseite innehaben kann, nämlich die Betonung des Triebs und der Körperlichkeit. Die sind im Grunde genommen nicht negativ zu bewerten, aber sie haben etwas inne, das verführen kann zu etwas, das im Laufe der Ehe lästig werden kann: Der Materialismus insgesamt!
Der kann zur Langeweile führen, und schlussendlich zur Scheidung.
Ich kenne eine orthodoxe Jüdin, die mir erklärte, dass Mann und Frau in einer jüdischen Ehe während der Menstruation bis zu 10 Tage nach dem letzten Tag (weiss nicht mehr genau, wie lange wirklich) keinen Sex treiben dürfen gemäss Gebot. Die Folge sei, dass in einer orthodox jüdischen Ehe immer ein sexuelles Spannungsverhältnis aufrechterhalten bleibt, das eine Langeweile sozusagen überwindet. Ich finde das auch eine sehr gute Lösung des Problems des betonten Materialismus.
Ich hörte ach von einem Zivilrechtsprofessor, dass die meisten Ehen scheitern wegen finanzieller Probleme: Diejenigen, die mehr Geld ausgeben als sie haben, werden das Brot der meisten Zivilrechtsanwälte. Meines Erachtens liegt der schlechte Umgang mit Geld verborgen im anfänglichen Umgang mit Körperlichkeit im Sinne der vorehelichen Sexualität. Triebe werden zu leicht und undurchdacht befriedigt, was führt zu neuen Lüsten, die befriedigt werden wollen, und die liegen im Geld!
Dabei ist Sexualität so ein hohes Gut, das so zu schützen sei im Sinne ihrer Würde.

#4 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Stud Edith Meyer, das “Prüfen” vor der “ewigen Bindung”,
hat schon ein gewisser Friedrich Schiller empfohlen.
Das sehe ich heute eher als noch wichtiger.

Mich würde in einem Med.Block die Rolle des Infektionsrisikos bei der offensichtlich enthusiastischen “Aufklärung” interessieren.

#3 |
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Studentin der Humanmedizin

So ein wertvolles Projekt!
Hätten wir (Baby Boomer – Generationen) so spontan und lüftig Sexualunterricht erhalten im Schulwesen, wie viel besser wäre das Leben möglicherweise zur Entfaltung gekommen. Ich bin übrigens der Kirche JC der Heiligen der Letzten Tage beigetreten,
weshalb “Sex vor der Ehe” verpönt ist, ein Gebotsbruch. Aus dem Grund heiraten die jungen Mitglieder relativ jung, und führen ein glückliches Ehe- und Familienleben.

#2 |
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Gast
Gast

besser als reden ist doch die Praxis, oder?
Gibt es dazu wenigstens gute Tips?

#1 |
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