Fettbildung: Epigenetisches Enzym beteiligt?

12. Juni 2014
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Wissenschaftler haben gezeigt, dass sich durch Umweltreize wie Kälte die Menge des epigenetischen Enzyms Lysin-spezifische Demethylase (LSD1) im weißen Fettgewebe erhöht und dass dieses Enzym die Bildung von Fett steuert.

Die Forscher um Prof. Dr. Roland Schüle und Dr. Delphine Duteil von der Urologischen Klink und der Zentralen Klinischen Forschung am Universitätsklinikum Freiburg zeigten, dass LSD1 Gene steuert, die für die Bildung von Fett entscheidend sind. Sie untersuchten in Zellkultur sowie in Mäusen, wie es sich auswirkt, wenn das epigenetische Enzym gehemmt wird oder nicht vorhanden ist. Die Hemmung des Enzyms blockiert die Entwicklung von Fettzellen.

Mäuse, die kein LSD1 produzieren konnten, hatten keinerlei Fettpolster. Das deutet darauf hin, dass LSD1 in Organismen für die Entwicklung von weißem Fett ausschlaggebend ist. Erhöhte Level des Enzyms bei Mäusen förderten die Bildung von Inseln beiger Fettzellen in weißem Fettgewebe. Diese Tiere reagierten stärker auf Kälte-Reize und produzierten schneller beiges Fett. Sie nahmen zudem weniger zu und erkrankten nicht an Diabetes-Typ-2, wenn sie fettreich ernährt wurden.

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Das Bild zeigt Fettzellen von Mäusen mit einer normalen (links) oder höheren Menge (rechts) von LSD1. Erhöhte Level des Enzyms fördern die Bildung von beigem Fett. Dadurch nehmen die Mäuse bei fettreicher Ernährung weniger zu. © Delphine Duteil

Erhöhte Mengen von LSD1 regten in Zellkultur die Aktivität von Mitochondrien sowie die Wärmebildung an. Die Wissenschaftler stellten fest: LSD1 fördert, dass Gene, die bei Stoffwechselprozessen und der Atmungskette eine Rolle spielen, abgelesen und nach ihren Bauplänen Proteine hergestellt werden. Darüber hinaus wirkt LSD1 in zweifacher Weise mit dem Transkriptionsfaktor „Nuclear respiratory factor 1“ (Nrf1), der wichtige Stoffwechsel-Gene aktiviert, zusammen. Zum einen sorgt LSD1 dafür, dass mehr Nrf1 hergestellt wird. Zum anderen begünstigt es zusammen mit dem Transkriptionsfaktor die mitochondrialen Atmungseigenschaften von Fettzellen.

Originalpublikation:

LSD1 promotes oxidative metabolism of white adipose tissue
Roland Schüle et al.; Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms5093; 2014

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Diabetologie, Medizin

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4 Kommentare:

Ärztin

Da sind mal wieder besonders “nette” Gäste unterwegs; man erkennt sofort welch Geistes Kind sie sind.

#4 |
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Gast
Gast

Hallo liebe Frau Silke Schuster,
meine Sie, mit LSD1 kann man dann endlich wieder zu richtig reinhauen?
… ohne dass …
Ja das wäre ein Meilenstein, den würd ich im Kalender ankreuzen.

#3 |
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Gast
Gast

nach meiner ganz persönlichen Meinung
gibt es immer dann Fettbildung, wenn man zu viel ist.
Ich weis, nicht schimpfen, ist nur eine Theorie.

Dann hab ich da noch von der Drüse gehört,
die aus Luft Fett machen soll,
ist aber nicht meine Theorie.

#2 |
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Ärztin

Ein Meilenstein der Forschung sowohl für Adipositasforschung als auch für die Diabetesforschung!
Hoffentlich ist dann das Enzym LSD1, bzw dessen Induktion bald für die Diabetestherapie zur Verfügung steht .LSD1 ist offensichtlich das Schlüsselenzym welches zwischen den schlanken Kohlenhydratverbrennern und den fettreicheren Fettverbrennern (später metabolisches Sydrom bei zu kohlenhydratreicher Ernährung) steht.

#1 |
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