Sterbefasten: Hürdevolles Dahingehen

17. Juni 2014
Teilen

Eine weitgehend unbekannte Methode, das Leben selbstbestimmt, würdevoll und schmerzfrei zu beenden, ist das Sterbefasten. Der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit fordert aber von betreuenden Ärzten eine persönliche Haltung zum Thema. Ein Überblick.

Viele Menschen werden vom Tod überrascht, weil er so unvorhergesehen eintritt. Doch Menschen, die sich das Ende herbeiwünschen, haben es mitunter schwer, dieses Ziel zu erreichen. Die Gründe, warum ein Mensch, der noch nicht im Sterben liegt, sein Leben beenden möchte, sind vielfältig. Sie reichen von der unerträglichen Aussicht auf einen langsamen Verfall, wie beispielsweise bei einer Demenzerkrankung, über tödliche Krankheiten, wie Krebs, bis zur Lebensmüdigkeit in hohem Alter.

Verzicht auf Essen und Trinken

Eine schon seit der Antike praktizierte, in unserer Gesellschaft dennoch recht unbekannte Möglichkeit, das Leben vorzeitig zu beenden, ist das Sterbefasten bzw. der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF). Bei dieser Methode beendet der lebensmüde Mensch aus freien Stücken die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit. Er gewinnt Selbstbestimmung am Lebensende und die Möglichkeit, sich von den Angehörigen angemessen zu verabschieden, ohne sie und sich selbst durch einen gewaltsamen Suizid zu erschüttern. Zudem ist der Tod bei professioneller Begleitung friedlich und schmerzfrei.

Das Recht zu leben – und zu sterben

Doch wie weit geht eigentlich das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper, das eigene Leben? Für Menschen, die das Leben als Geschenk Gottes betrachten, kommt ein selbst gewählter Eingriff, um es zu beenden, nicht in Frage. Privatdozent Dr. Alfred Simon von der Akademie für Ethik in der Medizin in Göttingen betrachtet das Leben als ein hohes Gut, mit dem man verantwortungsvoll umgehen soll. Dies schließt für ihn aber durchaus die Möglichkeit ein, das eigene Leben z.B. angesichts einer schweren und aussichtslosen Erkrankung selbstbestimmt zu beenden. Immer mehr Menschen wünschen sich, „gut“ zu sterben. Selbstverständlich ist „gut“ ein sehr persönlicher Wert, doch es zeigt sich in Umfragen, dass der Tod als integraler Bestandteil des Lebens langsam aus der Tabuzone rutscht. Der Anspruch an ein würdevolles Sterben, das den Willen des Sterbenden so weit wie möglich berücksichtigt, hat Einzug in die Palliativmedizin und die Hospizbewegung gefunden.

Dennoch treibt viele Menschen vor allem die Angst. Die Angst davor, was am Lebensende mit dem eigenen Körper passieren wird, was passieren soll und wer sich dafür einsetzt. Frau Elke Simon, Patientenberaterin bei der Deutschen Stiftung Patientenschutz, empfiehlt daher denen, die sich bei ihrer Organisation informieren, sich ausführlich mit einer Patientenverfügung auseinanderzusetzen und ein für den individuellen Fall passendes Dokument aufzusetzen.

Eine freiverantwortliche und wohlüberlegte Entscheidung

Eine Patientenverfügung greift jedoch erst dann, wenn der Patient seinen eigenen Willen nicht mehr kundtun kann. Im Fall des FVNF wird die Entscheidung zu einem Zeitpunkt getroffen, bei der der Patient noch aus freiem Willen und eigenverantwortlich handelt. Im Idealfall, so erklärt Herr Dr. Alfred Simon, erfolgen Gespräche mit anderen Ärzten, den Pflegenden, eventuell auch mit Psychologen, um die aktuelle Situation und den Wunsch zu sterben beurteilen zu können. „Kommt das Team in einer gemeinsamen Beratung zu dem Schluss, dass die Entscheidung freiverantwortlich getroffen wurde, so ist es für die beteiligten Ärzte möglich, den Patienten bei diesem Weg zu begleiten und zu unterstützen.“ Eine fachgerechte und professionelle Begleitung ist dringend notwendig; denn nur weil ein Patient den Weg des FVNF geht, heißt das nicht, dass man nichts mehr für ihn tut. Vielmehr braucht er dann intensive Betreuung, beispielsweise in Form von Mundhygiene, um das Durstgefühl zu lindern, Schmerztherapie oder Behandlung bei Angstzuständen.

Eine Umfrage der Bundesärztekammer unter 527 Ärzten zum ärztlich begleiteten Suizid und aktiver Sterbehilfe aus Sicht der deutschen Ärzteschaft aus dem Jahr 2010 zeigt, dass 69 Prozent der Ärzte es für fast unmöglich halten, einzuschätzen, ob der Suizidwunsch eines Patienten endgültig ist oder nicht. Im Hinblick auf diesen Punkt ist der FVNF ein guter Weg, denn er ist nicht vom ersten Moment an endgültig, wie es die Einnahme einer tödlichen Dosis eines Medikaments ist. Eine Umkehr ist in den ersten Tagen leicht möglich.

Was muss ein Arzt – was darf er?

Doch darf ein Arzt dem Wunsch des Patienten nachkommen, ohne sich (berufs-)rechtlich strafbar zu machen? Hierzu muss man die Begrifflichkeiten und Definitionen betrachten. Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) unterscheidet in seinen aktuellen Reflexionen zum ärztlich assistierten Suizid zwischen einer Hilfe beim Sterben und einer Hilfe zum Sterben, wobei er die ärztliche Begleitung beim FVNF eindeutig der erlaubten und gebotenen Hilfe beim Sterben zurechnet. Diese Auffassung teilt auch Dr. Simon: „Die Begleitung eines Patienten beim freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit stellt keine Hilfe zur Selbsttötung dar, sondern gehört zu den Pflichten des Arztes im Rahmen der ärztlichen Sterbebegleitung. Sie steht nicht in Konflikt mit dem in der (Muster-)Berufsordnung zum Ausdruck gebrachten Verbot der ärztlichen Suizidhilfe.“

Der ärztliche Ethos im Spannungsfeld des Patientenwunsches

Immerhin wurden 34 Prozent der Ärzte, die an der Umfrage der Bundesärztekammer teilnahmen, schon um Hilfe beim Suizid gebeten. „Grundsätzlich“, betont Frau Elke Simon, „muss ein Arzt diesen Weg respektieren. Das ist nicht jedem mit dem eigenen Verständnis für die Aufgabe eines Arztes möglich.“ Die Umfrage bringt ans Tageslicht, dass die Mehrheit der Ärzte (62 Prozent) gegen eine Legalisierung des ärztlich begleiteten Suizids ist und 53 Prozent die Legalisierung als Belastung empfinden würden. Allerdings wurde in der Umfrage nicht unterteilt nach den unterschiedlichen Methoden des ärztlichen Beistands.

Der Wert des Patientenwunsches

Auch das Pflegeteam muss sich darauf einlassen. In dem Buch „Ausweg am Lebensende“ beschreiben die Autoren Chabot und Walther beispielhaft vier Fälle von Menschen, die den Weg des FVNF gegangen sind. Eine Frau hatte aufgrund von nicht ausreichender Mundpflege schmerzhafte Blasen im Mund. Die Autoren folgern aus dem Protokoll zu diesem Fall, dass es dem Pflegeteam anscheinend schwer fiel, jemanden zu betreuen, der sterben wollte, ohne an einer tödlichen Krankheit zu leiden. Frau Simon berichtet auch, dass sich Pflegeeinrichtungen mitunter weigern, den Willen des Patienten anzuerkennen und eine künstliche Ernährung empfehlen. „Da spielt eine Rolle, dass es heißen könnte: Ihr seid die, bei denen die Bewohner verhungern!“, erklärt sie das strittige Vorgehen.

Und auch Dr. Alfred Simon sagt, dass sich einige Häuser nicht trauen, den möglichen Spielraum – vor allem im Zusammenspiel mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung – auszuloten und auszuschöpfen. „Doch“, so Dr. Simon weiter, „es setzt ein Umdenken ein, das den Willen des Patienten als bindend anerkennt.“ Ein Umdenken und ein konstruktiver Austausch scheinen auch weiterhin dringend nötig, denn die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich Lockerungen bei der „passiven Sterbehilfe“, um ein selbstbestimmtes Leben wenn nötig auch selbstbestimmt beenden zu können.

194 Wertungen (4.73 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

22 Kommentare:

Heilpraktikerin

@#21 Arzt: Nun, der Ausdruck “Tabubruch” bezog sich auf den Artikel, nicht auf ärztliches Handeln (s. unten).
Ist es nicht immer noch ein gesellschaftliches No-go, Suizid offen zu benennen und zu thematisieren? Weder in Zeitungsartikeln, noch in Todesanzeigen, noch auf Beerdigungen wird darüber gesprochen (Suizid ist “ansteckend”). Mich persönlich macht das Leid, das dieser Handlung vorausgegangen sein muss immer wieder sehr betroffen.
Gerade deshalb: Respekt für die Thematisierung.
MfG
Simone Pfaue
Heilpraktikerin für Psychotherapie

#22 |
  0
Arzt
Arzt

Auch wenn das Wort Tabubruch hier dauernd schulterklopfend wiederholt wird,
kann ich einen solchen nicht so recht erkennen.
Niemand ist gezwungen einen Arzt zu holen, wenn er nicht mehr essen und trinken will.

#21 |
  3
Heilpraktikerin

@Patrizia: Ja, das mag im ersten Moment verwirrend erscheinen; streng genommen handelt es sich um Suizid, ich denke, den Unterschied macht folgende Nuance aus:
Beim Suizid in jüngeren Jahren ist der Anlass oftmals um ein temporäres krisenhaftes Geschehen, welches subjektiv vom Suizidanten als nicht -bewältigbar erlebt wird. Es handelt sich hierbei in meist/vielen Fällen um seelische Nöte bei körperlicher Gesundheit und einer natürlichen Lebenserwartung von Jahren/Jahrzehnten. Gefordert ist hier oftmals persönliche Weiterentwicklung, der Mut, sich Hilfe zu suchen und die Stärke, schwere Zeiten ertragen zu können.
Und dies sage ich ganz respektvoll.

Beim Vorgang des Sterbefastens wiederum handelt es sich um Menschen, welche -körperlich bedingt- in absehbarer Zeit dem Tode entgegen gehen, und somit um die selbstbestimmte zeitliche Vorwegnahme eines natürlichen Vorgangs…

Vielen Dank für diesen mutigen Artikel, der ja auch einen Tabubruch darstellt! Und ebenso vielen Dank an die Kommentatoren, über eigene persönliche Erfahrungen so offen zu schreiben!

Simone Pfaue
Heilpraktikerin für Psychotherapie

#20 |
  1
Arzt
Arzt

Ich finde es beruhigend, dass bei uns die Mehrheit der Ärzte wie beschrieben,
Sterbehilfe, die vordringlich von den nächsten Angehörigen zu erbringen ist, als Mithilfe zur menschenwürdigem Sterben (schmerzfrei) verstehen und NICHT als aktive Verkürzung des Lebens. Insofern kann ich #16 Patrizia gut verstehen.
Wer damit wirklich beruflich zu tun hat, weis dass solche “Sterbehilfe”, Schmerzfreiheit etc. das Leben NICHT verkürzt, sondern verlängert! Man sollte auch keinen Mensch so einfach verdursten lassen, ebenso wie es ärztliche Tradition ist, “Palliativmedizin” zu betreiben, z.B. einen Darmverschluss durch künstlichen Ausgang zu verhindern, auch wenn damit die Ursache nicht behoben ist. Menschen haben ja oft weniger Angst vor dem Sterben selbst, als vor den damit verbundenen unangenehmen Begleitumständen (Schmerz etc.).
Vom “rechtlichen” Aspekt der aktiven “Lebensbeendigung” durch Andere ganz abgesehen.

mfG

#19 |
  0
Margit
Margit

Ich finde diesen Artikel klasse!

@ Patrizia,
jeder Mensch hat (in meinen Augen) das Recht, selbst zu bestimmen, wenn er nicht mehr leben will.

Und warum sollte man nicht seinem Leben ein Ende setzen dürfen, wenn es für einen selbst nicht mehr lebenswert ist? Ich habe eine Freundin, die im Sterben liegt, nicht mehr essen kann und künstliche Ernährung ablehnt. Allerdings trinkt sie noch. Warum sollte man einen Menschen, der sterben möchte, unnötig quälen, wenn er das nicht möchte?

Diese Geschrei, dass sich Menschen ihren Todeszeitpunkt oder die Art, wie sie sterben möchten, kommt von den christlichen Kirchen. Nach dem Motto: “Man darf Gott nicht ins Handwerk pfuschen”.

#18 |
  0
Gast123
Gast123

@Patrizia #16: Was erwarten Sie vom Leben? Immerzu einfache, schwarz/weiß oder gut/böse-Kategorien?
Dass dieses Thema keine einfache Antwort hat und vielleicht Verwirrung bei Leuten stiftet, die ‘Zivilrecht’ als imperativ für eine ordentliche Lebensführung ansehen kann ich ja verstehen. Aber Verärgerung?

Desweiteren ist auch bei den extremsten Formen der Anorexie nicht der Wunsch vorhanden, sich ‘zu Tode zu hungern’. Das nur nebenbei.

#17 |
  0
Patrizia
Patrizia

Ich bin gleichermaßen verärgert sowie verwirrt über diesen Artikel. Zum einen, weil es hier um Suizid geht. In Deutschland gilt es als Zivilrecht, dass ein jeder Mensch, der Suizid Absichten eines anderen erfährt, entsprechende Behörden zu informieren hat, und der Suizidgefährdete Mensch in psychologische Betreuung übergeben werden.
Zum anderen es geht hier um das Thema sich-zu-tode-hungern als Patientenwunsch. Und gerade dieser wird hier ja soooooo hoch gehalten. Und wie soll man dann bei Anorexie kranken argumentieren?

#16 |
  3
Palliativ-Portal
Palliativ-Portal

Ein sehr guter und wichtiger Artikel. Es ist ganz wichtig, dass die DGP sich hierzu geäußert hat und dieses Thema in Ihren aktuellen Reflexionen mit aufgenommen hat.

Erlauben, dass passieren darf, was passieren wird.

Dr. Cuno
http://www.palliativ-portal.de

#15 |
  0
Dr. med Horst Pöhlmann
Dr. med Horst Pöhlmann

Ein sehr guter Artikel. Wenn ein Mensch seinen Körper verlassen will hat niemand das Recht ihn daran zu hindern. Durch das Fasten könnte es aber auch geschehen, dass er/sie wieder gesund wird. Bekanntlich sterben ja mehr Menschen an Überernährung als am Verhungern. Vom Essen in den meisten Krankenhäusern und Pflegeheimen einmal ganz abgesehen.

#14 |
  1
Gast
Gast

11 war wohl so gemeint: warum reicht das Verweigern von Nahrung und Flüssigkeit an sich als Willenserklärung nicht, warum bedarf es einer Patientenverfügung?

#13 |
  0
Frank Spade
Frank Spade

Danke für diesen gut informierten und aufklärerischen Artikel. Klare Worte, die hoffentlich ihr Ziel, nämlich die Ohren der Ärzte erreichen. Weitere Informationen zu dem Thema sind auf der Website http://www.sterbefasten.de zu finden. Außerdem gibt es eine sehr informative Dokumentation dazu vom Medienprojekt Wuppertal: Sterbefasten – Freiheit zum Tod: http://www.medienprojekt-wuppertal.de/v_184

#12 |
  0
Medizinphysiker

Nur eineinteressante Frage: bedarf es zu dieser Lösung eine Patientenverfügung oder nicht? Etwa im Krankenhaus oder im Pflegeheim?

#11 |
  1
Mitarbeiter Industrie

Bevor Menschen sich vor einen Zug werfen – und damit andere Menschen darunter zu leiden haben- oder auch andere – teils sehr unsichere – Wege wählen, um aus dem Leben zu scheiden, ist die vom Autor angesprochene Methode wenigstens eine “relativ schonende”.
Der Patient kann sich verabschieden und unter ärztlicher Aufsicht (ohne Schmerzen) und selbstbestimmt aus dem Leben scheiden.
Wie beschrieben ist in den ersten Tag ja auch noch eine Umkehr möglich.
Gut finde ich auch, daß ein Team zur Beurteilung herangezogen wird (Arzt, Psychiater, …), so daß auch die “Verantwortung” für die Sterbebegleitung durch den Arzt auf mehrere Schultern verteilt wird.

Abschließend bin ich zwar keineswegs für einen “Suizid” (ich habe mal gelesen, daß bereits jeder Dritte einmal darüber nachgedacht haben soll), aber wenn man sich für einen Weg entscheidet aus dem Leben zu treten, so sollte man dies selbstbestimmt und möglichst ohne “Kolateralschäden” tun.

MfG, M. Schüngel
Manager EM

#10 |
  1
Podologin / Medizinische Fußpflegerin

Herzlichen Danke! Ich habe drei mal das Leid erlebt wo es Suizid hieß.
Die Möglichkeit zu haben ohne diesen Makel, dafür danke ich Ihnen.

#9 |
  0
Bruno Peters
Bruno Peters

Endlich mal ein wirklich,wirklich guter und relevanter Artikel, Danke!

#8 |
  0
Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Ich sehe es in der Tat als ein Tabu an, speziell für den Arzt, einen Menschen AKTIV zu töten, gerade weil er es vielleicht am besten könnte.
Schon seit Hypokrates. Was ist das Verbot der Todesstrafe denn anders als ein Tabu?
Genau wie bei der Todesstrafe ist Fehlurteil und Fehlbeurteilung nicht auszuschließen.
Dort wo das erlaubt ist,
zeigt sich bereits die Entwicklung der ökonomischen Kalkulation und kranke hilfsbedürftige Menschen werden unbestritten GEGEN ihren Willen getötet.
Dazu gibt es für mich kein JA.
Stephen Hawking, Jahrgang 42, der Physik-Nobelpreisträger bekam 1963 ALS, man sagte ihm nur noch wenige Jahre zu leben voraus. Er lebt nur noch, abgesehen von seinem Lebenswillen, weil er wirtschaftlich rel. wohlhabend ist mit aller technisch verfügbaren Hilfe.
Ich fürchte daher die Priorität nicht menschlicher und ökonomischer Argumente.
Deshalb bleibe ich beim Tabu.

mfG

#7 |
  1
Dipl.-Ing. Matthias Seidler
Dipl.-Ing. Matthias Seidler

Danke- keine weiteren Worte- Ihre Kommentare erweitern den Denkhorizont positiv….
Das Leben geht weiter bis zu diesen persönlichen Entscheidungen….

#6 |
  0
Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA)

Respekt an den Autor, finde es sehr gut über ein solches pikantes Thema zu schreiben, dies vor allem in einer solchen Community zu veröffentlichen. Beide Daumen hoch, des weiteren ist es gegenüber einer Variante im Ausland ohne Familie viel besser für die Patienten und Angehörigen.

Tabus sind da um gebrochen zu werden, besonders bei solchen Themen.

#5 |
  0
Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Das Sterben auf Ansage kenne ich auch persönlich,
aber ganz ohne “Verweigerung” von Essen und Trinken. Der Mensch benötigt zum Leben so etwas wie einen Lebenswillen, für mich das größte biologische Geheimnis überhaupt, gerade auch bei Kleinkindern zu beobachten.
Wenn das Erwachsenen zu viel wird, machen sie schon mal ADHS draus …
… es war eine 92-jährige sehr freundliche Tante, die man gegen ihren Willen ins Altersheim gesteckt hat, kein schlechtes Altersheim, ich konnte das nicht beeinflussen. Getrunken hat sie genug, darauf hat man dort geachtet.
Ich hab sie besucht, Sie freute sich darüber, sagte mir aber aus tiefstem Herzen,
dass sie (so) nicht mehr weiter leben wollte.
Am nächsten morgen war sie tot.
Bei Männern, die man ins Altersheim bringt ist das sehr häufig,
weniger als 50% überleben das erste Jahr.
Ein Hinweis auf die Bedeutung der persönlich-menschlichen Umgebung.
In Holland hat eine Frau sich geweigert, ihren Mann wie bisher weiter zu pflegen und ihm gesagt, er müsse (allein) ins Altersheim,
wenn nicht, er hatte das immer abgelehnt,
müsse er halt Tabletten nehmen, was ja in Holland “offiziell” möglich ist.
Er hat dann Tabletten genommen.

#4 |
  0
Heilpraktikerin

Meine Großmutter hatte nach zwei leichteren Schlaganfällen Mitte 70 endlich eingesehen, dass sie nicht mehr berufstätig sein kann und sich mehr um ihren Blutdruck, Gewicht usw. kümmern muss. Sie widmete sich also fortan ihrer Gesundheit und ihrem langjährigen Hobby, der Malerei. Weit über 80 hatte sie dann 1995 offensichtlich genug vom Leben. Sie stellte einfach das Essen und Trinken ein. Mein Vater besprach sich mit den Ärzten und kam mit ihnen überein, dass man ihr ihren Willen lassen wollte. Und dann ging sie einfach. In Würde und selbstbestimmt schlief sie friedlich ein. Ich persönlich bin der Meinung, wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat, ist das eine schlichtweg natürliche Form, zu gehen. Es ist in meinen Augen in diesem Fall kein Suizid, sondern das aussetzende Interesse an Essen und Trinken bildet einen Teil des natürlichen Sterbeprozesses. Es mag sein, dass manche Menschen “einfach so” sterben (z.B. im Schlaf), ohne “Vorankündigung”, ohne krank zu sein, und ohne vorher Essen und Trinken eingestellt zu haben. Bei anderen dauert der Prozess eben ein wenig länger.

#3 |
  0
Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Was haben “die betreuenden Ärzte” damit zu tun?
Auch “Sterben” einschließlich Suizid ist nicht verboten,
sollte aber menschenwürdig sein.
Verdursten gehört eigentlich nicht dazu, auch nicht mit “ärztlicher Hilfe”,
welche denn?
Die alten Römer haben sich dazu übrigens ins warme Bad gelegt und sich selbst die Pulsader aufgeschnitten, in Anwesenheit der Angehörigen.
Der “Wille” des Patienten ist so eine Sache.
Wer einmal auf einer Vergiftungsstation gearbeitet hat (>90% Suizid-Versuche),
weis, wie schnell der sich ändert.
mfG

#2 |
  0
dr.pharm Rita Marusic-bubenhofer
dr.pharm Rita Marusic-bubenhofer

mein Vater tat es, meine Tante machte es, Vorbildlich bis zum letzten Atemzug,
danke für das Tabubrechen.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: