Pharmaziestudium: Inhalte unter Denkmalschutz

11. Juni 2014
Teilen

Analytische und präparative Praktika prägen nach wie vor den Alltag von Studierenden. Jetzt fordern sie eine Verlängerung der Ausbildungsdauer, um mehr Kompetenzen für Jobs in öffentlichen Apotheken zu erwerben. Von der Leitbilddiskussion brauchen sie nichts zu erwarten.

Ein hart umkämpftes Feld: Mit ihrem Wissen rund um Arzneimittel stehen Apotheker nicht alleine da. Delegierte des Ärztetags 2014 forderten, Arzneimitteltherapiesicherheitsprüfung sei eine „genuin ärztliche Aufgabe“. Ähnliche Kompetenzrangeleien führten beim Test von ARMIN, der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen, immer wieder zu Verzögerungen. Eine wissenschaftliche Studie gibt neue Einblicke, offenbart aber auch etlichen Nachholbedarf.

Unterschiedliche Kompetenzen

Dazu befragte Carolina J.P.W. Keijsers vom Jeroen Bosch Hospital im niederländischen ‘s-Hertogenbosch 451 Medizin- und 151 Pharmaziestudenten. Rund 81 Prozent nahmen an Interviews teil, um ihre Kompetenzen überprüfen zu lassen. Schwerpunkte der standardisierten Tests waren drei thematische Hauptgruppen. Dazu gehörten Kenntnisse in Pharmakologie, klinischer oder angewandter Pharmazie und Pharmakotherapie. Hinzu kamen speziellere Themen, nämlich Pharmakodynamik, Pharmakokinetik, Interaktionen beziehungsweise Nebenwirkungen, das anatomisch-therapeutisch-chemische Klassifikationssystem (ATC), Verschreibungen inklusive Rezepten für besondere Patientengruppen, Arzneimittelinformationen sowie gesetzliche Regelungen. Angehende Apotheker schnitten im Vergleich zu angehenden Ärzten etwas besser in der Pharmakologie ab (77,0 versus 68,2 Prozent richtige Aussagen). Andererseits stellten Medizinstudenten im Vergleich zu Pharmaziestudenten Rezepte häufiger formal korrekt aus (68,6 versus 50,7 Prozent). Bei Fragen zur angewandten Pharmakologie gab es keine nennenswerten Unterschiede (73,8 versus 72,2 Prozent). Aus entsprechenden Resultaten folgert Keijsers: „Pharmaziestudenten haben im Vergleich zu Medizinstudenten bessere Kenntnisse der grundlegenden Pharmakologie, aber nicht in der Anwendung.“ Mögliche Ursachen sieht sie im Grundstudium. Ihr Fazit: „Das Wissen über diese Unterschiede könnte genutzt werden, um eine gemeinsame interdisziplinäre Ausbildung zu entwickeln.“

Nur keine Reformen

Kein Einzelfall: Auch in Deutschland besteht Handlungsbedarf, speziell bei der Pharmazie. Zwar arbeitet die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände an einem Leitbild. Am 25. Juni soll von Mitgliedsorganisationen das Papier „Apotheke 2030 – Perspektiven zur pharmazeutischen Versorgung in Deutschland“ abgesegnet werden. Aspekte rund um die Ausbildung kamen zumindest in der öffentlichen Diskussionsgrundlage kaum vor. Als „derzeit einzige Institution, deren Mitglieder sich täglich mit der pharmazeutischen Ausbildung beschäftigen“, übt der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) Kritik am Zukunftskonzept. „Die Weiterentwicklung der Ausbildung hätte im Leitbild konkreter verankert werden müssen“, heißt es in einem offenen Brief. Unter anderem lasen Kollegen im Entwurf, die Kompetenz öffentlicher Apotheken gründe sich auf der hohen Qualifikation ihres Personals. Für Approbierte, speziell für Inhaber, gehe eine hohe Mitverantwortlichkeit für die Ausbildung einher. Allerdings, so der BPhD, fehle „schlichtweg die Feststellung, dass die derzeitige Ausbildung bereits jetzt einen hohen Bedarf zur Weiterentwicklung besitzt.“ Eine Anpassung von Studienzeiten sucht man im ABDA-Papier jedoch vergebens. Das gefällt Studierenden gar nicht: „Viel zu wenig entwickelt ist für Jungapprobierte das Wissen um die Bedeutung der öffentlichen Apotheke, etwa in Bezug auf den Patienten“, und „viel zu wenig Zeit bleibt im Studium dafür, diese Erkenntnis eigenständig zu entwickeln“. Ebenso fehle Zeit, um „das durch die Hochschulen vermittelte Wissen adäquat aufzubereiten und für die Anwendung in der öffentlichen Apotheke zu optimieren.“ Bereits heute seien Unis nicht mehr in der Lage, die in der Approbationsordnung verankerten Grundlagen innerhalb von acht Semestern zu vermitteln.

Mehr Zeit oder weniger Ballast?

Mit ihrem Vorschlag, das Pharmaziestudium auszuweiten, stößt der BPhD nicht nur auf Gegenliebe. Mittlerweile haben sich in Fachkreisen zwei Lager gebildet: Ein Teil aller Kollegen fordert, weiterhin grundlegende Prinzipien zu lehren, beispielsweise pharmazeutische Chemie inklusive hoher Durchfallquoten bei Klausuren. Pharmazie solle eine Wissenschaft bleiben – und nicht zur Fachausbildung verkommen, so ihre Argumentation. Die Konkurrenz schläft nicht: Auch bei PTA ist von längeren Ausbildungszeiten die Rede, auch ein Fachhochschulstudium scheint nicht abwegig zu sein. Dem gegenüber stehen Apotheker mit ihrer Sorge, eine Studienzeit-Verlängerung führe nur zur weiteren Vertiefung theoretischer Inhalte – ohne erkennbaren Mehrwert für spätere Jobs in öffentliche Apotheken. Tatsache ist, dass rund 80 Prozent aller angehenden Apotheker später in der Offizin arbeiten werden. Bereits heute fehlen Approbierte auf dem Arbeitsmarkt, und so mancher Chef hat Mühe, Nachfolger oder Filialleiter zu finden.

Neue Bahnen statt eingefahrener Gleise

Nachbarländer mit ähnlichen Schwierigkeiten haben längst reagiert. Beispielsweise setzt Frankreich auf theoretische und praktische Basismodule, die insgesamt vier Jahre in Anspruch nehmen. Nach dem zweiten Abschnitt entscheiden sich Jugendliche für ihr späteres Tätigkeitsfeld: Offizin, Industrie, Krankenhaus oder universitäre Forschung. Ohne Spezialisierung könne auch die Pharmazie nicht funktionieren, argumentieren Kollegen der „Grande Nation“.

40 Wertungen (4.83 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

12 Kommentare:

Gast
Gast

Ja, verbessern könnte man viel, wenn man denn wollte. Ich fand es immer schade wie ineffizient die Pharmazie ist … Ein definiertes Curriculum abarbeiten heißt ja noch lange nicht, dies auch zu können. Ich versuche dies mal anhand von ein paar Beispielen klar zu machen:

a) Warum ist man die Hälfte der Zeit in fast jedem Praktikum damit beschäftigt, auf Geräte- und Chemiekalienschnitzeljagd zu gehen? Hier geht enorm viel Zeit für nichts drauf …
b) Warum wird man zT von inkompetenten Assistenten mit Gottkomplex betreut, wenn ein kooperatives und respektvolles Klima so viel mehr bringt?
c) Warum lernt man in einem Studium, welches mit “Pharm-” anfängt erst in den letzten beiden Semestern etwas über Pharmakologie und deren Therapie?
d) Warum hockt man 40-50 Stunden die Woche in der Uni und warum wundert “man” sich dann, dass die Leute in der Theorie so schwach sind? (Nach nem 10 Stunden Tag – davon 6Std im Labor – hat kein normaler Mensch mehr Lust zu lernen)
e) Warum versucht man in den Praktika TA´s auszubilden? Anders kann ich mir nicht erklären, warum man immer wieder die praktisch gleichen Versuche macht …
f) Auch ein schönes Beispiel: Die Lehre im Grundstudium geht an der Realität des ersten Examen zT vollkommen vorbei. ZB in der Biologie ohne Ende Strukturformeln auswendig gelernt mit Nachweisen –> Fast null Prüfungsrelevanz (und auch null Relevanz für alles Andere!!!) … absolutes Armutszeugnis

Was scheinbar auch total igonriert wird, ist die Tatsache, dass sich das Wissen in einzelnen Gebieten zT im 2-3-Jahres-Takt verdoppelt. Wie man angesichts dieser Tatsache noch davon ausgehen kann, als Generalist einen Blumentopf gewinnen zu können, erschließt sich mir nicht. Halbwissen ist das gleiche wie Unwissen – wie sagte mal einer meiner Dozenten in der Pharmazie “Hier laufen jede Menge Schlauschnacker rum” – Recht hatte er, wie ich immer wieder feststellen musste. An dieser Stelle Man siehts doch auch gut an der Ärzteschaft, da gibts nen Facharzt für alles Mögliche …

2 Semester mehr wären schon ein guter Anfang, die Regelstudienzeit hält ja eh kaum jemand ein. Bloß sollte man diese 2 Semester mit nicht noch mehr Schwachsinn vollstopfen sondern Fächern, die für das Groß der Studenten auch “praxisrelevant” sind – oder man bietet mehr Wahlmöglichkeiten wie in einem modularisierten Studium an.

Aber gut alles Klagen nützt nichts, auch hier legt man es scheinbar drauf an “die Rechnung” fürs Nichtstun präsentiert zu bekommen (Beispiel: Aktueller Ärztetag: “Medikationsmanagement ist eine genuin ärztliche Tätigkeit” … fertig … Chancen Jahrzehnte (!) lang verschlafen)

#12 |
  0
Gast
Gast

Ich studiere Pharmazie und kann den Forderungen, das Studium zu verlängern nur zustimmen. 2 Semester länger und man hätte während des Studiums mehr Zeit das gelernte zu verarbeiten. Natürlich könnte man auch vieles unnötige Streichen. Vieles was man auswendig lernt, wird man später vergessen haben oder sicherheitshalber noch einmal nachschlagen. Wieso muss ich die Strukturformeln der Arzneien auswendig kennen? Wichtiger ist doch, anhand der vorliegenden Struktur schlüsse auf die Wirkung zu ziehen. Das Verständnis sollte im Vordergrund stehen, nicht das stumpfe reinkloppen von Informationen. Natürlich muss man auch vieles Wissen, wie Stoffwechselwege oder funktionelle Gruppen und deren Eigenschaften. Einfach um daraus andere Dinge herzuleiten, aber es ist weitaus weniger als derzeit von vielen Professoren gefordert wird. Auch moderne Ansätze den Apotheker in die Therapie einzubeziehen sollte fest im Lehrplan verankert werden, mehr Vorlesungen zur Pharmakologie und klninischer Pharmazie wären eine Bereicherung.

Das Problem dabei ist auch, dass man sich nur um die Fächer kümmert, in denen es eine Klausur gibt bzw. ein Praktikum. Alles andere muss in den Semesterferien nachbereitet werden, wenn denn überhaupt..innerhalb des Semesters eigentlich unmöglich. Auch würde ich gerne einen Sprachkurs machen, aber dafür fehlt einfach die Zeit, was ich wirklich als sehr schade empfinde.

Manche Studenten müssen nebenher arbeiten. Wer BaföG bekommt, hat zudem noch den Druck, das Studium in Regelzeit zu schaffen. Studenten aus ärmeren Familien haben es damit doppelt schwer.

Ich mag mein Studium wirklich, es macht mir viel Spaß. Aber es verlangt auch viel Kraft ab. Bei uns hatten Studenten schon viele stressbedingte Erkrankungen, gerade im Grundstudium, wo man immer wieder die Gefahr des “trocknens” im Nacken hat. Man steht andauernd unter Strom, ist oft gereizt und das soziale Umfeld bekommt das natürlich auch zu spühren. Schön ist dann aber auch, wenn man mit anderen Studenten verglichen wird “Ihr könnt ja auch immer Ausschlafen”, “Ihr wisst gar nicht was arbeit bedeutet” oder man in der Bahn andere Studenten reden hört “ja, heute hab ich von 9 Uhr morgens bis 16 Uhr Uni, das wird nen ganz schön harter Tag”.

Zudem Frage ich mich, wie das Semesterpensum berechnet wurde. Ich habe während des Semesters eine Präsenzzeit von 35 bis 40 Stunden. Ohne Mittagspause, wirklich nur die Stunden Vorlesung + Labor. Ohne Vorbereitung, Nachbereitung, Lernen. Rechne ich pro Vorlesungsstunde noch 2 Stunden Nachbereitung + halbe Stunde Vorbereitung/Nachbereitung pro Praktikumsstunde hinzu, komme ich auf: 75h.
Natürlich absoluter Humbug, deshalb werden die Vorlesungen auch Stiefmütterlich behandelt und man schlängelt sich mit Halbwissen irgendwie durch.

Ich finde das absolut unsinnig und würde lieber 2 Semester länger studieren, aber mich dann besser mit dem Stoff auseinandersetzen können, was für das Berufsleben wünschenswerter ist.

Für die zukünftigen Pharmaziestundenten kann ich mir nur hoffen, dass das Studium umstrukturiert wird.

#11 |
  0
Annemarie Lippert
Annemarie Lippert

Die breiten Grundlangen sind gerade ein Vorteil der Pharmazie, zumal man im Grundstudium in der Regel noch nicht weiß, wohin es einen mal verschlägt. Damals haben mir die Chemiepraktika beim Grundlagen verstehen geholfen, heute (bin als Doktorandin in der Biologie unterwegs, Bereich Naturstoffe aus Zellkulturen) nutze ich auch das Wissen einschließlich der im Studium verhaßten instrumentellen Analytik. Zumal der Chemiekram wesentlich mehr ist als “Nachweise, die man in der Apotheke sowieso nicht braucht”. Er vermittelt Verständnis, das später auch hilft, Inkompatibilitäten und zu erkennen oder die Stabilität eines Arzneistoffs einzuschätzen. Klar braucht man daas nicht jeden Tag, aber manchmal eben doch. Für Drogenkunde und dergleichen gilt das analog. Und wie will man sich bitteschön im Laufe des Berufslebens spezialisieren, wenn man deutliche Lücken bei den Grundlagen hat? Die hohen Durchfallquoten gerade in Chemie hatten zumindest in meinem Hallenser Jahrgang eher etwas mit den Voraussetzungeen aus der Schule zu tun. Ich hatte mit meinem Chemiegrundkurs keine Probleme, etliche meiner Kommilitonen, zumeist ebenfalls mit sächsischem Abitur, auch nicht. Dagegen sind Kommilitonen vor allem aus bestimmten Bundesländern z.T. auch mit Chemieleistungskurs, die dort zwar tolle Experimente gemacht, aber anscheinend nie eine Reaktionsgleichung aufgestellt oder Bilanz berechnet hatten, reihenweise durchgefallen. Logisch, sowas lernt man nicht in ein paar Wochen, wenn man täglich mit Stoff zugeknallt wird und vor allem erst zwei Wochen vor der ersten Klausur die Altklausuren in die Hand bekommt, die zeigen, was einen ungefähr erwartet. Da wären Eingrupperingstests für die Fächergruppen und Vorbereitungskurse sinnvoll, um die Studenten noch vor Semesterbeginn auf einen einheitlichen Stand zu bringen. Wofür man natürlich ein Bißchen zeitiger wissen muß, ob man einen Platz bekommt.

Generell hatte auch ich den Eindruck, daß man den Stoff auch gut auf fünf Jahre hätte strecken können. Das hätte mehr Zeit für intensiveres Lernen, Blicke über den Tellerrand und vor Allem auch für das Vertiefen bestimmter, besonders interessanter Bereiche gegeben. Wenn man so will, einen Ansatz zur Spezialisierung. Und gerade bei Verlängerung des Hauptstudiums wäre es sicher möglich gewesen, bereits auf apothekenrelevante Themen einzugehen und sich z.B. mit Psychologie/Gesprächsführung oder typischen Beschwerdebildern und Wirkstoffen der Selbstmedikation zu beschäftigen. Und was spricht eigentlich dagegen, in dem Zusammenhang zu den Wirkstoffen auch gleich die häufigsten Handelspräparate kennenzulernen, damit man nicht am Anfang jedes Mal jemanden braucht, der den Wirkstoff, den man geeben möchte, in etwas übersetzt, das auch im Alphabet zu finden ist?

#10 |
  0
Gast
Gast

Ich stehe kurz vor meinem 2. Staatsexamen und wünsche mir nicht weniger Chemie, sondern 1 weiteres Jahr für Pharmako und KliPha. Beide kommt deutlich zu kurz:
KliPha nur Seminare und ein paar kurze Hausarbeiten, in Pharmako haben wir nur ein halbes Semester Praktikum – die andere Hälfte bleibt für die Biologie.
Alle drei Fächer kommen viel zu kurz!
Änderungen in der Studienordnung dauern lange, aber das ist grade der Grund, warum nicht noch länger gewartet werden sollte, sie einzuleiten.

#9 |
  0
Sina Gutknecht
Sina Gutknecht

Gerade mit dem 2. Staatsexamen fertig geworden komme ich zu der Erkenntnis, dass das Hauptstudium viel zu kurz kam und im Grundstudium Inhalte vermittelt wurden in denen ich keinerlei Nutzen sehe. Was nutzt das Ionenlotto im ersten Semester, in dem kaum Arzneibuch-relevante Nachweise durchgeführt werden? Ein Physik-Praktikum ohne jeglichen Bezug zur Pharmazie, wo sich das wunderbar mit der Technologie verknüpfen ließe, das Selbe gilt für physikalische Chemie. Das Einzige was man da lernt ist Protokolle schreiben. Man sollte schon im Grundstudium verstärkt auf unsere späteren Kompetenzen hinarbeiten (Pharmako, Technologie, Klipha und Biopharmazie), dann müsste man nach 8 Semestern nicht in die Apotheke wie das Kaninchen vor die Schlange. Was die Rezeptur und den Handverkauf angeht, ist uns jede frisch gebackene PTA um Längen voraus. Unsere analytischen Fähigkeiten retten uns im Kundengespräch auch nicht. Hier sind die Apothekenleiter gefragt. Nehmt uns nicht als preiswerte Arbeitskraft sondern an die Hand und macht dass aus uns gute Apotheker werden.

#8 |
  0
Elisabeth Thesing-Bleck, Apothekerin Geriatrische Pharmazie
Elisabeth Thesing-Bleck, Apothekerin Geriatrische Pharmazie

Das Pharmazie Studium bietet ein sehr breites naturwissenschaftliches Fundament. Damit können Absolventen in viele spannende Berufsfelder gehen. Nach wie vor wählt die Mehrheit der Absolventen das Tätigkeitsfeld in der öffentlichen Apotheke als ihren zukünftigen beruflichen Schwerpunkt aus. Die Spezialkenntnisse, die in diesem Tätigkeitsfeld benötigt werden, werden derzeit überwiegend erst durch das praktische Jahr vermittelt. Die Ausbildung geschieht hier in erster Linie durch „Trainig on the Job“. Dieses wird aber von den Apothekerkammern durch theoretische Bausteine flankiert.

Änderungen in der Studienordnung dauern erfahrungsgemäß lange und sind schwierig durchzusetzen. Deutlich einfacher und in kürzerer Zeit zu verändern sind die Ausbildungsinhalte im praktischen Jahr. Ich plädiere daher für eine pragmatische Vorgehensweise und zunächst Veränderungen in der Ausbildung während des praktischen Jahres an zu streben. Veränderungen dort vorzunehmen wo sie möglichst schnell „auf dem kleine Dienstweg“ umgesetzt werden können, ist zielführender als ein langer Marsch durch die Institutionen des Bildungswesen.

#7 |
  0

@ Christopher Kunzner

… Anscheinend haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht. Das ist sehr schade. So wie sie es schildern ist es nicht immer und nicht überall, vielleicht ist es ja auch schon eine Zeit her. Ich kenne keine selbstherrliche Kollegen, die Durchfallquoten anordnen, ganz im Gegenteil. Die Universitäten werden heute an Leistungskriterien gemessen und dazu gehören auch die Verhältnisse zwischen Anfängerzahlen und Absolventenzahlen. Viele Probleme entstehen aber in den ersten Semestern, weil die Naturwissenschaften in der Schule im rennen um den Numerus-Clausus oft abgewählt werden, weshalb es dann am Anfang des Studiums zu Problemen kommt.
Nun kann man natürlich fordern, schafft das womit wir Probleme aben doch einfach ab! Braucht man das denn später ? Ich meine ja, denn man möchte doch Arzneimittelfachmann sein und etwas von den Arzneimitteln verstehen. Dazu gehören eben Kenntnisse der Chemie der Arznei-, Hilfs- und Schadstoffe, sowie deren Synthese, Analytik und die Herstellung von Arzneimitteln.
Was bleibt denn noch, wenn Apothekerinnen und Apother nicht mehr verstehen, was ein ß-Lactam, ein Phenol oder ein Cyanid ist. Was sind eigentlich Phosphorsäureester und wie könnte man die in einer pflanzlichen Droge nachweisen.
ich kann mich Andreas Heckmann nur anschließen – die Forderung nach mehr Beratungskompetenz für die Apotheke ist berechtigt – aber das darf nicht zu Lasten der anderen Bereiche gehen, denn wir haben unser Alleinstellungsmerkmal in der Entwicklung und Herstellung und in der ordnungsgemäßen Versorgung (dazu gehört auch die Prüfung der Qualität) der Bevölkerung mit Arzneimitteln und nicht in AMTS oder Beratung alleine. Man braucht doch bloß die Meinung der Ärzte nach dem Fachmann für Arzneimittelberatung und Arzneimitteltherapiesicherheit einzuholen und schon weiss man wo es hinführen kann, wenn wir alles aufgeben, was Pharmazie ausgemacht hat. Chemiker, Biologen, Biotechnologen, Verfahrenstechniker etc. warten schon auf unsere Jobs in der Industrie.

#6 |
  0
Gast
Gast

Nur !!! 4 Jahre Uni. So lange braucht man auch im Schnitt für eine Lehre, z.B. wenn man Malermeister werden will. Das ist doch nicht zu lang!
Eine zu rasche Aufspaltung und Entscheidung für eine Fachrichtung bringt gut spezialisierte Fachidioten hervor, siehe USA.
Na klar bin ich froh, dass ich selbst heute keine Pillen mehr drehen muss. Aber ich hatte schon Apotheker als Vertretung in meiner Apotheke, die nicht imstande waren, Augentropfen zu berechnen oder Kapseln zu füllen, Drogenkenntnisse auch gleich null. Zum Glück konnten immer meine tüchtigen PTAs einspringen.
Peinlich für die Apotheker.

#5 |
  0
Andreas Heckmann
Andreas Heckmann

Alles hat Vor- und Nachteile. Wir hatten an unserer Universität in Düsseldorf vor kurzem ein Internationales Seminar mit Studenten aus den USA. Sie berichteten von Ihrem spezialisierten Modell (Sehr stark auf einen Fachbereich beschränkt). Ohne Zweifel, die Amerikaner sind uns in der Schulmedizinischen Pharmazeutischen Betreuung weit überlegen. Aber in allen anderen Bereichen (Chemie, Analytik, Biologie, Technologie) weit unterlegen! Zu wem soll eine Mutter hingehen, wenn ihr Kind irgendwelche Beeren gegessen hat? Wer kann die Pflanze außer dem Apotheker noch bestimmen und ein evtl. Antidot empfehlen? Allgemein, Wer berät in den Biogenen Arzneistoffen? Oder ein andrer Bereich: So wie es in dem Vortrag rauskam, verlassen sich die Amerikaner zu 100% auf ihre Firmen und prüfen ihre Arzneimittel nicht analytisch (Sie können es nicht).
Ein breites Studium ist ein Segen und das in 4 Jahren (man ist dann normal ca. 22 Jahre). Wer danach mehr aus sich machen will, der macht sein Diplom, eine Promotion und seinen Fachapotheker UND wird im Durchschnitt immer noch jünger sein als ein normaler Absolvent in den USA (die sind im Durchschnitt 27+).
Gruß Andreas H. (nur so am Rande die verdienen zwischen 80.000 und 120.000$ im Jahr… das ist 3-4x mehr als wir + weniger Steuer)

#4 |
  0
Christopher Kunzer
Christopher Kunzer

Erwähnenswert wäre das selbstherrliche Verhalten der Professoren und ihrer Doktoranten.Es kann nicht sein, dass Erstsemester mit 35 Leuten anfangen und nur 6 ins 2.Semester einziehen.Es soll mir niemand erzählen , dass bei bestehendem nc , die Studenten zu dumm sind.Mann sollte an der Uni mal hinterfragen, warum das so ist.Pharmazie gilt bei den Abiturienten mittlerweile als Horrorstudium, da nützen auch die guten Berufaussichten nix.

#3 |
  0
Apotheker

Komich, dass andere Länder schneller und schlauer als wir sind. Das Studium muss dringernd reformiert werden. Diese unzähligen Analysen bringen NULL für die Arbeit in der Apotheke. Und der zukünftge Landapotheker macht das gleiche wie derjeniege, der mal in die Industrie will

#2 |
  0

Wenn es doch so einfach wäre. Ein Grossteil derjenigen, die heute ein Pharmaziestudium aufnehmen, machen das nicht um in der Offizin zu arbeiten. Natürlich sieht das am Ende dann anders aus, dafür ist die Arbeitslosigkeit unter den Pharmazeuten sehr gering. Flexibilität schafft Arbeit.
Natürlich können junge Approbierte noch nicht alles, wenn Sie von der Uni kommen, das gilt aber für alle Bereiche der Pharmazie und dafür gibt es die Weiterbildung, die übrigens gar nicht so viele machen, wie man denkt.
Wenn es eine Spezialisierung im Studium gäbe, dann würde so mancher Student eher den Industriezweig wählen. Vielleicht sollte man mal über eine bessere Bezahlung in öffentlichen Apotheken nachdenken.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: