Heuschnupfen am Steuer: Riskante Reise

13. Juni 2014
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Nicht nur Medikamente beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit, sondern auch Symptome einer allergischen Rhinitis. Das fanden Forscher heraus. Die gute Nachricht: Durch eine Pharmakotherapie mit modernen Präparaten sinken Risiken wieder auf ein normales Maß.

Sommerzeit – Pollenzeit: Für viele Allergiker gehören Sekretion respektive Obstruktion der Nase, Pruritus, Konjunktivitis und Müdigkeit zum gewohnten Krankheitsbild. Wer auf eine moderne Pharmakotherapie verzichtet, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere Menschen, so das Resümee einer Arbeit.

Riskante Reise

Dr. Eric Vuurmann, Psychologe an der Universität Maastricht veröffentlichte jetzt Ergebnisse seiner Studie zur Fahrtüchtigkeit von Allergikern. Dazu ließ er 19 Patienten außerhalb der Pollensaison einen Fahrtest mit zeitgleichem Gedächtnistest absolvieren. Vuurmann hatte zuvor eine Kamera auf dem Autodach montieren lassen, um Abweichungen von der Fahrbahn zu detektieren. Probanden erhielten zur Provokation standardisierte Präparate mit 10.000 Biological Units (BU) Allergen pro Milliliter. Sie wurden im weiteren Verlauf mit 27.5 μg Fluticasonfuroat, 10,0 mg Cetirizin oder Placebo behandelt. Als Test diente ein spezieller Parcours, der schon bei Studien zur Wirkung von sedierenden Pharmaka oder Alkohol zum Einsatz kam.

Effekt wie 0,5 Promille Alkohol

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass unbehandelte Allergiker ähnlich stark von der Fahrspur abweichen, wie dies bei einem Blutalkoholgehalt von 0,5 Promille der Fall wäre. Wer ein kortikoidhaltiges Nasenspray oder ein Antihistaminikum erhalten hatte, lenkte sein Fahrzeug so sicher wie ohne Allergengabe. Allerdings zeigte Cetirizin beim zeitgleichen Gedächtnistest sedierende Effekte. Jeder hundertste Patient hat mit Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Benommenheit zu kämpfen. Neuere Wirkstoffe wurden nicht getestet. Die Autoren appellieren an Ärzte und Apotheker, Kraftfahrer von der Wichtigkeit ihrer Medikation zu überzeugen. Zwar hinkt der Vergleich von Allergie und Blutalkohol vom biochemischen Mechanismus her – plakativ ist er für Patienten im Beratungsgespräche allemal.

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