PJ-Aufwandsentschädigung: Viele gehen leer aus

4. Juni 2014
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Eine bundesweite Erhebung des Hartmannbundes ergab, dass Medizinstudenten im PJ an jedem sechsten Lehrkrankenhaus in Deutschland keine Aufwandsentschädigung erhalten. Mit der Erhebung möchte der Hartmannbund die Verantwortlichen wachrütteln.

Demnach gingen an 111 von 691 Universitätskliniken und Lehrkrankenhäusern Medizinstudierende leer aus. Gut die Hälfte der Krankenhäuser zahle zwischen 201 und 400 Euro im Monat. Und nur 56 Häuser zahlten den BAföG-Höchstsatz von 597 Euro und mehr. „Spitzenreiter“ sei die Charité Berlin, von deren 43 Lehrkrankenhäusern 30 nicht zahlen würden, gefolgt von der Universität Hamburg mit 15 „Nichtzahlern“ und dem Freistaat Bayern, wo ein Drittel der Lehrkrankenhäuser keine Aufwandsentschädigung zahle – unter diesen alle fünf Unikliniken.

„Dieses Ergebnis ist ernüchternd“, bilanziert Theodor Uden, Vorsitzender der Medizinstudierenden im Hartmannbund. „Wenn man bedenkt, dass die PJ-Studierenden die Abläufe der Kliniken und Stationen maßgeblich unterstützen, stimmen uns die aktuell vorliegenden Ergebnisse nachdenklich und wir hoffen, die Verantwortlichen mit unserer Liste wachzurütteln.“

Die bundesweite Übersicht der PJ-Aufwandsentschädigung entstand 2013 in mehreren Schritten. Der Startschuss fiel mit einer Umfrage unter den PJ-Studierenden des Hartmannbundes zur Höhe der Aufwandsentschädigung sowie zu den Tätigkeiten im PJ. An dieser hätten, so der Hartmannbund, rund 1.500 Studierende teilgenommen. Von diesen empfanden sich ca. 90 Prozent während ihres PJs als Vollzeitkräfte und mehr als 50 Prozent der Befragten seien acht bis zehn Stunden und mehr im Einsatz gewesen. Zu den Tätigkeiten zählten, nach Angaben der Studierenden, mehrheitlich ärztliche Aufgaben wie das Schreiben von Arztbriefen, die Visite, Assistenz bei Operationen, das Verabreichen von Medikamenten oder die eigenständige Betreuung von Patienten.

„Instrument zur Transparenz“

Im zweiten Rechercheschritt schrieben die Verantwortlichen alle Universitätskliniken und Lehrkrankenhäuser an, um die vorliegenden Daten zur Aufwandsentschädigung zu ergänzen. Am Ende stünde eine Liste mit Daten von 617 der insgesamt 691 Universitätskliniken und Lehrkrankenhäuser. „Die 74 Lehrkrankenhäuser, von denen wir keine Angaben haben, aber auch alle anderen Kliniken können fehlende Daten bei uns einreichen, ergänzen oder aktualisieren“, wollen Uden und seine Mitstreiter aus dem Ausschuss der Medizinstudierenden die Übersicht des Hartmannbundes offen gestalten. „Wir sehen die vorhandene Liste nicht als Brand-Liste, sondern als ein Instrument zur Transparenz.“

Am Ende solle eine bundesweit einheitliche PJ-Aufwandsentschädigung von monatlich 597 Euro stehen, die der Hartmannbund bereits seit zwei Jahren fordere. „Die Zeiten, in denen Studierende im PJ als kostenlose oder kostengünstige Vollzeitkräfte vereinnahmt werden, müssen der Vergangenheit angehören“, so Uden. Die Erhebung des Hartmannbundes belege, dass PJ-Studierende qualitativ hochwertige Arbeit leisteten. Dadurch entlasteten sie nicht nur die Ärzte, sondern seien auch in der Personalplanung häufig als fester Bestandteil eingeplant. Angesichts dieser Situation sei es fair und konsequent, den Studierenden eine angemessene Aufwandsentschädigung zu zahlen. Gleichzeitig sprächen sich die Medizinstudierenden des Hartmannbundes gegen die Forderung des 116. Deutschen Ärztetages nach einer Öffnung des BAföG-Höchstsatzes von monatlich 597 Euro nach oben aus. „Es wäre doch schon eine riesen Sache, wenn alle Lehrkrankenhäuser, die nichts zahlen, eine PJ-Aufwandsentschädigung einführen“, so Uden, der die DÄT-Empfehlung für überzogen hält. Und wenn sich in einem nächsten Schritt alle Lehrkrankenhäuser für monatlich 597 Euro entschieden, hätten die Studierenden einen entscheidenden Sieg errungen.

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