ARMIN: Die dunkle Seite des Projekts

6. Juni 2014
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Mit dem ABDA-KBV-Modell, in Testregionen jetzt als ARMIN bekannt, wollen Apotheker ein modernes Versorgungskonzept umsetzen. Jenseits aller Theorien schwimmen Verantwortlichen die Felle davon – und Aktionismus macht sich breit.

Wirkstoffverordnung, Medikationskatalog und Medikationsmanagement – so lautet das neue Glaubensbekenntnis der Apothekerschaft. Unter dem Namen ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen) begann das Modellprojekt im April 2014 mit der Einschreibephase. Ab Juli 2014 soll es mit Wirkstoffverordnungen und Medikationskatalogen weitergehen. Doch momentan stehen alle Zeichen auf Sturm.

Sachsen spielt nicht mit

Im östlichen Freistaat ist das Interesse von Ärzten, sich bei ARMIN einzuschreiben, vergleichsweise gering. Das hat mehrere Gründe: Einerseits stehen Hausärzte dem Projekt ablehnend gegenüber, andererseits gibt es technische Probleme. Mitte Mai fehlte noch eine S3C-Schnittstelle. „S3C“ steht für „Selektivvertrag Standard Schnittstelle Consortium“: ein Tool, um Versorgungsstrukturen elektronisch abzubilden. Thüringen hat diese Probleme nicht, auch sind Einschreibequoten für ARMIN höher. Trotzdem sind Mediziner auch hier wenig begeistert.

Apotheker schaffen eigene Realitäten

In diesem gelinde gesprochen wenig kooperativen Klima prescht der Deutsche Apothekerverband (DAV) vor. Wie jetzt bekannt wurde, können Typ-2-Diabetiker, die bei der Techniker Krankenkasse (TK) versichert sind, zwei ausführliche Beratungen zur Medikation beim Apotheker in Anspruch nehmen. Kollegen erhalten pauschal 50 Euro für ihre Leistung. Ein entsprechender Kooperationsvertrag ist unter Dach und Fach – das bundesweit erste Papier zum Medikationsmanagement ohne Ärzte. Auf deren Reaktion darf man jedenfalls gespannt sein.

Medikationsmanagement „nicht eindeutig definiert“

Entsprechende Probleme bestreitet auch Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK) nicht. „Obwohl der Begriff ‚Medikationsmanagement‘ schon heute in Fachkreisen häufig verwendet wird, ist nicht eindeutig definiert, welche Aufgaben und Leistungen damit im Einzelnen verbunden sind“, sagte er bei der Pharmakon Meran. Als ersten Baustein klassifizierte Kiefer die Medikationsanalyse, denn „bevor ein Problem gelöst werden kann, muss es zuerst detailliert erfasst sein.“ Noch in 2014 soll eine Leitlinie zur Qualitätssicherung der Medikationsanalyse entstehen. Schön und gut, nach Jahren der Vorbereitung erstaunen entsprechende Überlegungen aber doch. Bleibt abzuwarten, ob es hier einen reibungslosen Prozess geben wird – das Medikationsmanagement soll 2015 starten.

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1 Kommentar:

Selbstst. Apothekerin

Hier wird wieder viel Luft verpufft , ich erinnere an Barmer Hausapotheke und ähnliche Projekte.

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